
… außer eine menschenfressende Riesenspinne nähert sich.^^
Meistens ist es aber so, wie mein erster Arbeitstag am Dienstag:
Zu sagen, dass ich mich unwohl gefühlt habe, als ich zur Arbeit gefahren bin, wäre untertrieben gewesen. Andererseits bin ich jemand, der sich bereits als Kind um alles Mögliche und Unmögliche den Kopf zerbrochen und dadurch unnötig irgendwelche Angstszenarien erschaffen hat, von denen in der Realität kein einziges Szenario je so schlimm eingetreten ist, wie ich es mir vorgestellt hatte. Hätten meine Eltern geahnt, was ich alles mitbekommen und über was ich mir alles Gedanken gemacht habe, wären sie wohl ihrerseits beunruhigt gewesen. Sensibel zu sein ist imho für’n Arsch.
Bevor ich weiter ablenke zurück zu meinem Arbeitstag:
Nach dem Betreten der Kanzlei registrierte ich, dass im besten Sinn alles wie immer zu sein schien; später sollte ich feststellen, dass die generelle „Laune“ sowohl der Angestellten, als auch der Chefs sogar etwas besser als sonst war; die Leute wirkten deutlich entspannter. Vermutlich lag es an dem guten Wetter und dem langen Wochenende vorher.
Unbehelligt konnte ich mein Büro betreten, nachdem ich routinemäßig im Vorbeigehen an den anderen Büros die üblichen Grußworte samt Lächeln und passender Stimmlage abgespult hatte. Dass mich niemand aufgehalten hatte, war schon mal ein gutes Zeichen.
Ich habe es eigentlich nicht so mit Sozialkram und all den dortigen ungeschriebenen, für mich bis heute teils etwas mysteriösen bis verwirrenden Regeln, die für andere Menschen kein Problem zu sein scheinen. Solche Routinen wie dieses „Begrüßungsritual“ finde ich daher gar nicht schlecht.
Ich hoffe nur, dass ich nie beim Einkaufen oder so auf meine Kollegen treffe, denn dann könnte es sein, dass ich sie ansehe aber ggf. gar nicht als Kollegen erkenne und betriebsblind an ihnen vorbeilaufe, weil ich sie nicht im Supermarkt erwartet hätte und der ein oder andere Kollege für mich nicht soo leicht wiederzuerkennen wäre in anderer Kleidung etc..
Früher in der Schule oder auch im Studium ist mir das tatsächlich das ein oder andere Mal passiert, was das Gegenüber bestenfalls nur sehr irritiert, schlechtestenfalls verstimmt. Eine langjährige alles andere als unauffällige Freundin hatte sich in der Schule mal die Haare von dunkelbraun auf blond gefärbt. Wie soll ich sagen – ich habe ihr direkt ins Gesicht gesehen, mich gewundert, warum diese vermeintliche 6.-Klässlerin so groß ist und bin unmittelbar an ihr vorbeigegangen, grußlos. … Joa, sie hat es immerhin mit Fassung getragen. Ähnlich auch meine Kumpels später, wenn ich Anstalten gemacht hatte in größeren Menschenmengen wie der Mensa an ihnen vorbeizulaufen, obwohl ich wußte, dass sie irgendwo dort sind. Aus der Nähe habe ich sie immerhin dann doch erkannt (aus der Ferne allerdings nicht bzw. war ich mir nicht sicher – wenn ich sie überhaupt wahrgenommen habe).
Zum Glück sind mir in meiner Freizeit bislang keine Mandanten über den Weg gelaufen; dass fehlte mir noch. …
Den einen Vereinskollegen vom Kampfsport habe ich immerhin im Supermarkt gerade noch rechtzeitig wiedererkannt und das erlernte Sozialskript „Begrüßung 02“ abspulen können. *stolzaufmichbin*
Vielleicht schreibe ich irgendwann einmal einen Blogbeitrag über all die Sachen, die u.a. meine Eltern halb-ernst an leichten Autismus bei mir haben denken lassen. (Mein Bruder war in die Richtung auch auffällig, aber ist so wie ich nie getestet worden; früher war das auch einfach nicht so bekannt wie heuzutage). Als Kind war ich da aber deutlich auffälliger als später. Man lernt ja sehr viel durch Beobachten und Imitieren. Außerdem kann man sich vieles über den Verstand erschließen und durch Übung etc. den eigenen Tarnmodus optimieren.
Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass meine Mimikry nicht löchrig wäre, aber sie reicht, um allermeistens als normal durchzugehen und selbst Momente, in denen sie versagt, noch drehen zu können, so dass ich lediglich als etwas eigen rüberkomme, z.B. wenn ich vergesse, bei meiner Mimik schauspielerisch nachzuhelfen.
Keine Ahnung, ob man mir als Kind Asperger Autismus o.Ä. diagnostiziert hätte und ob das überhaupt zutreffend gewesen wäre – ich kann es nicht beurteilen, zumal es fast wieder normal ist, sich gerade als Kind etc. als andersartig zu fühlen und all der Rest – aber heutzutage bin ich zum Glück ausreichend sozialkompetent geworden und habe mich genügend angepasst/geändert, um definitiv nicht als Autist diagnostiziert zu werden. Außerdem könnte ich ja auch einfach nur recht introvertiert usw. oder schlicht anderweitig bekloppt sein.
So, zurück ins Büro (sorry fürs Abschweifen):
Beim Anblick meines Schreibtisches war ich sehr positiv überrascht, denn dieser war sogar deutlich leerer, als ich ihn verlassen hatte. Mein einer Chef hatte zwei Akten kurzerhand selbst erledigt und mir so Arbeit abgenommen. Außerdem konnte ich beruhigt feststellen, dass sowohl auf die ReNos, als auch auf meinen einen Chef als Urlaubsvertretung Verlass ist. Es ist nicht so, dass ich ihnen das nicht zugetraut hätte, nur ist mir bei sowas nie ganz wohl, bis ich sehe, dass es funktioniert. Die noch zu bearbeitenden Neueingänge waren überschaubar; zum Teil waren dort auch Sachen bei, auf die ich schon gewartet hatte.
Ein Blick in den virtuellen Kalender meines anderen Chefs verriet mir, dass dieser bis Nachmittags noch wegen eines Gerichtstermins außer Haus sein würde. Die bevorstehende Begegnung mit ihm und der Umstand, dass er zuletzt ziemlich angesäuert war, wegen einer Sache, für die ich teilweise etwas kann, waren der Hauptgrund, warum ich mich sowohl an meinem ersten Urlaubstag, als auch am Pfingswochenende nicht wohl gefühlt und ein schlechtes Gewissen gehabt hatte. Dass er darauf zurückkommen würde, war sicher, aber scharf darauf war ich nicht.
So war es vielleicht ganz gut, dass er just gegen Mittag auftauchte, als ich noch gar nicht mit ihm gerechnet hatte und durch die Arbeit gut von meiner Sorge abgelenkt war. Zu meiner großen Erleichterung war er gar nicht so angefressen wie befürchtet, sondern sogar recht gut gelaunt. Nach dem üblichen Small Talk kam er dann auch wie es seine Art ist direkt auf die Sache zu sprechen und ließ durchblicken, dass er darüber noch einmal mit mir reden müsse und nicht zufrieden damit sei, wie die Sache gelaufen ist (Anmerkung: Es ging dabei mehr um den internen Ablauf). Erstaunlich entspannt meinte er noch, dass ich aber erst einmal wieder ankommen solle und wir die Tage darüber reden würden.
Es sollte aber doch schneller gehen, was gut war, da ich das nun nicht mehr die Woche über weiter mit mir rumschleppen muss. Nachmittags klingelte er bei mir durch, fragte (mehr der Form halber), ob ich gerade Zeit hätte, und so stand ich kurz darauf in seinem Büro.
Meiner Persönlichkeit kommt sehr entgegen, dass er irgendwie das Talent hat, seine Kritik einerseits stets so zu verpacken, dass deutlich wird, dass er das so nicht haben will, und wie er es sich wünscht, ggf. sagt er auch so wie am Dienstag, dass er angefressen war und warum (gut, dass ich ihm nicht vorletzten Montag über den Weg gelaufen bin^^) – wie er selbst einräumt, ist er auch perfektionistisch und anspruchsvoll sowie manchmal ein klein wenig „launisch“, wenn er seine Erwartungen nicht 1:1 umgesetzt sieht – aber er gestaltet derlei Gespräche zugleich so, dass das Gespräch im Ergebnis konstruktiv ist, sich gar nicht sooo sehr wie ein „Kritikgespräch“ anfühlt und „ein gutes Miteinander“ bewahrt bleibt.
Auch wenn ich solche Gespräche nie mögen werde, hat dieses Gespräch letztlich sogar das gegenseitige Verständnis gefördert und ich habe nun bzgl. der künftigen Handhabung ein wichtiges Fragezeichen weniger im Kopf.
Selbstverständlich bleiben für mein (über-)selbstkritisches Ich noch genügend andere Sachen, wegen der ich mir auch weiterhin im Grunde täglich vorsorglich Sorgen machen und Angstszenarien entwerfen werde, um „vorbereitet“ zu sein und nicht eiskalt erwischt zu werden (wird man im Zweifel trotzdem, nur anders, als erwartet). Sonst wäre das Leben ja auch viel zu stressfrei und angenehm.








