
Über den heutigen Tag schweige ich mal besser. Arbeit war an sich sogar gut – bis auf die letzten 2h, in denen ich deutlich langsamer vorangekommen bin, als von mir geplant. Aufgehalten hatte mich das umfangreich auszuwertende psychologische Sachverständigengutachten in einer leidigen rechtlichen Angelegenheit. Ist zwar nicht schlimm und ließ sich eh nicht groß ändern, aber mich stört sowas trotzdem.
Ganz ähnlich verlief auch der Abend Zuhause, der an sich sogar gut anfing Ich habe ein, zwei Sachen anders als sonst gemacht, konstruktiver; das hat gleichwohl nichts daran geändert, dass es alsbald destruktiv wurde => Hallo Samstagabend, schön dich wiederzusehen.
Ich sollte damit aufhören, mir nicht nur in dem Bereich mein Leben regelmäßig unnötig schwieriger zu machen und in einem gewissen Rahmen immer dazu zu neigen, das zu sabotieren, was ich mir an konstruktiven Dingen aufgebaut habe. Irgendwie neige ich sehr stark dazu; das Spiel heißt: Me vs. Me.
Gewinner wird es keine geben.
Mal weg von der Gegenwart – Vorsicht, der nachfolgende Text hat Überlänge:
Am Wochenende bin ich über Mr. Snape aus dem Harry Potter-Universum gestolpert. Nicht, dass mich die Potter-Welt je interessiert hätte, nur erinnert sie mich immer an zwei Personen, von denen ich bei mindestens einer gerne wüßte, wie es ihr heutzutage geht, was sie so macht etc..
Die Rede ist von einer Mitschülerin, die mit mir von der Grundschule bis hin zum Abitur in einer Klasse (bzw. später in einer Stufe) gewesen ist. Sie wurde von den meisten Mitschülern nicht beachtet, immerhin nicht schikaniert, und war oft bemüht, Anschluss zu finden. Ich weiß nicht genau, sie tat mir irgendwie Leid, weil sie auf mich einen freundlichen sowie durchaus patenten Eindruck gemacht hat und ich damals noch nicht gelernt hatte, mich emotional von dem Leid anderer besser abzugrenzen (heutzutage geht das, nur Tiere sind nach wie vor bis zu einem gewissen Grad meine Achillesferse).
Es gab an sich keinen rationalen Grund, warum unsere Mitschüler sie im Kollektiv links liegen ließen. So einige andere Mädchen mit durchaus miesen Charakterzügen waren dagegen beliebt. Merke: Je zickiger, desto umschwärmter von Jungen wie Mädchen. Das war auch so im Sportverein. Muss man das verstehen? Das war mit etwas, warum ich offen gesagt meine Mitschüler als Gruppe ein Stück weit verachtet habe.
Wie so Schafe, die unbedingt jemanden über sich brauchen, egal wie schlecht der sie behandelt. Warum nicht stattdessen als freier Mensch sein eigener Herr sein?!
Trotz einer kurzen Phase, in der jenes Mädchen und ich uns das ein oder andere Mal privat getroffen hatten, reichte die Passung irgendwie nie so recht zu einer engeren Bekanntschaft; der Kontakt verlief sich schnell wieder. Trotzdem mag ich ihre Person von damals bis heute – so wie mir jeder in Erinnerung ist als Persönlichkeit, mit dem ich näher zu tun hatte. Wie so eine Art Abdruck desjenigen als intuitive Erinnerung an denjenigen in meinem Bewusstsein.
Darüber hinaus wäre da noch meine „frenemy-Freundin“ S. aus der Schulzeit, bei der ich mich seltener frage, was aus ihr geworden und was für ein Mensch sie heute ist.
Unsere Freundschaft war insgeheim, später deutlicher, davon überschattet, dass sie neidisch bis missgünstig auf mich und von verschiedenen Komplexen zerfressen war. Lange hat sie die ein oder andere vergiftete Bemerkung im Anschluss gleich wieder als Scherz abgetan, so dass ich öfters verwirrt war, weil das, was ich aus ihrer Stimme, Mimik etc. zuerst wahrzunehmen geglaubt hatte, nicht dazu passte, was sie später sagte.
Damals war ich aufgrund ungünstiger Entwicklungsprozesse generell schnell dabei, an meiner Wahrnehmung zu zweifeln und die anderen für normal, und mich für unnormal zu halten. Auf der anderen Seite – ich kann es schlecht beschreiben – war der „intuitive“ (richtige) Eindruck von jemanden bei mir immer schon sehr stark ausgeprägt.
S. und ich haben uns in der 7. Klasse kennengelernt, da die Klassen je nach Wahlfach (Latein oder Französisch) neu zusammengelegt wurden. Der Zufall wollte es, dass wir nebeneinander saßen. Mir war an sich egal, wer neben mir saß, Hauptsache, derjenige störte mich nicht. In der 5. und 6. Klasse hatte ich endgültig einsehen müssen, dass ich meine drei – vier langjährigen „Freundschaften“ aus dem Kindergarten und der Grundschule an den Nagel hängen konnte. Der Grund im Außen waren vordergründig meine zu guten Noten und mein Interesse am Schulstoff, an denen sich meine „Freunde“ (2x m, 2x w) plötzlich störten, nachdem sie in der Grundschule davon profitiert hatten, da ich sie regelmäßig hatte abschreiben lassen und ihnen auch anderweitig mit dem Schulstoff geholfen hatte. Das Ganze lief unschön ab.
Ok, es war sicher nicht gerecht, dass sie tagelang für Arbeiten lernen mussten, während ich für die Schule kaum etwas getan habe; ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, dass mir der Schulstoff eher leicht fiel, da andere das irgendwie als Makel zu sehen schienen.
Dazu kamen meine interessierten ergänzenden Fragen im Unterricht, die den ein oder anderen Lehrer aus dem Konzept brachten und meine Mitschüler genervt haben, weil es sie nicht interessiert hat.
Am Ende musste ich mir die Antwort Zuhause eh selbst suchen, daher habe ich irgendwann gar nicht mehr gefragt (Standardantwort im Unterricht (sinngemäß): „Deine Frage sprengt den Unterrichtsrahmen; das ist im Schulstoff nicht vorgesehen, dass wir uns vertiefter damit beschäftigen.“ oder auch: „Darüber habe ich noch nie nachgedacht, das kann ich dir auch nicht sagen.“). … Es gab nur ca. zwei Lehrer, die wirklich inhaltlich auf diese Fragen eingegangen sind.
(Und nein, ich habe nicht ständig gefragt, aber warum behandeln wir überhaupt ein Thema im Unterricht, wenn es dann nur grob, manchmal auch unvollständig bis falsch angerissen wird? Wo ist da der Sinn?).
Unangenehmerweise stand ich auch anderweitig unfreiwillig in der Schule im Mittelpunkt, spätestens vor allen Mitschülern, wenn am Ende des Schuljahres die notenmäßig besten Schüler die Zeugnisse vor der gesamten Stufe überreicht bekamen. Ich weiß nicht, welcher pädagogische Vollidiot sich das ausgedacht hat; so war mein sozialer Ruf am Gymnasium in den Augen meiner Mitschüler bereits in der 5. Klasse ruiniert. Wer gute Noten hat, gehört nicht dazu.
Gleichwohl bin ich nie schikaniert worden, sicher auch, weil ich sehr sportlich war und durchaus sowas wie Schulfreundschaften hatte, im Zweifel eben im großen Kreis der irgendwie „Uncoolen“, was dann schon wieder als cool galt (Merke: Das gibt soziale Pluspunkte); es kam mal die ein oder andere Bemerkung a la „Scheiß Streber“ etc., aber am Ende des Gymnasiums stellte sich heraus, dass ich viel respektierter gewesen war, als ich das immer so empfunden hatte. Es gab sogar mal eine Phase etwa ab der 10. Klasse, in der ich von dem ein oder anderen fast bewundert worden bin, weil gute Noten da auf einmal als „cool“ galten und ausgerechnet die, die vorher so auf die „Streber“ geschimpft hatten, ihrerseits zu echten Strebern mutiert sind, weil sie einen guten Abischnitt haben wollten. Solche Leute habe ich ja besonders gerne.
Allerdings nützte mir meine plötzliche unfreiwillige Beliebtheit nichts mehr, hatte ich doch zu dem Zeitpunkt längst innerlich mit meinen Mitschülern und der Heuchelei in der Schulführungsetage abgeschlossen; ich pflegte den ein oder anderen bekanntschaftlichen Kontakt in der Schule zu den nicht ganz so mitläufermäßigen Mitschülern und blieb für mich; alleine ist man immer in guter Gesellschaft, unter anderen Menschen nicht unbedingt.
Darüber hinaus habe ich mich seit jeher unter Älteren wohler gefühlt; die Denkweise war irgendwie anders und mir näher. So ist u. a. der bis heute andauernde Kontakt mit dem gemeinsamen Kumpel meines Bruder entstanden, mit dem ich gemeinsam mit meinem Bruder auch damals schon viel unternommen habe, wenn ich mal etwas geselliger drauf war oder mein Bruder mich erfolgreich zu „Partybesuchen“ überredet hatte, die regelmäßig damit endeten, dass wir beide zu Fuß frühmorgens längere Fußwege von bis zu über einer Stunde nach Hause zurückgelegt haben. Ich fand das mit die schönsten Momente, wenn alles so ruhig und menschenleer war, die Morgendämmerung bevorstand und wir am Wald entlangliefen; Dorf und ländliche Gegend eben. Da fuhr zu der Zeit längst kein Bus mehr. Auch alleine gehe ich bis heute nachts am liebsten zu Fuß nach Hause von Treffen/Partys; egal ob in der Großstadt oder anderswo. Meine Eltern sind lange tausend Tode gestorben, weil ich nachts so gerne alleine unterwegs war und kein Taxi nehmen oder mich anderen für den Rückweg anschließen wollte.
Ich führte ca. ab der 8./ 9. Klasse eine Art Doppelleben:
In der Schule galt ich als brav, verträumt und intelligent, mit bisweilen höchst komischen Ideen, wenn ich z.B. im Religionsunterricht die Meinung vertrat, dass doch jeder die Art von Beziehung/Partnerschaft führen solle, die für ihn passt, und wenn dann eben drei zusammen sind in einer Partnerschaft oder man eine lose Sexbeziehung unterhält. Solange das für alle Beteiligten passt, sei daran aus meiner Sicht nichts auszusetzen und von anderen abzuwerten. Das hatte ich auch nur deshalb im Unterricht in der 8. Klasse ausgesprochen, weil sich die ein oder andere Mitschülerin abfällig über derlei verkommene Lebensführungen geäußert hatte, unter allgemeiner Zustimmung, auch des Lehrers. Das Unterrichtsthema lautete ironischerweise irgendwas mit „Liebe und Beziehung“.
Für meine Mitschüler, die das klassische 1-Mann mit einer Frau-Modell als für alle einzig richtig ansahen, war das so, als hätte ich behauptet, die Erde sei eine Scheibe. Für die echten Gläubigen unter ihnen war es so, als hätte ich zum Gruppensex aufgefordert mit meiner Idee.
Der Reli-Lehrer, der recht konservative Ansichten vertrat und dem meine ketzerischen Ideen eh ein Dorn im Auge waren, sah sich daraufhin veranlasst, mich im Unterricht zum Abschuss freizugeben und meine Mutter zum Elterngespräch einzuladen, da er angeblich Sorge um meine sittliche Entwicklung hatte.
Das einzige Elterngespräch, das meine Eltern wegen mir je mit Lehrern führen mussten. Meine Mutter hat mich gut vertreten; leider durfte ich selbst nicht daran teilnehmen. Da ich in Reli gleichwohl ebenfalls stets ein „sehr gut“ bekam, da ich mich ja auch generell als einer der wenigen am Unterricht beteiligte (auch nicht nur mit solch‘ „ketzerischen“ Ansichten^^) war dem Lehrer der Vorschlag meiner Mutter nicht recht, dass ich in Reli für das laufende Schuljahr auf eine Benotung verzichte und den Kurs abwähle. Hätte ja seinen Schnitt runtergezogen. Arschloch.
Jener Lehrer hat immer so auf „Schülerkumpel“ gemacht und sich locker-humorvoll gegeben, war aber mit einer der linkesten Lehrer, dem der ein oder andere Mitschüler zum Opfer gefallen ist. Seiner Beliebtheit hat das keinen Abbruch getan und er war lange aufgrund seiner Beliebtheit unter den Schülern Vertrauenslehrer, ausgerechnet.
Meine allgemein gemeinten Ideen z.B. zu Partnerschaften etc. wurden von ihm und manchen Mitschülern so verdreht, dass ich diese Art von Beziehungen selbst eingehen wollen würde, dabei hatte ich das eher von einem allgemeinen, mehr ethischen Standpunkt aus gemeint. Kleingeister. Dass hat mich an der Schule und den Leuten dort immer schon angekotzt menschlich. Dieses ganze Spiel hinter den Kulissen, gepaart mit dieser Engstirnigkeit und sich als gute Menschen aufspielen, während andere Schüler tatsächlich unter die Räder gekommen sind, weil sie irgendwie aus dem Rahmen fielen oder anderen Mitschülern (mit Vitamin B) missgünstig waren.
Etwa ab dem 9. Schuljahr kiffte ich in meiner Freizeit sporadisch je nach Lust und Laune entweder mit meinem Bruder oder gemeinsam mit dessen Clique und lernte einige schräge Gestalten kennen. Der Reiz des Verbotenen hat mich immer schon fasziniert. Wir haben auch viel gezockt; das habe ich auch sehr gerne alleine gemacht. Daneben bin ich verschiedenen Sportarten nachgegangen, denn Freizeit hatte ich mehr als genug, da mich der Schulstoff mäßig bis kaum forderte. Ich wage zu behaupten, dass das am Schulstoff lag und nicht an mir. Sonderlich intelligent war ich für meinen Eindruck nie; ich habe mich eher oft dumm gefühlt.
Zurück zu S.:
Während unsere Freundschaft im 7. Schuljahr noch recht intakt war und wir gemeinsam mit einem Kumpel oft zu dritt abhingen, später auch mit zwei weiteren Mitschülerinnen, entwickelte sie zunehmend fiese Züge: Sie stand immer schon gerne im Mittelpunkt, ganz im Gegensatz zu mir, selbst wenn sie dafür erfundene Geschichten erzählen musste.
Irgendwann im 1. Schulhalbjahr des 8. Schuljahres fing sie an, auf einer der beiden Mitschülerinnen, C., herumzuhacken. Der Grund war banal, auch wenn sie es nie zugegeben hätte: S. war auch nach ihrer Crash-Diät etwas übergewichtig und gegenüber allen weiblichen Wesen, die irgendwie hätten attraktiver sein können aus S.‘ Sicht, höchst missgünstig; sie fühlte sich denen unterlegen.
C. beklagte sich zwar und litt unter den Verbalattacken von S., wehrte sich jedoch nicht. Als ich C. in Schutz genommen hatte, erklärte C. vor der Clique, dass alles ok sei, sie fände S.‘ (giftige) Kommentare angeblich lustig. Dabei war sie es, die danach oft den Tränen nahe war und sich unter vier Augen bei mir beklagt hatte (da S. und ich sowas wie die äh „Tonangeber“ in der Kleingruppe waren). Mir war das Ganze dann zu dumm, zumal ich Verhältnisse auf Augenhöhe bevorzugte, und ich mochte mir das Spiel von S. nicht länger geben. Der gemeinsame Kumpel war inzwischen zur Realschule gewechselt.
Danach verbrachte ich die Pausen lieber alleine, wenngleich S. und ich weiterhin nebeneinander saßen im Unterricht. Ich ignorierte sie, soweit möglich. Zumal sie dann auch erfolglos versuchte, Mitschüler gegen mich aufzubringen und öfters stichelte, während sie sich weiter veränderte. Auch ihr waren meine Noten verhasst. Sie fing irgendwann an, sihc zu ritzen. Einmal auch fast provokativ, als wir uns verabredet hatten, und sie sich von mir nicht ausreichend beachtet fühlte. Bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass es Ritzen gibt und was das ist.
Im 2. Schulhalbjahr der 8. Klasse versuchte S., sich umzubringen. Die Ernsthaftigkeit dahinter habe ich immer bezweifelt, weil sie es mit Leichtigkeit so hätte anstellen können, dass es geklappt hätte. Sicher ist gleichwohl auch ein Appellsuizidversuch ernstzunehmen und deutet auf größere Probleme hin.
Während sie eine Weile in der Kinder- & Jugendpsychiatrie verbrachte, appellierte die damalige Vertrauenslehrerin während des Unterrichts vor allen Mitschülern explizit an mich, dass ich nun besonders für S. da sein müsse. Leider hat mich das aus idiotischem Mit- und Pflichtgefühl bewogen, die „Freundschaft“ mit S. fortzusetzen. Ein Fehler, der bei mir zu Schäden geführt hat, denn S. hatte doch gravierendere Persönlichkeitsprobleme, die sie u. a. an mir verdeckt ausgelebt hat.
Darüber hinaus hielt die Vertrauenslehrerin es für eine gute Idee, eine weitere, verhaltensauffällige neue Mitschülerin aus der Parallelklasse neben mich zu setzen, da sie hoffte, dass ich mit meiner Art einen guten und stabilisierenden Einfluss auf diese haben würde.
Jene Mitschülerin quatschte mich ständig im Unterricht von der Seite an, versuchte meine Sachen zu bekritzeln und wollte mir irgendwelche Fotos etc. von ihren Selbstverletzungen zeigen und dass ich mir ihre „Psycho-Scheiße“ anhöre, die sie geradezu genüsslich ungefragt ausbreitete. Als wäre ich ihr kostenloser Seelenmülleimer. Verbat ich mir derartiges ihr gegenüber, wurde ich von der Lehrerin angemacht, dass ich den Unterricht stören würde. Ich verstand die Welt nicht mehr und war schnell gehemmt, mich überhaupt noch zu wehren.
Als ich mich aufgrund der ständigen Störungen etc. wegsetzen wollte -mir ging es zu der Zeit selbst nicht gut- versuchte jene Lehrerin, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, angeblich sei ich anderen von der Reife her voraus und könnte der Mitschülerin daher doch helfen etc.; dabei tat die Lehrerin so, als wäre mein Verhalten absolut unerklärlich/seltsam, ja fast kaltherzig, da ich der Mitschülerin ja offenbar nicht helfen wolle. Dabei war sie über jene Mitschülerin bestens im Bilde, wie hinterher herauskam.
Mir kam in der Zeit vieles surreal vor und ich traute meiner eigenen Wahrnehmung noch weniger, als vorher. Es gibt natürlich Schlimmeres, aber das alles hätte nicht sein müssen. Es ist neben einem anderweitig bescheuerten Trainer im Handballverein das letzte Mal in meinem Leben gewesen, dass ich mich unter dem Druck von „wohlmeinenden Dritten“ derart selbstschädigend habe manipulieren lassen.
Später habe ich dann bis ca. zum 10. Schuljahr den endgültigen Absprung sowohl von S., als auch von jenem Handballtrainer geschafft. Die andere Mitschülerin hatte zu meinem Glück nach einem sehr anstrengenden Schulhalbjahr mit ihr einen anderen Kurs gewählt und später die Schule ganz verlassen.
Später, in der Oberstufe, hatte ich zwar die ein oder andere Schulbekanntschaft mit anderen Mitschülern, die ganz ok war, aber eigentlich war ich auch in der Schule (wieder) am liebsten für mich alleine.
Möglicherweise hat das zu einem guten Teil an mir und nicht an jenen Erlebnissen – oder eben an meiner sich bis dahin entwickelten „depressiven Verstimmung“, wohl durch die lange übersehene Schilddrüsenunterfunktion, später dann auch der Essstörung gelegen, weil ich trotz aller temporären Geselligkeit im Herzen stets einzelgängerisch veranlagt war und mich unter Gleichaltrigen nie recht zugehörig gefühlt hatte; daran haben auch die Freundschaften mit anderen nie etwas geändert.
Im Kern ist das bis heute so, auch wenn mir der ein oder andere irgendwo durchaus nahe ist und ich seit vielen Jahren drei solide (echte) Freundschaften habe.
Am Ende des Tages lebt man sein Leben alleine und mangels Telepathie ist niemand in der Lage, die jeweilige individuelle innere Welt des anderen wahrhaftig zu erfassen; man sieht immer nur Ausschnitte von der inneren Landkarte des anderen. Es stirbt insofern auch jeder für sich alleine, egal wie viele nahe Menschen dabei versuchen, Unterstützung zu spenden. Das, was ich als „innere Glasscheibe zu anderen“ beschreiben würde, bringt das Kafka-Zitat auf den Punkt:
Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich.

