
Der heutige Tag war sehr gut. Und das lag nicht daran, dass das Wochenende vorher so tiefpunktmäßig gewesen ist.
Dabei fing der Tag bescheiden an, als mir auf dem Weg zur Arbeit mein Frühstücksbrötchen im Hals steckengeblieben ist.
Das kommt davon, wenn man das Wochenende mit Übergeben verbracht hat und es anstelle der üblichen Früchteriegel morgens mit (getoasteten) Toastbrötchen versucht, um nicht wenige Stunden später während eines wichtigen Geschäftstermins mit laut knurrendem Magen dazusitzen.
(An sich habe ich morgens nie Hunger, aber auf der Arbeit kann ich erst um ca. ein Uhr etwas essen; je nachdem, verschiebt sich die Mittagspause an manchen Tagen auch ausnahmsweise bei Außer-Haus-Terminen. Deshalb esse ich mechanisch idR auf dem Arbeitsweg ein bisschen was.)
Natürlich hatte ich auch zum ersten Mal vergessen, mir etwas zu trinken einzupacken, sodass die Sache mit dem Brötchen sehr ungünstig war. Da ich aber als Kind mal tatsächlich fast in einem Restaurant beim Essen erstickt wäre, mir das länger nachhing und ich auch mal beim Übergeben früher zwei problematische Situationen in die Richtung hatte, habe ich gelernt, dabei ruhig zu bleiben. Panik führt dabei erst recht zu (auch ernsthaften) Problemen.
Sehr hilfreich war auch, dass ich mich infolge meiner damaligen Sorge vorm Ersticken intensiv mit dem Aufbau der Speiseröhre etc. beschäftigt und den Bericht eines Gerichtsmediziners über Erstickungsfälle beim Essen gelesen habe. Wissen finde ich generell sehr hilfreich gegen Ängste.
Von daher wusste ich, dass es an sich harmlos war heute Morgen, da ich noch Luft bekam. Speichel ließ sich allerdings nicht mehr runterschlucken. … Na ja, irgendwie bin ich ruhig geblieben, die Arbeit angefangen und nach einer Weile hatte meine Speiseröhre die Sache dann in den Griff bekommen.
Der Geschäftstermin verlief erfreulich kurzweilig und unkompliziert; die „Kunden“ waren sehr zufrieden und kostentechnisch hat sich die Sache auch für uns gelohnt.
Auch mit der restlichen Arbeit bin ich gut vorangekommen; die spontan dazugekommenen Sachen sind auch erledigt. Chefs und Kollegen waren auch gut drauf (wie meistens) und ein paar Socializing-Punkte konnte ich auch machen.
Zum Glück geht es bei uns sehr beruflich orientiert und mit einer guten Mischung aus persönlich-direkt, familiär und wertschätzend, aber gleichzeitig ausreichend distanziert zu. Ich hätte mir nie träumen lassen, überhaupt so eine Arbeitsstelle zu finden und gleich mit dem ersten Arbeitgeber so viel (unverschämtes) Glück zu haben. Obwohl ich kaum Bewerbungen geschrieben habe. Es passte dann beidseitig einfach im Vorstellungsgespräch und mein Misstrauen, dass ich mich besser nicht zu früh freuen sollte, hat sich absolut nicht bestätigt. Mit dem Umzug und der Wohnung hatte ich auch viel Glück und konnte mir auch endlich einen Kleiderschrank mit Schiebetüren etc. leisten, den ich immer schon toll fand. Dazu eine Wohnung mit eigener Küche, eigenem Schlafzimmer; ein Badezimmer mit Fenster, ganze vier Kochplatten und sogar einen Backofen und ein eigenes, neues und günstig erstandenes Sofa, auf dem ich ohne angezogene Beine liegen kann … . Meine Eltern, ein Bekannter und sogar einmal mein Bruder haben mich bei dem Umzug, den notwendigen Möbelkäufen und der Renovierung der neuen Wohnung sehr unterstützt.
Irgendwie habe ich immer mehr Glück, als Verstand im Leben; mir ist das ein bisschen peinlich bzw. habe ich deshalb tief im Inneren ein chronisch schlechtes Gewissen => ich fühle mich so undankbar, dass ich trotz allem nicht uneingeschränkt lebensbejahend und konstruktiv eingestellt bin; stattdessen bin ich seit ich mich erinnern kann in der Hinsicht schon als Kind ambivalent eingestellt gewesen. Mich hat es bereits als Kind belastet zu wissen, dass nichts für die Ewigkeit ist; wir alle sterben werden ohne dass etwas bleibt etc.. Derjenige existiert dann einfach nicht mehr.
Wäre ich als Kind nicht so ungläubig gewesen, sondern wäre von einem Leben nach dem Tod ausgegangen, hätte ich mich aus Neugier möglicherweise doch getraut, im Selbstexperiment zu erforschen, wie das mit dem Sterben ist. Da ich aber auch mit ca. 5 Jahren trotz Taufe und obligatorischen außerfamiliären Kontakten mit dem christlichen Glauben schon fest überzeugt war, dass es keinen Himmel, keinen Gott etc. gibt, der Großvater schlicht in der Erde zersetzt wurde anstatt „im Himmel“ zu sein, war mir klar, dass der Tod final und unumkehrbar ist. Das hatte mich abgehalten.
Andererseits interessiert mich neben der Sache mit dem Sterben immer noch, was „Die Welt im Inneren zusammenhält; so eine Art Musterauflösung zur Existenz, mit der sich alle Fragen klären. Illusorisch, ich weiß.
Wie auch immer:
Wie täglich auf der Arbeit ging der Tag wie im Flug rum und es war dann auch schnell schon wieder nach 18 Uhr. Zum Abendessen gab es gebratenes Hähnchenfilet mit diesen kleinen grünen Paprika, Brokkoli, Kartoffeln und einer Art Steaksauce von MadeForMeat (sehr lecker zu Fleisch! Ich mag aber auch die „billig“ Steaksaucen anderer Hersteller sehr; dass mit der Sauce war ein kleiner persönlicher Luxus.) Die Reste werden morgen mein Mittagessen sein; mal etwas anderes, als belegte Brötchen oder Quark-/Joghurtvariationen mit Obst.
Telefonat mit meinen Eltern war auch nett. Ein bisschen unnötig war, dass ich zum Nachtisch zu viel Süßigkeiten gegessen habe. Und zum Sport bin ich auch nicht gekommen (Wahnsinn, wie schnell die Zeit auch nach der Arbeit vergeht.) Aber ist auch nicht tragisch.
Ich möchte das mittelfristig ändern und gesündere Gewohnheiten aufbauen, auch als körperlichen Ausgleich zur Arbeit, aber im Moment schaffe ich da keine großen Umstellungen neben der Arbeit. (Im Sommer ist es auch besser, aber bis dahin wird es hoffentlich nicht dauern – zutrauen würde ich es mir aber, so phlegmatisch, wie ich privat drauf bin.)