Vom Esel lernen

… heißt Neinsagen lernen. Der Esel ist ein vielfach unterschätztes Tier, von dem man viel lernen kann. Von seiner oft als Charakterdefizit fehlinterpretierten eigenwilligen Art sollte man sich was abschauen.

Obwohl ich eigentlich eher ein Fan von Raubvögeln und -katzen bin, hat mich die Esel-Figur von Schleich im Regal eines gewissen Geschäfts im Urlaub spontan angesprochen und aufgrund einer plötzlichen Welle von Sympathie mit dem Esel habe ich die Figur kurzerhand erstanden.

Ich bin versucht, die Figur in mein Büro zu stellen.^ ^

Kryptonite

Die Zeit vergeht so schnell … .

Derzeit schlage ich mich unverhofft wieder mit meiner Prüfungsangst herum, da die Klausuren für die Fachanwaltsausbildung bevorstehen und ich wie bereits im Examen schon lange vorher beim Lernen blockiert bin, das dann komplett vor mir herschiebe und mich in einem sinnlosen unsichtbaren Kampf mit mir selbst aufreibe, so dass ich bis zu den Prüfungen selbst in gewisser Hinsicht psychisch erschöpft sowie von mir selbst angenervt und enttäuscht bin, außerdem kommt da immer dieses lähmende Ohnmachtsgefühl hinzu. Schlafstörungen könnte ich auch noch ergänzen, aber die habe ich eh chronisch auch in Nicht-Prüfungszeiten. Dass mir kognitiv die ganzen Mechanismen und Gründe für Prokrastination bestens bekannt sind, nützt mir leider wenig.

Dazu kommt der Weggang der Diva, der auch kanzleiintern wieder einiges umgeworfen sowie meinen Kollegen und mir reichlich Zusatzarbeit beschert hat; die Diva wird uns noch zu Ende des Monats endgültig verlassen, nachdem erst der Oktober als Deadline angekündigt war. Ich bin ein Gewohnheitsmensch, brauche lange bis ich mich an Menschen, Abläufe etc. so richtig gewöhnt habe und mag danach weder ständige Änderungen, noch endgültige Abschiede.

Viel Zeit zum Abschiednehmen wird mir nicht bleiben, da der Monat bei mir mit vielen Terminen und immerhin einer Woche Urlaub belegt ist. Im Moment sehne ich mir in dem gefühlten „Teilchaos“ sowas wie eine verlässliche, gute Alltagsroutine herbei, aber das wird noch dauern. Immerhin wird es ohne die Diva und ihre Art bei uns deutlich ruhiger ablaufen. Die Diva hat so ziemlich jeden bei uns regelmäßig gestresst, vermutlich auch sich selbst, und hatte bekanntlich auch so ihre speziellen Launen. Von daher hält sich meine Trauer in Grenzen, aber ein wenig traurig bin ich doch, weil ich sie trotz allem irgendwie gut leiden konnte.

Allerdings scheine ich da bei uns der Einzige zu sein; die meisten sind froh, dass sie geht, und teils auch sauer auf sie, da die Diva eine unnachahmliche Art hat, anderen bis zuletzt menschlich vor den Kopf zu stoßen, ohne es zu merken. Und da sie als (ehemaliger) Chef und Inhaber ganz oben in der Hackordnung steht, sagt es ihr natürlich niemand. Personalführung ist weder die Stärke der Diva, noch von Chef 2. Da gab es schon diverse Situationen der 3. Art. Manches ist hier echt geradezu wie Slapstick, kann man keinem erzählen.

Na ja, ich werde mich schon irgendwie durchschlagen und auch die blöden Klausuren überstehen. Vielleicht komme ich später nach all dem ganzen Kram auch wieder mehr dazu, hier zu schreiben. Außerdem habe ich mir eine Liste gemacht mit all den Dingen, die ich nach all dem mal machen möchte. Mir hilft das mit der Liste immer, um den Impuls, mich vom Lernen abzulenken, zumindest bzgl. einiger Teilbereiche auf null reduzieren zu können (zB bzgl. PC-Spiele). Allerdings bleibt leider noch genug, das mich auch weiterhin vom Lernen abgehalten hat bzw. auf das ich stattdessen ausgewichen bin, um dem Lernen aus dem Weg zu gehen. Mein vernünftiges Ich würde meinem Chillout-Ich dafür gerne in die Fresse hauen, während Letzteres mir zuflüstert, dass ich doch erst mal etwas Schönes machen soll und ja danach noch lernen kann … . Irgendwie muss ich mir mal unabhängig von den anstehenden Klausuren einen sinnvollen Kompromiss zwischen den beiden überlegen.

Mein Lieblingslied derzeit:

Alien

Vor ein paar Wochen als ich zu Besuch bei meinen Eltern war, kam das Gespräch auf ein mit meinen Eltern befreundetes Ehepaar und deren zwei Söhne.

Beiden Söhne ist vor vielen Jahren Asperger-Autismus diagnostiziert worden. Neu ist mir das nicht. Ebenso wenig, dass es die ein oder andere Ähnlichkeit zwischen Eigenarten bei ihnen und bei mir gibt; Dinge, von denen ich sonst niemanden kennengelernt habe, der das von sich kennt. Andererseits muss das nichts bedeuten. Umgangssprachlich gilt man schnell als „autistisch“ . Ein wenig scherzhaft haben mich meine Eltern früher so tituliert. Das war keineswegs abwertend gemeint und die Alternativbezeichnung für sagen wir mal „auffällig abweichendes Verhalten“ meinerseits war ansonsten das Zauberwort „introvertiert“, gerne gepaart mit „sensibel“ .
Also jetzt von den liebevoll gemeinten Ausrücken meiner Eltern dafür. ^ ^

Mein Vater hatte dafür teils auch andere Bezeichnungen, wie „verstört“ , „unnormal“ , „soll sich nicht so anstellen!“ oder auch „verhalt‘ dich doch mal wie andere in deinem Alter!“ .
Ihm ist zugute zu halten, dass hinter diesen Sätzen paradoxerweise seine Sorge stand, dass ich in der Gesellschaft zum „merkwürdigen“ Außenseiter heranreifen und es gerade auch bei Gleichaltrigen schwer haben könnte, wenn ich zu sehr auffalle als „anders“ .

Ab Volljährigkeit habe ich Dank der mir da erst so richtig uneingeschränkt offenstehenden Möglichkeiten über viele Jahre immer mal für mich versucht herauszufinden, ob und was denn nun mit mir von Grund auf verkehrt ist. Asperger Autismus war mit eines der ersten Möglichkeiten, neben banaler Introversion und Verträumtheit. Autismus zog ich in die engere Auswahl, verwarf dies jedoch später wieder, weil ich mir dafür einfach insgesamt zu unauffällig unter Menschen vorkam. Was noch passte war die Möglichkeit, dass ich einfach einen etwas ausgeprägteren schizoiden Persönlichkeitsstil habe, aber auch da bin ich mir heutzutage nicht mehr so sicher. Gut möglich, dass ich auch einfach ganz normal bin. Irgendwann habe ich die Suche nach Antworten auch zu den Akten gelegt. Es war für mich nicht mehr von so entscheidender Wichtigkeit, eine Antwort zu finden, was möglicherweise sogar als Zeichen von Heilung alter Verletzungen und Verunsicherungen gewertet werden kann. Allerdings hatte es auch pragmatische Gründe. Nach dem Studium verschiedener Fachliteratur war ich zu dem unbefriedigenden Ergebnis gelangt, dass man es bei mir wohl auch nicht mehr genau feststellen könne, was es nun ist (oder war). Dazu kommt, dass ich die Skepsis und „natürliche Scheu“ meiner Eltern gegenüber Therapien und Therapeuten teile; mir ist das einfach zu privat und letztlich muss man sich im Leben eh selbst helfen.

Als nun bei meinen Eltern das Gespräch auf diese beiden autistischen Söhne fiel, habe ich meine Mutter zu meiner eigenen Überraschung zum ersten Mal in meinem Leben einfach direkt gefragt, ob ich ihrer Meinung nach Asperger-Autismus haben könnte.
Als wäre das die selbstverständlichste Frage überhaupt, erwiderte meine Mutter nüchtern: „Du hast da auf jeden Fall etwas von, aber du hast das nicht so ausgeprägt wie meine ehemalige Arbeitskollegin.“

Besagte Arbeitskollegin ist naheliegenderweise (erst spät) diagnostizierte Asperger-Autistin und hatte es am Arbeitsplatz zwischenmenschlich etwas schwer, mit meiner Mutter hat sie sich wiederum auf Anhieb gut verstanden; die beiden sind inzwischen befreundet.

Nachdem ich die Antwort meiner Mutter vernommen hatte, fiel mir wieder ein, warum ich es so oft von vorneherein sinnlos finde, meinen Eltern zu bestimmten Themen Fragen zu stellen. Danach bin ich nämlich regelmäßig noch verwirrter und habe nur noch mehr Fragen, auf die ich keine ergiebige Antwort erhalte. So auch hier:
Auch mit Nachfragen wurde ich nicht schlauer. Meine Mutter wiederum fand, dass es doch völlig egal sei, ob ich nun Autist sei oder nicht, ich sei als Kind schon auffällig gewesen, aber sie habe keinen Sinn darin gesehen, mich testen zu lassen, da ich ja alles in allem klargekommen sei (bin ich nicht wirklich) und sie meine Auffälligkeiten nicht schlimm fand, getreu dem Motto: Jeder ist anders. Eine Diagnose würde bei mir heutzutage auch keinen Sinn ergeben, so meine Mutter weiter, das sei etwas für Härtefälle wie ihre Kollegin, welche die Diagnostik wegen ihrer beruflichen Einschränkungen/Probleme benötigt habe und nun frühverrentet sei.

Nachdem ich noch eine Weile darüber gegrübelt habe, ob ich nicht doch einfach besser jetzt als nie oder in späteren Jahren eine Diagnostik anstreben sollte, um nur für mich Gewissheit zu haben, habe ich es verworfen. Vielleicht ein Fehler. Vielleicht erspart es mir auch unnötiges Leid.

Im schlechtesten Fall im Nachhinein zu erfahren, dass eine Vielzahl meiner Probleme von klein an sozusagen nicht so hätten verlaufen müssen, würde mich auch nachträglich frustrieren. Das habe ich ja nicht einmal bzgl. meiner jahrelang von Ärzten übersehenen Hashimoto-Erkrankung mit Schilddrüsenunterfunktion vollständig verwunden. Bei der Hashimoto-Sache komme ich damit solange bestens klar, wie ich nicht über die Vergangenheit mit dem Wissen von Heute nachdenke. So viel dazu. Man soll eben nach vorn schauen, nicht zurück.

Und umgekehrt würde mir das Ergebnis, dass kein Autismus vorliege, auch nur wenig weiterhelfen, weil es geradezu der Klassiker ist, dass erwachsene Asperger-Frauen oft zu unauffällig (geworden) sind, um erkannt zu werden. Das würde mir auch immer dabei im Hinterkopf rumspuken. Zumal ich Zeit meines Lebens enorm viel Energie in das „Imitieren“ und „Anpassen“ bzgl. dieses ganzen zwischenmenschlichen Verhaltens gesteckt habe. Meine Familie hat darauf ihrerseits großen Wert gelegt. Ich könnte gar nicht mehr sagen, wie ich ursprünglich war. Es wäre auch irgendwie peinlich, wenn all meine Bemühungen normal zu sein nach Außen hin letztlich selbst im Erwachsenenalter doch nicht ausreichend wären.
Und sofern es zutreffend wäre, dass kein Autismus bei mir vorliegt (was durchaus sein kann), wäre der Aufwand irgendwie überflüssig.

Lebwohl

Die letzten Monaten waren im Grunde wie üblich. Vor einer Weile teilte Chef 1 überraschend mit, dass ab sofort Chef 2 die Geschäftsführertätigkeit übernimmt. Auch über die Urlaubsanträge sollte explizit künftig Chef 2 entscheiden.

Bei dieser doch etwas überraschenden Mitteilung dachte ich mir noch nicht viel – ich war sogar erleichtert, dass die Urlaubsdurchsetzung künftig ein ganzes Stück unkomplizierter ablaufen würde. Ein wenig wunderte ich mich, warum „die Diva“, die doch sonst so großen Wert darauf gelegt hatte, die Urlaubsanträge höchstselbst vorgelegt zu bekommen und auch sonst gerne „mittendrin“ war, nunmehr so bereitwillig sogar auf die Geschäftsführertätigkeit insgesamt verzichtete. Vage vermutete ich, dass es Chef 1 doch etwas viel Arbeit geworden sein könnte.

Die Arbeit ging ihren gewohnten Gang. Wie üblich waren alle recht eingespannt arbeitsmäßig. Dank der Arbeit ist die Pandemie quasi geräuschlos an mir vorbeigegangen, da ich zynisch gesagt entweder gearbeitet oder mir Gedanken um die Arbeit gemacht oder mich von der Arbeit erholt habe.

Diese Woche sollte Chef 1 eigentlich im Urlaub sein, wobei er in der Vergangenheit meistens doch aufgetaucht ist, um ein paar Sachen abzuarbeiten. Beim allerersten Mal hat er mich damit reichlich verwirrt, da er in meinem etwas autistisch gepoolten Gehirn als „hat Urlaub = ist nicht anwesend“ gespeichert war. Sein wiederholtes Auftauchen trotz Urlaubs war für mich ein wenig wie ein Fehler in der Matrix, aber ich habe mich im Laufe der Zeit daran gewöhnt.

Heute eröffnete Chef 2 mir und meinem Kollegen kurz vor Feierabend, dass Chef 1 aufgehört hat. Er werde noch seine Mandate abarbeiten, die nicht delegiert werden, und zum Herbst 2021 komplett aufhören. Im Anschluss besprachen wir noch ein paar organisatorische Dinge. Ich weiß nicht recht, was ich von all dem halten soll, und ob sich meine konkrete Arbeitssituation dadurch nun (mittelfristig) verschlechtert, verbessert oder von all dem recht unberührt bleibt. Immerhin war Chef 2, der von der Diva wohl selbst erst kürzlich informiert worden war und über die Gründe offenbar kaum mehr als wir wusste – nämlich de facto nichts abseits von Spekulation -, relativ unforsch und „handzahm“ im Gespräch. Für ihn ist das Ganze wohl auch ein Schock.

Nachdem die anderen schon gegangen waren, lief mir die Diva über den Weg – offenbar gerade erst in den heiligen Hallen eingetroffen. Noch etwas verblüfft sprach ich sie auf ihren Weggang an. Mir fehlt die Übung mit solchen Situationen. Irgendwie bin ich intuitiv davon ausgegangen, dass die Diva wegen Überarbeitung aufgehört hat, und nicht z.B. wegen einer schweren gesundheitlichen Erkrankung wie etwa Krebs.

Ich hoffe, dass ich die richtigen Worte getroffen habe. Zumindest war die Diva nicht böse, sondern wirkte einfach nur entgegen ihrer üblichen strahlenden Art ein wenig in sich gekehrt, ruhig (fast defensiv und gar nicht kämpferisch), ein wenig müde und nachdenklich. Die Antworten waren etwas nebulös, was nicht so ganz ihre Art ist, aber allzu direktes Nachfragen wäre unangemessen gewesen, obwohl mich der Grund natürlich interessierte. Da ich schlecht im Drumherumreden bin, habe ich das auch so in etwa gesagt.

Letztlich bleibt nur Spekulation. Ich tippe auf eine Mischung aus (anhaltender) Überarbeitung, evtl. gepaart mit der Erkenntnis, dass das Leben endlich ist, und gewissen Zwistigkeiten mit ehemaligen Mitgesellschaftern (laut Diva ausdrücklich nicht mit Chef 2). Was sich da genau abgespielt hat, weiß ich nicht. Da die Diva sehr für ihre Arbeit brennt (gebrannt hat?) und seit vielen Jahren praktisch unangefochten tonangebend ist in der Kanzlei, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sie sich einzig von solchen internen Reibereien – noch dazu mit längst aus dem aktiven Betrieb ausgeschiedenen – Personen dazu bringen lässt, das Handtuch zu werfen. Es werden sicher auch gesundheitliche Gründe reingespielt haben. Ich hoffe nur, es ist nichts Irreversibles, da die Entscheidung der Diva offensichtlich auch von ihr erst vor Kurzem getroffen worden ist. Und so alt ist die Diva auch noch nicht. So ca. 5-10 Jahre wären rein altersmäßig noch gut drin.

Auch wenn der finale Abschied noch aussteht und es der Diva im Ruhestand gesundheitlich definitiv besser gehen dürfte, bin ich doch tatsächlich ein wenig traurig. Abschiede sind einfach nicht mein Ding. Ich habe ihre spezielle, teils stressende sowie durchaus auch etwas exentrische, meistens aber auch charmante und auf eigenwillige Weise offene Art irgendwie liebgewonnen.

Zwar habe ich soweit nicht vor, die Kanzlei zu verlassen, und beruflich aktuell auch keinen realistischen, von mir auch gewollten Plan B, aber mit dem Weggang der Diva mindern sich die Vorteile, welche mir die Kanzlei subjektiv bietet, doch ein ganzes Stück. Man könnte auch sagen, dass meine emotionale Bindung dorthin abgenommen hat. Das gewinnende, unerschrockene Wesen der Diva und ihre fachliche Expertise werden der Kanzlei definitiv fehlen.

Unschlüssig bin ich hinsichtlich der sich nun für mich ergebenden Veränderungen. Die Chancen für eine Partnerschaft in der Kanzlei sind einerseits größer geworden, andererseits strebe ich die eigentlich nicht an.

Einen Vorteil hätte die Partnerschaft für mich allenfalls, wenn die Konditionen als Angestellter schlechter wären. Das ist momentan noch nicht gut einschätzbar. Wenn ich eh den ganzen Tag dort arbeiten muss, wäre die Partnerschaft ironischerweise sogar eine Verbesserung meiner Work-Life-Balance, mit mehr Freiheiten im Arbeitsalltag. Hm, mal sehen.

Der Diva wünsche ich alles Gute und einen wohlverdienten Ruhestand! … Hoffentlich ist sie nicht doch schwerkrank.

Risikogebiet

Termin beim hiesigen OLG. An der Pforte zur Unterwelt zeige ich meinen Anwaltsausweis und spiele brav beim üblichen „Haben Sie Husten oder Schnupfen etc.“-Spiel mit, obwohl ich es wie so manch‘ ungeschriebenes zwischenmenschliches Ritual sinnlos finde. Leicht amüsiert ergänze ich, dass ich auch in keinem Risikogebiet war. Der Justizwachtmeister lacht: „Wir sind das Risikogebiet.“.

Zufrieden

Mit meinem neuen robust-empfindlichen Mitbewohner bin ich äußerst zufrieden; er hat das eckige Herz am rechten Fleck und funktioniert tadellos. Ich habe ihn schon in mein Herz geschlossen.

Final habe ich mich für folgende Komponenten entschieden und kann insbesondere den Tower sehr empfehlen für alle, die sich ihr Hardwaresystem selbst zusammenstellen möchten und sich offen halten möchten, irgendwann auf Wasserkühlung umzusteigen. Das Gehäuse ist aber auch mit Airflow super.

CPU: i9 10850k
CPU-Kühler: Dark Rock Pro 4
Grafikkarte: Gigabyte GeForce Rtx 2070 Super Windforce
Wärmeleitpaste: Cooler Master Mastergel
RAM: G.Skill RipJaws V-Kit 32GB, DDR4-3600, CL16-19-19-39
Mainboard: MSI MEG Z490 Unify
Netzteil: Corsair HX 750i Platinum
Gehäuse: LianLi O11 Dynamic XL
6 Lüfter: ARCTIC P12 PWM PST
3 Lüfter: Thermaltake Riing Quad 12 RGB

Gesamtkosten: Ca. 2.000,00 €

So viel Geld habe ich noch nie für einen PC ausgegeben, aber es hat sich absolut gelohnt. Die Grafikkarte ist mittlerweile an die 100,00 € teurer geworden; Glück gehabt. Und obwohl ich sehr kritisch war, bevor ich mich für eine Komponente entschieden habe, habe ich an keinem der Teile etwas auszusetzen.

Festplatten habe ich meine alten beiden SATA-Festplatten sowie die drei SSDs genommen, die anders als im alten Tower im neuen Gehäuse wunderbar mühelos Platz finden.

Das Zusammenbauen, Windows neu installieren und die Festplatten mal sinnvoll ganz neu aufteilen etc. hat ganz ernsthaft Spaß gemacht. Nun bin ich wirklich zufrieden. … Wobei mir natürlich auf Anhieb noch diverse andere „offene Aufgaben“ einfallen würden (u.a. meine restlichen Umzugskisten aufräumen, eine noch übrig gebliebene freiwillige Steuererklärung etc.), aber das werde ich sukzessive angehen.

Ich bin noch etwas unschlüssig, was ich mit meinem alten PC-System mache. Eigentlich würde ich es meinem Kumpel B. schenken; ein neues für die dortige CPU passendes Mainboard wäre schnell und kostengünstig besorgt; ebenso eine SSD, evtl. auch ein neuer PC-Bildschirm … und ja auch Windows^^.

Das würde ich auch für ihn machen, weil er sich damit nicht auskennt. Meinen alten – nach wie vor guten und recht großen – Bildschirm habe ich vor ein paar Monaten an meinen Bekannten A. verschenkt. Sein kleiner Bildschirm hat mich gedauert und joa irgendwie hänge ich an manchen Gegenständen wie u.a. dem Bildschirm, obwohl ich nicht bereue, ihn ausgetauscht zu haben. Bei A. ist er in guten Händen und der hat sich wiederum sehr gefreut. Die beiden haben viel Freude miteinander. Win Win.

Vielleicht wäre es insofern ähnlich bei B. und meinem alten PC; B. und ich sind immerhin seit über 10 Jahren befreundet, den PC-Tower habe ich seit etwa meinem 16. Lebensjahr. Das waren noch Zeiten … gefühlte Ewigkeiten her. Seitdem schwöre ich auf LianLi-Gehäuse; die sind zeitlos und sehr zukunftstauglich. Sowohl den alten PC, als auch B. mag ich auf ihre Weise. Nur weiß ich nicht, ob es deplatziert wäre, B. den PC anzubieten.

Natürlich könnte ich den PC auch verkaufen; der Restpreis beläuft sich auf ca. 400,00 €, evtl. auch etwas mehr. Mir ist das Geld ehrlich gesagt egal. Ich schätze nur, dass B. auch ohne in PC-Dingen bewandert zu sein, das Geschenk als „zu viel des Guten“ empfinden wird. Ich würde ihm den durchaus gerne schenken, wenn er ihn haben möchte, aber ich möchte ihm damit auch nicht vor den Kopf stoßen. Außerdem weiß ich trotz seiner Begeisterung über die Leistungsfähigkeit meines alten PCs nicht, ob er überhaupt Lust hat, von Laptop auf PC umzusteigen zum Zocken. Mal ganz davon abgesehen, dass er bald irgendwann in den nächsten Wochen seine mündliche Examensprüfung machen dürfte oder evtl. schon hinter sich hat (hoffe ich jedenfalls für ihn, andernfalls wäre er nämlich durch das schriftliche Examen durchgefallen). Insofern hat er derzeit sicher andere Sachen im Kopf.

Ich werde noch etwas darüber nachdenken. Immerhin: Bei A. war ich mir auch sehr unsicher, wie der das Angebot aufnehmen wird, und er hat sich einfach nur sehr gefreut.

Wasserstand

Kurzer Wasserstand:
Ich bin seit Längerem nicht zum Bloggen gekommen, Teils aus Zeitmangel, teils aus fehlender Schreiblust.

Eventuell schreibe ich auch wieder regelmäßiger, nur im Moment ist das etwas blöd, weil mein Mainboard den Geist aufgegeben hat.

Da ich mir schon seit Jahren ein neues Hardwaresystem zusammenstellen wollte, habe ich den Wink des Schicksals genutzt, um mir ein richtig geiles und zukunftstaugliches Gamingsystem zu kaufen. Bis auf die Gehäuselüfter habe ich alles zusammen. Der Tower wird ein LianLi O11 Dynamic XL in schwarz, die CPU ein i9 10.850k und die GPU eine Gigabyte GeForce Rtx 2070 Super Windforce. Dazu kommt ein CPU-Kühler von BeQuiet Dark Rock Pro 4 und G.Skill RipJaws F4 3.600 C 18D 32 GVK RAM-Riegel (vorher hatte ich 16 GB). … Mein alter LianLi Tower ist einfach im Laufe der gut 15 Jahre, die wir gemeinsam überstanden haben, zu klein worden.

Bei den Lüftern schwanke ich noch, weil ich gerne RGB-Lüfter einbauen möchte, aber ich will für die Lüfter nicht mehr als ca. 200,00 € ausgeben und es soll insgesamt leise sein. Wobei der Preis nicht mal so entscheidend für mich ist, weil ich das System eh die nächsten 5 Jahre mindestens nutzen werde.

Von den Nicht-RGB-Lüftern gefallen mir die Noctua und die von BeQuiet ist am besten, aber zumindest drei RGB-Lüfter sollten es auch sein. Da sind eigentlich die Corsair iCUE QL 120 am besten für meine Zwecke, aber die von Thermaltake Riing Trio 12 und die Cooler Master MF HALO sind auch gut, sogar etwas kühlstärker, aber auch lauter. Ich will die auf jeden Fall beidseitig beleuchtet haben. Das ist leider nicht bei allen RGB-Lüftern der Fall. Kühlstark und leise sollten sie auch sein, was in der Summe schwierig wird. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Ich muss da noch etwas abwägen.

Beruflich läuft es nicht schlecht. Wobei ich noch an meinen Schwächen arbeiten muss. Die Diva ist lustigerweise gleichwohl recht gut auf mich zu sprechen und auf ihre Weise quasi zutraulich. Na ja, erleichtert mir immerhin den Alltag, nur am Ende des Jahres fallen die Würfel und ich glaube gar nichts, bevor ich keinen unterschriebenen Verlängerungsvertrag vor mir liegen habe (diesmal muss der unbefristet sein). Ok, auch für mich deutet alles darauf hin, dass meinem Kollegen und mir die unbefristete Verlängerung angeboten wird, nur will ich lieber vor bösen Überraschungen gefeit sein und mich nicht zu früh freuen.
Außerdem steht noch die Fachanwaltsausbildung an, die ich natürlich in meiner Freizeit machen muss. Bislang habe ich nicht einmal in die Lernunterlagen geschaut, ich habe ein ungutes Dejavu an die Examensprüfungen. Oh man, ich verstehe mich einfach nicht, warum ich just beim Lernen für Prüfungen derartige völlige Blockaden habe und da zu so einem extremen Verdrängungsverhalten neige.

Privat ist es an sich ok. Zufrieden bin ich teilweise, manches habe ich endlich geschafft und einiges bekomme ich eigentlich recht zufriedenstellend regelmäßig hin, was ich mir vorher nie hätte vorstellen können, dass ich das schaffe, aber unter der Woche schlafe ich wenig, weil ich zu spät müde werde und ins Bett gehen mag, und am Wochenende kann ich zwar dann ausschlafen, aber möchte eigentlich lieber im Arbeitsalltagsrhythmus bleiben, mit frühem Aufstehen, damit das auch unter der Woche besser läuft.
Das bringt mich zum nächsten Punkt: Sport klappt leider gar nicht. Ich habe letzte Woche sogar wieder das Kampfsporttraining „geschwänzt“, weil ich einfach keinen Bock auf Interaktion mit anderen Menschen hatte. Prüfung da wäre im Dezember, aber ich möchte nicht. Mein Lieblingssparringspartner will leider da seine Prüfung machen, wenn er von der Arbeit frei bekommt (Schichtdienst). Egoistischerweise hoffe ich, dass er nicht frei bekommt, und wir die Prüfung dann gemeinsam nächstes Jahr machen. Ich habe derzeit überhaupt keinen Nerv dafür, mir die ganzen Handgriffe, Würfe etc. zu merken und ja eben auf den notwendigen Sozialkram dabei, obwohl die dort ja ausgesprochen freundlich und unkompliziert drauf sind und ich dort ziemlich geschätzt werde (verstehe ich nicht ganz). Mich nervt das sogar momentan nur mit den Handgriffen etc. und ich komme mir da erst recht losermäßig vor, mein Kopf ist da nach der Arbeit einfach leer. Ich vermisse Taekwondo.

Gewicht und Essen sind dagegen recht ok. Gewicht ist ziemlich stabil trotz null Sport und alles andere als kalorienarmer Ernährung bei 54 kg, mit hormonellen Wassereinlagerungen dann temporär 55 kg. Sollte mittelfristig weniger sein und eher bei 53 kg – 52 kg liegen, aber es ist auch so ok. Mich stört sogar mehr mein Hang zu null Sport und der Verlust von Ausdauer, obwohl ich immer gerne Sport gemacht habe und das als Ausgleich zum Bürojob wichtig wäre. Ich will nicht in ein paar Jahren komplett unsportlich geworden sein. Nur im Moment bin ich so ätzend unmotiviert und fast selbststrafend mir gegenüber eingestellt, jedenfalls definitiv selbstsabotierend. Sport wäre ja etwas Gutes (also mal abgesehen von der Sache speziell bzgl. dem Kampfsporttraining oben, aber Laufen oder Fahrradfahren wäre ja was anderes und tut mir gut); das hat dann zurückzustehen.

Das könnte auch hiermit zusammenhängen: Mich hat die Arbeit immer mal wieder ziemlich gestresst, vor allem die Arbeitsfülle/das Arbeitspensum, dem ich hinterherhinke, und das war sicher mit ein Grund warum ich mich recht grundlos noch dreimal übergeben habe, einmal Ende September und zweimal im Oktober – nachdem ich mich zuletzt davor noch 6x im Mai übergeben hatte und die Sache damit für recht erledigt gehalten hatte. Es ist auch nicht schlimm, gelegentliches Erbrechen macht dem Körper m. E. nicht so viel, auch wenn es nicht gut ist. Es ist auch nicht so, dass ich mich als gefährdet einschätze, wieder in einer Essstörung zu landen, also einer richtigen Essstörung und nicht bloß einem temporär etwas gestörtem Essverhalten. Da habe ich ja den Vergleich zu früheren Jahren und das liegt ein Unterschied wie Tag und Nacht dazwischen. Das gesamte Denken und Empfinden sowie der Selbstbezug ist da anders.

Schön wäre es, wenn das mit der Arbeit mal nicht so eine Dauerbaustelle wäre. Immerhin hatte ich das Pensum neulich sogar mal kurz im Griff, bis dann irgendwie viele Gerichtstermine auswärts (mit viel Fahrzeit) und hier noch und da noch etwas an Zusatzarbeit kamen.

Ich denke, wenn das mit dem Arbeitspensum bei mir mal künftig konstant ok laufen würde, wäre mein Hauptmühlstein auf meiner Seele weg; ich habe da immer dauerhaft ein schlechtes Gewissen wegen der noch unerledigten Akten. Immerhin ist eine sehr umfangreiche Sache mit diversen Einzelmandaten und jeweiligen Gerichtsverfahren innerhalb von nicht einmal 5 Monaten nun in ruhigem Fahrwasser und der Mandant hat vorläufig Kinder und Wohnung zurückbekommen. Das hat mich auch gut auf Trab gehalten, zumal da einige Eilverfahren waren, so dass ich die Sache meistens in der Bearbeitung vorziehen musste (und dadurch nicht zu anderen Sachen gekommen bin). Na ja egal. Immerhin ist es schön zu sehen, dass sich vieles auch sortiert, was ich vorher immer für eine unüberwindbare oder zumindest komplizierte Hürde gehalten habe. Eine umfangreiche und über mehrere Jahre laufende Mietrechtsstreitigkeit mit mehreren Einzelstreitigkeiten ist zB nun endlich durch Vergleich endgültig abgeschlossen.

Vergangenheit

Eigentlich hätte auch ein schwarzes Bild gut gepasst, aber wo Schatten ist, findet man bekanntlich auch Licht. Sonst hätte ich mich schon vor langer Zeit umgebracht.

Letzte Woche kam die Absage, mit der neuen Stelle wird es folglich nichts. Und weil das Leben einen eigenwilligen Sinn für Humor hat, lief es bei meiner aktuellen Stelle dafür besser. Der Stellenmarkt ist derzeit sehr überschaubar bzgl. Stellen, die für mich infrage kämen. Mein Gefühl hat mir deutlich gesagt, dass es die weitere Stellensuche momentan für Unsinn hält und ich es eher bis auf Weiteres weiter mit meiner aktuellen Stelle versuchen sollte. Immerhin kenne ich den Laden inzwischen. In eine andere Anwaltskanzlei zu wechseln, würde meine Situation wahrscheinlich kaum verbessern. Wenn würde sich der Wechsel in den öffentlichen Dienst lohnen. Passende Stellen vor Ort sind allerdings Mangelware. Ich werde weiter die Augen offen halten, aber bis auf Weiteres werde ich mit der Diva, dem Familienrecht & Co. weiterleben müssen.

Diese Woche hatte ich Urlaub, wovon ich aus verschiedenen Gründen etwa die Hälfte bei meinen Eltern und den Katzen verbracht habe. War angenehm, bis auf das Essen. Bei dem Wetter hätte mir eher der Sinn nach kaum etwas essen gestanden. Mit der Histaminintoleranz gab es ein paar Probleme, wodurch ich zwei Tage recht ausgeknockt war. An zwei anderen Tagen war meine Galle beleidigt, auch wieder zurück in meinen eigenen vier Wänden, weshalb mir insbesondere einen Tag ziemlich anhaltend schlecht war, worüber sich wiederum meine Waage gefreut hat. Immerhin: Übergeben habe ich mich nicht. Schon seit Ende Mai nicht mehr.

Ansonsten habe ich ausgiebig Red Dead Redemption 2 plus ein wenig Dead By Daylight gezockt und heute dann endlich mal meine Unterlagen aus dem Studium weitgehend weggeworfen. Zeitschriften, Mitschriften, Falllösungen, Schemata usw., weg damit. Ich mag es eigentlich nicht, solche Sachen wegzuwerfen, aber hinterher geht es mir immer besser und ehrlicherweise schaue ich in diese Sachen eh nie wieder rein. Für die Berufspraxis kann ich die Unterlagen ohnehin nicht gebrauchen. Das ganze Zeug wegzuwerfen, war gut. Eigentlich sollte ich noch viel mehr entsorgen. Freiheit für die Seele, weg mit dem Ballast.

Leider kann ich es nie ganz verhindern, dass beim Aussortieren meine Gedanken in die Vergangenheit abdriften. Ungünstigerweise sind damit auch untrennbar die alten Gefühle verknüpft. Zwar nur als schwacher Abglanz, trotzdem zieht mich das jedes Mal zuverlässig runter. Egal, ob es Erinnerungen an die Kindheit, an die Schule, an das Studium, an das Referendariat oder anderes aus der Vergangenheit sind, mich deprimiert das alles.

Dabei habe ich in der Vergangenheit durchaus auch viele schöne Erlebnisse gehabt. Außerdem ist die Vergangenheit für mich immer irgendwie, wie aus einem anderen Leben; fast wie das Leben einer anderen Person, die ich zufällig etwas näher kennengelernt habe, bevor sich der Kontakt verlaufen hat.

Meinem Gefühlsleben ist das offenbar völlig egal. Wenn ich an die Vergangenheit denke, schwanke ich zwischen der Sehnsucht, am besten einfach nicht mehr existent sein zu müssen und dem Wunsch, zurückzureisen und irgendetwas anders zu machen. Was genau, ist auch mir unklar.
Klar, mit dem Wissen von Heute hätte ich das ein oder andere anders gemacht, aber ex ante aus der damaligen Situation heraus, gibt es eigentlich nichts, das ich ausschließlich bereue. Trotzdem ist bei der Erinnerung an Teile meines früheren Lebens da dieser Gefühlsschlamm, der sich zuverlässig auf meine Seele legt und mein Gefühlsleben verdunkelt, wie früher schon so oft.

Wie geht es weiter mit dem Katzenhai?

Ich bin insgesamt sehr hin- und hergerissen, weil ich meine aktuelle Arbeit, meine Kollegen etc. und auch meine Chefs durchaus mag, trotz allem. Generell habe ich hier auch sehr viel gelernt, nicht nur fachlich und in punkto Selbstvertrauen. Insofern wird mir der Weggang zu einem kleinen Teil schwerfallen emotional.

Aber egal, Tigerhaie werden immer Tigerhaie bleiben, so wie ich immer ein Katzenhai bleiben werde. Es ist Zeit, sich unauffällig ein anderes Gewässer zu suchen. Die Tigerhaie werden mit den Fischschwärmen hier auch ohne mich zurechtkommen, selbst wenn sie dann wieder vieles selbst machen müssen und mehr Stress hätten.

Andererseits sind Tigerhaie ja gewissermaßen in ihrem Element, wenn es überall vor zu betreuenden Fischen nur so wimmelt und sie reichlich Beute vor Augen haben, selbst wenn sie dann dazu neigen, sich zu sehr zu verausgaben bei der Jagd. Ihre Gier treibt Tigerhaie zu großen, beeindruckenden Leistungen an, bringt sie aber langfristig schneller ins Grab.

Was macht man nun als Katzenhai, dem andere Werte für ein erfülltes Leben wichtig sind?

Aufgrund all der Ereignisse habe ich meine Zukunftsoptionen stark überdacht und mich auf eine Stelle im öffentlichen Dienst beworben. Dort würde ich in einem kleinen Rechtsteam arbeiten. Der Anwaltsberuf und damit auch Strafrecht etc. wäre dann Geschichte. (Familienrecht, all die menschlich völlig unsinnigen Rechtsstreitigkeiten sowie das „Hinterherlaufenmüssen“ hinter den Mandanten bzgl. der Hereinreichung von Unterlagen etc. würde ich dagegen absolut nicht vermissen.)

So sehr ich die Anwaltstätigkeit und die Vielfältigkeit im Zivil- und Strafrecht auch mag und ehrlich ein wenig vermissen werde, so sehr freue ich mich auf ein normales Arbeits- & Freizeitleben.

Die Stelle wird nach Tarif bezahlt, ist bereits jetzt besser vergütet als meine derzeitige Anwaltsstelle und Gehaltssprünge erfolgen dort „automatisch“. Ich will mir das Gejammer von Chef 1 und Chef 2 hier lieber gar nicht vorstellen, wenn ich in der Zukunft Gehaltserhöhungen thematisiere(n werden muss). Wo die Zahlung meines Gehalts sie bereits jetzt schon so schmerzt.

Die andere Stelle hat noch mehr Vorteile:
Die Stelle liegt nah bei meinen Eltern und den Katzen, die ich dann deutlich häufiger sehen könnte. Meine Eltern werden außerdem auch nicht jünger, ich mag sie sehr und so könnte ich ihnen künftig hier und da unter die Arme greifen, sie spontan besuchen ohne dort gleich übernachten zu müssen (was mir insgesamt schnell zu viel Fremdbestimmung ist und Fluchtimpulse auslöst).

Die Arbeitszeiten sind deutlich arbeitnehmerfreundlicher; ich hätte dadurch auch viel mehr Möglichkeiten, an Vereinssport vor Ort teilzunehmen. Und bestimmte Stressfaktoren aus dem Anwaltsleben in der Kanzlei würden gänzlich entfallen. Bestimmte Mandantenarten werde ich definitiv nicht vermissen – evtl. schreibe ich mal einen Blogbeitrag dazu; man weiß da oft echt nicht, ob man sich ärgern oder darüber lachen soll. ^^

Das Vorstellungsgespräch lief nicht schlecht, mein erster Eindruck vom dortigen Leiter des Rechtsteams war positiv und der Mensch wirkte durchaus sympathisch und hatte auch Humor; ich habe bei ihm ein gutes Gefühl.
Bei den Tigerhaien war dagegen damals so ein schwer greifbares „Störgefühl“, trotz eines an sich auch guten Eindrucks, der sich durchaus auch später bestätigt hat. Dort war und ist auch durchaus vieles gut, so ist das nicht. Leider kann ich solche Störgefühle oft erst viel später richtig zuordnen, wenn es nicht gerade extrem ist bzw. mein Gefühl dort nur negativ ist – und das war es ja gerade nicht bei den Tigerhaien. Ich bin ja auch kein Hellseher.

Auch wenn ich es nicht gedacht hätte, würde ich mich im Moment sogar ein bisschen auf einen Umzug + Ortswechsel freuen. Hier ist es nicht schlecht – aber woanders könnte es besser sein.

Meine Sorge ist natürlich, dass es woanders auch schlechter sein könnte. Zumal ich ein für mich bislang gänzlich unbekanntes Rechtsgebiet übernehmen würde, das eher im öffentlichen Recht liegt. Aber es wäre fachlich deutlich weniger breit gefächert und dadurch auch weniger stressig + leichter zum schnellen Einarbeiten. Ich finde es soweit fachlich auch durchaus interessant, wenngleich ich immer die konkrete praktische Arbeit darin brauche, um sagen zu können, ob das etwas für mich ist oder nicht.
Dass ich dort bislang keine Ausbildung habe, war zum Glück bei der Bewerbung kein Ausschlusskriterium und im Zweifel kann ich mich schnell in neue Rechtsgebiete einarbeiten und nach kurzer Zeit verantwortungsvolle, komplexe Mandate übernehmen und selbstständig führen, wie ich inzwischen von mir weiß; den Tigerhaien sei Dank.*lol*

Ein wenig unwohl ist mir trotzdem, weil es ein Sprung ins Ungewisse sein wird, wenn es mit der Stelle klappt. Aber derzeit überwiegt die Hoffnung.

Außerdem könnte ich mit anderen Arbeitszeiten, weniger Berufsstress etc. mehr aus meinem Privatleben machen und mir je nach neuer Wohnung auch selbst Katzen halten, sogar als Freigänger. Das wäre mir sehr wichtig, dass die Katzen nach Draußen gehen können. … Ich muss nicht unbedingt ein Haustier haben; aber wenn, möchte ich eine oder besser zwei Katzen haben.

Wie auch immer, erst einmal muss ich die Rückmeldung abwarten. Wenn ich eine Absage bekomme, hat sich das eh erledigt. Es gibt zwar noch mehr Stellenangebote und ich würde dann weitersuchen, aber am Wohnort meiner Eltern gibt es so gut wie keine passenden Stellenangebote. Dies war nach langer Zeit das einzige Angebot um genau zu sein.

Falls ich eine Zusage bekommen sollte, werde ich es riskieren. Meine Intuition sagt mir jedenfalls, dass ich die Chance dort dann ergreifen sollte. Die Verabschiedung von den Tigerhaien werde ich schon irgendwie überstehen und ich wüßte auch schon, wie ich es denen ohne zerschlagenes Porzellan verkaufen kann. Mir ist es wichtig, dort nicht im Streit zu gehen. Und die wahren Beweggründe anzusprechen, würde dort nur für beleidigte Reaktionen sorgen.

Im Moment kämpfe ich eh ein wenig mit einem schlechten Gewissen, weil bei meinem jetzigen Arbeitgeber niemand etwas von meinen „Fluchtplänen“ ahnt. Andererseits hätte ich nie Fluchtimpulse entwickelt, wenn meine Chefs ihre mündlichen Zusagen aus dem Einstellungsgespräch gehalten hätten und auch sonst anders mit mir umgegangen worden wäre, man mich eben auch nicht so völlig unnötig und gedankenlos bis eiskalt (wenn auch unbeabsichtigt) „verletzt“ hätte, nicht nur einmal. Es lässt sich hier im Blog schriftlich nur ansatzweise erklären, zumal ich hier auch nicht sämtliche kleinen aber bedeutsamen Details ausbreiten möchte. Im Moment mag ich auch nicht mehr weiter darüber nachdenken, sondern werde mich auf anderes konzentrieren und vom Warten bzgl. Zusage/Absage ablenken.

Si vis pacem, para bellum

Was würde ich für eine funktionierende Glaskugel geben, die mir meine Zukunft in zwei bestimmten Varianten in 24 Monaten zeigen könnte … .

In den letzten Wochen hat sich viel getan in meinem Berufsleben. Nach dem einen Konflikt mit Chef 1, in dem er mir klipp und klar eine Absage erteilt hat, dass die Arbeit etwas anders verteilt wird, einer Weile der stillschweigenden „Eiszeit“ bzw. des Ignorierens, danach vorsichtiger Wiederannäherung ist die Arbeit umverteilt worden. Kommuniziert hat mir das niemand, aber natürlich habe ich es mitbekommen, durchaus ungläubig-verwundert und sowohl erleichtert, als auch verwirrt. Wer mag, kann die Details in den letzten Beiträgen nachlesen.

Seitdem habe ich zwar weiter Überstunden gemacht und auch in dem von Chef 2 betreuten Rechtsgebiet gibt es sehr viel Arbeitsaufkommen – quantitativ mit großem Abstand am meisten von allen Rechtsgebieten – , aber die Arbeit dort mit ihm als Chef ist unkomplizierter. Dafür ist das Rechtsgebiet von den Beteiligten her mit Verlaub ätzend, ist eben Familienrecht. Die Alternative wäre mit Erbrecht aber deutlich schlechter gewesen von der Gesamtperspektive her bei meinem Arbeitgeber.

Ansonsten mache ich neben dem allgemeinen Zivilrecht sowie Familienrecht noch Bußgeldsachen, Strafrecht, teilweise Verkehrsrecht, teilweise Versicherungsrecht, teilweise Mietrecht, teilweise Erbrecht sowie bei Bedarf mitunter auch so „Sonderaufgaben“ wie bspw. Urheberrecht, Wettbewerbsrecht etc..
Einerseits kann man sich in erstaunlich viel bei Bedarf einarbeiten und ich finde ja anhand konkreter Fälle viele Rechtgebiete interessant, aber diese ganze Bandbreite abzudecken, wobei man gerade Familienrecht mit seinen Unterhaltsberechnungen nicht in der Ausbildung gelernt hat und sich erst als Anwalt beibringt etc., ist auch recht aufwendig.

Miet- und Erbrecht würde ich eigentlich auch gar nicht mehr machen müssen, aber ich habe noch ein paar Fälle aus dem Mietrecht vom Anfang mit ein- und denselben Mandanten, die ich auch noch zu Ende führen werde; ebenso wie eine umfangreiche Nachlasssache, die nun bald ihren Abschluss in der Beschwerdeinstanz vor dem OLG finden wird. Auf meine Schriftsätze dort bin ich durchaus stolz, da ich vom Erbrecht überhaupt keine Ahnung hatte, als ich die Sache von meinem Chef kurzerhand vor etwa einem Jahr – damals noch in erster Instanz – übertragen bekommen hatte. Es gilt dann, sich eben zügig mit der Materie vertraut zu machen und immerhin habe ich an dieser Sache auch durchaus Gefallen gefunden, auch wenn Erbrecht nie mein Steckenpferd werden wird.

Und weil ich diese Erbrechtssache aus Sicht meines einen Chefs so gut gemacht habe und er sehr angetan war, habe ich aus Dank vor einer Weile gleich noch eine komplexe Erbrechtssache bekommen. So richtig erfreut war ich darüber nicht, da mein Tisch eh mit lauter Fristensachen gefüllt war und eigentlich vor etwa einem 3/4 Jahr mit den Chefs abgestimmt worden war intern, dass mein Kollege Erbrecht macht … . Dafür hatte ich dann nämlich im Gegenzug Familienrecht übertragen bekommen, um Chef 2 zu entlasten.

Auch Familienrecht war etwas, mit dem ich so gar nicht vertraut war und das ich auch nie machen wollte. Inzwischen bin ich mit der Unterhaltsberechnung, Zugewinnausgleich usw. vertraut. Sowas lernt man nämlich alles nicht während der Ausbildung. Manchmal weiß ich auch nicht, ob ich das Vertrauen, mit dem meine Chefs mir früh in verschiedenen Rechtsgebieten komplexe, anspruchsvolle Sachen übertragen haben, positiv finden oder mich eher etwas ausgenutzt und ungut überfordert fühlen soll. Oft komme ich mir hier etwas wie der „Bedarfsfeuerlöscher“ vor, der von Brand zu Brand eingesetzt wird, ganz egal, was er sonst noch alles für Aufgaben hat. Zum Teil gehört das zum Los des Berufsanfängers, zum Teil liegt es an der „Gutsherrenhaltung“ meiner Chefs, die sich untereinander auch nie abstimmen, teils auch völlig andere Entscheidungen treffen, als zB mit mir abgestimmt; Mitarbeiterführung ist nicht deren Stärke. Immerhin wächst man mit seinen Aufgaben.

Hier ist im Zweifel eben alles völlig willkürlich. Der eine Chef macht so, weil ihm gerade danach ist, der andere Chef so; mit allen Vor- und Nachteilen. Was sollen sie da ihre Worte von gestern interessieren? Sicherheiten für Mitarbeiter sind völlig überbewertet./ Ironie

Nur meine Arbeitsbelastung, die wird gewiss hoch bleiben und damit auch meine Work-Life-Balance nicht gerade gut, selbst wenn vieles deutlich einfacher wird mit steigender Berufserfahrung. Und auch wenn es unter Chef 2 als Hauptchef einfacher ist, als unter der „Diva“.

Apropos „Diva“:
Chef 1 ist zu mir in letzter Zeit ausgesprochen freundlich, geradezu rücksichtsvoll. Im Moment ist er zum Glück urlaubsbedingt abwesend. Interessanterweise ist mit seiner Abwesenheit der Stresspegel bei allen (sic!) Mitarbeitern hier gesunken. Dafür hat mein junger Kollege nun die „Arschkarte“.

Chef 1 betrachtet ihn jetzt als seinen Leibeigenen „seine Arbeitskraft“ und kurz vor dem Urlaub von Chef 1 habe ich es erstmals miterlebt, dass mein sonst eher entspannter Kollege nicht pünktlich Mittagspause sowie pünktlich Feierabend gemacht hat, sondern stattdessen seinerseits Überstunden machen „musste“; auch zeigte er leichte Stresssymptome. Als ich das erstmals mitbekommen habe, habe ich einen Moment ungläubig mit gemischten Gefühlen innegehalten, bevor ich selbst noch kurz eine Sache fertigdiktiert habe und anschließend nach Draußen dann in den Park gegangen bin, um Mittagspause zu machen (was davon noch übrig war).

Für mich ist es seit meiner Einstellung vor ca. 1 1/2 Jahren Gewohnheit gewesen, die Mittagspause meistens mehr oder weniger zum Weiterarbeiten zu nutzen (ebenso wie ich selten pünktlich Feierabend gemacht habe), um überhaupt irgendwie mit der Arbeitsmenge zurande zu kommen.
Immer mit dem Risiko, dass Chef 1 letztlich die Zielpfosten mal wieder kurzerhand eigenmächtig heimlich verschiebt und mir im „Perspektivengespräch“ unerwartet vorwirft, das Tor nicht getroffen zu haben, auch wenn er mich kurz zuvor noch über den grünen Klee gelobt und seine generelle Zufriedenheit geäußert hat – und das Tor drei Meter weiter links stand. Mich macht so ein willkürlicher Zickzackkurs aus „Zuckerbrot & Peitsche“ bescheuert und der ewige Dauerschwebezustand verbessert meine Motivation überhaupt nicht.

Bzgl. der „persönlichen ReNo“ von Chef 1 – die als einzige ReNo nur für Chef zur Verfügung zu stehen hat und nirgendwo anders aushelfen darf, wie das hier eigentlich unter den anderen ReNos üblich ist – habe ich über den Flurfunk aufgeschnappt, dass sie diverse Überstunden im Umfang von insgesamt drei Wochen und noch ca. 20 Urlaubstage hat, die Ende des Jahres verfallen werden.
So wie die Ärmste aussieht, bräuchte sie diese Erholungszeit eigentlich dringend. Aber so gerne sich die „Diva“ als vermeintlich fürsorglich-verständnisvoller Arbeitgeber präsentiert, im Herzen betrachtet die „Diva“ ihre Untergebenen als Leibeigene und Kostenfaktoren, die gefälligst Gewinn erwirtschaften sollen. Am besten wäre es, wenn die Untergebenen überhaupt keinen Urlaub nähmen etc.. Die „Diva“ neigt eben dazu, sich selbst und andere als Arbeitskraft auszunutzen.

Eigentlich schade. Eigentlich mag ich die „Diva“ sogar auf ihre Weise. Nicht wegen ihres oberflächlichen Charmes und Scheinwerferlächelns, die sie bei Bedarf bei Mandanten, Richtern, Gegnern oder den eigenen Mitarbeitern einsetzt. Auch nicht wegen ihres „Reptilienblicks“, den sie auch bestens drauf hat, besonders, wenn sie angefressen ist (wenn man noch kann, sollte man ihr dann besser aus dem Weg gehen). Die „Diva“ ist der einzige Mensch, der es mit einem ruhig ausgesprochenen Satz schafft, dass Chef 2 wie ein kleiner Schuljunge wirkt; ich habe das einmal mitbekommen und die Art, wie die „Diva“ in dem Fall mit Chef 2 gespielt hat, fand ich sehr befremdlich … . So geht man nicht miteinander um.

Ich mag an der „Diva“ die fast kindlich anmutende Freude, wenn sie sich über einen erfolgreichen „Schachzug“ bei rechtlichen Streitigkeiten freut; die Durchsetzungsstärke nebst Entscheidungsfreude sowie die kleinen Eitelkeiten und beanspruchten Extrawürste, die sie irgendwo auch auszeichnen, ihre temporäre Einsatzfreude für ihre Untergebenen sowie Mandanten, wenn es gilt, diese gegenüber Dritten zu verteidigen, und ihre fachliche Kompetenz, an der sie einen bei guter Laune auch großzügig teilhaben lässt sowie sie manchmal selten auch Einblicke in ihre Schwächen nicht verhindern kann; der Arbeitsstress und ihre hohen Erwartungen stressen auch die Diva selbst.

Die „Diva“ kann bei guter Laune sehr umgänglich, großzügig-nachsichtig, lobend und ein interessanter, intelligenter Gesprächspartner sein, auch wenn man da trotzdem nicht zu vertraulich werden sollte. Schließlich ist das Ego der Diva hochempfindlich, am besten man schmeichelt ihr und bewundert sie, wo man es guten Gewissens ehrlicherweise kann. Katzenhaie sind ja auch nicht doof.^^