Mir geht es heute wie dem Alligator (?), und so konnte mich nicht einmal meine Histaminintoleranz, die wie üblich samstags mal wieder zugeschlagen hat, daran hindern vorhin durch meine Wohnung zu tanzen hüpfen, mit den Armen herumzuwedeln und auf Zehenspitzen herumzutänzeln. 🙂
Gut, dass mich meine Nachbarn dabei nicht gesehen haben. Für Beobachter muss das ziemlich bekloppt aussehen, aber es ist meine Art, meine Freude auszudrücken. Meistens bin ich nur zu gehemmt dafür und mache das nur privat, wenn ich mich unbeobachtet glaube.
Ich bin total erleichtert und ja glücklich, dass sich beruflich und privat alles nun so gut entwickelt hat.
Selbst mit meinem Bruder läuft es gut und ich werde höchstwahrscheinlich mit ihm, seiner Freundin (die ich sehr gut leiden kann) und einem gemeinsamen Bekannten Halloween bei ihm feiern. Da ich meinen Bruder und seine Freundin im August in ihrer Wohnung besucht und dort ein sehr angenehmes Wochenende mit ihnen verbracht habe, freue ich mich tatsächlich darauf. Und den Bekannten von den beiden habe ich auch dabei kennengelernt; der scheint auf positive Weise freakig/nerdig und in Ordnung zu sein. Halloween wird also gut.
Außerdem hat sich die Sache mit dem Übergeben höchstwahrscheinlich final erledigt. Das letzte Mal muss schon ein paar Monate her sein, ich weiß das gar nicht mehr. Und obwohl ich so gut wie keinen Sport gemacht und mich nach Lust und Laune auch durchaus alles andere als gesund und kalorienarm ernährt habe, (wenngleich mir der Berufsstress unter der Woche oft tagsüber auf den Appetit geschlagen ist, abends habe ich aber v.a. auch viele Süßigkeiten gegessen), scheint sich mein Körper wieder normalisiert zu haben. Rätselhafte Wassereinlagerungen mit komischen Gewichtssprüngen, wie gerade 2019 und 2020 sehr stark, die auch 2021 nicht ganz weg waren, und auch teils aufploppende komische Gelüste nach viel Süßem aufeinmal, sind verschwunden. Mein Gewicht hat sich sogar auf mein ursprüngliches Gewicht eingependelt, das ich vor dem Berufseinstieg konstant hatte, also auf 52 – 53 kg. Im Moment sind es gar 52 kg glatt. Natürlich schwankt das Gewicht auch im Normalfall immer etwas, aber der Schwankungsbereich aktuell und die Entwicklung insgesamt dazu, finde ich sehr beruhigend, was mein Körpervertrauen angeht. Da bin ich nämlich aus früheren Zeiten ein wenig gebranntes Kind.
Das einzige, was aktuell noch „psychosomatisch“ (?) geblieben ist, ist dass ich jede Nacht von Freitag auf Samstag u.a. starken Heuschnupfen von meiner Histaminintoleranz bekomme und bis Samstagnachmittags mehr oder weniger ausgeknockt bin. Es sind schon schwerere Histaminanfälle, die ich dann habe. Kann man sich fast wie bei Migräneattacken vorstellen und ich verbringe dann auch notgedrungen viel Zeit im Bett oder auf dem Sofa, weil ich dann so ko bin. Erst habe ich das auf falsches Essen und zu wenig Schlaf unter der Woche geschoben, aber das allein kann es nicht sein. So richtig habe ich die Ursache noch nicht raus – es ist auch keine Allergie – aber ich tippe darauf, dass es auch irgendwie in einem Zusammenhang mit dem bisherigen Berufsstress steht. Ich habe auch mal gelesen, dass Stress die Histaminempfindlichkeit erhöhen kann. Daher bin ich zuversichtlich, dass sich auch diese Histaminanfälle in absehbarer Zeit legen werden.
Trotz des heutigen Histaminanfalls bin ich aber wie gesagt insgesamt sehr glücklich, und auch der Anfall an sich hat sich inzwischen weitgehend wieder gelegt. Ich habe vorhin sogar angefangen, endlich mal meine alten Unterlagen aufzuräumen, und habe mir fest vorgenommen, auch noch vor Sonnenuntergang an die frische Luft zu gehen.
Es gab in den letzten Monaten erstaunliche Entwicklungen in der Kanzlei. Dass die Diva aufhört und einen etwas speziellen Charakter hat, wisst ihr ja schon, aber die ganze Art und Weise – und was so alles an „schmutzigen Geheimnissen“ dabei ans Licht kommt, damit hätte hier keiner gerechnet. Da man mich allseits ins Herz geschlossen hat, was mit einer deutlich größeren Offenheit einherging, bin ich inzwischen bestens über die Kanzleiinterna im Bilde. Das Bild fügt sich inwischen endlich zusammen. Endlich habe ich Anworten auf viele meiner Fragen gefunden, anstatt ratlos mit einzelnen Puzzlestücken hantieren zu müssen.
Der Abgang der Diva lässt sich mit den Worten zusammenfassen: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Chapeau! Kollektiv alle so gegen sich aufzubringen und langjährige Untergebene, Kollegen und Geschäftspartner massiv zu befremden, angefangen von den Auszubildenden bis hin zu Chef 2, der jetzt Alleininhaber ist, dass hat selbst der letzte Ex-Mitinhaber nicht geschafft, und der soll zu den ReFas/ReNos ein echter Arsch gewesen sein ( böse Zungen sagen über denjenigen auch, dass er einfach die für eine gewisse ältere Generation Anwälte typische Art hatte).
Das Ganze lässt sich wie folgt skizzieren: Die Kanzleigründer haben vor vielen Jahren die neuen Mitinhaber im Gesellschaftervertrag über den Tisch gezogen. Die einst neuen Mitinhaber wurden irgendwann zu den alten Inhabern, die Gründer schieden aus, waren aber durch den Knebel-Gesellschaftervertrag bestens abgesichert, auf Kosten der aktuellen Inhaber. Die Absicherung lief nach dem Schneeballprinzip, und im Grunde war der jeweils neue Mitinhaber dann der Gearschte, der seinerseits wiederum neue Mitinhaber ködern ins Boot holen musste. Die letzten Gesellschafter, die eingetreten sind, waren die Diva und als Letzter Chef 2. Beide hatte man jung geködert.
Als dann später noch einer der älteren (Noch-)Mitinhaber seinen frisch zum Volljuristen gebackenen Nachwuchs als angestellten Junganwalt in der Kanzlei platziert hat, und dieser Nachwuchs sich nicht wie ein Angestellter, sondern mehr wie ein Fast-Mitinhaber aufgespielt hat, mal zur Arbeit gekommen ist, mal nicht, sich die Beschwerden der Mandanten und ReFas/ReNos häuften etc., und der Nachwuchs sich nicht zum Zuarbeiter für die Diva einspannen lassen wollte, kam es zwischen der Diva auf der einen Seite und dem Nachwuchs samt Vater auf der anderen Seite zum großen Knall. Es endete damit, dass sich die Diva durchsetzen konnte und der Nachwuchs seine juristische Karriere weit weg fortsetzte. Das hat der Vater und Mitinhaber der Diva nie vergessen – und die Diva hat es ihm -zusammen mit dem Knebel-Gesellschaftervertrag- nie verziehen. Sehr gut für das zwischenmenschliche Klima war, dass beide ihr Büro genau gegenüber hatten und sich täglich über den Weg gelaufen sind.
Bis zu dieser Stelle könnte man durchaus eher auf Seiten der Diva sein, ich bin es jedenfalls ein wenig. Wobei ich auch Sympathie dafür habe, dass der Nachwuchs sich manches von der Diva nicht hat bieten lassen. Jedenfalls war das Ego von beiden zusammen zu groß, so dass nur Platz für einen war.
Rund um diesen Gesellschaftervertrag gab es noch vor ein paar Monaten erbitterten Streit zwischen der Diva und Chef 2 auf der einen, und den Ex-Inhabern bzw. deren überlebenden Ehegattinnen auf der anderen Seite. Man hat sich am Ende offenbar irgendwie geeinigt. Zuvor sind aber viele verletzende Bemerkungen ausgetauscht worden. Haie unter sich eben. Die Diva mag sich unerschrocken gegeben haben, wie immer, aber das Ganze hat ihr empfindlich zugesetzt und so groß ihr Ego ist, so verletzlich ist es auch.
Ich dachte immer, die Diva hätte sich bzgl. ihres Weggangs vorab intern mit Chef 2 abgestimmt, aber wie ich nun erfahren habe, hat sie quasi gar nichts abgestimmt und Chef 2 lapidar eröffnet, dass sie aufhört.
Wenn die Diva ihre Mandate insgesamt im Griff gehabt, eine geordnete Arbeitsweise nebst ordentlicher Aktenführung gehabt und einen vernünftigen Übergang mit Chef 2 wenigstens im Nachhinein abgestimmt hätte, wäre das ja auch noch zu verschmerzen gewesen.
Tja, hat sie aber alles nicht. Klar, sie hat ein bisschen was noch abgearbeitet, anderes delegiert, und war hier und da als „Ansprechpartner“ vorhanden, aber insgesamt hat sie ein erschreckendes Aktenchaos hinterlassen (neben all den Mandaten, die sie erfolgreich und durchaus engagiert geführt hat). Es gibt Mandate, die sind seit über 3 Jahren nicht mehr bearbeitet worden, trotz Nachfrage der Mandanten zum Bearbeitungsstand; bei anderen Akten sind zwar Gebührenrechnungen gestellt, aber deren Zahlungseingang nie kontrolliert worden usw..
Während hier alle entsetzt sind und Chef 2 -O-Ton- bei der Diva „inzwischen überhaupt nichts mehr wundert “ , bin ich nach der ersten Überraschung auch überhaupt nicht mehr verwundert. Vielmehr ergibt das für mich ein äußerst stimmiges Bild. Kurz gesagt denke ich, dass die Diva an ihrem eigenen Ego zugrunde gegangen ist. Sie hat sich aus Profilierungsdrang, falschem Ehrgeiz nebst Perfektionsimus und mangelnder Empathie anderen und sich selbst gegenüber arbeitsmäßig völlig verzettelt und die Untergebenen nachhaltig gekränkt, teils gedemütigt und ausgepresst. Und das fliegt ihr nun als Endabrechnung nach Jahren geballt um die Ohren.
Natürlich wäre es auch teils Aufgabe der ReFa von der Diva gewesen, diese im Zweifel ab einem gewissen Punkt an die unerledigten Akten zu erinnern und die Aktenführung mitzuüberwachen. Allerdings lässt sich die Diva im Zweifel eh nichts sagen und hat ihre ReFa derart permanent gestresst, schikaniert und ausgebeutet, dass die arbeitsmäßig chronisch überlastet war und ich zu Beginn meiner Tätigkeit mal dachte, dass sie bald einfach körperlich kollabiert. So erklärt sich möglicherweise, warum auch die ReFa der Diva im Sicherheitsnetz versagt hat. Im Grunde ist es aber Versagen des Chefs als verantwortlicher Sachbearbeiter und Führungskraft.
Ich denke auch, dass die Diva so eine Art Burn-Out gehabt haben dürfte, jedenfalls am Ende, und mit ihrer Art sich und andere dauergestresst und bekloppt gemacht hat.
So viel Schlechtes man insgesamt über die Diva sagen kann, so hat sie auch ihre glanzvollen, edlen Momente gehabt. Auch wenn hierbei mit dem Wissen von Heute ein schaler Nachgeschmack bleibt.
So hat die Diva einmal ihre ReFa vor einem der anderen Anwälte in Schutz genommen, als die ReFa bei einem der Diktate durch ein dummes Versehen einen ziemlichen Bock geschossen hat, woraufhin der Mandant den Anwalt angemacht hat, der wiederum die ReFa zusammengestaucht hat. Die Diva hatte die Mitarbeiterin damals sehr engagiert in Schutz genommen und die Wogen geglättet. Die ReFa tat mir damals sehr Leid; sie sah äußerst elendig aus, war über ihr Missgeschick sehr betrübt und wirkte generell so, als bräuchte sie dringend mal Urlaub. Schaler Nachgeschmack zum „ritterlichen Verhalten“ der Diva: Hätte sie ihre ReFa nicht als Arbeitskraft so ausgesaugt nebst Zusatzstress durch die spezielle Art der Diva (Stichwort: „Psychospiele“ und Launenhaftigkeit der Diva), wäre der ReFa der Fehler gar nicht erst passiert.
Na ja, wie auch immer. Bald ist die Diva final weg und hat dann auch endlich mal ihr Büro geräumt. Auch ihre „Altlasten“ werden irgendwann von uns abgearbeitet sein.
Ich hatte die letzten Monate/Wochen meistens viel Stress durch Arbeitsverdichtung, weil ich ja nun durch die von der Diva übernommenen Mandate, die teilweise bis jetzt kurzfristig hereinflattern, delegiert von der Diva, sehr viel Zusatzarbeit habe – ebenso wie mein einer, älterer Kollege; mein anderer, etwas jüngerer Kollege ist aufgrund seiner Rechtsgebiete weniger betroffen.
Das mit der Arbeitsverdichtung wird auch noch eine Weile so anhalten. Es sind auch viele bereits anberaumte Gerichtstermine für die Diva wahrzunehmen, mit kurzfristiger Abstimmung + „Kennenlernen“ der Mandanten nebst Einarbeitung in die jeweiligen Akten sowie teils auch Nachbesserung all der Sachen, welche die Diva entweder versäumt oder sich auf den letzten Metern geklemmt hat, immer unter Zeitdruck. Das hält mich gut auf Trab, stresst auch teils ungut. Aber es sortiert sich und die Rahmenbedingungen haben sich hier für mich extrem verbessert.
Alle sind ausgesprochen freundlich zu mir. Selbst mit „Scharfzahn“, Chef 2s und meiner ReFa, die mir als sensiblen Menschen am Anfang durch ihre ablehnende Haltung + vernichtender Kommentare zu ihrer Kollegin über meine Diktate oder einfach nur über meine persönliche Art sehr zugesetzt hat, klappt es inzwischen sehr gut. Doofe Kommentare gibt es von ihr über mich nicht mehr und sie hat offenbar gelernt, dass man kein Tigerhai sein muss, um ein guter Anwalt zu sein. Anders gesagt: Inzwischen behandelt sie mich wie einen würdigen Hai, und nicht mehr wie einen komischen Exoten, bei dem sie sich unschlüssig ist, was das überhaupt für ein Meeresbewohner ist und ob man dem überhaupt die Fischbestände anvertrauen sollte. ^ ^
Zugegeben: Ich habe Scharfzahn auch vorsichtig, aber beharrlich mit sehr viel Drachenfutter gefüttert in den nun etwas über 2 1/2 Jahren, die ich hier nun schon arbeite. ^ ^ Das hat sich ausgezahlt: Seit wenigen Monaten hat Scharfzahn mich nunmehr für würdig befunden und behandelt mich freundlich und mit Respekt.
Von dem Urgestein unter den Angestellten habe ich erfahren, dass Chef 2, der sich auch jetzt eher locker und selbstsicher gibt und immer eine gewisse „jungenhafte Art“ hat, im Grunde der Arsch auf Grundeis gegangen ist, als die Diva ihm ihren Abgang verkündet hat … all die hässlichen offenen Baustellen, welche die Diva ihm arschigerweise hinterlassen hat, haben seine Zukunftsängste nicht besser gemacht. Er hatte sogar erst überlegt, die Kanzlei dichtzumachen.
Ich freue mich, dass er sich zum Weitermachen entschieden hat und finde, dass er sich als Chef nun ohne den unguten Einfluss der Diva richtig gut entwickelt. Alle hier sind viel entspannter, trotz der Zusatzarbeit mit den Hinterlassenschaften der Diva. Es ist viel geordneter, seitdem die Diva hier im Arbeitsalltag keinen Stress + Chaos mehr verbreitet.
Selbige hat sich nämlich -wohl etwas beleidigt- weitgehend verzogen und taucht nur nach Kanzleischluss auf, um ein paar Akten zu bearbeiten, oder was auch immer. Dabei hält die Diva einen großzügigen zeitlichen Sicherheitsabstand ein, um auch ja niemandem von uns zu begegnen.
Ein wenig erinnert sie mich mit diesem Gehabe an ein scheues Tier; ich finde das Ganze etwas unfreiwillig amüsant und möchte gar nicht wissen, welchen zeitlichen Sicherheitsabstand die Diva aktuell wegen mir gewählt hat. Tja, selbst schuld. xD
Ich bin nämlich der Einzige, dem sie noch leibhaftig spätabends über den Weg gelaufen ist, weil ich (wegen ihr) Überstunden gemacht hatte. Zu meiner großen Schadenfreude war die Diva über die unerwartete Begegnung etwas erschrocken, bevor sie auf fast gewohnte Gespräche u.a. bzgl. ein paar der übernommenen Mandate umgeswitcht ist. Nach der ersten Begegnung hatte die Diva ihren Sicherheitsabstand vergrößert, aber sie hatte das Pech, dass ich an einem anderen Tag arbeitsbedingt noch länger geblieben bin, so dass sie mir auch da nicht ausweichen konnte und dann nach dem ersten Schreck in ihre übliche Chef-Manier verfiel, hektisch durch die Kanzlei sprang, irgendeine Akte suchte und nebenbei mal wieder mit ihrem gefährlichen inhaltlichen Halbwissen zu manchen Mandaten versuchte, mir als aktuellen Sachbearbeiter zu erklären, dass meine richtige Antwort auf ihre Frage falsch sei. Damit hat sie nicht nur mich, sondern auch gestandene ReFas hier gerne in den Wahnsinn getrieben. Inzwischen lächel‘ ich nur noch gütig und gehe mit ihr so um, wie ich mit dementen Menschen umgehen würde, die behaupten, dass ihr Sohn ihr verstorbener Ehemann sei. Man soll die ja dann nicht mit der Realität verwirren. Chronischer Arbeitsstress ist ganz offensichtlich auf Dauer nicht gut für das Gehirn. Ich hoffe, die Diva erholt sich irgendwann gesundheitlich ein wenig.
Na ja, ich finde es für die Diva schade menschlich, dass sie sich ihr durchaus vorhandenes berufliches Potential selbst so gründlich zerstört hat und mit so einer Abschlussnote geht. Da man eh schon am Boden Liegende nicht treten sollte und ich auch keine Wut empfinde, sondern mehr geduldig die verbleibene Zeit zähle, bis sie dann wirklich weg ist, gehe ich mit ihr fast wie immer um und behandel‘ sie nicht schlechter, als noch zu Zeiten, in denen sie meine Chefin, Ausbilderin und ja evtl. auch ein wenig Mentor, als auch größter Stressfaktor war. Der Glanz ist allerdings weg.
Chef 2 – ich werde ihn künftig hier sinnvollerweise anders nennen müssen – ist ausgesprochen freundlich zu mir und es war überhaupt kein Thema, als ich ihn im Juni wegen einer etwas anderen Aufteilung der Rechtsgebiete bzgl. künftig hereinkommender Mandate angsprochen hatte, weil mir die Arbeit aufgrund der Diven-Altlasten anfing, über den Kopf zu wachsen.
Als ich ihm aufzählte, welche ganzen Rechtsgebiete ich aktuell abdecke, war er etwas erstaunt-erschrocken, und hat hastig alles Erforderliche in die Wege geleitet. Im Nachhinein war ich extrem erleichtert, das Gespräch mit ihm gesucht zu haben. Eigentlich hatte ich nämlich etwas Angst, dass er sich über mich lustig machen, mir Unfähigkeit vorwerfen und verärgert reagieren würde, wie die Diva es mal gemacht hatte, als ich vor gefühlten Ewigkeiten einmal mit ihr das Gespräch gesucht hatte, als mir als Junganwalt jeder von allen Seiten Akten auf den Tisch geladen hat, auch der alte Ex-Mitinhaber, und jeder seine Rechtsgebiete von mir bedient wissen wollte, allen voran die Diva. Dass alles natürlich ohne dass es irgendeine Abstimmung darüber gab, wie ausgelastet ich schon war und wer mir was schon auf den Tisch gelegt hat. Chef 2 hat das später mal damit kommentiert, dass ich eben zuverlässig alles erledigen und gute Arbeit machen würde, weshalb man gerne mit Arbeit zu mir käme. Darüber, ob ich das dann alles überhaupt zeitlich schaffen kann, hat man sich dabei aber keine Gedanken gemacht. Für mich war das als Berufsanfänger extrem stressig, zumal ich ja noch getadelt wurde, wenn das ein oder andere dann eben etwas gedauert hat, weil ich ja nicht alle Sachen gleichzeitig erledigen konnte. Ich war damals mehr als einmal kurz davor, die Kanzlei zu verlassen und den Anwaltsberuf an den Nagel zu hängen. Mitarbeiter verheizen, nennt sich das wohl. Das aber nur mal am Rande.
Meinem Kollegen, einem älteren angestellten Rechtsanwalt, bin ich ebenfalls sehr dankbar, weil der mich jetzt im Juni 2021 zuvor darauf angesprochen hatte, dass ich unbedingt mit Chef 2 reden solle, und mir versichert hat, dass das absolut nicht ehrenrührig sei, und ja jeder sehen könnte, was alles an Arbeit bei mir landet.
Abgesehen davon hat mir Chef 2 im Mai angeboten, als Mitinhaber in die Kanzlei einzusteigen. Das hat er allerdings gemacht, nachdem er mir 5 Minuten vorher eröffnet hatte, dass die Diva geht. Damals wußte ich schon von der Problematik rund um die alten Gesellschafter-Knebel-Verträge, musste die Neuigkeit erstmal sacken lassen und habe ihn vorläufig vertröstet. Aber ich könnte mir inzwischen doch vorstellen, nächstes Jahr einzusteigen und künftig die Kanzlei mit ihm gemeinsam zu führen.
Bedingung: Ein vernünftiger Gesellschaftervertrag – den Unsinn mit den Knebel-Verträgen gibt es nicht mehr!- und eine echte beruflich partnerschaftliche Zusammenarbeit; kein: Jeder führt seine Dezernate wie eine eigene Firma unter dem Kanzleidach, so dass der eine Inhaber nicht weiß, was der andere macht und wie die Arbeit insgesamt auf den einzelnen Schultern verteilt ist, sondern ein vernünftiges Arbeitsklima, mit wertschätzenden Umgang mit den Angestellten, und professioneller Zusammenarbeit. Ja doch, das könnte ich mir vorstellen. xD
p.s.: Die Klausuren für den Fachanwalt habe ich bestanden und auch meine Fallliste vollständig. Sobald ich drei Jahre als Rechtsanwalt zugelassen bin, kann ich den Antrag auf Verleihung der Fachanwaltswürde stellen, wie es etwas schwülstig heißt.
Zudem arbeite ich derzeit an einem möglichen weiteren Fachanwaltstitel, und zwar im Strafrecht. Da die Diva u.a. viel Strafrecht gemacht hat und ich nun der einzige Anwalt im Hause bin, der die Strafrechtsmandate übernehmen kann, habe ich inzwischen ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, weshalb Chef 2 mich braucht. Es gibt nämlich durchaus den ein oder anderen besonders wichtigen Mandanten im Strafrecht, der über den Weggang der Diva sehr ungehalten ist und bei dem ich die Wogen glätten und das Mandat retten konnte. Für den Theorielehrgang mit anschließenden Klausuren werde ich mich aber noch nicht anmelden. Ich habe mir etwas Erholung verdient.
Außerdem habe ich mir ein neues Auto gekauft, das absolut super ist. Und ich besuche meine Eltern und deren Katzen am Sonntag. Von all dem erzähle ich aber in einem anderen Beitrag. Dieser hat eh schon Überlänge und ich muss ins Bett.
Heute habe ich mich kurzerhand beim Arzt impfen lassen. Jetzt kann ich die Frage: „Sind Sie geimpft?“, die zum neuen „Zweifeln Sie etwa an dem Endsieg?“ geworden ist, beruhigt bejahen.
Meine spontane Impfbegeisterung wurde kürzlich durch ein Novum in meinem Berufsalltag geschürt, aber anders, als die werten Leser jetzt denken mögen: Als ich pünktlich kurz vor Beginn der Strafverhandlung mit meinem Mandanten den Verhandlungssaal betrat und mich gerade an meinen Platz setzen wollte, stoppte mich die schneidende Frage der Richterin: „Ist jemand hier nicht geimpft?“.
Ein wenig verunsichert hob außer mir noch eine Dame die Hand.
Mein verwundertes Gehirn suchte nach einer Erklärung für diese Frage. Es ist nämlich so, dass sich bislang in keiner Verhandlung, an der ich während der Pandemie teilgenommen habe, je ein Richter für den Impfstatus der Teilnehmer interessiert hätte.
Nun war es just bei dieser Strafverhandlung so, dass das Gericht aufgrund der großen Zahl der Verfahrensteilnehmer und der Mindestabstände gezwungen war, außerhalb des ehrenwerten Gerichtsgebäudes nach einem (corona-)geeigneten Verhandlungsort zu suchen. Die Wahl fiel auf den Ratssaal der Stadt.
Ich überlegte, ob die Frage der Richterin etwas mit unserem ungewöhnlichen Verhandlungsort bzw. irgendwelchen dort speziell geltenden Auflagen zu tun haben könnte, auch wenn es irgendwie keinen Sinn ergab, Ungeimpfte dabei zu erfassen. Aber es kam nur die Aufforderung, dass die Ungeimpften ihre Tische weiter weg ziehen sollten. Mein Mandant konnte allerdings neben mir sitzen bleiben und wir waren uns eh beide einig, die Masken während der Verhandlung aufzulassen. Bis auf einen Schöffen waren wir damit die einzigen.
Das an sich war mir soweit egal, aber die Richterin machte anschließend sinngemäß die Bemerkung in die Runde, dass sich inzwischen ja jeder hätte impfen lassen können und wer das unvernünftigerweise bislang nicht getan hätte, sei quasi selbst Schuld, darauf könne sie keine Rücksicht nehmen.
Ich mutmaße mal wohlwollend, dass sie es so meinte, dass sie keine allgemeine Maskenpflicht während der Verhandlung anordnen wollte, und eine Maskenpflicht als Schutz primär für Ungeimpfte gesehen hat. … Nun ja, mir ist das echt egal, aber durch den framenden Kommentar von ihr kam ich mir ein bisschen wie ein Aussätziger vor.
Immerhin war das der einzige negative Ausreißer der Richterin. Ansonsten hat sie ihre Sache gut gemacht und auch das Urteil war angemessen und für den Mandanten erfreulich; vom Strafmaß her lag es am untersten Rand und die Sache hätte für den Mandanten auch deutlich schlimmer kommen können.
Das Thema „ungeimpft“ zog sich aber leider auch durch die Sitzungspause vor der Urteilsverkündung. Ein mir vom Sehen her flüchtig bekannter Kollege, Verteidiger des weiteren Angeklagten, sprach mich glatt an: „So, Sie sind also nicht geimpft?! … Liegt es an Ihrem jungen Alter?“. Der Tonfall wirkte freundlich, aber der Inhalt?
Ich war verdutzt, weil ich altmodisch erzogen, die Frage nach dem Impfstatus ungefähr auf der Privatheitsstufe empfinde, wie Fragen danach, ob man schwanger sei/chronische Krankheiten hätte etc.. Irgendwelche Grundsatzdiskussionen mit dem Kollegen oder ein Hinweis der Art: „Was zum Teufel geht Sie das an?!“, wären aber völlig fehl am Platz gewesen.
So entschied ich mich, die Flucht nach vorn‘ anzutreten und erklärte vorsorglich, dass ich kein Impfgegner sei, aber aufgrund von einer Autoimmunerkrankung noch etwas mit der Impfung warten wollen würde; ich hätte eben Sorge, dass die Impfung negative Auswirkungen auf meine Autoimmunerkrankung haben könnte und würde mein persönliches Ansteckungsrisiko für Corona aufgrund meiner Lebensweise als gering ansehen, was ich dann noch kurz etwas näher ausführte.
Damit hatte der Kollege nicht gerechnet. Offenbar klang meine Erklärung für ihn nicht so extrem unvernünftig, wie mich die Richterin mit den anderen Ungeimpften unnötigerweise „mal eben so“ freundlicherweise dargestellt hatte.
Letztlich ging das Gespräch gut aus, aber ich finde es gleichwohl nicht in Ordnung, dass ich und andere Ungeimpfte nun faktisch gezwungen sind, entweder kurzerhand mit irgendwelchen echten Spinnern in einen Topf geworfen zu werden, oder uns zu höchstpersönlichen, intim-privaten Entscheidungen bzgl. der eigenen Gesundheit erklären zu müssen. Was geht denn andere an, dass ich eine Autoimmunerkrankung habe, plus all die weiteren persönlichen Gründe, die ich schon unter den Tisch habe fallen lassen?
Wie ich die aktuelle politische Stimmungsmache gegen Ungeimpfte liebe. Auf meiner persönlichen Liste ist dadurch ein Grund mehr dazu gekommen, warum ich mich nicht zu einer der aktuell vorhandenen Corona-Impfungen nötigen lassen werde. Denn immer, wenn jemand einen bei einer höchstpersönlichen Entscheidung unter Druck zu setzen, zu überreden oder sonstwie ungut zu manipulieren versucht, hat derjenige ganz sicher nicht dessen Wohl im Sinne. Jemand, der mein Wohl im Sinne hat, würde mir stattdessen helfen, selbst eine für mich gute Entscheidung treffen zu können, auch wenn sie nicht in seinem Sinne ist.
Für viele mag es die richtige Entscheidung sein, sich mit den gängigen Corona-Impfstoffen impfen zu lassen, für andere nicht.
Sehr vorbildlich war immerhin die Ärztin, bei der ich heute als neuer Patient war. Das eigentliche Anliegen war reibungslos und es kam keine Frage nach der Corona-Impfung samt moralischer Ächtung. Statt der Corona-Impfung war vielmehr die Grippe-Impfung relevant: Nachdem ich ihre Frage, ob ich gegen Grippe geimpft sei, verneint hatte, fragte sie, ob ich die Grippeimpfung haben möchte, was ich spontan bejahte. Seitdem bin ich nun geimpft, wenn auch nicht so, wie die führenden Politiker und andere Bestimmer das gerne hätten. Katzenhaie sind eben ähnlich wie Esel: Eigenwillig.
… heißt Neinsagen lernen. Der Esel ist ein vielfach unterschätztes Tier, von dem man viel lernen kann. Von seiner oft als Charakterdefizit fehlinterpretierten eigenwilligen Art sollte man sich was abschauen.
Obwohl ich eigentlich eher ein Fan von Raubvögeln und -katzen bin, hat mich die Esel-Figur von Schleich im Regal eines gewissen Geschäfts im Urlaub spontan angesprochen und aufgrund einer plötzlichen Welle von Sympathie mit dem Esel habe ich die Figur kurzerhand erstanden.
Ich bin versucht, die Figur in mein Büro zu stellen.^ ^
Derzeit schlage ich mich unverhofft wieder mit meiner Prüfungsangst herum, da die Klausuren für die Fachanwaltsausbildung bevorstehen und ich wie bereits im Examen schon lange vorher beim Lernen blockiert bin, das dann komplett vor mir herschiebe und mich in einem sinnlosen unsichtbaren Kampf mit mir selbst aufreibe, so dass ich bis zu den Prüfungen selbst in gewisser Hinsicht psychisch erschöpft sowie von mir selbst angenervt und enttäuscht bin, außerdem kommt da immer dieses lähmende Ohnmachtsgefühl hinzu. Schlafstörungen könnte ich auch noch ergänzen, aber die habe ich eh chronisch auch in Nicht-Prüfungszeiten. Dass mir kognitiv die ganzen Mechanismen und Gründe für Prokrastination bestens bekannt sind, nützt mir leider wenig.
Dazu kommt der Weggang der Diva, der auch kanzleiintern wieder einiges umgeworfen sowie meinen Kollegen und mir reichlich Zusatzarbeit beschert hat; die Diva wird uns noch zu Ende des Monats endgültig verlassen, nachdem erst der Oktober als Deadline angekündigt war. Ich bin ein Gewohnheitsmensch, brauche lange bis ich mich an Menschen, Abläufe etc. so richtig gewöhnt habe und mag danach weder ständige Änderungen, noch endgültige Abschiede.
Viel Zeit zum Abschiednehmen wird mir nicht bleiben, da der Monat bei mir mit vielen Terminen und immerhin einer Woche Urlaub belegt ist. Im Moment sehne ich mir in dem gefühlten „Teilchaos“ sowas wie eine verlässliche, gute Alltagsroutine herbei, aber das wird noch dauern. Immerhin wird es ohne die Diva und ihre Art bei uns deutlich ruhiger ablaufen. Die Diva hat so ziemlich jeden bei uns regelmäßig gestresst, vermutlich auch sich selbst, und hatte bekanntlich auch so ihre speziellen Launen. Von daher hält sich meine Trauer in Grenzen, aber ein wenig traurig bin ich doch, weil ich sie trotz allem irgendwie gut leiden konnte.
Allerdings scheine ich da bei uns der Einzige zu sein; die meisten sind froh, dass sie geht, und teils auch sauer auf sie, da die Diva eine unnachahmliche Art hat, anderen bis zuletzt menschlich vor den Kopf zu stoßen, ohne es zu merken. Und da sie als (ehemaliger) Chef und Inhaber ganz oben in der Hackordnung steht, sagt es ihr natürlich niemand. Personalführung ist weder die Stärke der Diva, noch von Chef 2. Da gab es schon diverse Situationen der 3. Art. Manches ist hier echt geradezu wie Slapstick, kann man keinem erzählen.
Na ja, ich werde mich schon irgendwie durchschlagen und auch die blöden Klausuren überstehen. Vielleicht komme ich später nach all dem ganzen Kram auch wieder mehr dazu, hier zu schreiben. Außerdem habe ich mir eine Liste gemacht mit all den Dingen, die ich nach all dem mal machen möchte. Mir hilft das mit der Liste immer, um den Impuls, mich vom Lernen abzulenken, zumindest bzgl. einiger Teilbereiche auf null reduzieren zu können (zB bzgl. PC-Spiele). Allerdings bleibt leider noch genug, das mich auch weiterhin vom Lernen abgehalten hat bzw. auf das ich stattdessen ausgewichen bin, um dem Lernen aus dem Weg zu gehen. Mein vernünftiges Ich würde meinem Chillout-Ich dafür gerne in die Fresse hauen, während Letzteres mir zuflüstert, dass ich doch erst mal etwas Schönes machen soll und ja danach noch lernen kann … . Irgendwie muss ich mir mal unabhängig von den anstehenden Klausuren einen sinnvollen Kompromiss zwischen den beiden überlegen.
Vor ein paar Wochen als ich zu Besuch bei meinen Eltern war, kam das Gespräch auf ein mit meinen Eltern befreundetes Ehepaar und deren zwei Söhne.
Beiden Söhne ist vor vielen Jahren Asperger-Autismus diagnostiziert worden. Neu ist mir das nicht. Ebenso wenig, dass es die ein oder andere Ähnlichkeit zwischen Eigenarten bei ihnen und bei mir gibt; Dinge, von denen ich sonst niemanden kennengelernt habe, der das von sich kennt. Andererseits muss das nichts bedeuten. Umgangssprachlich gilt man schnell als „autistisch“ . Ein wenig scherzhaft haben mich meine Eltern früher so tituliert. Das war keineswegs abwertend gemeint und die Alternativbezeichnung für sagen wir mal „auffällig abweichendes Verhalten“ meinerseits war ansonsten das Zauberwort „introvertiert“, gerne gepaart mit „sensibel“ . Also jetzt von den liebevoll gemeinten Ausrücken meiner Eltern dafür. ^ ^
Mein Vater hatte dafür teils auch andere Bezeichnungen, wie „verstört“ , „unnormal“ , „soll sich nicht so anstellen!“ oder auch „verhalt‘ dich doch mal wie andere in deinem Alter!“ . Ihm ist zugute zu halten, dass hinter diesen Sätzen paradoxerweise seine Sorge stand, dass ich in der Gesellschaft zum „merkwürdigen“ Außenseiter heranreifen und es gerade auch bei Gleichaltrigen schwer haben könnte, wenn ich zu sehr auffalle als „anders“ .
Ab Volljährigkeit habe ich Dank der mir da erst so richtig uneingeschränkt offenstehenden Möglichkeiten über viele Jahre immer mal für mich versucht herauszufinden, ob und was denn nun mit mir von Grund auf verkehrt ist. Asperger Autismus war mit eines der ersten Möglichkeiten, neben banaler Introversion und Verträumtheit. Autismus zog ich in die engere Auswahl, verwarf dies jedoch später wieder, weil ich mir dafür einfach insgesamt zu unauffällig unter Menschen vorkam. Was noch passte war die Möglichkeit, dass ich einfach einen etwas ausgeprägteren schizoiden Persönlichkeitsstil habe, aber auch da bin ich mir heutzutage nicht mehr so sicher. Gut möglich, dass ich auch einfach ganz normal bin. Irgendwann habe ich die Suche nach Antworten auch zu den Akten gelegt. Es war für mich nicht mehr von so entscheidender Wichtigkeit, eine Antwort zu finden, was möglicherweise sogar als Zeichen von Heilung alter Verletzungen und Verunsicherungen gewertet werden kann. Allerdings hatte es auch pragmatische Gründe. Nach dem Studium verschiedener Fachliteratur war ich zu dem unbefriedigenden Ergebnis gelangt, dass man es bei mir wohl auch nicht mehr genau feststellen könne, was es nun ist (oder war). Dazu kommt, dass ich die Skepsis und „natürliche Scheu“ meiner Eltern gegenüber Therapien und Therapeuten teile; mir ist das einfach zu privat und letztlich muss man sich im Leben eh selbst helfen.
Als nun bei meinen Eltern das Gespräch auf diese beiden autistischen Söhne fiel, habe ich meine Mutter zu meiner eigenen Überraschung zum ersten Mal in meinem Leben einfach direkt gefragt, ob ich ihrer Meinung nach Asperger-Autismus haben könnte. Als wäre das die selbstverständlichste Frage überhaupt, erwiderte meine Mutter nüchtern: „Du hast da auf jeden Fall etwas von, aber du hast das nicht so ausgeprägt wie meine ehemalige Arbeitskollegin.“
Besagte Arbeitskollegin ist naheliegenderweise (erst spät) diagnostizierte Asperger-Autistin und hatte es am Arbeitsplatz zwischenmenschlich etwas schwer, mit meiner Mutter hat sie sich wiederum auf Anhieb gut verstanden; die beiden sind inzwischen befreundet.
Nachdem ich die Antwort meiner Mutter vernommen hatte, fiel mir wieder ein, warum ich es so oft von vorneherein sinnlos finde, meinen Eltern zu bestimmten Themen Fragen zu stellen. Danach bin ich nämlich regelmäßig noch verwirrter und habe nur noch mehr Fragen, auf die ich keine ergiebige Antwort erhalte. So auch hier: Auch mit Nachfragen wurde ich nicht schlauer. Meine Mutter wiederum fand, dass es doch völlig egal sei, ob ich nun Autist sei oder nicht, ich sei als Kind schon auffällig gewesen, aber sie habe keinen Sinn darin gesehen, mich testen zu lassen, da ich ja alles in allem klargekommen sei (bin ich nicht wirklich) und sie meine Auffälligkeiten nicht schlimm fand, getreu dem Motto: Jeder ist anders. Eine Diagnose würde bei mir heutzutage auch keinen Sinn ergeben, so meine Mutter weiter, das sei etwas für Härtefälle wie ihre Kollegin, welche die Diagnostik wegen ihrer beruflichen Einschränkungen/Probleme benötigt habe und nun frühverrentet sei.
Nachdem ich noch eine Weile darüber gegrübelt habe, ob ich nicht doch einfach besser jetzt als nie oder in späteren Jahren eine Diagnostik anstreben sollte, um nur für mich Gewissheit zu haben, habe ich es verworfen. Vielleicht ein Fehler. Vielleicht erspart es mir auch unnötiges Leid.
Im schlechtesten Fall im Nachhinein zu erfahren, dass eine Vielzahl meiner Probleme von klein an sozusagen nicht so hätten verlaufen müssen, würde mich auch nachträglich frustrieren. Das habe ich ja nicht einmal bzgl. meiner jahrelang von Ärzten übersehenen Hashimoto-Erkrankung mit Schilddrüsenunterfunktion vollständig verwunden. Bei der Hashimoto-Sache komme ich damit solange bestens klar, wie ich nicht über die Vergangenheit mit dem Wissen von Heute nachdenke. So viel dazu. Man soll eben nach vorn schauen, nicht zurück.
Und umgekehrt würde mir das Ergebnis, dass kein Autismus vorliege, auch nur wenig weiterhelfen, weil es geradezu der Klassiker ist, dass erwachsene Asperger-Frauen oft zu unauffällig (geworden) sind, um erkannt zu werden. Das würde mir auch immer dabei im Hinterkopf rumspuken. Zumal ich Zeit meines Lebens enorm viel Energie in das „Imitieren“ und „Anpassen“ bzgl. dieses ganzen zwischenmenschlichen Verhaltens gesteckt habe. Meine Familie hat darauf ihrerseits großen Wert gelegt. Ich könnte gar nicht mehr sagen, wie ich ursprünglich war. Es wäre auch irgendwie peinlich, wenn all meine Bemühungen normal zu sein nach Außen hin letztlich selbst im Erwachsenenalter doch nicht ausreichend wären. Und sofern es zutreffend wäre, dass kein Autismus bei mir vorliegt (was durchaus sein kann), wäre der Aufwand irgendwie überflüssig.
Die letzten Monaten waren im Grunde wie üblich. Vor einer Weile teilte Chef 1 überraschend mit, dass ab sofort Chef 2 die Geschäftsführertätigkeit übernimmt. Auch über die Urlaubsanträge sollte explizit künftig Chef 2 entscheiden.
Bei dieser doch etwas überraschenden Mitteilung dachte ich mir noch nicht viel – ich war sogar erleichtert, dass die Urlaubsdurchsetzung künftig ein ganzes Stück unkomplizierter ablaufen würde. Ein wenig wunderte ich mich, warum „die Diva“, die doch sonst so großen Wert darauf gelegt hatte, die Urlaubsanträge höchstselbst vorgelegt zu bekommen und auch sonst gerne „mittendrin“ war, nunmehr so bereitwillig sogar auf die Geschäftsführertätigkeit insgesamt verzichtete. Vage vermutete ich, dass es Chef 1 doch etwas viel Arbeit geworden sein könnte.
Die Arbeit ging ihren gewohnten Gang. Wie üblich waren alle recht eingespannt arbeitsmäßig. Dank der Arbeit ist die Pandemie quasi geräuschlos an mir vorbeigegangen, da ich zynisch gesagt entweder gearbeitet oder mir Gedanken um die Arbeit gemacht oder mich von der Arbeit erholt habe.
Diese Woche sollte Chef 1 eigentlich im Urlaub sein, wobei er in der Vergangenheit meistens doch aufgetaucht ist, um ein paar Sachen abzuarbeiten. Beim allerersten Mal hat er mich damit reichlich verwirrt, da er in meinem etwas autistisch gepoolten Gehirn als „hat Urlaub = ist nicht anwesend“ gespeichert war. Sein wiederholtes Auftauchen trotz Urlaubs war für mich ein wenig wie ein Fehler in der Matrix, aber ich habe mich im Laufe der Zeit daran gewöhnt.
Heute eröffnete Chef 2 mir und meinem Kollegen kurz vor Feierabend, dass Chef 1 aufgehört hat. Er werde noch seine Mandate abarbeiten, die nicht delegiert werden, und zum Herbst 2021 komplett aufhören. Im Anschluss besprachen wir noch ein paar organisatorische Dinge. Ich weiß nicht recht, was ich von all dem halten soll, und ob sich meine konkrete Arbeitssituation dadurch nun (mittelfristig) verschlechtert, verbessert oder von all dem recht unberührt bleibt. Immerhin war Chef 2, der von der Diva wohl selbst erst kürzlich informiert worden war und über die Gründe offenbar kaum mehr als wir wusste – nämlich de facto nichts abseits von Spekulation -, relativ unforsch und „handzahm“ im Gespräch. Für ihn ist das Ganze wohl auch ein Schock.
Nachdem die anderen schon gegangen waren, lief mir die Diva über den Weg – offenbar gerade erst in den heiligen Hallen eingetroffen. Noch etwas verblüfft sprach ich sie auf ihren Weggang an. Mir fehlt die Übung mit solchen Situationen. Irgendwie bin ich intuitiv davon ausgegangen, dass die Diva wegen Überarbeitung aufgehört hat, und nicht z.B. wegen einer schweren gesundheitlichen Erkrankung wie etwa Krebs.
Ich hoffe, dass ich die richtigen Worte getroffen habe. Zumindest war die Diva nicht böse, sondern wirkte einfach nur entgegen ihrer üblichen strahlenden Art ein wenig in sich gekehrt, ruhig (fast defensiv und gar nicht kämpferisch), ein wenig müde und nachdenklich. Die Antworten waren etwas nebulös, was nicht so ganz ihre Art ist, aber allzu direktes Nachfragen wäre unangemessen gewesen, obwohl mich der Grund natürlich interessierte. Da ich schlecht im Drumherumreden bin, habe ich das auch so in etwa gesagt.
Letztlich bleibt nur Spekulation. Ich tippe auf eine Mischung aus (anhaltender) Überarbeitung, evtl. gepaart mit der Erkenntnis, dass das Leben endlich ist, und gewissen Zwistigkeiten mit ehemaligen Mitgesellschaftern (laut Diva ausdrücklich nicht mit Chef 2). Was sich da genau abgespielt hat, weiß ich nicht. Da die Diva sehr für ihre Arbeit brennt (gebrannt hat?) und seit vielen Jahren praktisch unangefochten tonangebend ist in der Kanzlei, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sie sich einzig von solchen internen Reibereien – noch dazu mit längst aus dem aktiven Betrieb ausgeschiedenen – Personen dazu bringen lässt, das Handtuch zu werfen. Es werden sicher auch gesundheitliche Gründe reingespielt haben. Ich hoffe nur, es ist nichts Irreversibles, da die Entscheidung der Diva offensichtlich auch von ihr erst vor Kurzem getroffen worden ist. Und so alt ist die Diva auch noch nicht. So ca. 5-10 Jahre wären rein altersmäßig noch gut drin.
Auch wenn der finale Abschied noch aussteht und es der Diva im Ruhestand gesundheitlich definitiv besser gehen dürfte, bin ich doch tatsächlich ein wenig traurig. Abschiede sind einfach nicht mein Ding. Ich habe ihre spezielle, teils stressende sowie durchaus auch etwas exentrische, meistens aber auch charmante und auf eigenwillige Weise offene Art irgendwie liebgewonnen.
Zwar habe ich soweit nicht vor, die Kanzlei zu verlassen, und beruflich aktuell auch keinen realistischen, von mir auch gewollten Plan B, aber mit dem Weggang der Diva mindern sich die Vorteile, welche mir die Kanzlei subjektiv bietet, doch ein ganzes Stück. Man könnte auch sagen, dass meine emotionale Bindung dorthin abgenommen hat. Das gewinnende, unerschrockene Wesen der Diva und ihre fachliche Expertise werden der Kanzlei definitiv fehlen.
Unschlüssig bin ich hinsichtlich der sich nun für mich ergebenden Veränderungen. Die Chancen für eine Partnerschaft in der Kanzlei sind einerseits größer geworden, andererseits strebe ich die eigentlich nicht an.
Einen Vorteil hätte die Partnerschaft für mich allenfalls, wenn die Konditionen als Angestellter schlechter wären. Das ist momentan noch nicht gut einschätzbar. Wenn ich eh den ganzen Tag dort arbeiten muss, wäre die Partnerschaft ironischerweise sogar eine Verbesserung meiner Work-Life-Balance, mit mehr Freiheiten im Arbeitsalltag. Hm, mal sehen.
Der Diva wünsche ich alles Gute und einen wohlverdienten Ruhestand! … Hoffentlich ist sie nicht doch schwerkrank.
Termin beim hiesigen OLG. An der Pforte zur Unterwelt zeige ich meinen Anwaltsausweis und spiele brav beim üblichen „Haben Sie Husten oder Schnupfen etc.“-Spiel mit, obwohl ich es wie so manch‘ ungeschriebenes zwischenmenschliches Ritual sinnlos finde. Leicht amüsiert ergänze ich, dass ich auch in keinem Risikogebiet war. Der Justizwachtmeister lacht: „Wir sind das Risikogebiet.“.
Mit meinem neuen robust-empfindlichen Mitbewohner bin ich äußerst zufrieden; er hat das eckige Herz am rechten Fleck und funktioniert tadellos. Ich habe ihn schon in mein Herz geschlossen.
Final habe ich mich für folgende Komponenten entschieden und kann insbesondere den Tower sehr empfehlen für alle, die sich ihr Hardwaresystem selbst zusammenstellen möchten und sich offen halten möchten, irgendwann auf Wasserkühlung umzusteigen. Das Gehäuse ist aber auch mit Airflow super.
So viel Geld habe ich noch nie für einen PC ausgegeben, aber es hat sich absolut gelohnt. Die Grafikkarte ist mittlerweile an die 100,00 € teurer geworden; Glück gehabt. Und obwohl ich sehr kritisch war, bevor ich mich für eine Komponente entschieden habe, habe ich an keinem der Teile etwas auszusetzen.
Festplatten habe ich meine alten beiden SATA-Festplatten sowie die drei SSDs genommen, die anders als im alten Tower im neuen Gehäuse wunderbar mühelos Platz finden.
Das Zusammenbauen, Windows neu installieren und die Festplatten mal sinnvoll ganz neu aufteilen etc. hat ganz ernsthaft Spaß gemacht. Nun bin ich wirklich zufrieden. … Wobei mir natürlich auf Anhieb noch diverse andere „offene Aufgaben“ einfallen würden (u.a. meine restlichen Umzugskisten aufräumen, eine noch übrig gebliebene freiwillige Steuererklärung etc.), aber das werde ich sukzessive angehen.
Ich bin noch etwas unschlüssig, was ich mit meinem alten PC-System mache. Eigentlich würde ich es meinem Kumpel B. schenken; ein neues für die dortige CPU passendes Mainboard wäre schnell und kostengünstig besorgt; ebenso eine SSD, evtl. auch ein neuer PC-Bildschirm … und ja auch Windows^^.
Das würde ich auch für ihn machen, weil er sich damit nicht auskennt. Meinen alten – nach wie vor guten und recht großen – Bildschirm habe ich vor ein paar Monaten an meinen Bekannten A. verschenkt. Sein kleiner Bildschirm hat mich gedauert und joa irgendwie hänge ich an manchen Gegenständen wie u.a. dem Bildschirm, obwohl ich nicht bereue, ihn ausgetauscht zu haben. Bei A. ist er in guten Händen und der hat sich wiederum sehr gefreut. Die beiden haben viel Freude miteinander. Win Win.
Vielleicht wäre es insofern ähnlich bei B. und meinem alten PC; B. und ich sind immerhin seit über 10 Jahren befreundet, den PC-Tower habe ich seit etwa meinem 16. Lebensjahr. Das waren noch Zeiten … gefühlte Ewigkeiten her. Seitdem schwöre ich auf LianLi-Gehäuse; die sind zeitlos und sehr zukunftstauglich. Sowohl den alten PC, als auch B. mag ich auf ihre Weise. Nur weiß ich nicht, ob es deplatziert wäre, B. den PC anzubieten.
Natürlich könnte ich den PC auch verkaufen; der Restpreis beläuft sich auf ca. 400,00 €, evtl. auch etwas mehr. Mir ist das Geld ehrlich gesagt egal. Ich schätze nur, dass B. auch ohne in PC-Dingen bewandert zu sein, das Geschenk als „zu viel des Guten“ empfinden wird. Ich würde ihm den durchaus gerne schenken, wenn er ihn haben möchte, aber ich möchte ihm damit auch nicht vor den Kopf stoßen. Außerdem weiß ich trotz seiner Begeisterung über die Leistungsfähigkeit meines alten PCs nicht, ob er überhaupt Lust hat, von Laptop auf PC umzusteigen zum Zocken. Mal ganz davon abgesehen, dass er bald irgendwann in den nächsten Wochen seine mündliche Examensprüfung machen dürfte oder evtl. schon hinter sich hat (hoffe ich jedenfalls für ihn, andernfalls wäre er nämlich durch das schriftliche Examen durchgefallen). Insofern hat er derzeit sicher andere Sachen im Kopf.
Ich werde noch etwas darüber nachdenken. Immerhin: Bei A. war ich mir auch sehr unsicher, wie der das Angebot aufnehmen wird, und er hat sich einfach nur sehr gefreut.
Kurzer Wasserstand: Ich bin seit Längerem nicht zum Bloggen gekommen, Teils aus Zeitmangel, teils aus fehlender Schreiblust.
Eventuell schreibe ich auch wieder regelmäßiger, nur im Moment ist das etwas blöd, weil mein Mainboard den Geist aufgegeben hat.
Da ich mir schon seit Jahren ein neues Hardwaresystem zusammenstellen wollte, habe ich den Wink des Schicksals genutzt, um mir ein richtig geiles und zukunftstaugliches Gamingsystem zu kaufen. Bis auf die Gehäuselüfter habe ich alles zusammen. Der Tower wird ein LianLi O11 Dynamic XL in schwarz, die CPU ein i9 10.850k und die GPU eine Gigabyte GeForce Rtx 2070 Super Windforce. Dazu kommt ein CPU-Kühler von BeQuiet Dark Rock Pro 4 und G.Skill RipJaws F4 3.600 C 18D 32 GVK RAM-Riegel (vorher hatte ich 16 GB). … Mein alter LianLi Tower ist einfach im Laufe der gut 15 Jahre, die wir gemeinsam überstanden haben, zu klein worden.
Bei den Lüftern schwanke ich noch, weil ich gerne RGB-Lüfter einbauen möchte, aber ich will für die Lüfter nicht mehr als ca. 200,00 € ausgeben und es soll insgesamt leise sein. Wobei der Preis nicht mal so entscheidend für mich ist, weil ich das System eh die nächsten 5 Jahre mindestens nutzen werde.
Von den Nicht-RGB-Lüftern gefallen mir die Noctua und die von BeQuiet ist am besten, aber zumindest drei RGB-Lüfter sollten es auch sein. Da sind eigentlich die Corsair iCUE QL 120 am besten für meine Zwecke, aber die von Thermaltake Riing Trio 12 und die Cooler Master MF HALO sind auch gut, sogar etwas kühlstärker, aber auch lauter. Ich will die auf jeden Fall beidseitig beleuchtet haben. Das ist leider nicht bei allen RGB-Lüftern der Fall. Kühlstark und leise sollten sie auch sein, was in der Summe schwierig wird. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Ich muss da noch etwas abwägen.
Beruflich läuft es nicht schlecht. Wobei ich noch an meinen Schwächen arbeiten muss. Die Diva ist lustigerweise gleichwohl recht gut auf mich zu sprechen und auf ihre Weise quasi zutraulich. Na ja, erleichtert mir immerhin den Alltag, nur am Ende des Jahres fallen die Würfel und ich glaube gar nichts, bevor ich keinen unterschriebenen Verlängerungsvertrag vor mir liegen habe (diesmal muss der unbefristet sein). Ok, auch für mich deutet alles darauf hin, dass meinem Kollegen und mir die unbefristete Verlängerung angeboten wird, nur will ich lieber vor bösen Überraschungen gefeit sein und mich nicht zu früh freuen. Außerdem steht noch die Fachanwaltsausbildung an, die ich natürlich in meiner Freizeit machen muss. Bislang habe ich nicht einmal in die Lernunterlagen geschaut, ich habe ein ungutes Dejavu an die Examensprüfungen. Oh man, ich verstehe mich einfach nicht, warum ich just beim Lernen für Prüfungen derartige völlige Blockaden habe und da zu so einem extremen Verdrängungsverhalten neige.
Privat ist es an sich ok. Zufrieden bin ich teilweise, manches habe ich endlich geschafft und einiges bekomme ich eigentlich recht zufriedenstellend regelmäßig hin, was ich mir vorher nie hätte vorstellen können, dass ich das schaffe, aber unter der Woche schlafe ich wenig, weil ich zu spät müde werde und ins Bett gehen mag, und am Wochenende kann ich zwar dann ausschlafen, aber möchte eigentlich lieber im Arbeitsalltagsrhythmus bleiben, mit frühem Aufstehen, damit das auch unter der Woche besser läuft. Das bringt mich zum nächsten Punkt: Sport klappt leider gar nicht. Ich habe letzte Woche sogar wieder das Kampfsporttraining „geschwänzt“, weil ich einfach keinen Bock auf Interaktion mit anderen Menschen hatte. Prüfung da wäre im Dezember, aber ich möchte nicht. Mein Lieblingssparringspartner will leider da seine Prüfung machen, wenn er von der Arbeit frei bekommt (Schichtdienst). Egoistischerweise hoffe ich, dass er nicht frei bekommt, und wir die Prüfung dann gemeinsam nächstes Jahr machen. Ich habe derzeit überhaupt keinen Nerv dafür, mir die ganzen Handgriffe, Würfe etc. zu merken und ja eben auf den notwendigen Sozialkram dabei, obwohl die dort ja ausgesprochen freundlich und unkompliziert drauf sind und ich dort ziemlich geschätzt werde (verstehe ich nicht ganz). Mich nervt das sogar momentan nur mit den Handgriffen etc. und ich komme mir da erst recht losermäßig vor, mein Kopf ist da nach der Arbeit einfach leer. Ich vermisse Taekwondo.
Gewicht und Essen sind dagegen recht ok. Gewicht ist ziemlich stabil trotz null Sport und alles andere als kalorienarmer Ernährung bei 54 kg, mit hormonellen Wassereinlagerungen dann temporär 55 kg. Sollte mittelfristig weniger sein und eher bei 53 kg – 52 kg liegen, aber es ist auch so ok. Mich stört sogar mehr mein Hang zu null Sport und der Verlust von Ausdauer, obwohl ich immer gerne Sport gemacht habe und das als Ausgleich zum Bürojob wichtig wäre. Ich will nicht in ein paar Jahren komplett unsportlich geworden sein. Nur im Moment bin ich so ätzend unmotiviert und fast selbststrafend mir gegenüber eingestellt, jedenfalls definitiv selbstsabotierend. Sport wäre ja etwas Gutes (also mal abgesehen von der Sache speziell bzgl. dem Kampfsporttraining oben, aber Laufen oder Fahrradfahren wäre ja was anderes und tut mir gut); das hat dann zurückzustehen.
Das könnte auch hiermit zusammenhängen: Mich hat die Arbeit immer mal wieder ziemlich gestresst, vor allem die Arbeitsfülle/das Arbeitspensum, dem ich hinterherhinke, und das war sicher mit ein Grund warum ich mich recht grundlos noch dreimal übergeben habe, einmal Ende September und zweimal im Oktober – nachdem ich mich zuletzt davor noch 6x im Mai übergeben hatte und die Sache damit für recht erledigt gehalten hatte. Es ist auch nicht schlimm, gelegentliches Erbrechen macht dem Körper m. E. nicht so viel, auch wenn es nicht gut ist. Es ist auch nicht so, dass ich mich als gefährdet einschätze, wieder in einer Essstörung zu landen, also einer richtigen Essstörung und nicht bloß einem temporär etwas gestörtem Essverhalten. Da habe ich ja den Vergleich zu früheren Jahren und das liegt ein Unterschied wie Tag und Nacht dazwischen. Das gesamte Denken und Empfinden sowie der Selbstbezug ist da anders.
Schön wäre es, wenn das mit der Arbeit mal nicht so eine Dauerbaustelle wäre. Immerhin hatte ich das Pensum neulich sogar mal kurz im Griff, bis dann irgendwie viele Gerichtstermine auswärts (mit viel Fahrzeit) und hier noch und da noch etwas an Zusatzarbeit kamen.
Ich denke, wenn das mit dem Arbeitspensum bei mir mal künftig konstant ok laufen würde, wäre mein Hauptmühlstein auf meiner Seele weg; ich habe da immer dauerhaft ein schlechtes Gewissen wegen der noch unerledigten Akten. Immerhin ist eine sehr umfangreiche Sache mit diversen Einzelmandaten und jeweiligen Gerichtsverfahren innerhalb von nicht einmal 5 Monaten nun in ruhigem Fahrwasser und der Mandant hat vorläufig Kinder und Wohnung zurückbekommen. Das hat mich auch gut auf Trab gehalten, zumal da einige Eilverfahren waren, so dass ich die Sache meistens in der Bearbeitung vorziehen musste (und dadurch nicht zu anderen Sachen gekommen bin). Na ja egal. Immerhin ist es schön zu sehen, dass sich vieles auch sortiert, was ich vorher immer für eine unüberwindbare oder zumindest komplizierte Hürde gehalten habe. Eine umfangreiche und über mehrere Jahre laufende Mietrechtsstreitigkeit mit mehreren Einzelstreitigkeiten ist zB nun endlich durch Vergleich endgültig abgeschlossen.