Füchse sind keine Rudeltiere

Über den heutigen Tag schweige ich mal besser. Arbeit war an sich sogar gut – bis auf die letzten 2h, in denen ich deutlich langsamer vorangekommen bin, als von mir geplant. Aufgehalten hatte mich das umfangreich auszuwertende psychologische Sachverständigengutachten in einer leidigen rechtlichen Angelegenheit. Ist zwar nicht schlimm und ließ sich eh nicht groß ändern, aber mich stört sowas trotzdem.

Ganz ähnlich verlief auch der Abend Zuhause, der an sich sogar gut anfing Ich habe ein, zwei Sachen anders als sonst gemacht, konstruktiver; das hat gleichwohl nichts daran geändert, dass es alsbald destruktiv wurde => Hallo Samstagabend, schön dich wiederzusehen.
Ich sollte damit aufhören, mir nicht nur in dem Bereich mein Leben regelmäßig unnötig schwieriger zu machen und in einem gewissen Rahmen immer dazu zu neigen, das zu sabotieren, was ich mir an konstruktiven Dingen aufgebaut habe. Irgendwie neige ich sehr stark dazu; das Spiel heißt: Me vs. Me.
Gewinner wird es keine geben.

Mal weg von der Gegenwart – Vorsicht, der nachfolgende Text hat Überlänge:
Am Wochenende bin ich über Mr. Snape aus dem Harry Potter-Universum gestolpert. Nicht, dass mich die Potter-Welt je interessiert hätte, nur erinnert sie mich immer an zwei Personen, von denen ich bei mindestens einer gerne wüßte, wie es ihr heutzutage geht, was sie so macht etc..

Die Rede ist von einer Mitschülerin, die mit mir von der Grundschule bis hin zum Abitur in einer Klasse (bzw. später in einer Stufe) gewesen ist. Sie wurde von den meisten Mitschülern nicht beachtet, immerhin nicht schikaniert, und war oft bemüht, Anschluss zu finden. Ich weiß nicht genau, sie tat mir irgendwie Leid, weil sie auf mich einen freundlichen sowie durchaus patenten Eindruck gemacht hat und ich damals noch nicht gelernt hatte, mich emotional von dem Leid anderer besser abzugrenzen (heutzutage geht das, nur Tiere sind nach wie vor bis zu einem gewissen Grad meine Achillesferse).

Es gab an sich keinen rationalen Grund, warum unsere Mitschüler sie im Kollektiv links liegen ließen. So einige andere Mädchen mit durchaus miesen Charakterzügen waren dagegen beliebt. Merke: Je zickiger, desto umschwärmter von Jungen wie Mädchen. Das war auch so im Sportverein. Muss man das verstehen? Das war mit etwas, warum ich offen gesagt meine Mitschüler als Gruppe ein Stück weit verachtet habe.

Wie so Schafe, die unbedingt jemanden über sich brauchen, egal wie schlecht der sie behandelt. Warum nicht stattdessen als freier Mensch sein eigener Herr sein?!

Trotz einer kurzen Phase, in der jenes Mädchen und ich uns das ein oder andere Mal privat getroffen hatten, reichte die Passung irgendwie nie so recht zu einer engeren Bekanntschaft; der Kontakt verlief sich schnell wieder. Trotzdem mag ich ihre Person von damals bis heute – so wie mir jeder in Erinnerung ist als Persönlichkeit, mit dem ich näher zu tun hatte. Wie so eine Art Abdruck desjenigen als intuitive Erinnerung an denjenigen in meinem Bewusstsein.

Darüber hinaus wäre da noch meine „frenemy-Freundin“ S. aus der Schulzeit, bei der ich mich seltener frage, was aus ihr geworden und was für ein Mensch sie heute ist.

Unsere Freundschaft war insgeheim, später deutlicher, davon überschattet, dass sie neidisch bis missgünstig auf mich und von verschiedenen Komplexen zerfressen war. Lange hat sie die ein oder andere vergiftete Bemerkung im Anschluss gleich wieder als Scherz abgetan, so dass ich öfters verwirrt war, weil das, was ich aus ihrer Stimme, Mimik etc. zuerst wahrzunehmen geglaubt hatte, nicht dazu passte, was sie später sagte.

Damals war ich aufgrund ungünstiger Entwicklungsprozesse generell schnell dabei, an meiner Wahrnehmung zu zweifeln und die anderen für normal, und mich für unnormal zu halten. Auf der anderen Seite – ich kann es schlecht beschreiben – war der „intuitive“ (richtige) Eindruck von jemanden bei mir immer schon sehr stark ausgeprägt.

S. und ich haben uns in der 7. Klasse kennengelernt, da die Klassen je nach Wahlfach (Latein oder Französisch) neu zusammengelegt wurden. Der Zufall wollte es, dass wir nebeneinander saßen. Mir war an sich egal, wer neben mir saß, Hauptsache, derjenige störte mich nicht. In der 5. und 6. Klasse hatte ich endgültig einsehen müssen, dass ich meine drei – vier langjährigen „Freundschaften“ aus dem Kindergarten und der Grundschule an den Nagel hängen konnte. Der Grund im Außen waren vordergründig meine zu guten Noten und mein Interesse am Schulstoff, an denen sich meine „Freunde“ (2x m, 2x w) plötzlich störten, nachdem sie in der Grundschule davon profitiert hatten, da ich sie regelmäßig hatte abschreiben lassen und ihnen auch anderweitig mit dem Schulstoff geholfen hatte. Das Ganze lief unschön ab.

Ok, es war sicher nicht gerecht, dass sie tagelang für Arbeiten lernen mussten, während ich für die Schule kaum etwas getan habe; ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, dass mir der Schulstoff eher leicht fiel, da andere das irgendwie als Makel zu sehen schienen.

Dazu kamen meine interessierten ergänzenden Fragen im Unterricht, die den ein oder anderen Lehrer aus dem Konzept brachten und meine Mitschüler genervt haben, weil es sie nicht interessiert hat.
Am Ende musste ich mir die Antwort Zuhause eh selbst suchen, daher habe ich irgendwann gar nicht mehr gefragt (Standardantwort im Unterricht (sinngemäß): „Deine Frage sprengt den Unterrichtsrahmen; das ist im Schulstoff nicht vorgesehen, dass wir uns vertiefter damit beschäftigen.“ oder auch: „Darüber habe ich noch nie nachgedacht, das kann ich dir auch nicht sagen.“). … Es gab nur ca. zwei Lehrer, die wirklich inhaltlich auf diese Fragen eingegangen sind.
(Und nein, ich habe nicht ständig gefragt, aber warum behandeln wir überhaupt ein Thema im Unterricht, wenn es dann nur grob, manchmal auch unvollständig bis falsch angerissen wird? Wo ist da der Sinn?).

Unangenehmerweise stand ich auch anderweitig unfreiwillig in der Schule im Mittelpunkt, spätestens vor allen Mitschülern, wenn am Ende des Schuljahres die notenmäßig besten Schüler die Zeugnisse vor der gesamten Stufe überreicht bekamen. Ich weiß nicht, welcher pädagogische Vollidiot sich das ausgedacht hat; so war mein sozialer Ruf am Gymnasium in den Augen meiner Mitschüler bereits in der 5. Klasse ruiniert. Wer gute Noten hat, gehört nicht dazu.

Gleichwohl bin ich nie schikaniert worden, sicher auch, weil ich sehr sportlich war und durchaus sowas wie Schulfreundschaften hatte, im Zweifel eben im großen Kreis der irgendwie „Uncoolen“, was dann schon wieder als cool galt (Merke: Das gibt soziale Pluspunkte); es kam mal die ein oder andere Bemerkung a la „Scheiß Streber“ etc., aber am Ende des Gymnasiums stellte sich heraus, dass ich viel respektierter gewesen war, als ich das immer so empfunden hatte. Es gab sogar mal eine Phase etwa ab der 10. Klasse, in der ich von dem ein oder anderen fast bewundert worden bin, weil gute Noten da auf einmal als „cool“ galten und ausgerechnet die, die vorher so auf die „Streber“ geschimpft hatten, ihrerseits zu echten Strebern mutiert sind, weil sie einen guten Abischnitt haben wollten. Solche Leute habe ich ja besonders gerne.

Allerdings nützte mir meine plötzliche unfreiwillige Beliebtheit nichts mehr, hatte ich doch zu dem Zeitpunkt längst innerlich mit meinen Mitschülern und der Heuchelei in der Schulführungsetage abgeschlossen; ich pflegte den ein oder anderen bekanntschaftlichen Kontakt in der Schule zu den nicht ganz so mitläufermäßigen Mitschülern und blieb für mich; alleine ist man immer in guter Gesellschaft, unter anderen Menschen nicht unbedingt.

Darüber hinaus habe ich mich seit jeher unter Älteren wohler gefühlt; die Denkweise war irgendwie anders und mir näher. So ist u. a. der bis heute andauernde Kontakt mit dem gemeinsamen Kumpel meines Bruder entstanden, mit dem ich gemeinsam mit meinem Bruder auch damals schon viel unternommen habe, wenn ich mal etwas geselliger drauf war oder mein Bruder mich erfolgreich zu „Partybesuchen“ überredet hatte, die regelmäßig damit endeten, dass wir beide zu Fuß frühmorgens längere Fußwege von bis zu über einer Stunde nach Hause zurückgelegt haben. Ich fand das mit die schönsten Momente, wenn alles so ruhig und menschenleer war, die Morgendämmerung bevorstand und wir am Wald entlangliefen; Dorf und ländliche Gegend eben. Da fuhr zu der Zeit längst kein Bus mehr. Auch alleine gehe ich bis heute nachts am liebsten zu Fuß nach Hause von Treffen/Partys; egal ob in der Großstadt oder anderswo. Meine Eltern sind lange tausend Tode gestorben, weil ich nachts so gerne alleine unterwegs war und kein Taxi nehmen oder mich anderen für den Rückweg anschließen wollte.

Ich führte ca. ab der 8./ 9. Klasse eine Art Doppelleben:
In der Schule galt ich als brav, verträumt und intelligent, mit bisweilen höchst komischen Ideen, wenn ich z.B. im Religionsunterricht die Meinung vertrat, dass doch jeder die Art von Beziehung/Partnerschaft führen solle, die für ihn passt, und wenn dann eben drei zusammen sind in einer Partnerschaft oder man eine lose Sexbeziehung unterhält. Solange das für alle Beteiligten passt, sei daran aus meiner Sicht nichts auszusetzen und von anderen abzuwerten. Das hatte ich auch nur deshalb im Unterricht in der 8. Klasse ausgesprochen, weil sich die ein oder andere Mitschülerin abfällig über derlei verkommene Lebensführungen geäußert hatte, unter allgemeiner Zustimmung, auch des Lehrers. Das Unterrichtsthema lautete ironischerweise irgendwas mit „Liebe und Beziehung“.

Für meine Mitschüler, die das klassische 1-Mann mit einer Frau-Modell als für alle einzig richtig ansahen, war das so, als hätte ich behauptet, die Erde sei eine Scheibe. Für die echten Gläubigen unter ihnen war es so, als hätte ich zum Gruppensex aufgefordert mit meiner Idee.
Der Reli-Lehrer, der recht konservative Ansichten vertrat und dem meine ketzerischen Ideen eh ein Dorn im Auge waren, sah sich daraufhin veranlasst, mich im Unterricht zum Abschuss freizugeben und meine Mutter zum Elterngespräch einzuladen, da er angeblich Sorge um meine sittliche Entwicklung hatte.

Das einzige Elterngespräch, das meine Eltern wegen mir je mit Lehrern führen mussten. Meine Mutter hat mich gut vertreten; leider durfte ich selbst nicht daran teilnehmen. Da ich in Reli gleichwohl ebenfalls stets ein „sehr gut“ bekam, da ich mich ja auch generell als einer der wenigen am Unterricht beteiligte (auch nicht nur mit solch‘ „ketzerischen“ Ansichten^^) war dem Lehrer der Vorschlag meiner Mutter nicht recht, dass ich in Reli für das laufende Schuljahr auf eine Benotung verzichte und den Kurs abwähle. Hätte ja seinen Schnitt runtergezogen. Arschloch.

Jener Lehrer hat immer so auf „Schülerkumpel“ gemacht und sich locker-humorvoll gegeben, war aber mit einer der linkesten Lehrer, dem der ein oder andere Mitschüler zum Opfer gefallen ist. Seiner Beliebtheit hat das keinen Abbruch getan und er war lange aufgrund seiner Beliebtheit unter den Schülern Vertrauenslehrer, ausgerechnet.

Meine allgemein gemeinten Ideen z.B. zu Partnerschaften etc. wurden von ihm und manchen Mitschülern so verdreht, dass ich diese Art von Beziehungen selbst eingehen wollen würde, dabei hatte ich das eher von einem allgemeinen, mehr ethischen Standpunkt aus gemeint. Kleingeister. Dass hat mich an der Schule und den Leuten dort immer schon angekotzt menschlich. Dieses ganze Spiel hinter den Kulissen, gepaart mit dieser Engstirnigkeit und sich als gute Menschen aufspielen, während andere Schüler tatsächlich unter die Räder gekommen sind, weil sie irgendwie aus dem Rahmen fielen oder anderen Mitschülern (mit Vitamin B) missgünstig waren.

Etwa ab dem 9. Schuljahr kiffte ich in meiner Freizeit sporadisch je nach Lust und Laune entweder mit meinem Bruder oder gemeinsam mit dessen Clique und lernte einige schräge Gestalten kennen. Der Reiz des Verbotenen hat mich immer schon fasziniert. Wir haben auch viel gezockt; das habe ich auch sehr gerne alleine gemacht. Daneben bin ich verschiedenen Sportarten nachgegangen, denn Freizeit hatte ich mehr als genug, da mich der Schulstoff mäßig bis kaum forderte. Ich wage zu behaupten, dass das am Schulstoff lag und nicht an mir. Sonderlich intelligent war ich für meinen Eindruck nie; ich habe mich eher oft dumm gefühlt.

Zurück zu S.:
Während unsere Freundschaft im 7. Schuljahr noch recht intakt war und wir gemeinsam mit einem Kumpel oft zu dritt abhingen, später auch mit zwei weiteren Mitschülerinnen, entwickelte sie zunehmend fiese Züge: Sie stand immer schon gerne im Mittelpunkt, ganz im Gegensatz zu mir, selbst wenn sie dafür erfundene Geschichten erzählen musste.
Irgendwann im 1. Schulhalbjahr des 8. Schuljahres fing sie an, auf einer der beiden Mitschülerinnen, C., herumzuhacken. Der Grund war banal, auch wenn sie es nie zugegeben hätte: S. war auch nach ihrer Crash-Diät etwas übergewichtig und gegenüber allen weiblichen Wesen, die irgendwie hätten attraktiver sein können aus S.‘ Sicht, höchst missgünstig; sie fühlte sich denen unterlegen.

C. beklagte sich zwar und litt unter den Verbalattacken von S., wehrte sich jedoch nicht. Als ich C. in Schutz genommen hatte, erklärte C. vor der Clique, dass alles ok sei, sie fände S.‘ (giftige) Kommentare angeblich lustig. Dabei war sie es, die danach oft den Tränen nahe war und sich unter vier Augen bei mir beklagt hatte (da S. und ich sowas wie die äh „Tonangeber“ in der Kleingruppe waren). Mir war das Ganze dann zu dumm, zumal ich Verhältnisse auf Augenhöhe bevorzugte, und ich mochte mir das Spiel von S. nicht länger geben. Der gemeinsame Kumpel war inzwischen zur Realschule gewechselt.

Danach verbrachte ich die Pausen lieber alleine, wenngleich S. und ich weiterhin nebeneinander saßen im Unterricht. Ich ignorierte sie, soweit möglich. Zumal sie dann auch erfolglos versuchte, Mitschüler gegen mich aufzubringen und öfters stichelte, während sie sich weiter veränderte. Auch ihr waren meine Noten verhasst. Sie fing irgendwann an, sihc zu ritzen. Einmal auch fast provokativ, als wir uns verabredet hatten, und sie sich von mir nicht ausreichend beachtet fühlte. Bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass es Ritzen gibt und was das ist.

Im 2. Schulhalbjahr der 8. Klasse versuchte S., sich umzubringen. Die Ernsthaftigkeit dahinter habe ich immer bezweifelt, weil sie es mit Leichtigkeit so hätte anstellen können, dass es geklappt hätte. Sicher ist gleichwohl auch ein Appellsuizidversuch ernstzunehmen und deutet auf größere Probleme hin.

Während sie eine Weile in der Kinder- & Jugendpsychiatrie verbrachte, appellierte die damalige Vertrauenslehrerin während des Unterrichts vor allen Mitschülern explizit an mich, dass ich nun besonders für S. da sein müsse. Leider hat mich das aus idiotischem Mit- und Pflichtgefühl bewogen, die „Freundschaft“ mit S. fortzusetzen. Ein Fehler, der bei mir zu Schäden geführt hat, denn S. hatte doch gravierendere Persönlichkeitsprobleme, die sie u. a. an mir verdeckt ausgelebt hat.

Darüber hinaus hielt die Vertrauenslehrerin es für eine gute Idee, eine weitere, verhaltensauffällige neue Mitschülerin aus der Parallelklasse neben mich zu setzen, da sie hoffte, dass ich mit meiner Art einen guten und stabilisierenden Einfluss auf diese haben würde.
Jene Mitschülerin quatschte mich ständig im Unterricht von der Seite an, versuchte meine Sachen zu bekritzeln und wollte mir irgendwelche Fotos etc. von ihren Selbstverletzungen zeigen und dass ich mir ihre „Psycho-Scheiße“ anhöre, die sie geradezu genüsslich ungefragt ausbreitete. Als wäre ich ihr kostenloser Seelenmülleimer. Verbat ich mir derartiges ihr gegenüber, wurde ich von der Lehrerin angemacht, dass ich den Unterricht stören würde. Ich verstand die Welt nicht mehr und war schnell gehemmt, mich überhaupt noch zu wehren.

Als ich mich aufgrund der ständigen Störungen etc. wegsetzen wollte -mir ging es zu der Zeit selbst nicht gut- versuchte jene Lehrerin, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, angeblich sei ich anderen von der Reife her voraus und könnte der Mitschülerin daher doch helfen etc.; dabei tat die Lehrerin so, als wäre mein Verhalten absolut unerklärlich/seltsam, ja fast kaltherzig, da ich der Mitschülerin ja offenbar nicht helfen wolle. Dabei war sie über jene Mitschülerin bestens im Bilde, wie hinterher herauskam.

Mir kam in der Zeit vieles surreal vor und ich traute meiner eigenen Wahrnehmung noch weniger, als vorher. Es gibt natürlich Schlimmeres, aber das alles hätte nicht sein müssen. Es ist neben einem anderweitig bescheuerten Trainer im Handballverein das letzte Mal in meinem Leben gewesen, dass ich mich unter dem Druck von „wohlmeinenden Dritten“ derart selbstschädigend habe manipulieren lassen.

Später habe ich dann bis ca. zum 10. Schuljahr den endgültigen Absprung sowohl von S., als auch von jenem Handballtrainer geschafft. Die andere Mitschülerin hatte zu meinem Glück nach einem sehr anstrengenden Schulhalbjahr mit ihr einen anderen Kurs gewählt und später die Schule ganz verlassen.

Später, in der Oberstufe, hatte ich zwar die ein oder andere Schulbekanntschaft mit anderen Mitschülern, die ganz ok war, aber eigentlich war ich auch in der Schule (wieder) am liebsten für mich alleine.
Möglicherweise hat das zu einem guten Teil an mir und nicht an jenen Erlebnissen – oder eben an meiner sich bis dahin entwickelten „depressiven Verstimmung“, wohl durch die lange übersehene Schilddrüsenunterfunktion, später dann auch der Essstörung gelegen, weil ich trotz aller temporären Geselligkeit im Herzen stets einzelgängerisch veranlagt war und mich unter Gleichaltrigen nie recht zugehörig gefühlt hatte; daran haben auch die Freundschaften mit anderen nie etwas geändert.

Im Kern ist das bis heute so, auch wenn mir der ein oder andere irgendwo durchaus nahe ist und ich seit vielen Jahren drei solide (echte) Freundschaften habe.

Am Ende des Tages lebt man sein Leben alleine und mangels Telepathie ist niemand in der Lage, die jeweilige individuelle innere Welt des anderen wahrhaftig zu erfassen; man sieht immer nur Ausschnitte von der inneren Landkarte des anderen. Es stirbt insofern auch jeder für sich alleine, egal wie viele nahe Menschen dabei versuchen, Unterstützung zu spenden. Das, was ich als „innere Glasscheibe zu anderen“ beschreiben würde, bringt das Kafka-Zitat auf den Punkt:

Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich.

Ein guter Tag

Der heutige Tag war sehr gut. Und das lag nicht daran, dass das Wochenende vorher so tiefpunktmäßig gewesen ist.

Dabei fing der Tag bescheiden an, als mir auf dem Weg zur Arbeit mein Frühstücksbrötchen im Hals steckengeblieben ist.

Das kommt davon, wenn man das Wochenende mit Übergeben verbracht hat und es anstelle der üblichen Früchteriegel morgens mit (getoasteten) Toastbrötchen versucht, um nicht wenige Stunden später während eines wichtigen Geschäftstermins mit laut knurrendem Magen dazusitzen.
(An sich habe ich morgens nie Hunger, aber auf der Arbeit kann ich erst um ca. ein Uhr etwas essen; je nachdem, verschiebt sich die Mittagspause an manchen Tagen auch ausnahmsweise bei Außer-Haus-Terminen. Deshalb esse ich mechanisch idR auf dem Arbeitsweg ein bisschen was.)

Natürlich hatte ich auch zum ersten Mal vergessen, mir etwas zu trinken einzupacken, sodass die Sache mit dem Brötchen sehr ungünstig war. Da ich aber als Kind mal tatsächlich fast in einem Restaurant beim Essen erstickt wäre, mir das länger nachhing und ich auch mal beim Übergeben früher zwei problematische Situationen in die Richtung hatte, habe ich gelernt, dabei ruhig zu bleiben. Panik führt dabei erst recht zu (auch ernsthaften) Problemen.
Sehr hilfreich war auch, dass ich mich infolge meiner damaligen Sorge vorm Ersticken intensiv mit dem Aufbau der Speiseröhre etc. beschäftigt und den Bericht eines Gerichtsmediziners über Erstickungsfälle beim Essen gelesen habe. Wissen finde ich generell sehr hilfreich gegen Ängste.
Von daher wusste ich, dass es an sich harmlos war heute Morgen, da ich noch Luft bekam. Speichel ließ sich allerdings nicht mehr runterschlucken. … Na ja, irgendwie bin ich ruhig geblieben, die Arbeit angefangen und nach einer Weile hatte meine Speiseröhre die Sache dann in den Griff bekommen.

Der Geschäftstermin verlief erfreulich kurzweilig und unkompliziert; die „Kunden“ waren sehr zufrieden und kostentechnisch hat sich die Sache auch für uns gelohnt.

Auch mit der restlichen Arbeit bin ich gut vorangekommen; die spontan dazugekommenen Sachen sind auch erledigt. Chefs und Kollegen waren auch gut drauf (wie meistens) und ein paar Socializing-Punkte konnte ich auch machen.
Zum Glück geht es bei uns sehr beruflich orientiert und mit einer guten Mischung aus persönlich-direkt, familiär und wertschätzend, aber gleichzeitig ausreichend distanziert zu. Ich hätte mir nie träumen lassen, überhaupt so eine Arbeitsstelle zu finden und gleich mit dem ersten Arbeitgeber so viel (unverschämtes) Glück zu haben. Obwohl ich kaum Bewerbungen geschrieben habe. Es passte dann beidseitig einfach im Vorstellungsgespräch und mein Misstrauen, dass ich mich besser nicht zu früh freuen sollte, hat sich absolut nicht bestätigt. Mit dem Umzug und der Wohnung hatte ich auch viel Glück und konnte mir auch endlich einen Kleiderschrank mit Schiebetüren etc. leisten, den ich immer schon toll fand. Dazu eine Wohnung mit eigener Küche, eigenem Schlafzimmer; ein Badezimmer mit Fenster, ganze vier Kochplatten und sogar einen Backofen und ein eigenes, neues und günstig erstandenes Sofa, auf dem ich ohne angezogene Beine liegen kann … . Meine Eltern, ein Bekannter und sogar einmal mein Bruder haben mich bei dem Umzug, den notwendigen Möbelkäufen und der Renovierung der neuen Wohnung sehr unterstützt.

Irgendwie habe ich immer mehr Glück, als Verstand im Leben; mir ist das ein bisschen peinlich bzw. habe ich deshalb tief im Inneren ein chronisch schlechtes Gewissen => ich fühle mich so undankbar, dass ich trotz allem nicht uneingeschränkt lebensbejahend und konstruktiv eingestellt bin; stattdessen bin ich seit ich mich erinnern kann in der Hinsicht schon als Kind ambivalent eingestellt gewesen. Mich hat es bereits als Kind belastet zu wissen, dass nichts für die Ewigkeit ist; wir alle sterben werden ohne dass etwas bleibt etc.. Derjenige existiert dann einfach nicht mehr.
Wäre ich als Kind nicht so ungläubig gewesen, sondern wäre von einem Leben nach dem Tod ausgegangen, hätte ich mich aus Neugier möglicherweise doch getraut, im Selbstexperiment zu erforschen, wie das mit dem Sterben ist. Da ich aber auch mit ca. 5 Jahren trotz Taufe und obligatorischen außerfamiliären Kontakten mit dem christlichen Glauben schon fest überzeugt war, dass es keinen Himmel, keinen Gott etc. gibt, der Großvater schlicht in der Erde zersetzt wurde anstatt „im Himmel“ zu sein, war mir klar, dass der Tod final und unumkehrbar ist. Das hatte mich abgehalten.
Andererseits interessiert mich neben der Sache mit dem Sterben immer noch, was „Die Welt im Inneren zusammenhält; so eine Art Musterauflösung zur Existenz, mit der sich alle Fragen klären. Illusorisch, ich weiß.

Wie auch immer:
Wie täglich auf der Arbeit ging der Tag wie im Flug rum und es war dann auch schnell schon wieder nach 18 Uhr. Zum Abendessen gab es gebratenes Hähnchenfilet mit diesen kleinen grünen Paprika, Brokkoli, Kartoffeln und einer Art Steaksauce von MadeForMeat (sehr lecker zu Fleisch! Ich mag aber auch die „billig“ Steaksaucen anderer Hersteller sehr; dass mit der Sauce war ein kleiner persönlicher Luxus.) Die Reste werden morgen mein Mittagessen sein; mal etwas anderes, als belegte Brötchen oder Quark-/Joghurtvariationen mit Obst.

Telefonat mit meinen Eltern war auch nett. Ein bisschen unnötig war, dass ich zum Nachtisch zu viel Süßigkeiten gegessen habe. Und zum Sport bin ich auch nicht gekommen (Wahnsinn, wie schnell die Zeit auch nach der Arbeit vergeht.) Aber ist auch nicht tragisch.
Ich möchte das mittelfristig ändern und gesündere Gewohnheiten aufbauen, auch als körperlichen Ausgleich zur Arbeit, aber im Moment schaffe ich da keine großen Umstellungen neben der Arbeit. (Im Sommer ist es auch besser, aber bis dahin wird es hoffentlich nicht dauern – zutrauen würde ich es mir aber, so phlegmatisch, wie ich privat drauf bin.)

Nightwish

Mein täglicher Nachtwunsch ist seit meiner Kindheit, dass die Nacht nie vergehen und kein neuer Tag anbrechen möge. Hoffnungslos, ich weiß, aber man kann es ja mal versuchen als nachtaktives Wesen^^. Nachts ist es einfach anders, als tagsüber. Die Nacht hat ihre ganz eigene Magie; immer schon gehabt.

Kommen wir zu den Realitäten des Tages:
Der Arbeitstag war eigentlich erstaunlich ruhig und alle sehr entspannt; ich habe allerdings sehr lange an einem wichtigen, eiligen Schriftsatz gesessen (der fertiggestellt ist) und bin insgesamt nicht so gut vorangekommen, wie gehofft und geplant. Daran kann ich mich noch nicht recht gewöhnen, dass es immer anders kommt in meinem Beruf, als geplant. Andererseits macht es die Arbeit und den Arbeitstag auch abwechslungreich. Es ist eine sehr gute Mischung aus Routine und Unvorhergesehenes.

Der Schimmel an der Wand ist nicht mehr sichtbar. Zur Sicherheit werde ich die Wand und das Sofa noch einmal mit dem Spiritus behandeln. Ich bin von der Wirkung beeindruckt. Da ich ohne Mundschutz (und nur mit Handschuhen) gearbeitet habe, durfte ich die „benebelnde“ Wirkung der Spiritus-Dämpfe^^ halbfreiwillig an mir testen.

Morgen früh habe ich zwei wichtige berufliche Termine. Noch bin ich nur etwas nervös; auf einem gut ausblendbaren Level, auch wenn ich an meinen Verhaltensweisen merke, dass ich im „Verdrängungsmodus“ bin und aufpassen muss, trotzdem rechtzeitig ins Bett zu gehen. Die letzte Zeit habe ich wie so oft deutlich zu wenig geschlafen.

Mein Gewicht ist gerade auch doof und stagniert auf hohem Level; ich habe mich aber auch von zu vielen Süßigkeiten ernährt die letzten Tage und dürfte auch kalorienmäßig zu viel gegessen haben, obwohl ich mengenmäßig tagsüber bis abends immer gut mit irgendwas zwischen 500 – 800 kcal hinkomme, ohne zu hungern. Auch Zuhause habe ich kaum Hunger, aber eben einen Impuls nach Süßem, um mich zu beruhigen und zu entspannen. Von kleinauf bin ich regelrecht dahingehend konditioniert worden. Ein Wunder, dass ich nicht adipös war als Kind und Jugendlicher.

Gestern kam kurz der Gedanke, dass ich mich ja einfach „nur das eine Mal noch“ mit den letzten Resten an Süßkram vollfressen und zugleich die Süßigkeitenvorräte vernichten könnte, einfach hinterher kotzen, und fertig. Das würde auch funktionieren, aber alleine, dass dieser Impuls nach vorheriger ca. 6-jähriger Abwesenheit bis zum Sommer 2019 wieder kurz ins Bewusstsein zuckt, ist ein Warnsignal.

Ist ja nicht so, dass ich nicht wüßte, dass es ein relativ kurzer (wenngleich nicht zwangsläufiger) Weg zurück in so einen alltäglichen Essen-Kotzen-Kreislauf wäre. Man übt und verfestigt diese Abfolge ja auch mit jedem Mal weiter. Im schlechtesten Fall wird irgendwann wieder ein ausgetretener Pfad daraus, je öfter man ihn geht. Bei mir war er vorher sogar komplett vergessen. Dieser Trampelpfad kann ruhig wieder komplett zuwuchern und erneut in Vergessenheit geraten. Am besten kaufe ich bis auf Weiteres von den Süßigkeiten nichts mehr nach. Der Einkauf am Montag war ein Fehler, der mir unter Zeitstress kurz vor Ladenschluss passiert ist, weil ich da nicht genug nachgedacht habe, als ich die zwei 100g Tafeln RitterSport und die Butterkekspackung, Geschmacksrichtung Kakao, gekauft habe. Die Kekse schmeckten zudem gar nicht mal so gut, eigentlich auch die Schokolade nicht, trotzdem habe ich inzwischen binnen drei Tagen alles komplett gegessen.

Spätestens nach der ersten – zugegebenermaßen etwas willensfordernden – „Entzugsphase“ vermisse ich Süßigkeiten nicht mehr und habe nicht mehr dieses „Verlangen nach mehr“, sobald ich was Süßes esse.

Zu den erfreulichen Dingen:
Ich kann mich noch erinnern, als das Video von Nemo bei MTV lief. Das ist so ewig lange her; wie Überreste aus einer anderen längst vergangenen Welt.

Irgendwie tut das mitunter fast weh, wenn ich mich an die frühere Zeit aus der Schule etc. erinnere, obwohl es eigentlich inhaltlich nicht einmal negative Erinnerungen sind. Sie haben trotzdem einen schalen Beigeschmack, wie früher schon.

Und sich an Vergangenes zu erinnern und sich der Vergänglichkeit allen Seins bewusst zu werden, hat mich schon als Kind immer sehr nachdenklich-melancholisch gemacht. Ich habe als Kind sehr viel darüber nachgedacht, dass alles, was ich jetzt gerade noch liebe und genieße, vergänglich ist, und unsere Haustiere und meine Eltern absehbar sterben werden und die Zeit mit ihnen daher sehr endlich ist.

Mitunter habe ich mich bewusst mit diesem Szenario zu konfrontieren versucht, eben dass ich mir das vorgestellt habe als Kind und später, wie es wäre, würden meine Eltern plötzlich versterben.

Aber ehrlich gesagt habe ich dabei nur festgestellt, dass sie mir unendlich fehlen würden und ich es für sie schade fände, dass sie als Persönlichkeiten mit all ihren Gedanken, Wahrnehmungen, Vorstellungen, Gefühlen und ihrer physischen Hülle vom Tod ausgelöscht wären.

Ich würde ihrer Zeit meines Lebens immer im wahrsten Sinn des Wortes zu gedenken versuchen, so dass sie wenigstens in meinen Gedanken weiterleben könnten. Nur würde sie das auch nicht wieder lebendig machen. Vielleicht würde ich sie sogar irgendwann kaum äußerlich erinnern können und nur verschwommene, schwer konkret zu greifende Erinnerungsfetzen von ihnen in meinem Kopf bleiben?

Wer weiß, möglicherweise würde es mir auch ein bisschen so gehen, wenn mein Bruder vor mir versterben sollte. Es scheint ihm derzeit besser zu gehen. Man weiß bei ihm zwar nie, wie lange das anhält und wie nachhaltig diese „Anwandlungen“ sind, aber im Moment ist er relativ erträglich, fast wie früher in guten Zeiten.
Es tut mir auf der Gefühlsebene ein bisschen Leid, was ich hier über ihn geschrieben habe, auch wenn alles der Wahrheit entspricht und er meine Gesundheit zum Teil erheblich belastet hat. Vom Verstand her weiß ich aber gleichwohl, dass ich nicht ernsthaft auf Besserung bei ihm setzen sollte. … Ewig grüßt das Murmeltier.

Zurück zum Tod:
Mit östlicher Spiritualität habe ich ähnlich wenig am Hut, wie mit dem Christentum etc.. Auch dort ist nicht alles Gold, was hier im Westen glänzt und bewundert wird. Allerdings finde ich es eine interessante und irgendwie tröstliche Vorstellung, dass man sich nach dem Tod ja auch tatsächlich physikalisch-biologisch-chemisch betrachtet auflöst und in „das Universum“ aka die Umwelt eingeht, zerlegt in winzig kleine Moleküle, die wieder Teil eines größeren Ganzen werden und mit allem verbunden sind, anstatt wie zu menschlichen Lebzeiten davon getrennt zu sein. Gewissermaßen das Nirwana, so wie ich mir das vorstellen würde … Zu schade, dass ich davon nichts mehr mitbekommen werde.

Studie: Magersüchtige nehmen ihre Figur realistisch wahr

Ergebnis einer kaum bekannten Studie: Magersucht-Patientinnen finden Untergewicht attraktiver:

„Bislang deuteten viele Studien darauf hin, dass magersüchtige Frauen an einer verzerrten visuellen Selbstwahrnehmung leiden und sich selbst als zu dick wahrnehmen, obwohl sie in der Regel stark untergewichtig sind. „Dafür haben wir aber keine Hinweise gefunden„, sagt Katrin Giel, Leiterin der Forschungsgruppe für Psychobiologie des Essverhaltens von der Universität Tübingen. „Vielmehr haben schlankere Frauen und Patientinnen mit Magersucht ihr virtuelles Körpergewicht leicht unterschätzt. Die Abweichungen von den normalgewichtigen Testpersonen waren jedoch sehr gering.“

„„Wir haben festgestellt, dass Frauen mit Magersucht sich ihres Aussehens sehr wohl bewusst sind„, erklärt Simone Mölbert. „Wir konnten keinen Unterschied zu gesunden Frauen ausmachen, wie gut sie ihr Gewicht einschätzen können. Die Patientinnen zeigen aber eine klare Präferenz für stark untergewichtige Körper.Die Tatsache, dass Frauen mit Magersucht eine andere Meinung darüber haben, welches Gewicht wünschenswert ist, und nicht eine verzerrte visuelle Selbstwahrnehmung, sollte daher bei zukünftigen Therapien für Menschen mit Essstörungen im Vordergrund stehen.

Ich kann dem nur beipflichten. Es wird auch von Ärzten und sog. „Experten“ immer unterstellt, dass man seine Figur visuell verzerrt wahrnähme und deshalb untergewichtig sein möchte etc., dem ist aber nicht so, jedenfalls nicht pauschal (es mag ein paar Erkrankte geben, bei denen auch die visuelle Wahrnehmung verzerrt ist).

Dass man einfach Untergewicht optisch präferiert bzw. ästhetisch(er) findet, ist wohl zu simpel. Zumal die Grenze, welcher Körpergewichtsbereich als untergewichtig gilt, letztlich zu wenig individuelle Besonderheiten berücksichtigt.

Es gibt einfach Menschen, die untergewichtige Körper schön finden, ganz ohne visuelle Wahrnehmungsverzerrung, deal with it.

Interessant wäre nur die Frage, ob bei den Betroffenen immer schon ein untergewichtiger Körper präferiert wurde, auch vor Ausbruch der Essstörung.

Bei mir war das so, ganz ohne von Models etc. beeinflusst worden zu sein. Es gefiel mir einfach direkt, als ich eine untergewichtige Mitschülerin mit dieser bestimmten, imho in meinen Augen perfekten, Figur sah. Genauso geht es mir beim Anblick untergewichtiger Männer mit diesem ganz bestimmten Körperbau. In meinen Augen sehen diese Menschen mit ihrem Untergewicht schön aus. Mir selbst gefalle ich untergewichtig ebenfalls besser.

Magersucht ist in meinen Augen dagegen, sich in Verbindung mit Essen und Zwängen oft „zu dick“ zu fühlen (nicht: Zu sehen!), einen Kick durch das Hungern zu bekommen, gepaart mit einer „Scheu“/Aversion bzgl. des Essens bei gleichzeitiger hungerbedingter Anziehung/Faszination dafür sowie diesem Sog nach ständiger weiterer Abnahme des Körpergewichts zu erliegen, ganz ohne dass es noch darum geht, dass man sich optisch verschönern möchte mit der Abnahme. Im Gegenteil: Die immer weitere Abnahme erfolgt, obwohl man sich selbst vor seinem Spiegelbild bisweilen erschreckt, weil man so dünn ist. Trotzdem kann man nicht aufhören. Sucht eben.

Je nachdem möchten einige Betroffene auch einfach immer weiter abnehmen, bis sie sich auflösen, also verhungern. Mir ging es mal so.

Wunsch, sich aufzulösen

Mich begleitet seit meiner Kindheit der Wunsch und das Empfinden, körperlich schwerelos zu werden, mich aufzulösen und eins mit der Umwelt zu werden. Das muss das Nirwana sein, so würde ich es ausdrücken.

Manchmal, wenn ich alleine in der Natur unterwegs war, fühlte ich mich aufeinmal innerlich komisch und wie überwältigt von der Landschaft um mich herum, fast so, als wäre die Landschaft ein Teil von mir und ich ein Teil von ihr. Wenn das der Tod ist, dann ist er irgendwie tröstend. Es ist mehr ein Gefühl tiefer, grenzenloser Verbundenheit.

Es ist auch nochmals anders als dieser innere Sog in die Tiefe zu springen, der einen am Rande von Felsvorsprüngen, Klippen, Balkongeländern oder Fenstern in hohen Stockwerken befällt.

Zu Besuch bei den Eltern

Die letzten drei Tage war ich zu Besuch bei meinen Eltern. An sich bin ich gerne bei ihnen und den beiden Katzen. Nur meine Gewichtszunahme bzw. die gegenwärtige Neigung meines dysfunktionalen Körpers, chronisch Wasser einzulagern, verleidet mir den Aufenthalt seit einer Weile ein bisschen.

Wenn man selbst dann Wasser einlagert und nicht wieder verliert, wenn man sich salz- und kohlenhydratarm ernährt, kann sich jeder denken, wie das erst ist, wenn man sich salzig und kohlenhydratreich bei den Eltern ernährt.

Na ja, ich hoffe ja, dass sich mein Körper wieder einrenkt und das etwas rätselhafte Problem mit den Wassereinlagerungen bzw. der sukzessiven Gewichtszunahme der letzten Monate auch wieder verschwindet.

Mal sehen, ob sich das nicht wenigstens mit wenig essen und viel Sport in den Griff bekommen lässt. Wenn es sich irgendwie verhindern lässt, möchte ich nicht zu den Hashimoto-Patienten gehören, die 7, 10, 20 kg usw. zunehmen im Verlauf ihrer Erkrankung.

Auch abgesehen von den Gewichtsproblemen bin ich ca. nach einem Tag bei meinen Eltern immer sehr stark hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein und meinen Hobbys zu frönen, und der Freude (?), Zeit mit meinen Eltern und den Katzen verbringen zu können. Man weiß ja auch nicht, wie viel gemeinsame Zeit einem noch verbleibt. Ich verdränge immer, dass sowohl meine Eltern, als auch die Katzen wahrscheinlich vor mir sterben werden.

Eigentlich macht mich die gemeinsame Zeit so gesehen traurig, ebenso, dass ich gleichwohl seit jeher im Zusammenleben mit Mitmenschen eher früher als später das starke Bedürfnis habe, endlich wieder alleine und mein eigener Herr sein zu können.

Für mich wäre es daher unvorstellbar, in einer Partnerschaft zu leben und jemand anderen derart verpflichtet zu sein bzw. jemanden derart viel gemeinsame Zeit zu schulden. Am liebsten ist mir, alle paar Monate mal Freunde zu treffen, aber bitte nicht länger als maximal einen Tag.