Mein ft3-Wert und mein Stoffwechsel waren schon mal deutlich besser, im Moment sind beide gefühlt niedrig und die letzte Messung im Oktober hat einen niedrig-normalen ft3-Wert bestätigt.
Allerdings war gleichzeitig der ft4-Wert im oberen Normalbereich, bei zu niedrigem TSH, weshalb ich dem Rat meines Hausarztes gefolgt bin und seitdem nur noch 88 Mikrogramm Euthyrox nehme, statt wie zuvor 100 Mikrogramm.
Anfang dieses Jahres hatte ich noch 75 Mikrogramm Eferox eingenommen, aufgrund von Beschwerden aber in Absprache mit dem Arzt auf 100 Mikrogramm Euthyrox gesteigert; mein Körper ist an sich recht unempfindlich bzgl. Steigerungen. Warum ich Euthyrox anstelle von Eferox bekommen habe, weiß ich nicht, vermutlich aufgrund von geänderten Rabattverträgen meiner Krankenkasse.
Da sich der Körper wohl bei einem hohen ft4-Wert gegen eine drohende Überfunktion zu schützen versucht, vereinfacht ausgedrückt, wird aus ft4/T4 mehr rt3 anstelle von T3 gebildet. rt3 wiederum konkurriert mit T3 um die Andockstellen in den Zellen. Die Folge ist, dass der ft3 Wert fällt bzw. niedrig ist und es zu Unterfunktionssymptomen kommt.
Das scheint wohl auch bei mir vorzuliegen und leuchtet mir soweit ein, deshalb bin ich bzgl. der Dosisreduzierung auch kooperativ.
Was mich aber stört ist, dass ich weiterhin Unterfunktionssymptome habe, die sich eben auch auf das Gewicht auswirken; störend ist auch die Antriebslosigkeit, das ständige Frieren trotz ausreichend Essen usw. und die Schlafprobleme => in meiner Freizeit schlafe ich wieder 12h+ und werde ums Verrecken nicht wach, wie in besten Unterfunktionszeiten.
Andererseits ging es mir ohne Tabletten früher schlechter, deshalb möchte ich nicht undankbar sein.
Wenn ich es mir frei aussuchen könnte, würde ich ein Kombipräparat aus T4 und T3 testen wollen, weil ich aufgrund der Beschwerden den Verdacht habe, dass mein Körper von sich aus einfach – relativ für meinen Körper betrachtet – zu wenig ft3 bildet, auch wenn der Wert gerade noch in der Norm des Labors liegt.
Problem: Mein Hausarzt ist der Ansicht, dass ich alles in allem gut eingestellt sei (von einer Umwandlungsstörung von T4 zu T3 geht er eh nicht aus, dafür sprach in den Jahren zuvor auch nichts), und ich neige irgendwie bei jedem Besuch dazu, deutlich fitter und munterer zu wirken, als ich bin bzw. mich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren, als die Sachen anzusprechen, die gemäß meines Körpergefühls nicht ok sind, weil ich mir dabei immer sehr dumm & wehleidig vorkomme und nicht wieder anschließend dafür belächelt werden möchte, auch wenn das von Seiten des Arztes nicht böse gemeint ist. So lief es auch im Oktober.
Ehrlich gesagt weiß ich bislang nicht, wie ich ihm meinen Wunsch, zumindest versuchsweise zu einem Kombipräparat wechseln zu wollen, am geschicktesten unterbreite.
Da im neuen Quartal 2020 ohnehin nochmal die aktuellen Blutwerte erhoben werden (also eben der TSH-Wert alleine, wohl aus Budgetgründen), werde ich ft3 und ft4 erneut selbst bezahlen und schauen, wie die Werte konkret sind. Paradoxerweise wäre es für mein Vorhaben gut, wenn ft3 möglichst zu niedrig ist, weil noch normgerechte, niedrige Werte zwar auch Beschwerden auslösen können, aber für Ärzte eben normgerecht und damit gesund sind.
Speziell bei meinem Hausarzt kommt hinzu, dass er erst mein Hausarzt geworden ist, weil meiner Mutter/meinen Eltern meine damalige Essstörung nicht unverborgen geblieben war. Einerseits rechne ich ihm insbesondere aus der Zeit vieles hoch an, was in Kliniken ganz anders (und für mich schlimm) gelaufen wäre; wäre ich in einer Klinik behandelt worden, wäre ich sicher immer noch essgestört; anderes kann ich dagegen nicht vergessen und bin da wohl recht nachtragend bzw. streng.
Kurz gesagt gibt es viel, das für ihn als Arzt spricht, auch menschlich, andererseits bin ich zugegeben skeptisch bzgl. seiner Kompetenz in punkto Schilddrüse; das liegt auch daran, dass ich mir noch vor wenigen Jahren anhören durfte, dass diese und jene Beschwerden nicht an der Schilddrüse liegen könnten. Komischerweise sind diese Beschwerden aber mit der Behandlung der Schilddrüse verschwunden.
Das alles – nicht nur seine Kommentare – hat eben auch dazu beigetragen, dass ich irgendwann in meiner Selbstwahrnehmung völlig verunsichert war und mich bis heute bei Beschwerden, egal wie deutlich, unwillkürlich frage, ob ich mir die nicht bloß einbilde. Letztes Jahr hätte mich das nach Meinung der Chirurgen im Krankenhaus fast mein Leben gekostet und hat mir eine Not-OP eingebracht. => Das wäre es gewesen; manchmal denke ich, dass ich damals einfach hätte liegenbleiben sollen, dann hätte ich es hinter mir gehabt und müsste mich nicht mehr mit dem Leben rumschlagen. Andererseits haben die Ärzte vermutlich übertrieben … So schlimm kam es mir nicht vor.
Hinsichtlich der Kommunikation mit meinem Hausarzt kommt weiter hinzu, dass ich schon damals, als ich aufgrund von Gewichtszunahme und relativ normalen Essens fälschlicherweise als geheilt galt, für meine Familie und Arzt, es irgendwie nicht über’s Herz gebracht habe, ihnen die Wahrheit zu sagen, nämlich dass ich nach wie vor essgestört und von meinem Befinden her schlechter dran war, als vorher.
Zum einen wollte ich sie nicht enttäuschen, zum anderen wäre ich dann wieder kontrolliert worden – es hätten sich wieder Mitmenschen in Privatbereiche meines Lebens eingemischt, die sie imho nichts angingen, weder damals, noch aktuell.
Wenn es eines gibt, das ich zutiefst verabscheue und unerträglich finde, dann ist das Fremdbestimmung auf dem ureigensten Terrain. Egal durch wen und aus welchem Zweck. Gut gemeint kommt in der Hinsicht gleich nach schlecht gemacht.
Mein Hausarzt wiederum fand meine Blutwerte damals am Ende gut, die kleine Schilddrüse mit dem – nach heutigen Erkenntnissen – viel zu hohen TSH nicht weiter erwähnenswert, gleiches galt bzgl. des zuvor während der offiziellen Akutphase der Essstörung zu niedrigen ft3, da man auch bei einer Essstörung einen (zu) niedrigen ft3-Wert haben kann (funktioniert ebenfalls über die Mehrbildung von rt3).
So ist meine Autoimmunerkrankung mit der dadurch primär ausgelösten Schilddrüsenfehlfunktion dann über 10 Jahre unendeckt geblieben … bis sie mein Hausarzt anlässlich einer banalen Routine-OP zufällig festgestellt hat. Meine Werte waren „glücklicherweise“ mal pünktlich zur Blutentnahme auch für dessen Labor zu schlecht und ich gehöre zu denen, deren Antikörperwerte zu hoch sind.
(Es gibt noch die armen Schweine, die zwar Hashimoto haben, aber deren Antikörperwerte nicht erhöht sind, weshalb ihnen die meisten Ärzte nicht glauben bzw. deren Beschwerden für psychisch bedingt halten. … War bei mir auch so, zum Teil, bzw. wird man damit eben von vielen Ärzten nicht ernstgenommen, wenn man sich über Unterfunktionssymptome beklagt. Das liegt fairerweise gesagt auch daran, dass die Beschwerden größtenteils recht unspezifisch sind, auch denen von psychischen Erkrankungen ähneln wie z. B. denen einer Depression und andererseits Ärzte in der Hinsicht schlecht ausgebildet werden.)
Erschwerend in punkto „Kommunikation mit meinem Hausarzt“ kommt hinzu, dass das gesamte Thema Körpergewicht ein Bereich ist, den ich ihm gegenüber eben aufgrund seiner Kenntnis von meiner ehemaligen Magersucht nie thematisiere; ich argwöhne einfach, dass er mich dann wieder für essgestört hält bzw. meine Beschwerden als „essgestörte Denke/Wahrnehmung“, also als (krankhaft) eingebildet, einordnet, wenn ich ihm von meinen Problemen mit den wieder zunehmenden Wassereinlagerungen, dem verquollenen Gesicht bzw. Augenlidern morgens, den schweren, durch das Wasser wabbeligen (an sich aber im Normalzustand straff-muskulösen) Beinen und der für mich anhand meines Essens nicht erklärlichen Gewichtszunahme dieses Jahr erzähle.
Zumal ich – das will ich nicht leugnen – auch mit der Zunahme noch sehr schlank bin, auch weil mein Körperfettanteil niedrig ist und ich von Natur aus relativ „drahtig-zierlich“ gebaut bin.
Das erhöht bei mir aber eher die Hemmungen, über das Thema überhaupt mit anderen zu sprechen, denn als schlanker Mensch hat man in den Augen vieler Menschen bei einer derartigen Gewichtszunahem eh bloß ein absolutes Luxusproblem und kein Recht, sich darüber zu beschweren; manche sind auch schadenfroh. Und aus ärztlicher Sicht muss man eh erstmal im zweistelligen Bereich zunehmen oder übergewichtig sein, damit solche Gewichtszunahmen als pathologisch ernstgenommen werden, so mein persönlicher Eindruck.
Mir ist auch bewusst, dass für viele Menschen eine Gewichtszunahme von 3-4 kg irrelevant ist, egal wie wenig diese durch das Essen erklärbar ist oder nicht. Ich habe diese Zunahme aber, obwohl ich mich essenstechnisch insgesamt einschränke; eigentlich müsste ich abnehmen oder zumindest nicht zunehmen. Und da wären wir wieder beim ft3-Wert und den weiteren Unterfunktionssymptomen, die ich neben dieser Gewichts- und Wassereinlagerungssache habe … .
Ich will auch gar nicht ausschließen, dass es bei mir aktuell auch eine Mischung aus mäßig bis schlecht eingestellter Schilddrüse, generell Stress und Beschwerden durch die Histaminintoleranz sein könnte, aber ich weiß, dass mein Körper Anfang dieses Jahres sehr viel besser funktioniert hat und eben normal auf viel/mittelmäßig/wenig-Essen reagiert hat vom Gewicht her. Wassereinlagerungen waren da auch normal, wenn ich mal salziger gegessen habe, und sind nicht chronisch gewesen bzw. so, dass der Körper die kaum mehr hergibt. Außerdem hatte ich da die anderen Unterfunktionsbeschwerden nicht, die eben auch die Lebensqualität und das Leistungsvermögen deutlich mindern. Ich komme abseits der Arbeit zu fast gar nichts und muss mich selbst für die einfachsten Tätigkeiten erst über Stunden aufraffen und dem Drang widerstehen, gar nicht mehr aufzustehen.
Das alles hatte ich (naiverweise?) gehofft, endgültig hinter mir gelassen zu haben, nachdem ich mal gut eingestellt war mit der Schilddrüse und plötzlich so viel Motivation und Energie im Alltag hatte. Jetzt herrscht (wieder) Antriebslosigkeit und gleichzeitig diese fatale gefühlte Indifferenz dem allen gegenüber, die ab und zu durch ein „luzides Intervall“ durchbrochen wird.
Dass meine Beschwerden an den (neuen) Hilfsstoffen in Euthyrox liegen (die in Eferox nicht enthalten waren), bezweifle ich. Mir ist zumindest nicht bekannt, dass ich auf diese Hilfsstoffe reagieren würde und die Dosis sollte ja sehr gering sein pro Tablette. Selbst bei täglicher Einnahme sollte es insofern keine Probleme geben.