Durchhaltevermögen

Ich habe hier lange nicht mehr geschrieben, weil ich sehr viel um die Ohren hatte, beruflich auf der Arbeit, mit der Notarausbildung, aber auch privat. Das ist auch weiterhin so, weshalb ich auch künftig in den nächsten Monaten wahrscheinlich nicht oder kaum bloggen werde. Am meisten kämpfe ich mit meiner Lernblockade, da die Prüfung in wenigen Wochen ansteht. Das kenne ich leider schon alles von meinen beiden Staatsexamen. Ein wenig Hoffnung gibt mir, dass ich die Staatsexamina damals gleichwohl irgendwie geschafft habe. Und ich versuche mich auch damit zu motivieren, dass das Notarexamen die letzte Examensprüfung ist, die ich in meinem Leben machen muss. Danach mache ich nur noch freiwillige Prüfungen, auf die ich selbst Lust habe (ich möchte z.B. nach dem Ganzen mal Spanisch lernen).
Vom Verstand her ist mir das „Muster“ bei meiner Prüfungsangst klar, aber bei der Umsetzung, dagegen anzugehen und konsequent zu lernen, statt das Lernen immer wieder neu aufzuschieben und mich am liebsten irgendwo vergraben zu wollen, bis das Unheil vorbei ist, versage ich täglich neu.

Immerhin habe ich mich in den letzten Wochen zumindest beim Aufschieben mit Lerntechniken auseinandergesetzt. Da gibt es einige interessante Youtube-Videos, die ich mir beim Prokrastinieren angeschaut habe. Schließlich habe ich weder in der Schule, noch im Studium und Referendariat gelernt, wie man sinnvoll lernt. Das ist vielleicht ein Fortschritt im Vergleich zu Früher und gibt mir etwas Motivation und Hoffnung, aber das Lernen des Prüfungsstoffes ersetzt es leider nicht.

Na ja, ich werde mich schon irgendwie durchkämpfen und habe nicht vor, vorzeitig zu resignieren, auch wenn es mir immer wieder schwer fällt.

Sehr unterstützend sind meine Eltern. Das weiß ich wirklich sehr zu schätzen.

Gar nicht hilfreich ist dagegen mein Bruder, der trotz Erklärung meinerseits dauerbeleidigt ist, dass ich mich auf meine Baustellen konzentrieren muss und im Kampf mit mir selbst bzgl. des Anfangens mit dem Lernen keine Zeit und Lust (und auch keine Energie) habe, um mit ihm zu zocken, geschweige denn, ihn zu besuchen oder sonstwie zu bespaßen bzw. mir seine ewigen Monologe und Stimmungsschwankungen nebst cholerischen Ausbrüchen reinzuziehen. Das ist leider nichts Neues. Er hat das schon immer gemacht, egal, ob ich gerade Abiturprüfungen oder meine Staatsexamen hatte.

Auch kürzlich zu Weihnachten hat er einen bizarren, filmreifen Auftritt hingelegt. Leider war er Weihnachten nämlich mit seiner Freundin zu Besuch bei unseren Eltern. Schon beim Reinkommen durch die Haustür hat er mich angepampt, da ich ja keine Zeit für ihn gehabt hätte dieses Jahr und der werte Narzisst sich dadurch von mir bösartig herabgesetzt fühlt. Nachdem er bereits das gemeinsame Raclette-Essen sabotiert und mit seiner Aggression für alle ruiniert hat, ging es mit mir weiter. Ich kann das gar nicht wiedergeben, was mir dieser gestörte Mensch an Gehässigkeiten, krassen Verdrehungen nebst schrägen Vorwürfen so alles ins Gesicht geschrien hat. Einfach so, ohne erkennbaren Anlass und ohne vorherigen Streit. Auch das ist typisch für ihn. Auch seine offenen Gewaltandrohungen sind mir bereits hinlänglich vertraut. Neu ist, dass ich ihm diesmal klipp und klar mit der Polizei „gedroht“ habe. Joa, so kann man Weihnachten auch verbringen. Auch unsere Eltern hat er krass beschimpft und beleidigt. Unserer Mutter hat er indirekt mit Suizid gedroht, weil er denkt, dass er sie so am besten verletzen kann. Unser Vater ist kurz vor Weihnachten am Herzen operiert worden und chronisch sehr krank, nicht nur am Herzen. Er sollte eigentlich Stress vermeiden, weil das schlecht für sein Herz ist. Sowas ist meinem Bruder scheißegal. Unser Vater hat von meinem Bruder ebenfalls die volle Breitseite an Aggressionen abbekommen. Das Ganze wohlgemerkt, ohne dass wir meinem Bruder objektiv irgendetwas getan hätten.

Letztes Jahr Weihnachten, bei dem mein Bruder nicht erschienen ist, war das einzige friedliche Weihnachten in meinem Leben, an das ich mich erinnern kann. Mein Bruder hat so ziemlich jedes Weihnachtstreffen in irgendeiner Weise „plattgemacht“ mit seinen Ausbrüchen. Anschließend kommt er später an und will sich „entschuldigen“, wobei er dabei erneut jederzeit wieder austicken kann, wenn man da anders reagiert, als er das will. Seine Reue ist immer nur sehr oberflächlich und flüchtig. Unserer Mutter ist er dabei z.B. gleich wieder aggressiv-pampig über den Mund gefahren, als sie etwas dazu sagen wollte. Außerdem ist er dann auch sehr anstrengend und belastend, weil er einem dabei vorheult, was für ein schlechter Mensch er sei und er aber auch nicht anders könne etc. (es kommen dann auch wieder Abfälligkeiten, die er einem reindrückt, und merkwürdige Verdrehungen von ihm, so dass er die Verantwortung für sein Verhalten zum Teil wieder bei anderen sucht). So war es auch diesmal.

Mein Bruder ist ein absolutes Arschloch und ich fand es sehr belastend mit ihm, auch dass er so schlimm psychisch krank ist und das wohl auch lebenslang bleiben wird. Das tut mir einfach nur noch weh zu sehen, was aus ihm geworden ist. Früher war er zwar auch oft ein Arsch, aber da war er zugänglicher und es gab noch gute Momente mit ihm.

Ich habe den Kontakt mit ihm bis auf Weiteres abgebrochen, weil ich das mit ihm nicht mehr ertrage und derzeit wirklich genug eigene Baustellen habe. Das hatte ich ihm verbal, aber auch später schriftlich mitgeteilt und kurz erklärt. So wirklich respektieren tut er das nicht, heute hatte ich z.B. wieder anonyme Anrufe von ihm. Ich bin nicht drangegangen.

Mir ging es nach Weihnachten wirklich nicht gut. Gleichzeitig musste ich zwischen den Feiertagen wieder arbeiten. Der ganze Erholungseffekt vom Urlaub war binnen Stunden zerstört. Vor Weihnachten war ich eine Woche im Urlaub, ich bin in den sonnigen Süden geflogen und hatte einen schönen Urlaub. Das Fliegen war echt interessant, weil ich bisher nur einmal nach England geflogen bin als Jugendlicher. Meinem Bruder habe ich von meinem Urlaub nichts erzählt, weil er mir den sonst nur wieder kaputtzumachen versucht hätte. Der Hinflug war aber doch etwas gewöhnungsbedürftig für mich, weil es sich einfach für mich unnatürlich anfühlt, so hoch über dem Boden zu sein und zu wissen, dass es das war, wenn das Flugzeug abstürzen sollte, ohne dass man selbst noch etwas tun könnte. Aber auf dem Rückflug fand ich diese Situation bereits viel vertrauter. Wir mussten wieder zurück nach Deutschland durch dieses Sturmtief fliegen und sind bei starkem Regen und Wind etwas holprig gelandet. Das war irgendwie angenehm aufregend. Vielleicht stelle ich hier mal Fotos rein, die ich während des Flugs aus dem Fenster gemacht habe.

Ich wünsche allen einen guten Rusch ins neue Jahr und alles Gute für eure Wünsche für das neue Jahr. 2024 steht nach dem chinesischen Tierkalender im Zeichen des Holz-Drachen, der für Wohlstand und Glück steht sowie aufgrund des Holzelements auch Durchhaltevermögen und Ehrgeiz fördert. Na, wenn das nicht mal ein Lichtblick für meine Prüfungsvorbereitung ist.^^

Eine neue Woche

Die Zeit geht so schnell vorbei seitdem ich arbeite. Morgen geht’s schon wieder weiter. Ich bräuchte mal Urlaub, zumindest mal 1-2 Tage.

Die letzte Woche war arbeitsintensiv und auch in der anstehenden Woche gibt es wie immer viel zu tun. Zudem habe ich den alten Fehler gemacht, einen Teil der Mittagspause weiterzuarbeiten und ebenso abends überzogen; ich sollte mal wieder dazu übergehen, pünktlich Feierabend zu machen. Trotz all dem habe ich es am letzten Dienstag mittags zum Kaffeetrinken mit einer guten Bekannten von der lokalen Konkurrenz geschafft. War gut, eigentlich sollten wir uns mal so privat treffen. Der „Drache“ ist letzten Montag nach 3 Wochen krankheitsbedingten Arbeitsausfall zurückgekehrt und war seitdem erstaunlich zahm. Nach all meinen Erkenntnissen besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich der Drache per Impfung ins 3-wöchige Aus geboostert hat, aber das ist selbstverständlich genauso eine Verschwörungstheorie wie die Behauptung, dass die Regierung eine Impfpflicht plant … oh wait, bzgl. der Impfpflicht hat die Realität ja die Verschwörungstheorien längst eingeholt. Ich hoffe ja, dass die Impfpflicht krachend scheitert. Seit dem Wochenende wurde endlich die 3G-Pflicht am Arbeitsplatz aufgehoben. War auch überfällig, der Unsinn hätte gar nicht erst eingeführt werden dürfen.

Morgen habe ich dann auch endlich den Werkstatttermin. Ich hoffe ja, dass die die Fehlerursache finden (und idealerweise beheben) können.

Privat war ich meistens wenig aktiv und sehr antriebsarm. Sport oder zumindest so mal Bewegung ist faktisch komplett ausgefallen in meiner Freizeit. Dieses Wochenende habe ich meine Eltern besucht und hatte dort wie fast immer eine schöne Zeit. Meinen Eltern hat sogar „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ gefallen, den wir uns Samstagabend angeschaut haben.
(Vor Kurzem habe ich mir auch Mortal Kombat (2021) reingezogen und fand den Film wider Erwarten recht kurzweilig. Hoffentlich gibt es eine würdige Fortsetzung, in der am besten auch Shinnok mitspielt. Shinnok ist einer meiner Lieblings-Mortal-Kombat Charaktere.)
Die Katzen meiner Eltern waren wie immer sehr verschmust und hatten ihr eigenes Programm. Der eine Kater ist ein Mix aus Russisch Blau und Britisch Kurzhaar. Auch er ist von dem politischen Irrsinn nicht verschont geblieben. Nachdem während der Pandemie zunächst seine „britische Teilabstammung“ unterschlagen werden musste, ist nun auch seine russische Abstammung in Ungnade gefallen. Ab sofort ist er nicht mehr „der Russe“ … .^^

An sich möchte ich mich auch „mal wieder“ mit meinen Kumpels verabreden. Wobei „mal wieder“ meint: Nach mehr als zwei Jahren Nichtreffen in den einen beiden Fällen und in dem anderen Fall nach mehr als 1 3/4 Jahren.
Teilweise hatte ich es gerade anfangs wegen der Pandemie nicht für sinnvoll gefunden, aber am meisten hat bei mir reingespielt, dass ich die Wochenenden zum Erholen alleine benötigt habe und niemanden treffen wollte. Der Wunsch nach Erholen und Alleineseinkönnen hat mein Bedürfnis nach einem Treffen regelmäßig überwogen. Ich fürchte, das wird auch all die noch kommenden Wochenenden so bleiben. Aber trotzdem sollte ich mal über meinen Schatten springen. Wenn ich mich verabrede und das Treffen erstmal angefangen hat, gefällt es mir ja. (Wobei ich auch Alleinesein dann nach wie vor super fände und das nach den Treffen genieße bzw. auch zum Erholen brauche.)

Ich habe zwar oft den Eindruck, dass dieses „soziale Desinteresse“ bei mir auch etwas mit den Energiereserven zu tun hat, die einfach niedrig sind, aber ich habe den Verdacht, dass ich auch als Energiebündel nicht kontaktfreudiger wäre.

Elden Ring

Das Spiele-Fieber hat mich gepackt und so habe ich nach längerem Zögern gestern spontan Elden Ring, Elex II und Sniper Ghost Warrior Contracts 2 gekauft. Und das, obwohl ich noch nicht einmal Cyberpunk 2077, Tomb Raider: Rise Of The Tomb Raider, South Park: The Fractured But Hole, Terminator Resistance, Vampyr u.v.m. durchgezockt habe.
Aber egal, nur vernünftig zu leben wäre sehr langweilig und ich habe den Kauf bisher nicht bereut. Bei Sniper Ghost Warrior Contracts 2 habe ich die internationale, ungeschnittene Fassung genommen, weil ich Gore-Effekte in Spielen mag und es blöd finde, wenn Spiele/Filme geschnitten werden. Bei Elex II ist mir zwar auch die etwas altbackene Grafik aufgefallen, aber bis jetzt kann ich mich damit arrangieren, wobei mir auch das Jetpack und die Story hilft. Gothic 1 war eines der wenigen Spiele, das ich durchgespielt habe. Die späteren Gothic-Nachfolger konnten mich dagegen nie recht locken, bis auf Elex II.

Wo ich gerade bei unvernünftigen Hobbys bin: Ich werde mir wieder eine Schreckschusswaffe kaufen, und zwar höchstwahrscheinlich eine Walther P99 P.A.K. Gold Edition. Mit vergoldetem Schlitten, weil das mal was Neues ist, wider Erwarten nicht kitschig aussieht und mir später helfen wird, meine Waffe von denen meiner Eltern und meines Bruders zu unterscheiden. Meine Familie hat nämlich das Schreckschusswaffen-Fieber gepackt.^ ^

Die Walther P99 gefällt mir mit am besten. Vor vielen Jahren hatten mein Bruder und ich uns überlegt, mit weiteren Kumpels Paintball zu spielen. Zum Paintball-Spielen sind wir letztlich leider nie gekommen, aber wir hatten uns deshalb jeweils neben Schutzhelm und Munition eine Walther P99 R.A.M. zugelegt. Leider musste ich meine Waffe recht bald wegen eines Defekts reklamieren. Da sich eine Reparatur nicht lohnte, wurde der Kaufpreis erstattet und danach habe ich mir keine neue Waffe mehr gekauft. Das vor allem aus praktischen Gründen: Das Schießen ist sehr laut und ist definitiv unvereinbar mit dem Leben in einem Studentenwohnheim bzw. einer Mietwohnung. Aber meine Eltern leben passend dafür und haben sich auf ihrem Grundstück eine Art Mini-Schießstand eingerichtet. Juhu!

In punkto Sport sieht es bei mir derzeit weiterhin mau aus. Seit dem letzten Eintrag hier war ich genau einmal Joggen bzw. eher eine Mischung aus Joggen und Spazierengehen bei Wind und Regen. Das hat mir zwar sehr gut getan, aber danach überwog an den weiteren Tagen wieder die Antriebslosigkeit – oder vielleicht auch einfach die Faulheit. Ich hoffe, ja, dass sich das bessert, wenn es hier wieder auch abends länger hell ist und wieder wärmer wird.
Dieses Wochenende wollte ich das gute Wetter eigentlich nutzen, um eine Fahrradtour zu machen, da es hier gute Fahrradstrecken gibt. Aber letztlich bin ich heute erst um 14 Uhr wach geworden und war bisher recht antriebslos, die Sonne ist jetzt gegen 16 Uhr auch schon wieder verschwunden. Vielleicht sollte ich es dann eher mit Spazierengehen/Joggen versuchen, um zumindest etwas frische Luft zu schnappen.

Neulich hat meine Mutter ausgemistet und dabei tatsächlich noch so uralte T-Shirts und Trikots aus meiner Jugend gefunden. Damals habe ich Handball und etwas Tennis gespielt und bin auf Bitten der Leichtathletik-Trainer, die teilweise auch Lehrer an meiner Schule waren, ab und zu sehr erfolgreich zu Leichtathletik-Wettkämpfen für den lokalen Leichtathletikverein und für die Schule angetreten (was mir dort aber von der eigentlichen Favoritin des Leichtathletikvereins viel Missgunst eingebracht hat, so dass ich auch auf ihr Betreiben hin nie recht Fuß im Leichtathletikverein gefasst habe, weil mir das dort zu viel „Zickenkrieg“ bzw. sozial zu anstrengend war und ich mich eh schon immer wie ein Alien gefühlt habe, das nirgends so recht reinpasst). Ein bisschen vermisse ich das Sportspektrum von Früher, sogar Handball. Mit einem Handball „rumzuspielen“ würde mich auch aktuell reizen, ich habe als Kind schon Ballsportarten geliebt, aber auf keinen Fall reizen würde mich ein erneuter Eintritt in einen entsprechenden Sportverein, mit all den sozialen und terminlichen Verpflichtungen. Schade, dass es hier keinen etwas abgelegenen Spielplatz mit einer Wand o.Ä. gibt, wo ich alleine „rumspielen“ kann.
Na ja, egal, ich werde mich irgendwie anderweitig sportlich behelfen müssen. Ernährungstechnisch sieht es ähnlich überschaubar aus, ich habe einfach generell derzeit keinen sonderlichen Antrieb zu irgendwas und fühle mich auch etwas erschlagen, obwohl ich objektiv betrachtet beruflich und privat viel mehr Luft als vorher habe.

Wegbeschreibung

Es gibt so ein paar Erinnerungen aus meiner Kindheit, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Hier ist eine davon:

Eines schönen Tages waren meine Eltern (oder auch nur meine Mutter, das weiß ich nicht mehr genau) mit mir in der Nachbarstadt einkaufen. Damals gab es in unserem Einzugsgebiet den Online-Handel, wie man ihn heutzutage kennt, noch nicht. Ich meine, dass auch meine Patentante mit ihrem Lebensgefährten dabei war. Zu dem Zeitpunkt war ich irgendwas um die ca. 9-10 Jahre alt, keineswegs älter.

Dass es fremde Menschen gab, vor denen man sich als Kind hüten sollte, war mir vage bekannt. Allerdings nur in der Form, dass man nicht zu Fremden ins Auto steigen sollte. Später als Jugendlicher wird dagegen gerade für den nächtlichen Heimweg von Feiern empfohlen, sich zu völlig Fremden ins Auto zu setzen, nämlich zu Taxifahrern. Das verstehe, wer will.

Meine Eltern hatten mir als Kind zu der „Steig nicht zu Fremden ins Auto“ -Regel ergänzend erklärt, dass sie immer jemanden schicken würden, den ich gut kenne bzw. jemanden aus der Familie, falls sie mal verhindert sein sollten, mich von irgendwo abzuholen.
Konsequenterweise bin ich nach der Schule nicht in das Auto der Schulfreundin gestiegen, als die Mutter mit ihrem Pkw auf meinem Fußweg neben mir anhielt und anbot, mich mit zunehmen nach Hause. Zwar kannte ich die Mutter und hatte bei der Schulfreundin auch mal übernachtet, aber sie fiel nicht in diese engere Kategorie von vertrauten Menschen; sie war kein Familienmitglied. Daher war sie als „fremd“ im Sinne dieser Regel einzustufen.

Meine Eltern hatten sehr großen Wert auf diese Regel gelegt und auch im Kindergarten war uns das mal von einem Polizisten eingeschärft worden. Es war also eine wichtige Regel, warum auch immer die Erwachsenen das so wollten.
So richtig verstanden hatte ich den Hintergrund der Regel nicht, weil es sich doch gar nicht gelohnt hätte, mich zu entführen. Meine Eltern waren nicht vermögend. Warum nun aber trotzdem fremde Menschen mich und andere Kinder in ihr Auto locken wollten, erschloss sich mir nicht. Meine Eltern waren bei dem Thema etwas empfindlich und wenig auskunftsbereit; immerhin konnte ich von ihnen und aus Zeitungsberichten irgendwann so viel erfahren, dass diese fremden Menschen irgendwas Böses mit Kindern machen und sie ggf. umbringen, nachdem sie einen ins Auto bekommen haben. Nicht jeder fremde Autofahrer, der eine Mitfahrgelegenheit anbietet, tut so etwas, aber manche von ihnen. Deshalb steigt man als Kind nicht zu Fremden ins Auto. Pech für die Mutter meiner Schulfreundin.

Zurück zu jenem Stadtbummel:
Es ergab sich irgendwie, dass meine Eltern/meine Mutter mit der Patentante und Lebensgefährten in irgendeinem Geschäft noch kurz was erledigen mussten. Das Geschäft war mitten am Markplatz, es war recht gutes Wetter, es waren viele Leute unterwegs und das Geschäft ödete mich an. Auf meine Bitte hin durfte ich draußen warten.

Es dauerte nicht lange, als mich plötzlich ein „älterer Mann“ ansprach. Für mich als Kind waren alle Menschen ab ca. 30 alt, aber ich denke, er dürfte so um die ca. 50-60 Jahre alt gewesen sein, eher älter als jünger. Er wollte eine Wegbeschreibung zu einem recht bekannten Parkplatz in der Nähe. Der Parkplatz war nur zwei Straßen weiter, der Weg war einfach. Höflich und hilfsbereit wie ich als Kind war, erklärte ich ihm den Weg. Zu meiner Überraschung war die Sache damit aber nicht erledigt. Er ließ nicht locker, gab sich hilfsbedürftig und wollte, dass ich ihm den Weg „kurz zeige“.
Da es wirklich nicht weit war, fing ich an zu überlegen, ob ich kurz mitgehe. Andererseits hatte ich meinen Eltern versprochen, vor dem Geschäft auf sie zu warten. Wobei ich ja schnell wieder zurück sein könnte, wenn ich mich beeilen würde. Meine Eltern hätten gewiss Verständnis dafür. Der Mann bemerkte mein Zögern und beging dann einen Fehler: Er versuchte noch mehr, mich zu überreden, stellte mir irgendeine Belohnung in Aussicht (Süßigkeiten oder so) und zeigte dabei einen winzig kleinen Anflug von Ungeduld und Missfallen. Nicht stark, nur ganz kurz, in all seiner Freundlichkeit.
Mich störte das irgendwie, ich fühlte mich komisch beunruhigt und so lehnte ich seine Bitte ab. Der Mann gab schließlich auf und entfernte sich. Ich blieb grübelnd zurück und überlegte, ob ich dem Mann mit meinem Gefühl unrecht getan hatte oder nicht.

Als meine Eltern wieder da waren, versuchte ich ihnen von der Begegnung zu erzählen, aber irgendwie schien sie das Ganze nicht zu bekümmern. Rückblickend vermute ich, dass sie mir damals (mal wieder) gar nicht richtig zugehört haben; vielleicht habe ich mich als Kind für sie auch zu unverständlich ausgedrückt, so dass bei ihnen nur angekommen ist, dass mich ein Mann nach dem Weg gefragt hat – banales Geplapper, was Kinder eben so erzählen. Als Kind schlussfolgerte ich aus ihrer (Nicht-)Reaktion, dass der Mann sich wohl normal verhalten hatte und ich zu misstrauisch gewesen war, wenngleich ich mich in der Situation am Ende beunruhigt gefühlt hatte und darüber gerne mit meinen Eltern gesprochen hätte. Letztlich erklärte ich mir meine Reaktion mit meiner generellen Verstörtheit.

Die Erkenntnis, wie wenig Sinn es ergab, dass er ausgerechnet ein Kind wie mich anspricht in der belebten Fußgängerzone, nach dem nun wirklich nicht schwierig zu findenden Parkplatz fragt und verlangt nachdrücklich darum bittet, dass das Kind ihn auch noch dorthin begleitet, kam mir erst viele Jahre später.

Alien

Vor ein paar Wochen als ich zu Besuch bei meinen Eltern war, kam das Gespräch auf ein mit meinen Eltern befreundetes Ehepaar und deren zwei Söhne.

Beiden Söhne ist vor vielen Jahren Asperger-Autismus diagnostiziert worden. Neu ist mir das nicht. Ebenso wenig, dass es die ein oder andere Ähnlichkeit zwischen Eigenarten bei ihnen und bei mir gibt; Dinge, von denen ich sonst niemanden kennengelernt habe, der das von sich kennt. Andererseits muss das nichts bedeuten. Umgangssprachlich gilt man schnell als „autistisch“ . Ein wenig scherzhaft haben mich meine Eltern früher so tituliert. Das war keineswegs abwertend gemeint und die Alternativbezeichnung für sagen wir mal „auffällig abweichendes Verhalten“ meinerseits war ansonsten das Zauberwort „introvertiert“, gerne gepaart mit „sensibel“ .
Also jetzt von den liebevoll gemeinten Ausrücken meiner Eltern dafür. ^ ^

Mein Vater hatte dafür teils auch andere Bezeichnungen, wie „verstört“ , „unnormal“ , „soll sich nicht so anstellen!“ oder auch „verhalt‘ dich doch mal wie andere in deinem Alter!“ .
Ihm ist zugute zu halten, dass hinter diesen Sätzen paradoxerweise seine Sorge stand, dass ich in der Gesellschaft zum „merkwürdigen“ Außenseiter heranreifen und es gerade auch bei Gleichaltrigen schwer haben könnte, wenn ich zu sehr auffalle als „anders“ .

Ab Volljährigkeit habe ich Dank der mir da erst so richtig uneingeschränkt offenstehenden Möglichkeiten über viele Jahre immer mal für mich versucht herauszufinden, ob und was denn nun mit mir von Grund auf verkehrt ist. Asperger Autismus war mit eines der ersten Möglichkeiten, neben banaler Introversion und Verträumtheit. Autismus zog ich in die engere Auswahl, verwarf dies jedoch später wieder, weil ich mir dafür einfach insgesamt zu unauffällig unter Menschen vorkam. Was noch passte war die Möglichkeit, dass ich einfach einen etwas ausgeprägteren schizoiden Persönlichkeitsstil habe, aber auch da bin ich mir heutzutage nicht mehr so sicher. Gut möglich, dass ich auch einfach ganz normal bin. Irgendwann habe ich die Suche nach Antworten auch zu den Akten gelegt. Es war für mich nicht mehr von so entscheidender Wichtigkeit, eine Antwort zu finden, was möglicherweise sogar als Zeichen von Heilung alter Verletzungen und Verunsicherungen gewertet werden kann. Allerdings hatte es auch pragmatische Gründe. Nach dem Studium verschiedener Fachliteratur war ich zu dem unbefriedigenden Ergebnis gelangt, dass man es bei mir wohl auch nicht mehr genau feststellen könne, was es nun ist (oder war). Dazu kommt, dass ich die Skepsis und „natürliche Scheu“ meiner Eltern gegenüber Therapien und Therapeuten teile; mir ist das einfach zu privat und letztlich muss man sich im Leben eh selbst helfen.

Als nun bei meinen Eltern das Gespräch auf diese beiden autistischen Söhne fiel, habe ich meine Mutter zu meiner eigenen Überraschung zum ersten Mal in meinem Leben einfach direkt gefragt, ob ich ihrer Meinung nach Asperger-Autismus haben könnte.
Als wäre das die selbstverständlichste Frage überhaupt, erwiderte meine Mutter nüchtern: „Du hast da auf jeden Fall etwas von, aber du hast das nicht so ausgeprägt wie meine ehemalige Arbeitskollegin.“

Besagte Arbeitskollegin ist naheliegenderweise (erst spät) diagnostizierte Asperger-Autistin und hatte es am Arbeitsplatz zwischenmenschlich etwas schwer, mit meiner Mutter hat sie sich wiederum auf Anhieb gut verstanden; die beiden sind inzwischen befreundet.

Nachdem ich die Antwort meiner Mutter vernommen hatte, fiel mir wieder ein, warum ich es so oft von vorneherein sinnlos finde, meinen Eltern zu bestimmten Themen Fragen zu stellen. Danach bin ich nämlich regelmäßig noch verwirrter und habe nur noch mehr Fragen, auf die ich keine ergiebige Antwort erhalte. So auch hier:
Auch mit Nachfragen wurde ich nicht schlauer. Meine Mutter wiederum fand, dass es doch völlig egal sei, ob ich nun Autist sei oder nicht, ich sei als Kind schon auffällig gewesen, aber sie habe keinen Sinn darin gesehen, mich testen zu lassen, da ich ja alles in allem klargekommen sei (bin ich nicht wirklich) und sie meine Auffälligkeiten nicht schlimm fand, getreu dem Motto: Jeder ist anders. Eine Diagnose würde bei mir heutzutage auch keinen Sinn ergeben, so meine Mutter weiter, das sei etwas für Härtefälle wie ihre Kollegin, welche die Diagnostik wegen ihrer beruflichen Einschränkungen/Probleme benötigt habe und nun frühverrentet sei.

Nachdem ich noch eine Weile darüber gegrübelt habe, ob ich nicht doch einfach besser jetzt als nie oder in späteren Jahren eine Diagnostik anstreben sollte, um nur für mich Gewissheit zu haben, habe ich es verworfen. Vielleicht ein Fehler. Vielleicht erspart es mir auch unnötiges Leid.

Im schlechtesten Fall im Nachhinein zu erfahren, dass eine Vielzahl meiner Probleme von klein an sozusagen nicht so hätten verlaufen müssen, würde mich auch nachträglich frustrieren. Das habe ich ja nicht einmal bzgl. meiner jahrelang von Ärzten übersehenen Hashimoto-Erkrankung mit Schilddrüsenunterfunktion vollständig verwunden. Bei der Hashimoto-Sache komme ich damit solange bestens klar, wie ich nicht über die Vergangenheit mit dem Wissen von Heute nachdenke. So viel dazu. Man soll eben nach vorn schauen, nicht zurück.

Und umgekehrt würde mir das Ergebnis, dass kein Autismus vorliege, auch nur wenig weiterhelfen, weil es geradezu der Klassiker ist, dass erwachsene Asperger-Frauen oft zu unauffällig (geworden) sind, um erkannt zu werden. Das würde mir auch immer dabei im Hinterkopf rumspuken. Zumal ich Zeit meines Lebens enorm viel Energie in das „Imitieren“ und „Anpassen“ bzgl. dieses ganzen zwischenmenschlichen Verhaltens gesteckt habe. Meine Familie hat darauf ihrerseits großen Wert gelegt. Ich könnte gar nicht mehr sagen, wie ich ursprünglich war. Es wäre auch irgendwie peinlich, wenn all meine Bemühungen normal zu sein nach Außen hin letztlich selbst im Erwachsenenalter doch nicht ausreichend wären.
Und sofern es zutreffend wäre, dass kein Autismus bei mir vorliegt (was durchaus sein kann), wäre der Aufwand irgendwie überflüssig.

Vergangenheit

Eigentlich hätte auch ein schwarzes Bild gut gepasst, aber wo Schatten ist, findet man bekanntlich auch Licht. Sonst hätte ich mich schon vor langer Zeit umgebracht.

Letzte Woche kam die Absage, mit der neuen Stelle wird es folglich nichts. Und weil das Leben einen eigenwilligen Sinn für Humor hat, lief es bei meiner aktuellen Stelle dafür besser. Der Stellenmarkt ist derzeit sehr überschaubar bzgl. Stellen, die für mich infrage kämen. Mein Gefühl hat mir deutlich gesagt, dass es die weitere Stellensuche momentan für Unsinn hält und ich es eher bis auf Weiteres weiter mit meiner aktuellen Stelle versuchen sollte. Immerhin kenne ich den Laden inzwischen. In eine andere Anwaltskanzlei zu wechseln, würde meine Situation wahrscheinlich kaum verbessern. Wenn würde sich der Wechsel in den öffentlichen Dienst lohnen. Passende Stellen vor Ort sind allerdings Mangelware. Ich werde weiter die Augen offen halten, aber bis auf Weiteres werde ich mit der Diva, dem Familienrecht & Co. weiterleben müssen.

Diese Woche hatte ich Urlaub, wovon ich aus verschiedenen Gründen etwa die Hälfte bei meinen Eltern und den Katzen verbracht habe. War angenehm, bis auf das Essen. Bei dem Wetter hätte mir eher der Sinn nach kaum etwas essen gestanden. Mit der Histaminintoleranz gab es ein paar Probleme, wodurch ich zwei Tage recht ausgeknockt war. An zwei anderen Tagen war meine Galle beleidigt, auch wieder zurück in meinen eigenen vier Wänden, weshalb mir insbesondere einen Tag ziemlich anhaltend schlecht war, worüber sich wiederum meine Waage gefreut hat. Immerhin: Übergeben habe ich mich nicht. Schon seit Ende Mai nicht mehr.

Ansonsten habe ich ausgiebig Red Dead Redemption 2 plus ein wenig Dead By Daylight gezockt und heute dann endlich mal meine Unterlagen aus dem Studium weitgehend weggeworfen. Zeitschriften, Mitschriften, Falllösungen, Schemata usw., weg damit. Ich mag es eigentlich nicht, solche Sachen wegzuwerfen, aber hinterher geht es mir immer besser und ehrlicherweise schaue ich in diese Sachen eh nie wieder rein. Für die Berufspraxis kann ich die Unterlagen ohnehin nicht gebrauchen. Das ganze Zeug wegzuwerfen, war gut. Eigentlich sollte ich noch viel mehr entsorgen. Freiheit für die Seele, weg mit dem Ballast.

Leider kann ich es nie ganz verhindern, dass beim Aussortieren meine Gedanken in die Vergangenheit abdriften. Ungünstigerweise sind damit auch untrennbar die alten Gefühle verknüpft. Zwar nur als schwacher Abglanz, trotzdem zieht mich das jedes Mal zuverlässig runter. Egal, ob es Erinnerungen an die Kindheit, an die Schule, an das Studium, an das Referendariat oder anderes aus der Vergangenheit sind, mich deprimiert das alles.

Dabei habe ich in der Vergangenheit durchaus auch viele schöne Erlebnisse gehabt. Außerdem ist die Vergangenheit für mich immer irgendwie, wie aus einem anderen Leben; fast wie das Leben einer anderen Person, die ich zufällig etwas näher kennengelernt habe, bevor sich der Kontakt verlaufen hat.

Meinem Gefühlsleben ist das offenbar völlig egal. Wenn ich an die Vergangenheit denke, schwanke ich zwischen der Sehnsucht, am besten einfach nicht mehr existent sein zu müssen und dem Wunsch, zurückzureisen und irgendetwas anders zu machen. Was genau, ist auch mir unklar.
Klar, mit dem Wissen von Heute hätte ich das ein oder andere anders gemacht, aber ex ante aus der damaligen Situation heraus, gibt es eigentlich nichts, das ich ausschließlich bereue. Trotzdem ist bei der Erinnerung an Teile meines früheren Lebens da dieser Gefühlsschlamm, der sich zuverlässig auf meine Seele legt und mein Gefühlsleben verdunkelt, wie früher schon so oft.

Wie geht es weiter mit dem Katzenhai?

Ich bin insgesamt sehr hin- und hergerissen, weil ich meine aktuelle Arbeit, meine Kollegen etc. und auch meine Chefs durchaus mag, trotz allem. Generell habe ich hier auch sehr viel gelernt, nicht nur fachlich und in punkto Selbstvertrauen. Insofern wird mir der Weggang zu einem kleinen Teil schwerfallen emotional.

Aber egal, Tigerhaie werden immer Tigerhaie bleiben, so wie ich immer ein Katzenhai bleiben werde. Es ist Zeit, sich unauffällig ein anderes Gewässer zu suchen. Die Tigerhaie werden mit den Fischschwärmen hier auch ohne mich zurechtkommen, selbst wenn sie dann wieder vieles selbst machen müssen und mehr Stress hätten.

Andererseits sind Tigerhaie ja gewissermaßen in ihrem Element, wenn es überall vor zu betreuenden Fischen nur so wimmelt und sie reichlich Beute vor Augen haben, selbst wenn sie dann dazu neigen, sich zu sehr zu verausgaben bei der Jagd. Ihre Gier treibt Tigerhaie zu großen, beeindruckenden Leistungen an, bringt sie aber langfristig schneller ins Grab.

Was macht man nun als Katzenhai, dem andere Werte für ein erfülltes Leben wichtig sind?

Aufgrund all der Ereignisse habe ich meine Zukunftsoptionen stark überdacht und mich auf eine Stelle im öffentlichen Dienst beworben. Dort würde ich in einem kleinen Rechtsteam arbeiten. Der Anwaltsberuf und damit auch Strafrecht etc. wäre dann Geschichte. (Familienrecht, all die menschlich völlig unsinnigen Rechtsstreitigkeiten sowie das „Hinterherlaufenmüssen“ hinter den Mandanten bzgl. der Hereinreichung von Unterlagen etc. würde ich dagegen absolut nicht vermissen.)

So sehr ich die Anwaltstätigkeit und die Vielfältigkeit im Zivil- und Strafrecht auch mag und ehrlich ein wenig vermissen werde, so sehr freue ich mich auf ein normales Arbeits- & Freizeitleben.

Die Stelle wird nach Tarif bezahlt, ist bereits jetzt besser vergütet als meine derzeitige Anwaltsstelle und Gehaltssprünge erfolgen dort „automatisch“. Ich will mir das Gejammer von Chef 1 und Chef 2 hier lieber gar nicht vorstellen, wenn ich in der Zukunft Gehaltserhöhungen thematisiere(n werden muss). Wo die Zahlung meines Gehalts sie bereits jetzt schon so schmerzt.

Die andere Stelle hat noch mehr Vorteile:
Die Stelle liegt nah bei meinen Eltern und den Katzen, die ich dann deutlich häufiger sehen könnte. Meine Eltern werden außerdem auch nicht jünger, ich mag sie sehr und so könnte ich ihnen künftig hier und da unter die Arme greifen, sie spontan besuchen ohne dort gleich übernachten zu müssen (was mir insgesamt schnell zu viel Fremdbestimmung ist und Fluchtimpulse auslöst).

Die Arbeitszeiten sind deutlich arbeitnehmerfreundlicher; ich hätte dadurch auch viel mehr Möglichkeiten, an Vereinssport vor Ort teilzunehmen. Und bestimmte Stressfaktoren aus dem Anwaltsleben in der Kanzlei würden gänzlich entfallen. Bestimmte Mandantenarten werde ich definitiv nicht vermissen – evtl. schreibe ich mal einen Blogbeitrag dazu; man weiß da oft echt nicht, ob man sich ärgern oder darüber lachen soll. ^^

Das Vorstellungsgespräch lief nicht schlecht, mein erster Eindruck vom dortigen Leiter des Rechtsteams war positiv und der Mensch wirkte durchaus sympathisch und hatte auch Humor; ich habe bei ihm ein gutes Gefühl.
Bei den Tigerhaien war dagegen damals so ein schwer greifbares „Störgefühl“, trotz eines an sich auch guten Eindrucks, der sich durchaus auch später bestätigt hat. Dort war und ist auch durchaus vieles gut, so ist das nicht. Leider kann ich solche Störgefühle oft erst viel später richtig zuordnen, wenn es nicht gerade extrem ist bzw. mein Gefühl dort nur negativ ist – und das war es ja gerade nicht bei den Tigerhaien. Ich bin ja auch kein Hellseher.

Auch wenn ich es nicht gedacht hätte, würde ich mich im Moment sogar ein bisschen auf einen Umzug + Ortswechsel freuen. Hier ist es nicht schlecht – aber woanders könnte es besser sein.

Meine Sorge ist natürlich, dass es woanders auch schlechter sein könnte. Zumal ich ein für mich bislang gänzlich unbekanntes Rechtsgebiet übernehmen würde, das eher im öffentlichen Recht liegt. Aber es wäre fachlich deutlich weniger breit gefächert und dadurch auch weniger stressig + leichter zum schnellen Einarbeiten. Ich finde es soweit fachlich auch durchaus interessant, wenngleich ich immer die konkrete praktische Arbeit darin brauche, um sagen zu können, ob das etwas für mich ist oder nicht.
Dass ich dort bislang keine Ausbildung habe, war zum Glück bei der Bewerbung kein Ausschlusskriterium und im Zweifel kann ich mich schnell in neue Rechtsgebiete einarbeiten und nach kurzer Zeit verantwortungsvolle, komplexe Mandate übernehmen und selbstständig führen, wie ich inzwischen von mir weiß; den Tigerhaien sei Dank.*lol*

Ein wenig unwohl ist mir trotzdem, weil es ein Sprung ins Ungewisse sein wird, wenn es mit der Stelle klappt. Aber derzeit überwiegt die Hoffnung.

Außerdem könnte ich mit anderen Arbeitszeiten, weniger Berufsstress etc. mehr aus meinem Privatleben machen und mir je nach neuer Wohnung auch selbst Katzen halten, sogar als Freigänger. Das wäre mir sehr wichtig, dass die Katzen nach Draußen gehen können. … Ich muss nicht unbedingt ein Haustier haben; aber wenn, möchte ich eine oder besser zwei Katzen haben.

Wie auch immer, erst einmal muss ich die Rückmeldung abwarten. Wenn ich eine Absage bekomme, hat sich das eh erledigt. Es gibt zwar noch mehr Stellenangebote und ich würde dann weitersuchen, aber am Wohnort meiner Eltern gibt es so gut wie keine passenden Stellenangebote. Dies war nach langer Zeit das einzige Angebot um genau zu sein.

Falls ich eine Zusage bekommen sollte, werde ich es riskieren. Meine Intuition sagt mir jedenfalls, dass ich die Chance dort dann ergreifen sollte. Die Verabschiedung von den Tigerhaien werde ich schon irgendwie überstehen und ich wüßte auch schon, wie ich es denen ohne zerschlagenes Porzellan verkaufen kann. Mir ist es wichtig, dort nicht im Streit zu gehen. Und die wahren Beweggründe anzusprechen, würde dort nur für beleidigte Reaktionen sorgen.

Im Moment kämpfe ich eh ein wenig mit einem schlechten Gewissen, weil bei meinem jetzigen Arbeitgeber niemand etwas von meinen „Fluchtplänen“ ahnt. Andererseits hätte ich nie Fluchtimpulse entwickelt, wenn meine Chefs ihre mündlichen Zusagen aus dem Einstellungsgespräch gehalten hätten und auch sonst anders mit mir umgegangen worden wäre, man mich eben auch nicht so völlig unnötig und gedankenlos bis eiskalt (wenn auch unbeabsichtigt) „verletzt“ hätte, nicht nur einmal. Es lässt sich hier im Blog schriftlich nur ansatzweise erklären, zumal ich hier auch nicht sämtliche kleinen aber bedeutsamen Details ausbreiten möchte. Im Moment mag ich auch nicht mehr weiter darüber nachdenken, sondern werde mich auf anderes konzentrieren und vom Warten bzgl. Zusage/Absage ablenken.

… oder auch nicht

Falls das ein wahrer fall sein sollte, was ich etwas bezweifle: Von mir hätte der Student die volle Punktzahl bekommen. ^^

Der Geburtstag und die Zeit bei meinen Eltern waren ganz ok, wäre der Zeitpunkt nicht so ungünstig für mich gewesen. Nachdem ich bei meiner Familie fast drei Tage nach einem für mich eher schlechten Essensrhythmus essen musste, noch dazu diverse Sachen, die ich just derzeit nicht hätte essen wollen, war mein eigener Essensrhythmus sowie mein eigenes Hunger-Satt-Gefühl schlicht erodiert. Dazu kam ein äußerst schlechtes Körpergefühl, ein bisschen wie ein Marshmallow; leider kann man seinen Körper nicht wie ein Kleidungsstück einfach ausziehen. Bevor ich zu meiner Familie gefahren war, ist mein Körpergefühl bereits mäßig gewesen, war aber gerade auf dem Weg der Besserung.

Damit es überhaupt etwas besser werden konnte, brauchte es eine gewisse Disziplin und Selbstbeherrschung, auch um die Antriebslosigkeit und das Gefühl unendlicher Sinnlosigkeit zu überwinden. Das ist mir überhaupt nicht leicht gefallen.
Als ich am Samstagabend wiedergekommen bin und festgestellt habe, dass alles für die Katz‘ gewesen und mein Körpergefühl so mies wie schon lange nicht mehr ist und ich noch dazu bald wieder zur Arbeit gehen muss (wo mich evtl. ein immer noch angefressener Chef erwartet) mag das wohl in der Summe der Grund gewesen sein, warum die Zeit bis heute sehr destruktiv verlaufen ist.

Anstatt es mit wenig und gesunder + histaminarmer Ernährung sowie Sport zu versuchen, habe ich so ziemlich das Gegenteil davon getan und mich zusätzlich mehrfach übergeben. Seitdem sind die Wassereinlagerungen, die mein Körper vorher schon hatte, natürlich nicht besser geworden. Außerdem ist seit Sonntagmorgen mein linkes oberes Augenlid gerötet, schmerzt minimal und ist deutlich geschwollen. Außer der Rötung kann ich kein Anzeichen für eine Entzündung entdecken; es wird irgendwie Wasser im Gewebe sein, mehr als ich sonst regelmäßig habe, wenn ich mich nicht histaminarm oder salzig ernähre oder meine Schilddrüsenwerte absinken. Ich freue mich schon total auf morgen; irgendwie habe ich es bis jetzt fast immer geschafft, nach meinem Urlaub fertiger auszusehen, als vorher.

Dass mit dem Körper wird sich wohl wieder einrenken, wenn ich mich die nächsten Tage vernünftig ernähre und eher wenig esse, vor allem nichts histaminhaltiges, und wieder regelmäßig Sport mache. Brennesseltee und Kaliumtabletten habe ich zwar auch genommen, aber ich bin mir unschlüssig, ob das in meinen Fall bzgl. der Wassereinlagerungen hilft. Nur bleiben können die Wassereinlagerungen schon deshalb nicht, weil sie mir in den Beinen spätestens abends schmerzen und weil ich mit ihnen immer phlegmatischer werde und fast jedes Gefühl für mich verliere.

Na ja, egal. De facto bin ich ja selbst schuld und immerhin sind die Familienfeiern und Feiertage damit soweit erst einmal abgeschlossen.

Außerdem habe ich es wenigstens geschafft, mich bei meinen Freunden zu melden und mich für einen Monitor zu entscheiden, der mir sehr gut gefällt. Für privat eher phlegmatisch-antriebsschwache und entscheidungsunfreudige Menschen wie mich ist das eine gewisse Leistung. *duckundweg*

Osterwochenende

Karfreitag war gut. Zwar habe ich lange geschlafen und war zunächst nicht sonderlich motiviert zu irgendetwas. Aber ich habe mich dann doch zum Packen und einer Runde Laufen überwunden, bei der mir ungewohnt viele Spaziergänger begegnet sind. Außerdem war es für mich ungewohnt hell und heiß; irgendwie schön, aber auch unangenehm.
Die letzten Tage habe ich ja immer bis abends im Büro verbracht und insofern nur am Rande mitbekommen, dass hier quasi schon der Sommer ausgebrochen ist; nachdem es hier letzte Woche noch Minustemperaturen gegeben hat. Ich wusste gar nicht, wie hell es tagsüber in der Sonne ist. Beim Laufen war mir dadurch etwas schwindelig, zumal mir Sport direkt nach dem Aufstehen nicht liegt kreislaufmäßig, aber irgendwie ging es dann doch. Danach ging es zu meinen Eltern.

Karfreitag haben wir Lachs mit so einer Kräutersahnekruste, Kartoffeln, Kräuterbutter und Gurkensalat gegessen. Als Nachtisch gab es Torte; so ein Teil mit Biskuitboden, Pfirsichen und dieser durchsichtigen, süßen Geleemasse. War alles in allem gut.

Abends gab es Käse, Gurken und später etwas Schokolade. Wir haben uns diese Serie mit Pastewka und „Merz gegen Merz“ mit Christoph Maria Herbst (der Stromberg-Darsteller) angeschaut. War lustig, obwohl ich bislang kein Fan von Pastewka gewesen bin. (So ging es mir auch mit der Serie „Dr. Psycho“ mit dem Ulmen, mit dem ich vorher nichts anfangen konnte.) Und den Herbst mag ich eh von Stromberg.

Der Samstag war auch weitgehend entspannt: Frühstück mit Brötchen, danach mit meinem Vater Autoreifen wechseln, Luftdruck etc. kontrollieren etc. und das Fahrzeug polieren usw.. Ich bin immer wieder fasziniert von all den Pflegemitteln, Schwämmen etc., die mein Vater angeschafft hat. Da ist für meinen Pkw alles dabei. Nun sieht der kleine Wagen fast wieder wie neu aus.

Zum Mittagessen gab es heute Möhreneintopf mit Mettwurst und Senf sowie Reibeplätzchen (mit Rübenkraut^^). Später kamen noch Eis und Amarenakirschen plus etwas Erdbeer-Joghurt-Schokolade (Rest von gestern) dazu.

Soweit alles sehr angenehm und friedlich. Getrübt wurde der Friede nur durch die Anrufe meines Bruders, der derzeit mal wieder völlig am Rad dreht und alle terrorisiert; im Moment hat er sich mal wieder auf unsere Mutter eingeschossen. Ich mag dazu gerade nichts weiter schreiben; kurz gesagt ist mein Bruder eben ein pathologischer (erfolgloser) Narzisst, der nicht mit und nicht ohne andere kann.
Die Psycho-Spiele, die er regelmäßig abzieht, sind unter aller Sau. Ironischerweise steht er sich selbst extrem im Weg. Ich denke nicht, dass er sein Leben jemals auf die Reihe bekommen wird. Blöderweise versucht er aus seiner Unzufriedenheit heraus, anderen deren Leben schwer zu machen, wo er kann. Falls ich mal von seinem Tod erfahren sollte, wäre ich wohl nachdenklich, aber auch definitiv erleichtert.

Kein Osterfeuer

… keine Osterhasen, keine Schokolade, keine Ausreden, kein Übergeben, kein Homeoffice, kein Virus, kein Bruder, keine Deadlines, kein Flurdienst, keine Kurzarbeit, … und hoffentlich auch keinen Kuchen!

Man muss sich immer das Gute vor Augen halten! ^^

Das Problem fing vor ein paar Tagen an, als mich meine Mutter just nach der Arbeit fragte, wann ich Ostern vorbeikäme. „Ostern?! – Welches Ostern? … Etwa das übernächste Wochenende nach dem verschiedene Fristen ablaufen, mit der komisch kurzen Woche und den zwei gestohlenen Arbeitstagen, obwohl ich noch diverse Schriftsätze fertigstellen muss?“, zuckte es kurz durch den angenehm betäubenden Nebel in meinem Bewusstsein, der sich immer nach der Arbeit einstellt. Welcher Wochentag war überhaupt?

Die Stimme meiner Mutter holte mich zurück in die Gegenwart: „Kommst du Donnerstagabend oder Freitag und bleibst bis Montagmorgen?“

„Uärghhs, gar nicht … äh ich meine ich würde euch Freitag besuchen, aber frühestens nachmittags! Kann auch sein, dass es später wird. Und ich werde Sonntags wieder fahren!“, konnte ich meine Freude kaum verhehlen.

„Die Katzen würden sich auch freuen!“ … Mist, jetzt hatte sie mich. Unwillkürlich lullten mich angenehme Bilder ein und mein Widerstand schmolz dahin.