Vor ein paar Wochen als ich zu Besuch bei meinen Eltern war, kam das Gespräch auf ein mit meinen Eltern befreundetes Ehepaar und deren zwei Söhne.
Beiden Söhne ist vor vielen Jahren Asperger-Autismus diagnostiziert worden. Neu ist mir das nicht. Ebenso wenig, dass es die ein oder andere Ähnlichkeit zwischen Eigenarten bei ihnen und bei mir gibt; Dinge, von denen ich sonst niemanden kennengelernt habe, der das von sich kennt. Andererseits muss das nichts bedeuten. Umgangssprachlich gilt man schnell als „autistisch“ . Ein wenig scherzhaft haben mich meine Eltern früher so tituliert. Das war keineswegs abwertend gemeint und die Alternativbezeichnung für sagen wir mal „auffällig abweichendes Verhalten“ meinerseits war ansonsten das Zauberwort „introvertiert“, gerne gepaart mit „sensibel“ . Also jetzt von den liebevoll gemeinten Ausrücken meiner Eltern dafür. ^ ^
Mein Vater hatte dafür teils auch andere Bezeichnungen, wie „verstört“ , „unnormal“ , „soll sich nicht so anstellen!“ oder auch „verhalt‘ dich doch mal wie andere in deinem Alter!“ . Ihm ist zugute zu halten, dass hinter diesen Sätzen paradoxerweise seine Sorge stand, dass ich in der Gesellschaft zum „merkwürdigen“ Außenseiter heranreifen und es gerade auch bei Gleichaltrigen schwer haben könnte, wenn ich zu sehr auffalle als „anders“ .
Ab Volljährigkeit habe ich Dank der mir da erst so richtig uneingeschränkt offenstehenden Möglichkeiten über viele Jahre immer mal für mich versucht herauszufinden, ob und was denn nun mit mir von Grund auf verkehrt ist. Asperger Autismus war mit eines der ersten Möglichkeiten, neben banaler Introversion und Verträumtheit. Autismus zog ich in die engere Auswahl, verwarf dies jedoch später wieder, weil ich mir dafür einfach insgesamt zu unauffällig unter Menschen vorkam. Was noch passte war die Möglichkeit, dass ich einfach einen etwas ausgeprägteren schizoiden Persönlichkeitsstil habe, aber auch da bin ich mir heutzutage nicht mehr so sicher. Gut möglich, dass ich auch einfach ganz normal bin. Irgendwann habe ich die Suche nach Antworten auch zu den Akten gelegt. Es war für mich nicht mehr von so entscheidender Wichtigkeit, eine Antwort zu finden, was möglicherweise sogar als Zeichen von Heilung alter Verletzungen und Verunsicherungen gewertet werden kann. Allerdings hatte es auch pragmatische Gründe. Nach dem Studium verschiedener Fachliteratur war ich zu dem unbefriedigenden Ergebnis gelangt, dass man es bei mir wohl auch nicht mehr genau feststellen könne, was es nun ist (oder war). Dazu kommt, dass ich die Skepsis und „natürliche Scheu“ meiner Eltern gegenüber Therapien und Therapeuten teile; mir ist das einfach zu privat und letztlich muss man sich im Leben eh selbst helfen.
Als nun bei meinen Eltern das Gespräch auf diese beiden autistischen Söhne fiel, habe ich meine Mutter zu meiner eigenen Überraschung zum ersten Mal in meinem Leben einfach direkt gefragt, ob ich ihrer Meinung nach Asperger-Autismus haben könnte. Als wäre das die selbstverständlichste Frage überhaupt, erwiderte meine Mutter nüchtern: „Du hast da auf jeden Fall etwas von, aber du hast das nicht so ausgeprägt wie meine ehemalige Arbeitskollegin.“
Besagte Arbeitskollegin ist naheliegenderweise (erst spät) diagnostizierte Asperger-Autistin und hatte es am Arbeitsplatz zwischenmenschlich etwas schwer, mit meiner Mutter hat sie sich wiederum auf Anhieb gut verstanden; die beiden sind inzwischen befreundet.
Nachdem ich die Antwort meiner Mutter vernommen hatte, fiel mir wieder ein, warum ich es so oft von vorneherein sinnlos finde, meinen Eltern zu bestimmten Themen Fragen zu stellen. Danach bin ich nämlich regelmäßig noch verwirrter und habe nur noch mehr Fragen, auf die ich keine ergiebige Antwort erhalte. So auch hier: Auch mit Nachfragen wurde ich nicht schlauer. Meine Mutter wiederum fand, dass es doch völlig egal sei, ob ich nun Autist sei oder nicht, ich sei als Kind schon auffällig gewesen, aber sie habe keinen Sinn darin gesehen, mich testen zu lassen, da ich ja alles in allem klargekommen sei (bin ich nicht wirklich) und sie meine Auffälligkeiten nicht schlimm fand, getreu dem Motto: Jeder ist anders. Eine Diagnose würde bei mir heutzutage auch keinen Sinn ergeben, so meine Mutter weiter, das sei etwas für Härtefälle wie ihre Kollegin, welche die Diagnostik wegen ihrer beruflichen Einschränkungen/Probleme benötigt habe und nun frühverrentet sei.
Nachdem ich noch eine Weile darüber gegrübelt habe, ob ich nicht doch einfach besser jetzt als nie oder in späteren Jahren eine Diagnostik anstreben sollte, um nur für mich Gewissheit zu haben, habe ich es verworfen. Vielleicht ein Fehler. Vielleicht erspart es mir auch unnötiges Leid.
Im schlechtesten Fall im Nachhinein zu erfahren, dass eine Vielzahl meiner Probleme von klein an sozusagen nicht so hätten verlaufen müssen, würde mich auch nachträglich frustrieren. Das habe ich ja nicht einmal bzgl. meiner jahrelang von Ärzten übersehenen Hashimoto-Erkrankung mit Schilddrüsenunterfunktion vollständig verwunden. Bei der Hashimoto-Sache komme ich damit solange bestens klar, wie ich nicht über die Vergangenheit mit dem Wissen von Heute nachdenke. So viel dazu. Man soll eben nach vorn schauen, nicht zurück.
Und umgekehrt würde mir das Ergebnis, dass kein Autismus vorliege, auch nur wenig weiterhelfen, weil es geradezu der Klassiker ist, dass erwachsene Asperger-Frauen oft zu unauffällig (geworden) sind, um erkannt zu werden. Das würde mir auch immer dabei im Hinterkopf rumspuken. Zumal ich Zeit meines Lebens enorm viel Energie in das „Imitieren“ und „Anpassen“ bzgl. dieses ganzen zwischenmenschlichen Verhaltens gesteckt habe. Meine Familie hat darauf ihrerseits großen Wert gelegt. Ich könnte gar nicht mehr sagen, wie ich ursprünglich war. Es wäre auch irgendwie peinlich, wenn all meine Bemühungen normal zu sein nach Außen hin letztlich selbst im Erwachsenenalter doch nicht ausreichend wären. Und sofern es zutreffend wäre, dass kein Autismus bei mir vorliegt (was durchaus sein kann), wäre der Aufwand irgendwie überflüssig.
… außer eine menschenfressende Riesenspinne nähert sich.^^
Meistens ist es aber so, wie mein erster Arbeitstag am Dienstag:
Zu sagen, dass ich mich unwohl gefühlt habe, als ich zur Arbeit gefahren bin, wäre untertrieben gewesen. Andererseits bin ich jemand, der sich bereits als Kind um alles Mögliche und Unmögliche den Kopf zerbrochen und dadurch unnötig irgendwelche Angstszenarien erschaffen hat, von denen in der Realität kein einziges Szenario je so schlimm eingetreten ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Hätten meine Eltern geahnt, was ich alles mitbekommen und über was ich mir alles Gedanken gemacht habe, wären sie wohl ihrerseits beunruhigt gewesen. Sensibel zu sein ist imho für’n Arsch.
Bevor ich weiter ablenke zurück zu meinem Arbeitstag: Nach dem Betreten der Kanzlei registrierte ich, dass im besten Sinn alles wie immer zu sein schien; später sollte ich feststellen, dass die generelle „Laune“ sowohl der Angestellten, als auch der Chefs sogar etwas besser als sonst war; die Leute wirkten deutlich entspannter. Vermutlich lag es an dem guten Wetter und dem langen Wochenende vorher.
Unbehelligt konnte ich mein Büro betreten, nachdem ich routinemäßig im Vorbeigehen an den anderen Büros die üblichen Grußworte samt Lächeln und passender Stimmlage abgespult hatte. Dass mich niemand aufgehalten hatte, war schon mal ein gutes Zeichen.
Ich habe es eigentlich nicht so mit Sozialkram und all den dortigen ungeschriebenen, für mich bis heute teils etwas mysteriösen bis verwirrenden Regeln, die für andere Menschen kein Problem zu sein scheinen. Solche Routinen wie dieses „Begrüßungsritual“ finde ich daher gar nicht schlecht. Ich hoffe nur, dass ich nie beim Einkaufen oder so auf meine Kollegen treffe, denn dann könnte es sein, dass ich sie ansehe aber ggf. gar nicht als Kollegen erkenne und betriebsblind an ihnen vorbeilaufe, weil ich sie nicht im Supermarkt erwartet hätte und der ein oder andere Kollege für mich nicht soo leicht wiederzuerkennen wäre in anderer Kleidung etc..
Früher in der Schule oder auch im Studium ist mir das tatsächlich das ein oder andere Mal passiert, was das Gegenüber bestenfalls nur sehr irritiert, schlechtestenfalls verstimmt. Eine langjährige alles andere als unauffällige Freundin hatte sich in der Schule mal die Haare von dunkelbraun auf blond gefärbt. Wie soll ich sagen – ich habe ihr direkt ins Gesicht gesehen, mich gewundert, warum diese vermeintliche 6.-Klässlerin so groß ist und bin unmittelbar an ihr vorbeigegangen, grußlos. … Joa, sie hat es immerhin mit Fassung getragen. Ähnlich auch meine Kumpels später, wenn ich Anstalten gemacht hatte in größeren Menschenmengen wie der Mensa an ihnen vorbeizulaufen, obwohl ich wußte, dass sie irgendwo dort sind. Aus der Nähe habe ich sie immerhin dann doch erkannt (aus der Ferne allerdings nicht bzw. war ich mir nicht sicher – wenn ich sie überhaupt wahrgenommen habe). Zum Glück sind mir in meiner Freizeit bislang keine Mandanten über den Weg gelaufen; dass fehlte mir noch. … Den einen Vereinskollegen vom Kampfsport habe ich immerhin im Supermarkt gerade noch rechtzeitig wiedererkannt und das erlernte Sozialskript „Begrüßung 02“ abspulen können. *stolzaufmichbin*
Vielleicht schreibe ich irgendwann einmal einen Blogbeitrag über all die Sachen, die u.a. meine Eltern halb-ernst an leichten Autismus bei mir haben denken lassen. (Mein Bruder war in die Richtung auch auffällig, aber ist so wie ich nie getestet worden; früher war das auch einfach nicht so bekannt wie heuzutage). Als Kind war ich da aber deutlich auffälliger als später. Man lernt ja sehr viel durch Beobachten und Imitieren. Außerdem kann man sich vieles über den Verstand erschließen und durch Übung etc. den eigenen Tarnmodus optimieren. Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass meine Mimikry nicht löchrig wäre, aber sie reicht, um allermeistens als normal durchzugehen und selbst Momente, in denen sie versagt, noch drehen zu können, so dass ich lediglich als etwas eigen rüberkomme, z.B. wenn ich vergesse, bei meiner Mimik schauspielerisch nachzuhelfen. Keine Ahnung, ob man mir als Kind Asperger Autismus o.Ä. diagnostiziert hätte und ob das überhaupt zutreffend gewesen wäre – ich kann es nicht beurteilen, zumal es fast wieder normal ist, sich gerade als Kind etc. als andersartig zu fühlen und all der Rest – aber heutzutage bin ich zum Glück ausreichend sozialkompetent geworden und habe mich genügend angepasst/geändert, um definitiv nicht als Autist diagnostiziert zu werden. Außerdem könnte ich ja auch einfach nur recht introvertiert usw. oder schlicht anderweitig bekloppt sein.
So, zurück ins Büro (sorry fürs Abschweifen): Beim Anblick meines Schreibtisches war ich sehr positiv überrascht, denn dieser war sogar deutlich leerer, als ich ihn verlassen hatte. Mein einer Chef hatte zwei Akten kurzerhand selbst erledigt und mir so Arbeit abgenommen. Außerdem konnte ich beruhigt feststellen, dass sowohl auf die ReNos, als auch auf meinen einen Chef als Urlaubsvertretung Verlass ist. Es ist nicht so, dass ich ihnen das nicht zugetraut hätte, nur ist mir bei sowas nie ganz wohl, bis ich sehe, dass es funktioniert. Die noch zu bearbeitenden Neueingänge waren überschaubar; zum Teil waren dort auch Sachen bei, auf die ich schon gewartet hatte.
Ein Blick in den virtuellen Kalender meines anderen Chefs verriet mir, dass dieser bis Nachmittags noch wegen eines Gerichtstermins außer Haus sein würde. Die bevorstehende Begegnung mit ihm und der Umstand, dass er zuletzt ziemlich angesäuert war, wegen einer Sache, für die ich teilweise etwas kann, waren der Hauptgrund, warum ich mich sowohl an meinem ersten Urlaubstag, als auch am Pfingswochenende nicht wohl gefühlt und ein schlechtes Gewissen gehabt hatte. Dass er darauf zurückkommen würde, war sicher, aber scharf darauf war ich nicht.
So war es vielleicht ganz gut, dass er just gegen Mittag auftauchte, als ich noch gar nicht mit ihm gerechnet hatte und durch die Arbeit gut von meiner Sorge abgelenkt war. Zu meiner großen Erleichterung war er gar nicht so angefressen wie befürchtet, sondern sogar recht gut gelaunt. Nach dem üblichen Small Talk kam er dann auch wie es seine Art ist direkt auf die Sache zu sprechen und ließ durchblicken, dass er darüber noch einmal mit mir reden müsse und nicht zufrieden damit sei, wie die Sache gelaufen ist (Anmerkung: Es ging dabei mehr um den internen Ablauf). Erstaunlich entspannt meinte er noch, dass ich aber erst einmal wieder ankommen solle und wir die Tage darüber reden würden.
Es sollte aber doch schneller gehen, was gut war, da ich das nun nicht mehr die Woche über weiter mit mir rumschleppen muss. Nachmittags klingelte er bei mir durch, fragte (mehr der Form halber), ob ich gerade Zeit hätte, und so stand ich kurz darauf in seinem Büro. Meiner Persönlichkeit kommt sehr entgegen, dass er irgendwie das Talent hat, seine Kritik einerseits stets so zu verpacken, dass deutlich wird, dass er das so nicht haben will, und wie er es sich wünscht, ggf. sagt er auch so wie am Dienstag, dass er angefressen war und warum (gut, dass ich ihm nicht vorletzten Montag über den Weg gelaufen bin^^) – wie er selbst einräumt, ist er auch perfektionistisch und anspruchsvoll sowie manchmal ein klein wenig „launisch“, wenn er seine Erwartungen nicht 1:1 umgesetzt sieht – aber er gestaltet derlei Gespräche zugleich so, dass das Gespräch im Ergebnis konstruktiv ist, sich gar nicht sooo sehr wie ein „Kritikgespräch“ anfühlt und „ein gutes Miteinander“ bewahrt bleibt.
Auch wenn ich solche Gespräche nie mögen werde, hat dieses Gespräch letztlich sogar das gegenseitige Verständnis gefördert und ich habe nun bzgl. der künftigen Handhabung ein wichtiges Fragezeichen weniger im Kopf.
Selbstverständlich bleiben für mein (über-)selbstkritisches Ich noch genügend andere Sachen, wegen der ich mir auch weiterhin im Grunde täglich vorsorglich Sorgen machen und Angstszenarien entwerfen werde, um „vorbereitet“ zu sein und nicht eiskalt erwischt zu werden (wird man im Zweifel trotzdem, nur anders, als erwartet). Sonst wäre das Leben ja auch viel zu stressfrei und angenehm.
… so kommt es mir jedenfalls ein bisschen vor angesichts des Shutdowns und des Schneeregens Draußen.
Meine Robe wird länger im Schrank hängenbleiben, so viel steht nun fest. Sämtliche Gerichtstermine in nächster Zeit sind wegen der Virus-Situation aufgehoben. Das ist mir insoweit recht, schließlich habe auch ich kein Interesse an einer Infektion.
Privat mache ich mir ein bisschen Sorgen um meinen Kumpel B.. Genervt bin ich dagegen von manchen anderen sozialen Kontakten, mit denen ich teils keinen Kontakt mehr haben möchte oder nur einen rein bekanntschaftlichen Kontakt.
Bisher hatte das auch einigermaßen funktioniert, nur scheint denen durch die aktuelle Situation die Decke auf den Kopf zu fallen und so strecken sie ihre Fühler wieder verstärkt nach mir aus. Es mag für Außenstehende nicht nachvollziehbar und übertrieben sein, aber ich hasse sowas. Zumal wenn ich meine Grenzen bereits deutlich abgesteckt habe in dem einen Fall – oder sie wie in dem anderen Fall zumindest mit etwas gutem Willen deutlich zu erkennen wäre. Vorausgesetzt, man ist bereit zu akzeptieren, dass das Gegenüber keinen Kontakt möchte.
Der eine Witzbold schlägt gar vor, dass wir uns doch derzeit gut zum Spazierengehen treffen könnten, nachdem ich seine vorgeschobenen anderen Anfragen wie ein Lotusblatt habe abgleiten und ihn damit ins Leere laufen lassen. … Ohne Worte! Sowohl der Vorschlag selbst in diesen Zeiten, als auch seine Motivation dahinter.
Ich bin mir inzwischen sicher, dass der immer noch verknallt in mich ist und meine insofern deutliche Grenzziehung immer noch nicht kapieren will, auch wenn er sich nicht traut, das offen zu kommunizieren – und sich eine weitere direkte Absage einzufangen. Stattdessen versucht man(n) es lieber unter falscher Flagge mit regelmäßigen Fragen per WhatsApp, die allesamt unter diversen Vorwänden darauf abzielen, mich irgendwie zu einem realen Treffen zu bewegen.
Mich macht das ehrlich aggressiv. Eben dieses „sich unter Vorwänden wieder an einen heranwanzen“, obwohl bereits ein deutliches Nein von mir zu einer sexuellen oder partnerschaftlichen Beziehung zwischen uns steht.
Noch einmal falle ich bei dem auf die auch anfangs vorgetäuschte „Kumpelschiene“ nicht herein. Zumal einem das ja noch später verdreht wird, dass man ja auch freundlich reagiert habe und sich der andere daher berechtigt Hoffnungen auf mehr gemacht hätte (obwohl ich mich alles andere als flirtend verhalten habe; eben tatsächlich rein kumpel-bekanntschaftsmäßig; da ich kein weitergehendes Interesse an anderen habe, ist das mein genuines Verhalten).
Was läuft bei solchen Menschen eigentlich verkehrt? Sind das die Hormone? Ist das der Sexualtrieb? Was ist bitte so schwer daran zu akzeptieren, wenn jemand keinen (vertieften) Kontakt mit einem möchte? Schon gar nicht mit partnerschaftlichen bzw. sexuellen Absichten. Davon hängt doch echt nicht das eigene Wohlergehen ab. Dann lässt man denjenigen eben in Ruhe und fertig.
Wenn das so weitergeht, werde ich irgendwann höchst unfreundlich werden (müssen). Nach den typischen ungeschriebenen Spielregeln bin ich dann das Arschloch, das man dann noch zu allem Überfluss vollzujammern versucht. Alles schon gehabt. Verliebte haben Narrenfreiheit bei Grenzüberschreitungen und wehe man wehrt sich als Gegenüber irgendwann härter, weil alles andere vorher nicht erhört worden ist.
Ganz generell, nicht nur auf die beiden bezogen, obwohl sie zu diesem Personenkreis zählen: Mir gehen diese Mitmenschen so auf die Nerven, die mit sich selbst nichts anzufangen wissen und sich dann an einen zu kletten versuchen, weil sie soziale Bespaßer suchen. Im Moment drehen die besonders am Rad, weil sie auf Entzug sind.
Am liebsten hätte ich real, wie auch im übertragenen Sinne einen Zorbing Ball. Damit wäre die soziale Distanz gewahrt, auch gegen aufdringliche Mitmenschen sowie Viren, und man könnte sogar über’s Wasser laufen.
Am Wochenende habe ich Star Wars: Die letzten Jedi gesehen und muss meine bisherige schlechte Meinung über die neue Triologie revidieren; so schlecht war der Film gar nicht. Gerade auch nicht im direkten Vergleich zu den allerersten Filmen, die mir in etwas verklärter Erinnerung aus Kindheitstagen sind. Und so niedliche Wesen wie die Kristallfüchse stimmen mich zusätzlich gnädig. Das ist wie bei Katzen, da bin ich machtlos.
Machtlos fühle ich mich im negativen Sinne derzeit auch bezüglich meines Alltags. Die letzte Sporteinheit ist mehrere Wochen her und obwohl ich mir fast täglich neu vornehme, den nächsten Abend (oder am Wochenende tagsüber) aber wirklich Laufen zu gehen Draußen, bekomme ich das nicht hin.
Gründe könnte ich viele aufzählen, angefangen davon, dass ich abends nach einem Tag voll mit Aufgaben und Anforderungen einfach am Ende meiner Selbstdisziplin angelangt bin. Bis auf wenige Ausnahmen haben sich meine Beine beim Laufen wie Blei angefühlt, abgesehen von der schlechten Kondition, die mittlerweile im Keller angelangt sein dürfte.
Im Moment ist es abends zudem arschkalt, mir sind am Samstagabend beim erstmaligen Spazierengehen als spärlicher Ersatz zum Laufen trotz der Handschuhe die Hände fast abgefallen; außerdem habe ich selten solche Schmerzen nur durch Kälte in den Händen gehabt. Zuletzt hatte ich das einmal beim Skifahren in den Alpen vor zig Jahren. … Das Blöde ist auch, dass die Schmerzen auch nach dem Reinkommen ins Warme erst so richtig fies werden, bevor es besser wird. Ob einem eigentlich unter solchen Umständen die Finger abfrieren können? Ist das medizinisch möglich? Und warum unternimmt mein unfähiger Körper nichts dagegen?! Reserven hätte er genügend, die er für die Wärmeproduktion verwenden könnte – macht er nur nicht, blöd wie er ist.
Ich verstehe meinen Körper nicht. Noch bis vor etwas über einem Jahr dachte ich, mein Körper würde endlich mal normal funktionieren, so nach Jahren mit mehr oder weniger ausgeprägter Schilddrüsenunterfunktion, und ich könnte ihm vertrauen. Also das Vertrauen ist jedenfalls inzwischen wieder so ziemlich weitgehend dahin.
Mein Körper funktioniert zumindest nach meinem subjektiven Eindruck nicht wie ein normaler Körper und baut immer weiter ab. Nicht einmal der Wasserhaushalt funktioniert normal; während der 2. Zyklushälfte ist es nochmals schlimmer seit etwa einem 3/4 Jahr, seitdem überhaupt die ganzen Beschwerden angefangen haben, mit denen ich mich seitdem chronisch herumschlage. Die Ursache finde ich einfach nicht und später kam dann auch noch diese auf Dauer etwas lästige Sache mit dem sporadischen Übergeben hinzu. Gut, dass ich meine Gene nicht weitergeben werde. Soll sich das bessere Genmaterial anderer Menschen durchsetzen.
Irgendwie habe ich auch aus dem Grunde keine richtige Lust, mich mehr als notwendig um meinen Körper zu kümmern. Warum etwas pflegen, das so defizitär ist? Dann doch besser den Gnadenschuss geben. Dass ich mich überhaupt um ihn kümmere liegt an einer Mischung aus Pflichtbewusstsein und dem Bestreben, vor anderen Menschen – vor allem auf der Arbeit – nicht negativ aufzufallen bzw. kränklich zu wirken; gerade in diesen Zeiten nicht.
Das Positive am Virus ist immerhin, dass ich nun ohne aufzufallen mit Latexhandschuhen einkaufen gehen kann. Ich wollte immer schon mal Professor T im Supermarkt spielen. Außerdem hat sich die Richterin noch gemeldet und den einen Termin kurzfristig abgesagt. Auch andere Gerichtstermine sind kurzerhand mit Verweis auf das berühmte Virus auf den Sommer verlegt worden, mit zwei Ausnahmen, aber ich denke, dass auch die Termine vermutlich noch verlegt werden.
Wahrscheinlich wird sich die Virus-Sache noch weiter ziehen und auch hier schlimmer werden, denke ich. Italien, Spanien, der Schweiz und all den anderen betroffenen Ländern drücke ich die Daumen.
Man soll ja immer etwas Positives schreiben. Andererseits bin ich derzeit eigentlich fast nur erschöpft, komme privat zu fast nichts und bin von mir selbst und meinen Mitmenschen genervt, obwohl ich beruflich meinen Umsatz deutlich steigern konnte und eigentlich im Moment erfreulicherweise etwas entlastet bin und die immer noch genügend vorhandenden Angelegenheiten abarbeiten kann; dem Virus sei Dank.
Ein bisschen merkwürdig finde ich die Klagen einiger Mitmenschen über den verordneten sozialen Rückzug. So lebe ich quasi immer schon. Bei mir ist lediglich der Vereinssport weggefallen, aber alle anderen empfohlenen Maßnahmen wie Abstand zu anderen, sich nicht mit anderen verabreden und möglichst in den eigenen vier Wänden aufhalten etc. pflege ich in meinem Alltag seit Jahren. Es ist eine absolute Ausnahme im Jahr, wenn ich mich privat verabrede. Es ist aktuell doch sogar schöner, als normal, da man beim Spazierengehen im Feld und Wald nun wirklich fast keine anderen Menschen mehr trifft; auch auf den Straßen hier sind so gut wie keine Menschen mehr. Paradiesisch! Zu hören, wie schlimm nicht wenige so ein Leben bereits nach wenigen Tagen finden, macht mich etwas ratlos. Ich würde denen gerne etwas Freundliches und Ermunterndes sagen, fürchte aber, dass einfach nur mein geballtes Unverständnis ankommen wird.
Wenn ich mir was wünschen könnte, wäre das ein Impfstoff gegen Corona, Sommer mit Wärme und langen, hellen Abenden für Eulen wie mich und eine Katze. … Wobei die Katze vielleicht doch lieber nicht; diese Miniatur-Tiger sind so anspruchsvoll und inkompatibel zu meiner berufsbedingten häuslichen Abwesenheit tagsüber. Ein im benachbarten Wald freilebender Polar- oder Kristallfuchs, eine Wildkatze, ein Luchs und ein Rabe wären besser.
Über den heutigen Tag schweige ich mal besser. Arbeit war an sich sogar gut – bis auf die letzten 2h, in denen ich deutlich langsamer vorangekommen bin, als von mir geplant. Aufgehalten hatte mich das umfangreich auszuwertende psychologische Sachverständigengutachten in einer leidigen rechtlichen Angelegenheit. Ist zwar nicht schlimm und ließ sich eh nicht groß ändern, aber mich stört sowas trotzdem.
Ganz ähnlich verlief auch der Abend Zuhause, der an sich sogar gut anfing Ich habe ein, zwei Sachen anders als sonst gemacht, konstruktiver; das hat gleichwohl nichts daran geändert, dass es alsbald destruktiv wurde => Hallo Samstagabend, schön dich wiederzusehen. Ich sollte damit aufhören, mir nicht nur in dem Bereich mein Leben regelmäßig unnötig schwieriger zu machen und in einem gewissen Rahmen immer dazu zu neigen, das zu sabotieren, was ich mir an konstruktiven Dingen aufgebaut habe. Irgendwie neige ich sehr stark dazu; das Spiel heißt: Me vs. Me. Gewinner wird es keine geben.
Mal weg von der Gegenwart – Vorsicht, der nachfolgende Text hat Überlänge: Am Wochenende bin ich über Mr. Snape aus dem Harry Potter-Universum gestolpert. Nicht, dass mich die Potter-Welt je interessiert hätte, nur erinnert sie mich immer an zwei Personen, von denen ich bei mindestens einer gerne wüßte, wie es ihr heutzutage geht, was sie so macht etc..
Die Rede ist von einer Mitschülerin, die mit mir von der Grundschule bis hin zum Abitur in einer Klasse (bzw. später in einer Stufe) gewesen ist. Sie wurde von den meisten Mitschülern nicht beachtet, immerhin nicht schikaniert, und war oft bemüht, Anschluss zu finden. Ich weiß nicht genau, sie tat mir irgendwie Leid, weil sie auf mich einen freundlichen sowie durchaus patenten Eindruck gemacht hat und ich damals noch nicht gelernt hatte, mich emotional von dem Leid anderer besser abzugrenzen (heutzutage geht das, nur Tiere sind nach wie vor bis zu einem gewissen Grad meine Achillesferse).
Es gab an sich keinen rationalen Grund, warum unsere Mitschüler sie im Kollektiv links liegen ließen. So einige andere Mädchen mit durchaus miesen Charakterzügen waren dagegen beliebt. Merke: Je zickiger, desto umschwärmter von Jungen wie Mädchen. Das war auch so im Sportverein. Muss man das verstehen? Das war mit etwas, warum ich offen gesagt meine Mitschüler als Gruppe ein Stück weit verachtet habe.
Wie so Schafe, die unbedingt jemanden über sich brauchen, egal wie schlecht der sie behandelt. Warum nicht stattdessen als freier Mensch sein eigener Herr sein?!
Trotz einer kurzen Phase, in der jenes Mädchen und ich uns das ein oder andere Mal privat getroffen hatten, reichte die Passung irgendwie nie so recht zu einer engeren Bekanntschaft; der Kontakt verlief sich schnell wieder. Trotzdem mag ich ihre Person von damals bis heute – so wie mir jeder in Erinnerung ist als Persönlichkeit, mit dem ich näher zu tun hatte. Wie so eine Art Abdruck desjenigen als intuitive Erinnerung an denjenigen in meinem Bewusstsein.
Darüber hinaus wäre da noch meine „frenemy-Freundin“ S. aus der Schulzeit, bei der ich mich seltener frage, was aus ihr geworden und was für ein Mensch sie heute ist.
Unsere Freundschaft war insgeheim, später deutlicher, davon überschattet, dass sie neidisch bis missgünstig auf mich und von verschiedenen Komplexen zerfressen war. Lange hat sie die ein oder andere vergiftete Bemerkung im Anschluss gleich wieder als Scherz abgetan, so dass ich öfters verwirrt war, weil das, was ich aus ihrer Stimme, Mimik etc. zuerst wahrzunehmen geglaubt hatte, nicht dazu passte, was sie später sagte.
Damals war ich aufgrund ungünstiger Entwicklungsprozesse generell schnell dabei, an meiner Wahrnehmung zu zweifeln und die anderen für normal, und mich für unnormal zu halten. Auf der anderen Seite – ich kann es schlecht beschreiben – war der „intuitive“ (richtige) Eindruck von jemanden bei mir immer schon sehr stark ausgeprägt.
S. und ich haben uns in der 7. Klasse kennengelernt, da die Klassen je nach Wahlfach (Latein oder Französisch) neu zusammengelegt wurden. Der Zufall wollte es, dass wir nebeneinander saßen. Mir war an sich egal, wer neben mir saß, Hauptsache, derjenige störte mich nicht. In der 5. und 6. Klasse hatte ich endgültig einsehen müssen, dass ich meine drei – vier langjährigen „Freundschaften“ aus dem Kindergarten und der Grundschule an den Nagel hängen konnte. Der Grund im Außen waren vordergründig meine zu guten Noten und mein Interesse am Schulstoff, an denen sich meine „Freunde“ (2x m, 2x w) plötzlich störten, nachdem sie in der Grundschule davon profitiert hatten, da ich sie regelmäßig hatte abschreiben lassen und ihnen auch anderweitig mit dem Schulstoff geholfen hatte. Das Ganze lief unschön ab.
Ok, es war sicher nicht gerecht, dass sie tagelang für Arbeiten lernen mussten, während ich für die Schule kaum etwas getan habe; ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, dass mir der Schulstoff eher leicht fiel, da andere das irgendwie als Makel zu sehen schienen.
Dazu kamen meine interessierten ergänzenden Fragen im Unterricht, die den ein oder anderen Lehrer aus dem Konzept brachten und meine Mitschüler genervt haben, weil es sie nicht interessiert hat. Am Ende musste ich mir die Antwort Zuhause eh selbst suchen, daher habe ich irgendwann gar nicht mehr gefragt (Standardantwort im Unterricht (sinngemäß): „Deine Frage sprengt den Unterrichtsrahmen; das ist im Schulstoff nicht vorgesehen, dass wir uns vertiefter damit beschäftigen.“ oder auch: „Darüber habe ich noch nie nachgedacht, das kann ich dir auch nicht sagen.“). … Es gab nur ca. zwei Lehrer, die wirklich inhaltlich auf diese Fragen eingegangen sind. (Und nein, ich habe nicht ständig gefragt, aber warum behandeln wir überhaupt ein Thema im Unterricht, wenn es dann nur grob, manchmal auch unvollständig bis falsch angerissen wird? Wo ist da der Sinn?).
Unangenehmerweise stand ich auch anderweitig unfreiwillig in der Schule im Mittelpunkt, spätestens vor allen Mitschülern, wenn am Ende des Schuljahres die notenmäßig besten Schüler die Zeugnisse vor der gesamten Stufe überreicht bekamen. Ich weiß nicht, welcher pädagogische Vollidiot sich das ausgedacht hat; so war mein sozialer Ruf am Gymnasium in den Augen meiner Mitschüler bereits in der 5. Klasse ruiniert. Wer gute Noten hat, gehört nicht dazu.
Gleichwohl bin ich nie schikaniert worden, sicher auch, weil ich sehr sportlich war und durchaus sowas wie Schulfreundschaften hatte, im Zweifel eben im großen Kreis der irgendwie „Uncoolen“, was dann schon wieder als cool galt (Merke: Das gibt soziale Pluspunkte); es kam mal die ein oder andere Bemerkung a la „Scheiß Streber“ etc., aber am Ende des Gymnasiums stellte sich heraus, dass ich viel respektierter gewesen war, als ich das immer so empfunden hatte. Es gab sogar mal eine Phase etwa ab der 10. Klasse, in der ich von dem ein oder anderen fast bewundert worden bin, weil gute Noten da auf einmal als „cool“ galten und ausgerechnet die, die vorher so auf die „Streber“ geschimpft hatten, ihrerseits zu echten Strebern mutiert sind, weil sie einen guten Abischnitt haben wollten. Solche Leute habe ich ja besonders gerne.
Allerdings nützte mir meine plötzliche unfreiwillige Beliebtheit nichts mehr, hatte ich doch zu dem Zeitpunkt längst innerlich mit meinen Mitschülern und der Heuchelei in der Schulführungsetage abgeschlossen; ich pflegte den ein oder anderen bekanntschaftlichen Kontakt in der Schule zu den nicht ganz so mitläufermäßigen Mitschülern und blieb für mich; alleine ist man immer in guter Gesellschaft, unter anderen Menschen nicht unbedingt.
Darüber hinaus habe ich mich seit jeher unter Älteren wohler gefühlt; die Denkweise war irgendwie anders und mir näher. So ist u. a. der bis heute andauernde Kontakt mit dem gemeinsamen Kumpel meines Bruder entstanden, mit dem ich gemeinsam mit meinem Bruder auch damals schon viel unternommen habe, wenn ich mal etwas geselliger drauf war oder mein Bruder mich erfolgreich zu „Partybesuchen“ überredet hatte, die regelmäßig damit endeten, dass wir beide zu Fuß frühmorgens längere Fußwege von bis zu über einer Stunde nach Hause zurückgelegt haben. Ich fand das mit die schönsten Momente, wenn alles so ruhig und menschenleer war, die Morgendämmerung bevorstand und wir am Wald entlangliefen; Dorf und ländliche Gegend eben. Da fuhr zu der Zeit längst kein Bus mehr. Auch alleine gehe ich bis heute nachts am liebsten zu Fuß nach Hause von Treffen/Partys; egal ob in der Großstadt oder anderswo. Meine Eltern sind lange tausend Tode gestorben, weil ich nachts so gerne alleine unterwegs war und kein Taxi nehmen oder mich anderen für den Rückweg anschließen wollte.
Ich führte ca. ab der 8./ 9. Klasse eine Art Doppelleben: In der Schule galt ich als brav, verträumt und intelligent, mit bisweilen höchst komischen Ideen, wenn ich z.B. im Religionsunterricht die Meinung vertrat, dass doch jeder die Art von Beziehung/Partnerschaft führen solle, die für ihn passt, und wenn dann eben drei zusammen sind in einer Partnerschaft oder man eine lose Sexbeziehung unterhält. Solange das für alle Beteiligten passt, sei daran aus meiner Sicht nichts auszusetzen und von anderen abzuwerten. Das hatte ich auch nur deshalb im Unterricht in der 8. Klasse ausgesprochen, weil sich die ein oder andere Mitschülerin abfällig über derlei verkommene Lebensführungen geäußert hatte, unter allgemeiner Zustimmung, auch des Lehrers. Das Unterrichtsthema lautete ironischerweise irgendwas mit „Liebe und Beziehung“.
Für meine Mitschüler, die das klassische 1-Mann mit einer Frau-Modell als für alle einzig richtig ansahen, war das so, als hätte ich behauptet, die Erde sei eine Scheibe. Für die echten Gläubigen unter ihnen war es so, als hätte ich zum Gruppensex aufgefordert mit meiner Idee. Der Reli-Lehrer, der recht konservative Ansichten vertrat und dem meine ketzerischen Ideen eh ein Dorn im Auge waren, sah sich daraufhin veranlasst, mich im Unterricht zum Abschuss freizugeben und meine Mutter zum Elterngespräch einzuladen, da er angeblich Sorge um meine sittliche Entwicklung hatte.
Das einzige Elterngespräch, das meine Eltern wegen mir je mit Lehrern führen mussten. Meine Mutter hat mich gut vertreten; leider durfte ich selbst nicht daran teilnehmen. Da ich in Reli gleichwohl ebenfalls stets ein „sehr gut“ bekam, da ich mich ja auch generell als einer der wenigen am Unterricht beteiligte (auch nicht nur mit solch‘ „ketzerischen“ Ansichten^^) war dem Lehrer der Vorschlag meiner Mutter nicht recht, dass ich in Reli für das laufende Schuljahr auf eine Benotung verzichte und den Kurs abwähle. Hätte ja seinen Schnitt runtergezogen. Arschloch.
Jener Lehrer hat immer so auf „Schülerkumpel“ gemacht und sich locker-humorvoll gegeben, war aber mit einer der linkesten Lehrer, dem der ein oder andere Mitschüler zum Opfer gefallen ist. Seiner Beliebtheit hat das keinen Abbruch getan und er war lange aufgrund seiner Beliebtheit unter den Schülern Vertrauenslehrer, ausgerechnet.
Meine allgemein gemeinten Ideen z.B. zu Partnerschaften etc. wurden von ihm und manchen Mitschülern so verdreht, dass ich diese Art von Beziehungen selbst eingehen wollen würde, dabei hatte ich das eher von einem allgemeinen, mehr ethischen Standpunkt aus gemeint. Kleingeister. Dass hat mich an der Schule und den Leuten dort immer schon angekotzt menschlich. Dieses ganze Spiel hinter den Kulissen, gepaart mit dieser Engstirnigkeit und sich als gute Menschen aufspielen, während andere Schüler tatsächlich unter die Räder gekommen sind, weil sie irgendwie aus dem Rahmen fielen oder anderen Mitschülern (mit Vitamin B) missgünstig waren.
Etwa ab dem 9. Schuljahr kiffte ich in meiner Freizeit sporadisch je nach Lust und Laune entweder mit meinem Bruder oder gemeinsam mit dessen Clique und lernte einige schräge Gestalten kennen. Der Reiz des Verbotenen hat mich immer schon fasziniert. Wir haben auch viel gezockt; das habe ich auch sehr gerne alleine gemacht. Daneben bin ich verschiedenen Sportarten nachgegangen, denn Freizeit hatte ich mehr als genug, da mich der Schulstoff mäßig bis kaum forderte. Ich wage zu behaupten, dass das am Schulstoff lag und nicht an mir. Sonderlich intelligent war ich für meinen Eindruck nie; ich habe mich eher oft dumm gefühlt.
Zurück zu S.: Während unsere Freundschaft im 7. Schuljahr noch recht intakt war und wir gemeinsam mit einem Kumpel oft zu dritt abhingen, später auch mit zwei weiteren Mitschülerinnen, entwickelte sie zunehmend fiese Züge: Sie stand immer schon gerne im Mittelpunkt, ganz im Gegensatz zu mir, selbst wenn sie dafür erfundene Geschichten erzählen musste. Irgendwann im 1. Schulhalbjahr des 8. Schuljahres fing sie an, auf einer der beiden Mitschülerinnen, C., herumzuhacken. Der Grund war banal, auch wenn sie es nie zugegeben hätte: S. war auch nach ihrer Crash-Diät etwas übergewichtig und gegenüber allen weiblichen Wesen, die irgendwie hätten attraktiver sein können aus S.‘ Sicht, höchst missgünstig; sie fühlte sich denen unterlegen.
C. beklagte sich zwar und litt unter den Verbalattacken von S., wehrte sich jedoch nicht. Als ich C. in Schutz genommen hatte, erklärte C. vor der Clique, dass alles ok sei, sie fände S.‘ (giftige) Kommentare angeblich lustig. Dabei war sie es, die danach oft den Tränen nahe war und sich unter vier Augen bei mir beklagt hatte (da S. und ich sowas wie die äh „Tonangeber“ in der Kleingruppe waren). Mir war das Ganze dann zu dumm, zumal ich Verhältnisse auf Augenhöhe bevorzugte, und ich mochte mir das Spiel von S. nicht länger geben. Der gemeinsame Kumpel war inzwischen zur Realschule gewechselt.
Danach verbrachte ich die Pausen lieber alleine, wenngleich S. und ich weiterhin nebeneinander saßen im Unterricht. Ich ignorierte sie, soweit möglich. Zumal sie dann auch erfolglos versuchte, Mitschüler gegen mich aufzubringen und öfters stichelte, während sie sich weiter veränderte. Auch ihr waren meine Noten verhasst. Sie fing irgendwann an, sihc zu ritzen. Einmal auch fast provokativ, als wir uns verabredet hatten, und sie sich von mir nicht ausreichend beachtet fühlte. Bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass es Ritzen gibt und was das ist.
Im 2. Schulhalbjahr der 8. Klasse versuchte S., sich umzubringen. Die Ernsthaftigkeit dahinter habe ich immer bezweifelt, weil sie es mit Leichtigkeit so hätte anstellen können, dass es geklappt hätte. Sicher ist gleichwohl auch ein Appellsuizidversuch ernstzunehmen und deutet auf größere Probleme hin.
Während sie eine Weile in der Kinder- & Jugendpsychiatrie verbrachte, appellierte die damalige Vertrauenslehrerin während des Unterrichts vor allen Mitschülern explizit an mich, dass ich nun besonders für S. da sein müsse. Leider hat mich das aus idiotischem Mit- und Pflichtgefühl bewogen, die „Freundschaft“ mit S. fortzusetzen. Ein Fehler, der bei mir zu Schäden geführt hat, denn S. hatte doch gravierendere Persönlichkeitsprobleme, die sie u. a. an mir verdeckt ausgelebt hat.
Darüber hinaus hielt die Vertrauenslehrerin es für eine gute Idee, eine weitere, verhaltensauffällige neue Mitschülerin aus der Parallelklasse neben mich zu setzen, da sie hoffte, dass ich mit meiner Art einen guten und stabilisierenden Einfluss auf diese haben würde. Jene Mitschülerin quatschte mich ständig im Unterricht von der Seite an, versuchte meine Sachen zu bekritzeln und wollte mir irgendwelche Fotos etc. von ihren Selbstverletzungen zeigen und dass ich mir ihre „Psycho-Scheiße“ anhöre, die sie geradezu genüsslich ungefragt ausbreitete. Als wäre ich ihr kostenloser Seelenmülleimer. Verbat ich mir derartiges ihr gegenüber, wurde ich von der Lehrerin angemacht, dass ich den Unterricht stören würde. Ich verstand die Welt nicht mehr und war schnell gehemmt, mich überhaupt noch zu wehren.
Als ich mich aufgrund der ständigen Störungen etc. wegsetzen wollte -mir ging es zu der Zeit selbst nicht gut- versuchte jene Lehrerin, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, angeblich sei ich anderen von der Reife her voraus und könnte der Mitschülerin daher doch helfen etc.; dabei tat die Lehrerin so, als wäre mein Verhalten absolut unerklärlich/seltsam, ja fast kaltherzig, da ich der Mitschülerin ja offenbar nicht helfen wolle. Dabei war sie über jene Mitschülerin bestens im Bilde, wie hinterher herauskam.
Mir kam in der Zeit vieles surreal vor und ich traute meiner eigenen Wahrnehmung noch weniger, als vorher. Es gibt natürlich Schlimmeres, aber das alles hätte nicht sein müssen. Es ist neben einem anderweitig bescheuerten Trainer im Handballverein das letzte Mal in meinem Leben gewesen, dass ich mich unter dem Druck von „wohlmeinenden Dritten“ derart selbstschädigend habe manipulieren lassen.
Später habe ich dann bis ca. zum 10. Schuljahr den endgültigen Absprung sowohl von S., als auch von jenem Handballtrainer geschafft. Die andere Mitschülerin hatte zu meinem Glück nach einem sehr anstrengenden Schulhalbjahr mit ihr einen anderen Kurs gewählt und später die Schule ganz verlassen.
Später, in der Oberstufe, hatte ich zwar die ein oder andere Schulbekanntschaft mit anderen Mitschülern, die ganz ok war, aber eigentlich war ich auch in der Schule (wieder) am liebsten für mich alleine. Möglicherweise hat das zu einem guten Teil an mir und nicht an jenen Erlebnissen – oder eben an meiner sich bis dahin entwickelten „depressiven Verstimmung“, wohl durch die lange übersehene Schilddrüsenunterfunktion, später dann auch der Essstörung gelegen, weil ich trotz aller temporären Geselligkeit im Herzen stets einzelgängerisch veranlagt war und mich unter Gleichaltrigen nie recht zugehörig gefühlt hatte; daran haben auch die Freundschaften mit anderen nie etwas geändert.
Im Kern ist das bis heute so, auch wenn mir der ein oder andere irgendwo durchaus nahe ist und ich seit vielen Jahren drei solide (echte) Freundschaften habe.
Am Ende des Tages lebt man sein Leben alleine und mangels Telepathie ist niemand in der Lage, die jeweilige individuelle innere Welt des anderen wahrhaftig zu erfassen; man sieht immer nur Ausschnitte von der inneren Landkarte des anderen. Es stirbt insofern auch jeder für sich alleine, egal wie viele nahe Menschen dabei versuchen, Unterstützung zu spenden. Das, was ich als „innere Glasscheibe zu anderen“ beschreiben würde, bringt das Kafka-Zitat auf den Punkt:
Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich.
Dank diverser Episoden The Walking Dead & Co. sowie des genialen Simulationsspiels „Plague Inc.“ bin ich theoretisch gut auf die Corona-Apokalypse vorbereitet.
Rein praktisch ist eine unserer Auszubildenden, die aus Italien stammt und – neben den anderen Mitgliedern ihrer hier lebenden Großfamilie – dorthin regelmäßig reist, Freitag erkrankt. Sie musste sich dann wegen Fieber, Heiserkeit und Erkältungssymptomen mittags krank melden. Passenderweise hatte sie mir vormittags noch bei etwas Organisatorischem geholfen, so dass wir viel Kontakt hatten.
Eine meiner hygienisch ohnehin katastrophalen „Kundinnen“ hustete auch vor sich hin, natürlich ohne sich irgendwie abzuwenden oder zumindest in die Armbeuge zu husten. Ihr Kopftuch wurde nach dem Trinken kurzerhand als Serviette benutzt, da ihr das Wasser aus dem Mundwinkel über das Kinn herunterlief, ohne dass sie sich groß daran störte. Anschließend wurde das Kopftuch natürlich aufbehalten während sie rülpste; mich ekelte es insgesamt bei diesem Anblick. Aber was will man von leider tatsächlich kognitiv minderbemittelten Menschen (vulgo: dumm) anderes erwarten? (Ich will mal nicht hoffen, dass dieses Verhalten in ihrer Kultur so üblich ist, bin mir aber angesichts meiner bisherigen Erfahrungen damit nicht so sicher; ich weiß wirklich nicht, wie das mit der Integration klappen soll, die ja nicht einmal von deren Seite aus gewünscht ist; im Gegenteil. Das Geld vom Staat und die sonstigen „Serviceleistungen“ werden wie selbstverständlich in Anspruch genommen und das war es; die Deutschen selbst stören nur und werden mehr oder weniger offen verachtet. Warum diese Leute nicht rausgeworfen bzw. besser mal gar nicht erst aufgenommen werden, begreife ich nicht. Gut, dass ich keine Kinder habe, die das später noch einmal geballter ausbaden werden müssen; mir reichen meine eigenen Alltagserlebnisse z.B. beim Einkaufen oder eben auf der Arbeit.).
Freitagabend war ich beim Kampfsporttraining; das war gut. Dem Bekannten habe ich sein Geburtstagsgeschenk gegeben, wie vereinbart. Er fing leider wieder damit an, dass wir uns ja unbedingt treffen müssten, um die Malibu-Flasche zu leeren, die er extra für mich gekauft habe. … Ich glaube der will immer noch was von mir; ich habe jedenfalls so gar keine Zeit, Energie und Lust auf ein privates Treffen mit ihm; es reicht, wenn wir uns beim Training sehen und freundlich miteinander umgehen, aber darüber hinaus möchte ich keinen Kontakt mehr, seitdem der mir mal betrunken vor wenigen Monaten offenbart hat, dass er sich in mich verknallt hätte. Obwohl ich mich nie mehr als freundschaftlich (nach meiner Definition: bekanntschaftlich) verhalten habe; ich begreife nicht, was sich Verliebte dann von so einem Liebesgeständnis versprechen – dass man sich auf einmal selbst verknallen würde?
Mein Korb war klar und unmissverständlich, wird angeblich von ihm auch akzeptiert (nach dem üblichen Gejammer darüber, dass er noch nie Glück mit Frauen gehabt habe in punkto Partnerschaftssuche und ich angeblich optisch und charakterlich seine Traumfrau sei). Aber ich weiß inzwischen, wie realitätsfern und besitzergreifend verliebte Menschen dabei ticken, egal, was sie sagen. Im Grunde, als hätte sie ein Virus befallen. Ich finde es wiederum abartig, wenn man versucht, sich „über die Freundschaftsschiene“ an mich heranzumachen oder gar „umzustimmen“. Kann ja gar nicht sein, dass man wirklich keinen Partner möchte, wenn man nicht gerade wie Gollum aussieht. … Alles schon erlebt. … Ich muss abwarten, in welche Richtung die Reise bei ihm geht.
Außerdem finde ich es davon unabhängig immer wieder schräg, wenn Menschen bei dem Subjekt ihrer Begierde eine Figur und Lebensstil favorisieren, die sie selbst in keinster Weise verkörpern. Das hat für mich sowas von doppelten Standards: Man selbst hat eine Plautze, achtet nicht auf seine Kleidungswahl und sein Aussehen etc., aber verliebt und an Sex gedacht wird bei dem Traumsubjekt, weil das dünn, sportlich etc. ist, sich passend kleidet usw.. … Aber wehe, das Traumsubjekt möchte u.a. für Sex selbst einen dünnen, sportlichen Partner, der sich pflegt usw., eben ähnlich tickt. Das ist dann unfair, diskriminierend und kommt ganz überraschend etc.. Wäre ich auf Sex- und/oder Partnersuche, wäre so ein Verhalten ein absoluter Ausschlussgrund.
Ansonsten war mein Wochenende gefühlt sehr kurz, da ich samstags bei einer Fortbildung war bis nachmittags. Das Socializing in den Pausen dort war sogar erfreulich und recht angenehm. Mir ging es den Tag jedoch nicht gut und das stundenlange Sitzen in einem Raum mit Zugluft durch eine Lüftungsanlage hat es nicht besser gemacht. Nach dem Seminar bin ich wieder Daheim frierend unter einer Decke auf dem Sofa eingeschlafen. Mir war irgendwie schon morgens so komisch latent übel gewesen. Hunger hatte ich nicht so richtig, wegen der Übelkeit. Das Essen auf dem Seminar war in Ordnung, wenn auch alles andere als histaminarm. Unter normalen Umständen wäre es geichwohl sogar sehr ok gewesen, nur hat mir mein Körper signalisiert, dass ihm nicht gerade nach Essen zumute sei und ich wollte keinen neuen „Histaminanfall“, so dass ich nicht so viel gegessen hatte.
Abends war ich Einkaufen. Danach habe ich vorsätzlich ein Abendessen zubereitet, das an sich ok gewesen wäre, das ich aber eh nicht bei mir behalten wollte. Dazu Nachtisch – wenn schon, denn schon. Dabei die letzten Folgen der 8. Staffel Game Of Thrones geschaut – war ok das Ende, da der doofe Schnee kein König geworden ist und der Drache überlebt hat. Dass Daenerys ermordet wird, fand ich aber blöd und arg moralisch für diese Serie. Egal.
Das Erbrechen gestaltete sich etwas zäh und unangenehmer, als sonst, aber Geduld siegt dabei am Ende immer. Bedeutet nur eben, dass man sich dann – mit kleineren Pausen – solange übergibt, bis wirklich alles raus ist. IdR ist das der Fall, wenn man auch die Gallenflüssigkeit am Ende ausgekotzt hat. … Angeblich nimmt man beim Erbrechen ja ca. die Hälfte der gegessenen Kalorien trotzdem auf, aber das kann ich echt nicht bestätigen. Liegt evtl. auch an der Art, in welcher Reihenfolge man dabei was isst und welche Zeitfenster man je nach Gegessenem einhält+ wie gründlich man sich hinterher übergibt. Da sag‘ noch einer, dass ein Hang zur Optimierung nachteilig sei.^^ In punkto Erbrechen habe ich in früheren Zeiten ein bis heute bewährtes System entwickelt, das offenbar sogar wenig gesundheitsschädlich ist. Das meine ich nicht als Ermunterung, es mir nachzutun, sondern einfach als nüchterne Feststellung. Am gesündesten wäre es natürlich, sich gar nicht zu übergeben (außer noch, wenn man etwas Giftiges gegessen haben sollte etc.).
Heute habe ich viel geschlafen und ansonsten kaum etwas gemacht. Verstimmt hat mich eine Äußerung einer Userin in einem weit entfernten Online-Forum, die angesichts von Corona-Hysterikern den Schluss zog, dass Menschen in Kriegsgebieten gar nicht die Muße hätten, sich mit Grübeleien und Magersucht aufzuhalten, denn die seien mit dem Überleben beschäftigt und hätten ganz andere (echte) Sorgen.
Wie sie von Corona-Hysterikern nun auf dieses schmale Brett gekommen ist, blieb ihr Geheimnis. Irgendwie ärgert mich ihre Behauptung, dass Magersucht und (wohl auch von ihr mit Grübeleien gemeint:) Depressionen Luxuserkrankungen – gewissermaßen aus Langeweile – seien, andererseits hat sie möglicherweise nicht so unrecht?
Ich meine gerade Magersucht wird in den Medien immer als (Mode-)Erkrankung von meist weiblichen Teenagern dargestellt, denen es scheinbar an nichts fehlt, die über „falsche Schönheitsideale“, der Ablehnung von Weiblichkeit und Erwachsenwerden dann durch Diäten erkranken. Anstatt normal zu essen und zuzunehmen, terrorisieren diese Teenager dann ihre Angehörigen gerade in punkto Essenszubereitung und drehen ziemlich am Rad bei dem Thema Essen, Gewicht usw. und labern trotz offensichtlicher Untergewichtigkeit ständig davon, dass sie zu dick seien oder werden könnten. Dazu diverse Blogs, in denen regelrecht damit kokettiert wird, wie sehr man doch gerne Hilfe hätte und das alles ja selbst ach so schrecklich fände, aber man die zusätzliche Aufmerksamkeit und Sorge der Mitmenschen, mithin die „Sonderstellung“ nicht hergeben mag.
Solche Sachen sind der Grund, warum ich mich niemals als ehemals anorektisch oder sonstwie essgestört outen wollen würde im Offline-Leben. Mich stört es auch, eine Mädchenkrankheit gehabt zu haben. Ich finde das für mich quasi „unmännlich“ bzw. identifiziere ich mich nicht als Mädchen/Frau in so einem Sinne und war nie einer dieser gelangweilten Prinzessinnenteenager, die es lieben, wenn sich die Welt um sie dreht.
Bei Bulimie sieht es von der öffentlichen Wahrnehmung ähnlich aus, sofern überhaupt zwischen Bulimie und Anorexie vom Purging-Typus unterschieden wird (ist für viele ja eh das Selbe). Wobei ich da ein bisschen den Eindruck habe, dass man Bulimie eher als Krankheit auch von erwachsenen Frauen wahrnimmt. Gleichwohl hat auch Bulimie das Label einer Mädchen- bzw. Frauenkrankheit von Menschen, für die sich alles um ihr Äußeres dreht und darum, der Männerwelt gefallen zu wollen.
Würde man in einem Kriegsgebiet leben, wo man tagtäglich um sein Überleben und essentielle Dinge wie ausreichend zu trinken, ein Dach über dem Kopf etc. kämpfen müsste, hätte man da überhaupt Zeit und Muße für eine Magersucht oder gar eine Bulimie? Gerade Bulimie würde mangels ausreichender Essensmengen, geschweige denn Süßigkeiten usw. de facto unmöglich werden.
Vor dem Hintergrund bin ich unschlüssig, ob Magersucht (und Bulimie) nicht im Kern doch Luxuserkrankungen sind, die sich Menschen nur in friedlichen Zeiten des Überflusses leisten?
Dank der Karnevalsfeiern hatten wir heute früher Feierabend. Während sich der eine Teil kostümiert unter die Feiernden gemischt hat, habe ich gemeinsam mit zweien meiner Chefs zugesehen, mich vor dem Umzug und der Straßenabsperrung aus dem Staub zu machen.
Auf der Arbeit war mir nicht warm, aber auch nicht kalt. Zuhause habe ich dagegen durchgehend von innen heraus gefroren, obwohl es 22° im Zimmer waren. Essen und ein Körnerkissen + Decke haben dagegen auch nicht geholfen; stattdessen habe ich letztlich von den falschen Dingen zu viel gegessen – ohne dass Hunger der Grund gewesen wäre – und mich irgendwann dafür entschieden, mich dann eben später zu übergeben. Nach dem Übergeben ging es mir zunehmend besser. Noch besser wäre, es würde mir direkt nach dem Nachhausekommen so gehen.
Samstag werde ich zu der Geburtstagsfeier gehen; mein Gastgeber hatte sich heute Mittag gemeldet, weil er bei seinem Getränke-Angebot Rücksicht auf meine Histaminintoleranz nehmen möchte. Bisher besteht sein Getränke-Sortiment nämlich aus Bier und Wein, was ich absolut nicht vertrage und auch nicht mag/trinke. Eigentlich ist seine Nachfrage nett von ihm, nur ahne ich Böses. (Abgesehen davon kann ich ihm jetzt schlecht noch absagen, grr).
Ich hoffe, er beherzigt meinen Wunsch und kauft wenn auch wirklich die zuckerfreie Cola. Irgendwie neigen die Leute dazu, mir trotzdem die zuckerhaltige Cola anzubieten mit den Worten: „Hier, habe ich extra für dich gekauft!„, obwohl ich der so gar nichts abgewinnen kann => geschmacklich tun sich die zuckerfreie und die zuckerhaltige Variante kaum etwas und derartig viel Zucker in Form von Getränken zu mir zu nehmen, wo es zuckerfreie gut schmeckende Alternativen gibt, leuchtet mir partout nicht ein. Zumal mir zuckerhaltige Cola bereits nach kurzer Zeit die Zähne schädigt und mir das erste und einzige Mal leichten Karies an einem Zahn eingebrockt hat. Seitdem trinke ich das Zeug nicht mehr, wenn es sich verhindern lässt.
Ansonsten habe ich ihm mitgeteilt, dass ich Malibu und Orangensaft mitbringe; daran kann sich dann jeder bedienen. Malibu mit Saft (oder Kokosmilch und Stevia) mag ich einigermaßen und vertrage es trotz Histaminintoleranz noch relativ gut (soweit man da von gut sprechen kann, eigentlich ist es unter den schlechten Sachen noch das am wenigsten Schlechte). Ich habe eh keine Lust, viel zu trinken.
Und ansonsten hoffe ich, dass die Party entspannt wird und niemand rumstresst, dass ich dies und jenes trinken oder essen soll. Ich bin da recht empfindlich und hasse es abgrundtief, etwas erst mehrfach ablehnen zu müssen, das ich nicht möchte, bevor der andere das akzeptiert. (Und auf Feiern ist die Chance groß, dass so eine Nervensäge dabei ist; im Zweifel der Gastgeber. Ich verstehe so ein Verhalten auch nicht.)
Darüber hinaus finde ich es immer etwas unangenehm-merkwürdig, jemanden zu erklären, dass ich dies und jenes nicht vertrage wegen einer Unverträglichkeit. Ironischerweise ist es keine Ausrede, nur habe ich die Sorge, dass der andere es so auffassen könnte, und ich fühle mich obendrein fast wie ein Lügner dabei. Das kommt davon, wenn man sich eine Zeit lang massiv rechtfertigen musste, wenn man etwas nicht mitessen wollte; natürlich dann misstrauisch beäugt und ohne dass einem die Rechtfertigung geglaubt worden wäre.
(Gut, teilweise erwähne ich die Unverträglichkeit auch gar nicht, und lehne ohne Begründung ab. Wird aber auch nicht von jedem direkt akzeptiert.)
Ok, bislang schätze ich weder meinen Gastgeber noch seinen (vermutlichen) Freundes- & Bekanntenkreis als Nervensägen in obigen Sinne ein. Möglicherweise wird es ja ganz entspannt. Mir ist nur so überhaupt nicht nach Socializing mit Rumsitzen, sich Unterhalten/Small-Talk etc..
Edit: Zu der Geburtstagsfeier bin ich letztlich nicht gegangen und habe mich krankheitsbedingt abgemeldet. Das war nicht einmal gelogen, da ich am Samstag ziemlich mit meiner Histaminintoleranz zu kämpfen hatte, am meisten Energie zum Aufstehen & Wachbleiben verbraucht habe und absolut nicht in der Verfassung war, auf einer Party beim üblichen small talk mit passender Sozial-Maskerade mitzumachen. Ich bin im wahrsten Sinne nicht gesellschaftsfähig gewesen und wollte nur -wie fast immer- meine Ruhe vor Mitmenschen.
war der heutige Tag. Mehr schlafen macht mehr aus, als ich vermutet hätte. Dabei bin ich immer noch an sich zu spät ins Bett gegangen. Das sollte ich zuerst angehen.
Büroarbeit war ganz ok heute. Da ich in einer Karnevalshochburg lebe, ist hier derzeit fast ein bisschen Ferienstimmung; ein Teil der Kollegen besteht aus eingefleischten Karnevalisten – der andere Teil besteht aus Zugezogenen wie mir und fremdelt etwas mit derartigen Bräuchen^^. Morgen gibt es hier den ersten Umzug nachmittags, weshalb wir eher frei haben. Rosenmontag ist ebenfalls frei.
Heute konnte ich auch eine gute Stunde eher Feierabend machen, da ich einen auswärtigen Termin hatte, der gut gelaufen ist, und nach dem es sich nicht mehr gelohnt hätte, zurück ins Büro zu fahren. Das Wetter war auch angenehm mild, fast sommerlich.
Zuhause habe ich an sich unnötig zu viel gegessen (der neue Herd und der Kühlschrank sind super! Endlich mal keine Platzprobleme mehr im Gefrierfach etc.!), aber es ist nicht weiter ausgeartet und übergeben habe ich mich auch nicht; allerdings habe ich heute auch wieder keinen Sport gemacht und Dienstag war ich ja auch nicht beim Training. Bei der Arbeit habe ich mich zwar bzgl. der erwähnten Kritikpunkte etwas verbessern können, mein Umsatz ist aber zu niedrig und ich bin insgesamt mit den (geplanten) Arbeiten nicht soweit gekommen, wie ich wollte. (Ok, es kommen auch täglich immer ungeplante Arbeiten dazwischen, die teils direkt bzw. am schnellsten zeitnah zu erledigen sind, teils zu geplanten Arbeiten für später werden, trotzdem … ). Gewicht liegt so bei ca. 55,6 kg, wobei etwa geschätzt mindestens ein 1kg einfach Wasser ist, das demnächst wieder verschwunden ist. Das Wasser kommt glaube ich primär von überdurchschnittlich vielen Kohlenhydraten und mangelnder Bewegung. Nichts von alledem ist dramatisch, zufrieden bin ich mit allem insgesamt nicht. Vor allem der Punkt mit dem Umsatz bereitet mir chronische Kopfschmerzen (manchmal nicht nur im übertragenem Sinne).
Andererseits muss ich mich insgesamt mehr in Geduld üben, alles auf einmal zu ändern, gerade beruflich wie privat, wird nicht funktionieren. Im Moment sind meine Energiereserven zudem recht gering. Es hilft aber, abends wirklich pünktlich Feierabend zu machen und mittags nach Möglichkeit an die frische Luft zu gehen bzw. einmal aus dem Büro raus. Ich denke, dass es mit dem Sport auch wieder besser und regelmäßiger wird, wenn ich energiemäßig wieder mehr im grünen Bereich bin. Auch mit dem Essen und Abnehmen wird es vermutlich besser laufen, wenn sich mein innerer Stresspegel reduziert.
Heute Abend habe ich immerhin seit Langem wieder Lust gehabt, etwas zu zocken (Red Dead Redemption 2). Das Zocken am Wochenende war zwar auch gut, aber eher wegen der Gesamtkonstellation und weil wir in der (guten) Konstellation seit mindestens 1 1/2 Jahren nicht mehr gezockt haben; auf Zocken alleine hätte ich dagegen am Wochenende keine Lust gehabt.
Meinen Bruder habe ich heute ignoriert; der hat sich das Wochenende so gedacht, dass ich ihn besuche (weil der erwähnte gemeinsame Bekannte ihn ab Freitag besucht) und wir zu Dritt lokal bei ihm zocken. Abgesehen davon, dass ich eigentlich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen bin Samstag und allenfalls Lust auf gemeinsames Zocken über Distanz aka online hätte, möchte ich meinen Bruder nicht besuchen. Das ist genau die Art von „Freizeitstress“, die ich gerade jetzt am wenigsten gebrauchen kann, selbst wenn der Montag frei ist. (Es nervt mich, dass ich durch sein Drängen schon wieder anfange zu überlegen, wie sich ein Besuch bei ihm kompromissweise einrichten ließe). … Ich weiß nicht mal, ob ich wirklich zu der Geburtstagsfeier gehen möchte. Eigentlich wäre ein Samstag ohne irgendwelche Verpflichtungen schön. Am schönsten, ohne ein schlechtes Gewissen gegenüber Dritten zu haben.
Übernächstes Wochenende habe ich den halben Samstag eine berufliche Fortbildung, die inhaltlich sehr sinnvoll und bestimmt interessant ist. Das Wochenende danach bin ich mit S. für den Sonntag verabredet.
Gegen all diese einzelnen Termine habe ich an sich nichts bzw. findet ein Teil von mir die ja selbst gut, aber auf der anderen Seite kosten sie mich Energie, die ich in dem Maß nicht oder gerade so erübrigen kann, was mir dann später anderswo nachhängt. (Ich weiß, dass die meisten anderen Menschen das nicht verstehen können; ich verstehe das nicht einmal selbst)
=> möglicherweise zu viele Reize, nicht nur optisch, sondern auch emotional (Stimmungen anderer etc.) und akkustisch. Es nervt mich schon manchmal, dass ich im Büro wie ein Luchs unfreiwillig die Gespräche und Geräusche aus den Nachbarzimmern höre und quasi die Stimmungen im Raum mitbekomme, wobei die Arbeitsumgebung insgesamt zum Glück eher ruhig und unhektisch ist; in einem Großraumbüro hätte ich wohl jeden Tag abends Kopfschmerzen und Tinnitus-Geräusche; früher in der Schule habe ich einmal tatsächlich kurz nichts mehr gehört und den hohen Lärmpegel fand ich dort immer besonders anstrengend, so dass ich nach der Schule ersteinmal in mein Zimmer gegangen bin und gerade auch akkustisch Ruhe bzw. eine reizarme Umgebung brauchte „zum Runterkommen“. Dito nach Familienfeiern, Ausflügen in Städte etc..
p.s.: Die Kategorien hier müsste ich mal überarbeiten. Das wird aber dauern. Und nein, die Kategorie „Gesundheit“ bleibt. *fg*
Habe ich schon erwähnt, dass ich Wälder liebe? Egal, ob tagsüber, abends oder auch vereinzelt mal nachts/im Dunkeln, im Wald fühle ich mich wohl und sicher. … Das kommt bestimmt davon, wenn man auf dem Land aufgewachsen ist und mit anderen Dorfkindern oder alleine bis zur Dämmerung viel im Wald gespielt hat und später als Jugendlicher von Feiern nachts am Wald entlang nach Hause gelaufen ist. (Ich liebe es generell nachts unterwegs zu sein.) Gesunde Wälder strahlen so eine Ruhe aus. Egal zu welcher Jahreszeit.
Damit schlagen sie selbst wunderschön türkisfarbene Baggerseen.^^
Gestern bin ich zwar gegen 2/3 Uhr ins Bett gegangen, habe aber letztlich bis kurz vor 12 Uhr geschlafen (und bin auch nur richtig wach geworden, weil meine Mutter angerufen hat). Nach einer gewissen Anlaufschwierigkeit, die ich nach dem Aufstehen gerade an freien Tagen immer habe (unter der Woche zwinge ich mich eben, weil ich ja pünktlich bei der Arbeit sein muss), wurde ich aber munterer und bin sogar bis jetzt halbwegs motiviert. Gewicht ist auch relativ gut: 54,0 kg. Na geht doch. Wenn ich mich besser ernähre und regelmäßiger bewege, sind die 52 kg nicht weit entfernt. Ich sollte das nur jetzt so durchhalten und weiter umsetzen + ausbauen, bevor mich künftige Wassereinlagerungen/Gewichtssprünge nach oben wieder frustrieren.
Vorhin hat mein Bruder angerufen; das Telefonat war wie immer (Anmerkung: Er interessiert sich ausschließlich für sein Leben & seine Bedürfnisse), ließ sich aber glücklicherweise kurz halten => nachdem ich nicht begeistert auf sein „Ich habe Bock, mich diesen Monat mit dir zu treffen!“ mit Terminsvorschlägen reagiert habe, war er beleidigt und hat aufgelegt.
Mein schlechtes Gewissen hält sich in Grenzen, dafür habe ich zu viele Jahrzehnte erheblichen Stress mit ihm gehabt, aber es ist trotzdem doof, dass er es immer zuverlässig schafft, einen eigentlich schönen Tag ein bisschen zu trüben. Es hat mich schon gestern abend etwas gestresst, als ich gesehen hatte, dass er mich angerufen hatte während ich beim Training war. Seine Anrufe verheißen für mich nämlich immer etwas Schlechtes. Er will dann immer etwas von mir, das ich ihm nicht geben möchte, weil ich mich dafür selbst aufopfern müsste. Er versucht dann, verschiedene Knöpfe zu drücken, bevorzugt, indem er auf reumütig und leidend macht, und wird am Ende aggressiv, wenn er damit bei mir nicht zu seinem eigentlichen Ziel kommt (und ich bei der Farce, dass wir ein super Geschwisterverhältnis hätten, nicht mitspielen mag). Kurz: Ich funktioniere dann nicht, wie er mir das zugedacht hat auf seiner inneren Bühne.
Klar, wir haben immer für ihn dann ein super Geschwisterverhältnis gehabt, wenn ich unter Selbstverleugnung ganz und gar auf ihn eingegangen bin und meine Sensibilität dafür verwendet habe, quasi-therapeutisch zu erahnen, was er braucht.
Egal, ich gehe jetzt gleich Laufen, solange die Sonne noch so schön scheint. Hoffentlich sind die üblichen Spaziergänger längst weg; das ist das Einzige, was solche Ausflüge trübt => andere Menschen stören dabei durch ihre bloße Anwesenheit. Auch ein Vorteil von großen Wäldern: Man trifft mit etwas Glück niemanden. Problem: Man muss das Glück haben, dass so ein großes Waldstück in der Nähe des eigenen Wohnortes liegt. Hier gibt es direkt leider kein derartiges Waldstück, aber etwas weiter weg ist ein Waldstück, das ich noch nicht erkundet habe. Es ist recht weit weg, aber evtl. versuche ich mal, bis dahin zu kommen. Wenn es dort gut ist, würde sich der Weg öfters lohnen.
Danach werde ich etwas Aufräumen und Putzen, später Einkaufen gehen und später zocken oder evtl. mir etwas bei netflix & Co. anschauen. (Wenn mein Bruder nicht ständig so einseitig fordernd, egozentrisch und aggressiv wäre, würde ich evtl. sogar mit ihm zocken; nur ist er eben, wie er ist, und das wird dann für mich kein entspannter Abend, sondern zuverlässig frustrierend. Dafür habe ich keine Kapazitäten. Ohne ihn wäre ich möglicherweise gar nicht so schizoid vom Persönlichkeitsstil geworden – oder sollte das einfach nur eine ausgeprägte Introversion und innere Verträumtheit sein?
Unschlüssig bin ich, ob ich meinen Kumpel T. kontaktieren sollte. Er steckt irgendwo in den letzten Zügen seiner Examensvorbereitung und leidet unter ähnlichen Prüfungs- und Zukunftsängsten wie ich damals. Wie er mir zueltzt geschrieben hatte, geht es ihm dementsprechend mies. Da er sich zwar ähnlich wie ich über Monate sehr zurückzieht, aber da eben doch etwas anders als ich strukturiert ist, weiß ich nicht, ob ich ihn besser eher in Ruhe lasse oder ihm zumindest nochmal schreiben oder gar anrufen sollte … .
Bei mir persönlich war das immer eine Mischung aus Genervtheit + „Sozialstress“, etwas Freude und schlechtem Gewissen, wenn mich einer meiner Kumpels in solchen Rückzugsphasen kontaktiert hat. … Hier kann ich es ja schreiben: So sehr ich meine Kumpels/Freunde schätze: Wenn ich Einträge wie „bei T. melden; S. antworten“ etc. nicht auf meine To-Do-Listen schreiben würde, damit ich mich wenigstens alle Wochen bis Monate mal melde/reagiere etc., würde ich keine soziale Kontaktpflege betreiben. Das heißt nicht, dass mir die Kontakte egal sind, im Gegenteil, nur irgendwie ist da in mir dieses Nähebedürfnis nicht, was andere idR deutlich ausgeprägt haben. Ich komme wohl zu gut alleine zurecht und fühle mich alleine auch am wohlsten, wenngleich ich sporadisch gerne gesellig bin mit den richtigen Leuten …. nur ist das eben sehr sporadisch.
Noch was anderes: Ein guter Kumpel von mir möchte gerne mit mir gemeinsam ein paar Tage zu Zweit Skiurlaub machen. … So sehr ich ihn (und Skifahren) mag und z.B. eine Übernachtung ok finde, so sehr ist mir ein derartig langes Zusammensein mit Freunden zuwider. … Ich muss ihm also jetzt verklickern, dass es damit nichts wird. Möglichst ohne meine Abneigung allzu sehr deutlich zu machen, weil ich ihn an sich ja schätze und mag, aber seinen Nähewunsch nicht.
Das liegt auch daran, dass ich es für eine schlechte Ausgangslage für eine Freundschaft halte, wenn einer mal mehr wollte. Letzteres ist bei ihm der Fall. Andererseits weiß er, dass das Höchstmaß meiner Gefühle für Mitmenschen freundschaftlicher Art ist und es keine Partnerschaft mit mir geben wird. Das hat er soweit auch akzeptiert und sein Verhalten ist hierzu soweit auch kongruent (da gab es schon ganz andere, die aber keine guten Freunde waren). Andererseits ist er der einzige meiner Kumpel, der eben auch ein sexuelles Interesse an mir hat. Irgendwie hatte er mich nach diversen völlig „unsexuell getönten“ Treffen, auch mit Übernachtung, einmal völlig überraschend damit überrumpelt, als ich mich gerade angefangen hatte, sicher zu fühlen, dass er ebenso nur freundschaftliches Interesse am Kontakt hätte und es daher keinen Konflikt geben würde. Schlecht war auch, dass ich just in dem Moment extrem übermüdet und auch gleichgültig war; zu gleichgültig, um an der Stelle eine Grenze zu setzen. Ich hätte auch nicht komplett widerspruchsfrei hinter so einer Grenzziehung gestanden in dem Moment, weil irgendwie auch meine Neugier geweckt war, wie das weitergehen sollte. Das war im Jahr 2018. Kurz gesagt hatten wir danach irgendwann nach dem Sommer 2019 erneut Sex. Das ist soweit ok. Auf eine Wiederholung habe ich aber keine rechte Lust; es wäre aber auch kein Drama, das weiter mitzuamchen noch ein oder zweimal etc. und das Verstellen geht mir leicht von der Hand dabei.
Meine Asexualität möchte ich ihm gegenüber nicht thematisieren, auch wenn er da wohl aufgeschlossen wäre. Ich muss mir nur etwas überlegen, da ich den Sex ein Stück weit lästig finde, während er denkt, ich hätte auch daran Interesse. Einmal oder zweimal ist ja ok, aber ich habe keinen Bock, dazu nun fortan bei jedem Treffen die nächsten Jahre „verpflichtet“ zu sein bzw. dass seinerseits nun eine Erwartungshaltung dahingehend befördert wurde. Es wäre besser gewesen, besser gleich 2018 eine Grenze zu ziehen. Jetzt habe ich ein bisschen „Argumentationsschwierigkeiten“ und dooferweise findet er unseren Sex auch noch gut. So ein Mist!
Dass einzig Gute ist, dass ich irgendwann genervt genug bin in zwischenmenschlichen Kontakten, um Grenzen zu ziehen, hinter denen ich dann auch stehe(n kann). … Wenn das so weitergeht, wird das auch bei dieser Sache eintreten. Also wird sich das früher oder später klären; im Moment sitze ich es eher aus.
Ich habe ganz grundsätzlich lieber kurz viel Nähe und danach bitte wieder die nächsten Monate keinen Kontakt, außer mal ’ne WhatsApp-Nachricht alle paar Wochen (das ist auch noch ok), z.B. dass man sich zu Zweit oder Dritt von nachmittags bis zum nächsten Vormittag trifft und eine nette Zeit miteinander verbringt (Zocken, Quatschen. Serien oder Filme schauen), und danach jeder wieder seines Weges geht für die nächsten Monate. … Mit meinen Kumpels klappt das auch so. Mit vielen Mitmenschen würde das dagegen natürlich nicht funktionieren; die meisten wären damit unzufrieden, gerade wenn man sich sehr gut versteht etc.. Für mich würde aber mehr dauerhafte Nähe ohne Rückzug nicht funktionieren; jedes Mal, wenn ich mich vorübergehend von – eher sehr nähesuchenden – Menschen dazu habe „drängen“ lassen, war ich wie dauerbenebelt.
Es sollte schon jeder nach seinen eigenen Nähe-Distanzbedürfnissen leben. Entweder passt es dann miteinander, oder eben nicht. Dass sich einer oder beide verbiegen, ist nicht sinnvoll. Ich würde auch nicht wollen, dass sich mein Gegenüber da für mich verbiegt, vice versa.
Unter einem gelungenen Urlaub stelle ich mir zudem ein paar freie Tage vor, die ich alleine frei nach Lust und Laune mit Zocken, Lesen oder anderen alleine durchzuführenden Aktivitäten verbringen kann, mit Schlafen und Essen frei nach dem eigenen Körpergefühl und nicht nach der Uhr, Terminen etc.; das Ganze unbehelligt von Mitmenschen.