Ein guter Tag

Der heutige Tag war sehr gut. Und das lag nicht daran, dass das Wochenende vorher so tiefpunktmäßig gewesen ist.

Dabei fing der Tag bescheiden an, als mir auf dem Weg zur Arbeit mein Frühstücksbrötchen im Hals steckengeblieben ist.

Das kommt davon, wenn man das Wochenende mit Übergeben verbracht hat und es anstelle der üblichen Früchteriegel morgens mit (getoasteten) Toastbrötchen versucht, um nicht wenige Stunden später während eines wichtigen Geschäftstermins mit laut knurrendem Magen dazusitzen.
(An sich habe ich morgens nie Hunger, aber auf der Arbeit kann ich erst um ca. ein Uhr etwas essen; je nachdem, verschiebt sich die Mittagspause an manchen Tagen auch ausnahmsweise bei Außer-Haus-Terminen. Deshalb esse ich mechanisch idR auf dem Arbeitsweg ein bisschen was.)

Natürlich hatte ich auch zum ersten Mal vergessen, mir etwas zu trinken einzupacken, sodass die Sache mit dem Brötchen sehr ungünstig war. Da ich aber als Kind mal tatsächlich fast in einem Restaurant beim Essen erstickt wäre, mir das länger nachhing und ich auch mal beim Übergeben früher zwei problematische Situationen in die Richtung hatte, habe ich gelernt, dabei ruhig zu bleiben. Panik führt dabei erst recht zu (auch ernsthaften) Problemen.
Sehr hilfreich war auch, dass ich mich infolge meiner damaligen Sorge vorm Ersticken intensiv mit dem Aufbau der Speiseröhre etc. beschäftigt und den Bericht eines Gerichtsmediziners über Erstickungsfälle beim Essen gelesen habe. Wissen finde ich generell sehr hilfreich gegen Ängste.
Von daher wusste ich, dass es an sich harmlos war heute Morgen, da ich noch Luft bekam. Speichel ließ sich allerdings nicht mehr runterschlucken. … Na ja, irgendwie bin ich ruhig geblieben, die Arbeit angefangen und nach einer Weile hatte meine Speiseröhre die Sache dann in den Griff bekommen.

Der Geschäftstermin verlief erfreulich kurzweilig und unkompliziert; die „Kunden“ waren sehr zufrieden und kostentechnisch hat sich die Sache auch für uns gelohnt.

Auch mit der restlichen Arbeit bin ich gut vorangekommen; die spontan dazugekommenen Sachen sind auch erledigt. Chefs und Kollegen waren auch gut drauf (wie meistens) und ein paar Socializing-Punkte konnte ich auch machen.
Zum Glück geht es bei uns sehr beruflich orientiert und mit einer guten Mischung aus persönlich-direkt, familiär und wertschätzend, aber gleichzeitig ausreichend distanziert zu. Ich hätte mir nie träumen lassen, überhaupt so eine Arbeitsstelle zu finden und gleich mit dem ersten Arbeitgeber so viel (unverschämtes) Glück zu haben. Obwohl ich kaum Bewerbungen geschrieben habe. Es passte dann beidseitig einfach im Vorstellungsgespräch und mein Misstrauen, dass ich mich besser nicht zu früh freuen sollte, hat sich absolut nicht bestätigt. Mit dem Umzug und der Wohnung hatte ich auch viel Glück und konnte mir auch endlich einen Kleiderschrank mit Schiebetüren etc. leisten, den ich immer schon toll fand. Dazu eine Wohnung mit eigener Küche, eigenem Schlafzimmer; ein Badezimmer mit Fenster, ganze vier Kochplatten und sogar einen Backofen und ein eigenes, neues und günstig erstandenes Sofa, auf dem ich ohne angezogene Beine liegen kann … . Meine Eltern, ein Bekannter und sogar einmal mein Bruder haben mich bei dem Umzug, den notwendigen Möbelkäufen und der Renovierung der neuen Wohnung sehr unterstützt.

Irgendwie habe ich immer mehr Glück, als Verstand im Leben; mir ist das ein bisschen peinlich bzw. habe ich deshalb tief im Inneren ein chronisch schlechtes Gewissen => ich fühle mich so undankbar, dass ich trotz allem nicht uneingeschränkt lebensbejahend und konstruktiv eingestellt bin; stattdessen bin ich seit ich mich erinnern kann in der Hinsicht schon als Kind ambivalent eingestellt gewesen. Mich hat es bereits als Kind belastet zu wissen, dass nichts für die Ewigkeit ist; wir alle sterben werden ohne dass etwas bleibt etc.. Derjenige existiert dann einfach nicht mehr.
Wäre ich als Kind nicht so ungläubig gewesen, sondern wäre von einem Leben nach dem Tod ausgegangen, hätte ich mich aus Neugier möglicherweise doch getraut, im Selbstexperiment zu erforschen, wie das mit dem Sterben ist. Da ich aber auch mit ca. 5 Jahren trotz Taufe und obligatorischen außerfamiliären Kontakten mit dem christlichen Glauben schon fest überzeugt war, dass es keinen Himmel, keinen Gott etc. gibt, der Großvater schlicht in der Erde zersetzt wurde anstatt „im Himmel“ zu sein, war mir klar, dass der Tod final und unumkehrbar ist. Das hatte mich abgehalten.
Andererseits interessiert mich neben der Sache mit dem Sterben immer noch, was „Die Welt im Inneren zusammenhält; so eine Art Musterauflösung zur Existenz, mit der sich alle Fragen klären. Illusorisch, ich weiß.

Wie auch immer:
Wie täglich auf der Arbeit ging der Tag wie im Flug rum und es war dann auch schnell schon wieder nach 18 Uhr. Zum Abendessen gab es gebratenes Hähnchenfilet mit diesen kleinen grünen Paprika, Brokkoli, Kartoffeln und einer Art Steaksauce von MadeForMeat (sehr lecker zu Fleisch! Ich mag aber auch die „billig“ Steaksaucen anderer Hersteller sehr; dass mit der Sauce war ein kleiner persönlicher Luxus.) Die Reste werden morgen mein Mittagessen sein; mal etwas anderes, als belegte Brötchen oder Quark-/Joghurtvariationen mit Obst.

Telefonat mit meinen Eltern war auch nett. Ein bisschen unnötig war, dass ich zum Nachtisch zu viel Süßigkeiten gegessen habe. Und zum Sport bin ich auch nicht gekommen (Wahnsinn, wie schnell die Zeit auch nach der Arbeit vergeht.) Aber ist auch nicht tragisch.
Ich möchte das mittelfristig ändern und gesündere Gewohnheiten aufbauen, auch als körperlichen Ausgleich zur Arbeit, aber im Moment schaffe ich da keine großen Umstellungen neben der Arbeit. (Im Sommer ist es auch besser, aber bis dahin wird es hoffentlich nicht dauern – zutrauen würde ich es mir aber, so phlegmatisch, wie ich privat drauf bin.)

Nightwish

Mein täglicher Nachtwunsch ist seit meiner Kindheit, dass die Nacht nie vergehen und kein neuer Tag anbrechen möge. Hoffnungslos, ich weiß, aber man kann es ja mal versuchen als nachtaktives Wesen^^. Nachts ist es einfach anders, als tagsüber. Die Nacht hat ihre ganz eigene Magie; immer schon gehabt.

Kommen wir zu den Realitäten des Tages:
Der Arbeitstag war eigentlich erstaunlich ruhig und alle sehr entspannt; ich habe allerdings sehr lange an einem wichtigen, eiligen Schriftsatz gesessen (der fertiggestellt ist) und bin insgesamt nicht so gut vorangekommen, wie gehofft und geplant. Daran kann ich mich noch nicht recht gewöhnen, dass es immer anders kommt in meinem Beruf, als geplant. Andererseits macht es die Arbeit und den Arbeitstag auch abwechslungreich. Es ist eine sehr gute Mischung aus Routine und Unvorhergesehenes.

Der Schimmel an der Wand ist nicht mehr sichtbar. Zur Sicherheit werde ich die Wand und das Sofa noch einmal mit dem Spiritus behandeln. Ich bin von der Wirkung beeindruckt. Da ich ohne Mundschutz (und nur mit Handschuhen) gearbeitet habe, durfte ich die „benebelnde“ Wirkung der Spiritus-Dämpfe^^ halbfreiwillig an mir testen.

Morgen früh habe ich zwei wichtige berufliche Termine. Noch bin ich nur etwas nervös; auf einem gut ausblendbaren Level, auch wenn ich an meinen Verhaltensweisen merke, dass ich im „Verdrängungsmodus“ bin und aufpassen muss, trotzdem rechtzeitig ins Bett zu gehen. Die letzte Zeit habe ich wie so oft deutlich zu wenig geschlafen.

Mein Gewicht ist gerade auch doof und stagniert auf hohem Level; ich habe mich aber auch von zu vielen Süßigkeiten ernährt die letzten Tage und dürfte auch kalorienmäßig zu viel gegessen haben, obwohl ich mengenmäßig tagsüber bis abends immer gut mit irgendwas zwischen 500 – 800 kcal hinkomme, ohne zu hungern. Auch Zuhause habe ich kaum Hunger, aber eben einen Impuls nach Süßem, um mich zu beruhigen und zu entspannen. Von kleinauf bin ich regelrecht dahingehend konditioniert worden. Ein Wunder, dass ich nicht adipös war als Kind und Jugendlicher.

Gestern kam kurz der Gedanke, dass ich mich ja einfach „nur das eine Mal noch“ mit den letzten Resten an Süßkram vollfressen und zugleich die Süßigkeitenvorräte vernichten könnte, einfach hinterher kotzen, und fertig. Das würde auch funktionieren, aber alleine, dass dieser Impuls nach vorheriger ca. 6-jähriger Abwesenheit bis zum Sommer 2019 wieder kurz ins Bewusstsein zuckt, ist ein Warnsignal.

Ist ja nicht so, dass ich nicht wüßte, dass es ein relativ kurzer (wenngleich nicht zwangsläufiger) Weg zurück in so einen alltäglichen Essen-Kotzen-Kreislauf wäre. Man übt und verfestigt diese Abfolge ja auch mit jedem Mal weiter. Im schlechtesten Fall wird irgendwann wieder ein ausgetretener Pfad daraus, je öfter man ihn geht. Bei mir war er vorher sogar komplett vergessen. Dieser Trampelpfad kann ruhig wieder komplett zuwuchern und erneut in Vergessenheit geraten. Am besten kaufe ich bis auf Weiteres von den Süßigkeiten nichts mehr nach. Der Einkauf am Montag war ein Fehler, der mir unter Zeitstress kurz vor Ladenschluss passiert ist, weil ich da nicht genug nachgedacht habe, als ich die zwei 100g Tafeln RitterSport und die Butterkekspackung, Geschmacksrichtung Kakao, gekauft habe. Die Kekse schmeckten zudem gar nicht mal so gut, eigentlich auch die Schokolade nicht, trotzdem habe ich inzwischen binnen drei Tagen alles komplett gegessen.

Spätestens nach der ersten – zugegebenermaßen etwas willensfordernden – „Entzugsphase“ vermisse ich Süßigkeiten nicht mehr und habe nicht mehr dieses „Verlangen nach mehr“, sobald ich was Süßes esse.

Zu den erfreulichen Dingen:
Ich kann mich noch erinnern, als das Video von Nemo bei MTV lief. Das ist so ewig lange her; wie Überreste aus einer anderen längst vergangenen Welt.

Irgendwie tut das mitunter fast weh, wenn ich mich an die frühere Zeit aus der Schule etc. erinnere, obwohl es eigentlich inhaltlich nicht einmal negative Erinnerungen sind. Sie haben trotzdem einen schalen Beigeschmack, wie früher schon.

Und sich an Vergangenes zu erinnern und sich der Vergänglichkeit allen Seins bewusst zu werden, hat mich schon als Kind immer sehr nachdenklich-melancholisch gemacht. Ich habe als Kind sehr viel darüber nachgedacht, dass alles, was ich jetzt gerade noch liebe und genieße, vergänglich ist, und unsere Haustiere und meine Eltern absehbar sterben werden und die Zeit mit ihnen daher sehr endlich ist.

Mitunter habe ich mich bewusst mit diesem Szenario zu konfrontieren versucht, eben dass ich mir das vorgestellt habe als Kind und später, wie es wäre, würden meine Eltern plötzlich versterben.

Aber ehrlich gesagt habe ich dabei nur festgestellt, dass sie mir unendlich fehlen würden und ich es für sie schade fände, dass sie als Persönlichkeiten mit all ihren Gedanken, Wahrnehmungen, Vorstellungen, Gefühlen und ihrer physischen Hülle vom Tod ausgelöscht wären.

Ich würde ihrer Zeit meines Lebens immer im wahrsten Sinn des Wortes zu gedenken versuchen, so dass sie wenigstens in meinen Gedanken weiterleben könnten. Nur würde sie das auch nicht wieder lebendig machen. Vielleicht würde ich sie sogar irgendwann kaum äußerlich erinnern können und nur verschwommene, schwer konkret zu greifende Erinnerungsfetzen von ihnen in meinem Kopf bleiben?

Wer weiß, möglicherweise würde es mir auch ein bisschen so gehen, wenn mein Bruder vor mir versterben sollte. Es scheint ihm derzeit besser zu gehen. Man weiß bei ihm zwar nie, wie lange das anhält und wie nachhaltig diese „Anwandlungen“ sind, aber im Moment ist er relativ erträglich, fast wie früher in guten Zeiten.
Es tut mir auf der Gefühlsebene ein bisschen Leid, was ich hier über ihn geschrieben habe, auch wenn alles der Wahrheit entspricht und er meine Gesundheit zum Teil erheblich belastet hat. Vom Verstand her weiß ich aber gleichwohl, dass ich nicht ernsthaft auf Besserung bei ihm setzen sollte. … Ewig grüßt das Murmeltier.

Zurück zum Tod:
Mit östlicher Spiritualität habe ich ähnlich wenig am Hut, wie mit dem Christentum etc.. Auch dort ist nicht alles Gold, was hier im Westen glänzt und bewundert wird. Allerdings finde ich es eine interessante und irgendwie tröstliche Vorstellung, dass man sich nach dem Tod ja auch tatsächlich physikalisch-biologisch-chemisch betrachtet auflöst und in „das Universum“ aka die Umwelt eingeht, zerlegt in winzig kleine Moleküle, die wieder Teil eines größeren Ganzen werden und mit allem verbunden sind, anstatt wie zu menschlichen Lebzeiten davon getrennt zu sein. Gewissermaßen das Nirwana, so wie ich mir das vorstellen würde … Zu schade, dass ich davon nichts mehr mitbekommen werde.

Rotten from the inside …

Nein, nicht ich, sondern die Wohnzimmerwand hinter dem Sofa. Es handelt sich hierbei ungünstigerweise um eine Außenwand, die insofern aufgrund der schlecht isolierten Gebäudestruktur erhöht anfällig für Schimmelbefall ist. Das gilt auch, wenn man richtig lüftet, was ich stets so gehandhabt hatte. Mit Schimmel hatte ich davor noch nie Probleme in einer Mietwohnung, obwohl ich meine Wäsche immer in der Wohnung getrocknet habe (aber dafür auch in der Zeit immer extra viel gelüftet habe).


Eigentlich hatte ich nach meinem Einzug sowie professioneller Renovierung der (damals schimmelbefallenen) aktuellen Wohnung extra darauf geachtet, dass das Sofa nicht direkt an dieser Wand steht. Im Verlauf der Zeit hat sich das Sofa durch Benutzung blöderweise unbemerkt bis an die Wand verschoben, so dass sich der Schimmel dahinter bilden konnte. Ich hätte damals besser direkt Holzklötze dazwischen stellen sollen … .

Meine Eltern haben den heimlichen Verfall meiner Behausung heute zufällig entdeckt. Ich hätte selbst mal das Sofa von der Wand weggerückt und mir die Wand dahinter angeschaut, wenn ich das Schimmelproblem nicht naiverweise für erledigt gehalten hätte, da ich als Hauptursache des damaligen Schimmels meinen Vormieter ausgemacht hatte:
Dieser hatte in der Wohnung seinerzeit sämtliche Heizkörper über den Winter abgedreht, um Geld zu sparen. Die Miete hat er gleichwohl nicht bezahlt. … Solche Mieter braucht man als Vermieter!

Na ja, die Wand muss nun erst einmal richtig trocknen und danach geht es dem Schimmel mit Spiritus an den Kragen. … Das Ganze ist nicht dramatisch, wenngleich mich sowas trotzdem etwas ärgert.

Ansonsten war der Tag recht entspannt, obwohl ich heute Vormittag verpennt hatte:
Gegen 11 Uhr wurde ich wach, stellte fest, dass mir noch maximal eine Stunde Zeit blieb, bis meine Eltern eintreffen würden und ich davor noch duschen, putzen und idealerweise noch etwas aufräumen mussste.

Zwar habe ich nicht mehr alles geschafft, aber das Wichtigste. Es gab noch ein paar organisatorische Sachen zu klären sowie das ein und andere zu besprechen und danach sind wir in einem Steakhaus essen gegangen. Der Koch hatte es leicht mit uns, da wir alle Steak in Pfeffersauce mit Pommes wählten.
An sich bin ich bei Steak immer etwas skeptisch, weil ich es absolut nicht mag, wenn Fleisch so durchzogen ist oder so „Sehnen“ da drin sind. Das war mir schon als Kind fies, weshalb ich früh zum reinen Filetesser geworden bin in punkto Fleisch. Irgendwie ekelt es mich bei Fleisch schnell. Das gilt auch bei Aufschnitt, wenn die „Maserung“ mir missfällt, weil da z.B. so „Glibberstücke“ erkennbar sind. Fleisch an sich mag ich sehr.
Das Steak heute war sehr gut!

Vorhin habe ich noch eine Waschmaschine angestellt und werde noch ein bisschen was erledigen, das gestern liegengeblieben ist. Für die Arbeit muss ich auch noch was vorbereiten, sonst dauert mir das Montag zu lange. Außerdem ist montags idR viel los, da komme ich im schlechtesten Fall gar nicht dazu.

Ein bisschen zocken werde ich auch noch und mir evtl. nachher die Simpsons oder South Park anschauen. Gestern habe ich erfahren, dass die Hauptspielfigur Arthur Morgan in Red Dead Redemption 2 am Ende stirbt und man zwar danach die Waffen etc. behält, aber die Pferde sind danach auch alle weg.
Einerseits finde ich es toll, dass die Spielemacher sich das getraut haben, so konsequent waren und es kein Happy End gibt. Andererseits mag ich den Charakter und natürlich auch meine im Spiel liebevoll „hochgelevelten“ Pferde, vor allem die schwarze Araberstute. So ein Mist. Es wird mir schwerfallen, mich nach dem eigentlichen Spielende mit dem neuen Protagonisten samt neuem Gaul anzufreunden, die man danach spielt.

Sport lasse ich dieses Wochenende sein; ich könnte allenfalls ein paar Liegestütz machen. Wenn ich fit bin, schaffe ich davon ca. 50 Stück; sauber ausgeführt bis zum Boden. Im Moment werden es entweder 50 „unsaubere“ Liegestütz, also nicht ganz bis an den Boden, oder eher so ca. 20/30 mit etwas gutem Willen. Dazu kommen noch Sit-Ups => je 30 zur Seite und 40 gerade, also 100 Stück.

Ich gehöre zwar zu den Menschen, die aufgrund eines niedrigen Körperfettanteils, guter Gene und einer sportlichen Vergangenheit einen sichtbaren Sixpack haben mit Anfang 30, obwohl ich dieses Jahr kaum was an Sport gemacht habe und Vollzeit sitzend im Büro arbeite bis ca. 18:30/19 Uhr, aber ich habe körperlich abgebaut.

Innerer Zerfall eben, man wird nicht jünger. Wobei ich recht jung aussehe, da ich nicht die ausgeprägteste Mimik habe, weder zum Rauchen, noch zum Trinken geneigt habe und daher kaum Falten habe. Dazu kommt die sehr schlanke Figur, mit zum Glück leicht „androgynen“ Touch vom Körperbau her.
Je nachdem, welche Kleidung ich anhabe und in welchem Kontext mich Fremde getroffen haben, hielten die mich zunächst für allenfalls gerade mal volljährig – bis ich angefangen habe, zu sprechen bzw. sie auch meine spezielle (unverstellte) Art mitbekommen haben.

Heutzutage kann ich damit in meinem Sinne spielen, als Kind und Jugendliche habe ich unbeabsichtigt teils unheimlich auf andere gewirkt:

Ich war als Kind schon altersuntypisch sehr ernst, introvertiert + höflich-freundlich außerhalb von Privatkontakten, aber auch eigenwillig. Daran hatte auch meine damaligen Kieferorthopädin zu knabbern, die mich lange wie geistig zurückgeblieben behandelt hat, immer erst small talk halten und so viel Privates wissen wollte, bevor sie endlich zur Behandlung der Zähne übergegangen ist.
Ich fand die Termine bei ihr immer sehr anstrengend zwischenmenschlich, weil sie so neugierig auf mein Privatleben war. Was geht das sie an, ob ich mein Zeugnis bekommen habe, welche Noten ich habe, ob wir ein Haustier haben usw. => ich habe als Kind beim besten Willen nicht verstanden, warum sie sowas alles wissen möchte, weil ich ja bei ihr wegen der Behandlung meiner Zähne war und wir ein Dienstleistungsverhältnis hatten, kein Freundschaftsverhältnis.

Wir haben so oft aneinander vorbei kommuniziert, bis es eines Tages zu folgendem denkwürdigen Gespräch kam:
Ärztin: „Gestern war doch Zeugnistag. Hast du auch ein Zeugnis bekommen?“

Ich (gedacht): Warum soll ich kein Zeugnis bekommen haben?! Sie weiß doch, dass ich zur Schule gehe … .
Verwirrt und um eine höfliche Reaktion bedacht, entgegnete ich: „Ja, ich habe ein Zeugnis bekommen.“

Damit sollte die Frage ja beantwortet sein, dachte ich naiverweise.

Doch die Ärztin wirkte irgendwie unzufrieden, als hätte ich falsch geantwortet, seufzte und sagte (sinngemäß): „Aha, also wenn dein Zeugnis nicht so toll war und du deshalb über dein Zeugnis nicht reden möchtest, ist das ok.“

Ich: (gedacht) wtf?

Ich: „Nein, ich bin mit meinem Zeugnis ganz zufrieden.“

Die Ärztin wirkte erneut frustriert, also war meine Antwort wohl wieder falsch? Sie schaut mich erwartungsvoll an, ich schaue verwirrt zurück, bis es schließlich aus der Ärztin herausplatzt:
Ärztin (sinngemäß): „Na jetzt sag‘ schon, wie ist dein Zeugnis denn ausgefallen? Welchen Notendurchschnitt hast du?“

Ich (gedacht): „Ach darum ging es ihr. Warum fragt sie das nicht einfach direkt?“, und nenne ich ihr meinen Notendurchschnitt von 1,3. Die Ärztin wirkt überrascht, strahlt mich an und trällert honigsüß: „Das ist doch ein sehr gutes Zeugnis, das muss dir doch nicht peinlich sein.“

Auf eine Erwiderung verzichtete ich, nun leicht verstimmt, weil ich es immer gehasst habe, wenn man mir etwas Falsches unterstellt hat im persönlichen Bereich. Kurz: Ich fühlte mich sehr missverstanden. Danach ging die Behandlung der Zähne, weshalb ich ja da war, endlich los. Später während der Behandlung setzte die Ärztin nach:

Ärztin: „Dass ist mir eh schon bei dir aufgefallen, du redest kaum und bist so in dich gekehrt. Ich habe hier so viele Patienten in deinem Alter. Die kommen ganz anders in den Behandlungsraum, so fröhlich, und erzählen von sich aus direkt, was sie in den Ferien machen usw., nur du machst das nicht und bist immer so still. Ich möchte mal wissen, ob das einen besonderen Grund bei dir hat?“

So wie sie die Frage nach dem „besonderen Grund“ betont hat und dass angeblich nur ich so (unnormal) sei, klang es eher, als vermutete sie, dass mir mal etwas Schreckliches passiert und ich seitdem traumatisiert oder geistig retardiert sei.

Fieberhaft suchte ich damals nach der rettenden Antwort, da ich mich schlagartig wie ein Alien und irgendwie verkehrt fühlte (mal wieder). Dass ich auch von meinen Interessen her etwas anders, als viele Gleichaltrige war, war mir längst selbst aufgefallen, wobei ich das nicht problematisch fand und soweit auch keine nennenswerten Probleme hatte. Zumal ich auch Freundschaften hatte, die dann eben nicht aus meinen Interessen wie der Antike, das Alte Ägypten oder der nordischen Götterwelt, Thriller (für Erwachsene) und Dokumentationen über alles mögliche bestanden, sondern eben aus Fußballspielen, Herumalbern usw..
Mir fiel ein, dass meine Eltern mein Verhalten gerne liebevoll als „introvertiert“ (und sensibel, überempfindlich, „autistisch“, neugierig, verträumt etc.^^) bezeichneten, weshalb ich in meiner Erklärungsnot zur Ärztin erwiderte:
„Hm … ich bin eben .. introvertiert.“

Ärztin (mehr zu sich selbst): „Ach introvertiert, das ist es!“

Danach hat sie mich normal bis sogar sehr freundlich behandelt und nicht ständig mit ihren gesprächigen anderen Patienten in meinem Alter verglichen. Plötzlich war es ok, dass ich mit ihr vor der Behandlung nicht erst über unsere Haustiere etc. plaudern wollte. Schreckliche Frau, mir war sie auch aufgrund anderer Vorfälle während der Behandlung stets suspekt als Kind.

Gelernt habe ich, dass man nur das Zauberwort treffen muss. … Ganz so, wie in diesem Gedicht. Plötzlich ist es dann ok, wie man ist. Obwohl ich vorher auch nicht verkehrt war, mich nur auch Dank solcher Personen so gefühlt habe.

Im Nachhinein tut sie mir fast etwas Leid. Sie hätte mit mir besser nicht diese komische Art versuchen sollen, in der einige Erwachsene gerne mit Kindern reden, sondern besser so mit mir sprechen, wie sie auch mit erwachsenen Patienten gesprochen hätte. Dann hätten wir uns gut verstanden. Meine Eltern haben auch nie in dieser „Babysprache“ mit mir gesprochen.

Amotivation

Die Arbeitswoche war stressig und teils etwas frustrierend, wenngleich es auch positive Ereignisse gab. Unter anderem wird mein Arbeitsverhältnis verlängert. … Ich bin etwas erleichtert, wenngleich nicht groß überrascht. Nur Freude verspüre ich nicht. … Muss man sich darüber freuen? Es wäre peinlich gewesen, keinen neuen Arbeitsvertrag zu bekommen; ich habe also lediglich die Soll-Hürde genommen. Außerdem ist der neue Vertrag noch nicht unterschrieben – liegt aber eher daran, dass das für meine Chefs reine Formsache ist. Wenn man mir hätte kündigen wollen, dann in der Probezeit. Jetzt haben sie schon zu viel in mich investiert.

Übergeben habe ich mich noch einmal. Ich habe schon wieder vergessen, wann das überhaupt war. Irgendwie kurz nach meinem letzten Beitrag, aber ist auch egal.

Überhaupt, mir ist wie jeden Samstag gerade alles egal und ich habe schon wieder vergessen, was Freitag eigentlich war; man ist so wie im Nebel: Weder erinnert man sich, was die Tage vorher war, noch, was demnächst anliegt. Ich bin heute kaum aus dem Bett gekommen und es gibt noch so viel, was ich heute erledigen wollte/müsste.

Mit meinem Bruder muss ich mich auch noch beschäftigen. Ich weiß nicht, welche Sentimentalität mich geritten hat vor Kurzem, dass ich mich von ihm habe überreden lassen, heute mit ihm was zu zocken online. … Wenn wir wirklich zocken würden, wäre das auch ok. Früher war das sogar lustig. Nur interessiert ihn das Zocken inzwischen weniger, er sucht jemanden, den er zutexten kann. Am Ende habe ich nach sowas immer Kopfschmerzen gehabt und war genervt/erschlagen/platt während er sich gefreut hat und das bald wiederholen wollte, während ich lieber vom nächsten Hochhaus gesprungen wäre, weil ich mich so tot gefühlt habe innerlich. Dabei ging es mir jeweils vor dem Kontakt mit ihm gut.

Morgen besuchen mich unsere Eltern. Das ist an sich nett, bloß gehen wir essen. Und das, obwohl ich derzeit in einen recht angenehmen appetit- und weitgehend hungerlosen Zustand gerutscht bin die letzten Tage. Zwar habe ich natürlich trotzdem etwas gegessen, auch durchaus darunter Eis und Schokolade, nur eben insgesamt nicht so viel. Das hat auch die Waage honoriert: 54,4 kg heute, obwohl das Gewicht die letzten Tage immer zwischen 55,2 und 54,9 kg schwankte und sich dort hartnäckig hielt.

Ich sollte mich aber nicht zu früh freuen, weil mein Körper sich sicher demnächst wieder unnötig viel Wasser ziehen wird. Freue mich jetzt schon total, nicht. Das Essengehen morgen bedeutet neue Wassereinlagerungen.

Mein Gesicht war auch heute mittag nach dem Aufstehen wieder so verquollen, v. a. die Augenlider. Wie soll das erst morgen werden?! … Ich hasse es so. Immer, wenn ich gewichtsmäßig kleine Fortschritte mache, ist irgendwas (Weihnachten, Besuche etc.), so dass ich wieder bei 0 anfange oder das Gewicht noch höher ist danach. Vielleicht sollte ich mich morgen einfach hinterher nochmal übergeben, dann lassen sich die Wassereinlagerungen durch das salzige Essen wenigstens abmildern und ich muss nicht mit so einem unangenehmen Körpergefühl in die neue Arbeitswoche starten.

Positiv:
Ich habe endlich einen Termin zur Blutentnahme bei meinem (etwas weiter entfernten) Hausarzt Ende Januar und bzgl. des dafür erforderlichen Urlaubstages die Vertretung mit meinem Kollegen geklärt. Jetzt muss ich den Urlaubsantrag nur noch bei meinem einen Chef abgeben, von dem unterschrieben zurückbekommen – mit irgendwelchen nicht böse gemeinten, aber für mich doofen Kommentaren- und sodann bei der Zentrale abgeben, damit die das einträgt. Und die Frau von der Zentrale ist zwar durchaus ok, aber hat immer eine wahnsinnig gestresste Ausstrahlung und jammert einen gerne etwas zu. Diplomatisch, wie ich bin, konnte ich das bisher gut händeln, aber es gibt Momente, in denen sie mich (und die anderen noch mehr) damit nervt.

Boah, wie ich das immer liebe … am liebsten würde ich nie Urlaub nehmen, weil ich das ganze Heckmeck für die Urlaubsbewilligung im Vorfeld immer so anstrengend finde, auch wenn es im Nachhinein gar nicht soo schlimm gewesen ist.

Am liebsten würde ich mich wieder hinlegen und Raum & Zeit vergessen.

Update: Letzten Freitag, den 17.01.2020 habe ich den Urlaubsantrag zum Glück morgens einfach unterschrieben auf meinem Arbeitsplatz gefunden. Selbst die Dame von der Zentrale war gerade nicht an ihrem Platz, als ich den Antrag anschließend dort abgegeben habe bzw. auf ihren Schreibtisch gelegt habe. Und als ich letzten Montag den Antrag beim Chef eingereicht hatte, hat der gar keinen seiner sonst beliebten (wie gesagt nicht ernsthaft böse gemeinten) Kommentare gemach. Ok, lag evtl. daran, dass es nur ein Urlaubstag ist. War doch eigentlich gar nicht so schwer…. Ich sollte nicht immer so pessimistisch sein.

Es lebe die Biologie

Gestern habe ich ausnahmsweise nach dem späten Aufstehen nichts gegessen und (erneut) festgestellt, dass ich zu körperlichen Verrichtungen viel motivierter werde, wenn ich länger nichts esse. Kurz: Ich bekomme plötzlich nach mehreren Stunden Nichtsessens Antrieb. Am effektivsten, wenn ich gleich den Tag mit Nichtsessen bis abends beginne.

Dieser biologische Effekt ist mir zwar längst bekannt, allerdings etwas in Vergessenheit geraten. Ein bisschen bin ich auch davor zurückgeschreckt, weil es für mich persönlich mit ein Inbegriff der positiv-suchtartigen Erfahrungen während der Essstörung war. Dort natürlich noch mal intensiver aufgrund Dauerhungerns. Ich habe dann auch nach einer Weile eine stärker werdende Abneigung dagegen, überhaupt etwas zu essen. Die Hürde wird umso höher, doch etwas zu essen, je länger das Nichtessen anhält. Auch ohne Essstörung; es dürfte irgendwie biologisch erklärbar sein.
(Anmerkung: Den Tag über nichts zu essen und erst abends etwas ohne akribisches Kalorienzählen, aber keine Unmengen, würde ich nicht als Hungern bezeichnen, auch nicht als Fasten, wie es zuletzt als Trend gepriesen wurde.)

Wie auch immer, ich werde mir diesen vorgeschriebenen Effekt ab sofort gezielt moderat zu Nutze machen, um meine ansonsten vorherrschende Antriebslosigkeit zu bekämpfen. Abnehmen und Essen mehr zu wertschätzen, wären als Nebeneffekte auch sehr willkommen. Quasi mehrere Fliegen mit einer Klappe.

Ich werde das ab sofort an den Wochenenden machen, erst ab ca. 8 Uhr die anstehenden Aufgaben erledigen, u. a. auch immer je einen Raum putzen etc. und Essen gibt es erst nachmittags bzw. wenn die Aufgaben erledigt sind.

Unter der Woche werde ich nichts ändern, da frühstücke ich auf dem Arbeitsweg eine Banane oder einen Früchteriegel oder eine belegte Brothälfte. Für die anstehende geistige Arbeit, bei ständiger Ansprechbarkeit & Aufnahmebereitschaft, parallel zur eigentlichen Kernarbeit, ist das so besser.

Dezentes Miniaturfasten am Tag verhilft zu mehr körperlichem Antrieb, aber bereichert nicht die höheren kognitiven Fähigkeiten. Letztere brauche ich aber bei der Arbeit (beim Putzen, Um- und Aufräumen etc. dagegen nicht; auch zum Zocken und Chillen ist der dezente Trancezustand ideal).

Silvester wird gechillt, vorhin gab es Raclette mit meinen Eltern. Putzen und Aufräumen hat Dank des gestrigen erst spät Essens endlich geklappt. Auf 2020.

Frohe Weihnachten

Es ist keine frohe Weihnacht, so wie jede Begegnung mit meinem Bruder im besten Fall nur unerfreulich ist. Sein Verhalten seit seiner Kindheit würde ich als cholerisch-narzisstisch und hochverletzbar sowie extrem leicht kränkbar beschreiben.

Er tickt auch heutzutage regelmäßig aus, wenn man ihm nicht in allem zustimmt (egal, ob er gerade behauptet, dass die gelbe Wand schwarz wäre und wie dämlich man sei, das nicht zu sehen etc.) und sein Sozialverhalten ist inzwischen seit ein paar Jahren auch außerhalb unserer Familie gelinde gesagt sehr verhaltensauffällig; ganz böse gesagt geben sich Menschen, die ihre Sinne halbwegs beisammen haben, mit ihm gar nicht mehr ab.

Zu seinen halbwegs guten Zeiten konnte er sehr (oberflächlich) charmant gegenüber Dritten sein und andere mitreißen mit seiner Euphorie (auf Feiern z.B.). Das konnte aber jederzeit kippen und mein Bruder verachtet insgeheim so ziemlich jeden und pflegt ohne Not einen ständigen Konkurrenzkampf mit anderen, selbst wenn sich das alles nur in seinem Kopf abspielt.

Er merkt es auch inzwischen gar nicht mehr, wie weit weg sein Verhalten von dem ist, was in unserer Gesellschaft als normal gilt, und wie befremdlich bis verstörend dies auf Dritte wirkt, gerade wenn er seine üblichen Monologe hält (für ihn ist das ein Gespräch mit dem anderen, Dialoge in dem Sinne kann er tatsächlich gar nicht mehr führen, so mein Eindruck).

Was er wiederum merkt ist, dass er sich einsam fühlt und keinen Vertrauten hat. Ganz früher hat er mich paradoxerweise in diese Rolle zu zwingen versucht, bis ich mich dem nach und nach zum Glück entzogen habe. Allerdings versucht er das bis heute immer wieder, sehr penetrant zum Teil.
Es war immer schon schräg, wenn er mich wenige Stunden vorher noch massiv verbal bis tätlich angegriffen hatte und mir danach zu allem Überfluss noch seinen sämtlichen Seelenballast vor die Füße gelegt und mein Mitgefühl eingefordert hat. Ich war dummerweise generell sensibel-empathisch drauf als Kind, viel zu mitfühlend – meine Achillesferse-, und am Ende tat er mir noch Leid (sein subjektives Leid war ja echt; er war früh innerlich unglücklich, hat sich abgelehnt/ungeliebt und ungerecht behandelt gefühlt, obwohl dem weder von meiner Seite, noch von Seiten unserer Eltern so war).

Irgendwann ist er als Jugendlicher auf den Tripp gekommen, dass Frauen an all seinem Unglück und Misserfolg schuld wären, es denen generell zu gut gehen würde, und insbesondere unsere Mutter schuld an seinen Problemen sei.
Wer das Familienleben hier mitbekommen hat, weiß, wie verdreht diese Sichtweise ist, aber in seinen Augen ist das DIE WAHRHEIT. (Sonst müsste er sich ja auch eingestehen, dass er sein Leben selbst teilweise vor die Wand gefahren hat und sowohl Gestalter der Gegenwart, als auch seiner Zukunft ist).

Was er insbesondere unserer Mutter nahezu hasserfüllt schon alles für Beleidigungen und Vorwürfe (oft völlig frei konstruiert) an den Kopf geworfen hat, überschreitet das zwischenmenschlich hinnehmbare Maß. Zumal er ihr Handlungen vorgeworfen hat, die er selbst (nicht sie) begangen hat … so falsch kann man sich eigentlich gar nicht erinnern, aber er scheint das wirklich zu glauben in dem Moment.

Geldschulden im dreistelligen Bereich hat er auch, sowohl bei unseren Eltern, als auch bei mir. Einen anderen ebenfalls dreistelligen Geldbetrag von mir hat er nachweislich unterschlagen und dies mit seinen üblichen Schreianfällen, gepaart mit aggressiven Auftreten und Drohungen in meine Richtung, abgestritten.

All dies ist aber noch das geringste Problem mit ihm. Das Geld ist mir egal, auch die Unterschlagung kratzt mich nicht, da Geld ersetzbar ist; anderes Eigentum von mir, an dem ich hing und das unersetzbar war, hat er absichtlich zerstört.
Das Aufwachsen unter einem Dach mit ihm war schlimm; ein friedliches Familienleben war kaum möglich und jederzeit von seinen Stimmungsschwankungen, Eifersüchteleien und Ausrastern bedroht, die meistens mir (später auch oft unserer Mutter, am Ende mit unserem Vater allen Dreien) galten, da er schon als Kleinkind extrem eifersüchtig war und es nicht ertragen hat, wenn er mal kurz nicht im allgemeinen Mittelpunkt stand. Das ist später nicht besser geworden, trotz aller Grenzsetzungen, sowohl von Seiten unserer Eltern, als auch von meiner Seite aus.

Unsere Eltern hat er verbal angegriffen, mich bis in die Pubertät hinein regelmäßig auch körperlich, zwar habe ich mich gewehrt, aber spätestens wenn er zu unterliegen drohte, wurde er skrupellos, hat mir einmal auch in so einer Situation die Nase mit einem gezielten Kopfstoß ins Gesicht gebrochen, mich hinterher direkt bedroht sowie einzuschüchtern und mir einzureden versucht, dass ich und meine allzu nachgiebige Nase schuld wären, damit ich nicht zu unseren Eltern gehe. Ein anderes Mal bin ich ohnmächtig geworden – ob er mich gewürgt hatte dabei (hatte er schon mal gemacht), weiß ich nicht mehr, weil mir dazu schon alsbald danach Teile der Erinnerung gefehlt haben. Als ich wieder zu mir kam, hat er mir einzureden versucht, dass ich an Epilepsie leiden würde, einen Krampfanfall erlitten hätte und deshalb ohnmächtig geworden wäre – komplett erlogen von ihm, aber um kreative und absolut überzeugt vorgetragene Ausreden war er nie verlegen. Natürlich wurde ich von ihm prompt beschimpft, als ich die Epilepsie-„Erklärung“ verneinte; ich wäre lieber ohnmächtig geblieben damals.

Als ich anorektisch war und gerade auf dem Wege einer gewissen Besserung mit dem Essen, lauerte er mir in der Küche auf und versuchte mir grinsend gewaltsam ein Marmeladentoastbrot in den Mund zu stopfen. Das Ganze endete auf dem Küchenboden, meine Mundwinkel waren blutig und mein Gesicht sowie die Zähne mit Marmeladentoastbrotresten verschmiert. Gegenüber unseren Eltern behauptete er danach, er habe sich sooo Sorgen um mich gemacht und ich hätte in der Küche verkündet, dass ich heute nichts essen werde (das stimmte alles nicht und war komplett erlogen). Ich muss nicht sagen, dass sich die Besserung mit dem Essen danach ins Gegenteil verkehrte und ich mich selten so gedemütigt gefühlt habe. Zumal ich mir von unseren erfolgreich manipulierten Eltern noch Vorwürfe anhören musste – dass er mir das Toastbrot in den Mund zu stopfen versucht hatte, haben sie mir nicht geglaubt und für eine essgestörtentypische Ausrede gehalten, um nicht essen zu müssen.

Es gab noch weitere Sachen, die mir in Erinnerung geblieben sind, die aber nichts für die Öffentlichkeit sind. Manches hatte ich komplett vergessen, obwohl es einschneidende Erlebnisse waren; just kurz vor meinen Examensprüfungen setzte nach und nach die Erinnerung wieder ein – gutes Timing! Außerdem hätte es ruhig vergessen bleiben können.

Auf der anderen Seite hat er mich gerade als wir Kinder waren, oft zu manipulieren und gewissermaßen als eine Art untergeordneten Komplizen einzuspannen versucht, was eine falsche Nähe suggerierte und mich als Kind glauben ließ, es gäbe einen guten Kern in ihm, auf den man aufbauen könnte.
Oft hatten diese Komplizen-Aktionen mit ihm aber irgendeinen verborgenen Haken für mich oder er hat mich hinterher in irgendeiner Weise gelinkt; ihm war auch wichtig, einen Keil zwischen unsere Eltern und mir zu treiben. Unseren Eltern hat er wiederum gezielt durchaus nicht unplausibel klingende Lügen über mich erzählt, und dies grinsend unter vier Augen eingeräumt mir gegenüber, ohne jeden Funken Reue.

Unser Verhältnis, sofern man das überhaupt noch so nennen kann, ist inzwischen weitgehend zerstört. Mir geht es so viel besser, seitdem ich nur noch den unvermeidlichen Kontakt mit ihm habe.
Auch unsere Eltern sind gesundheitlich sehr durch ihn belastet.

Mich interessiert inzwischen nicht mehr, warum er so geworden ist. Außenstehende würden reflexhaft eh darauf tippen, dass die bösen Eltern schuld seien, am schlimmsten Schuld hat vermutlich die Mutter, die das Kind zu wenig geliebt habe oder so … . Mit guter Erziehung gerate vermeintlich jedes Kind gesund und zu einem sozialverträglichen, empathischen Erwachsenen, so wird es selbst von manchen Experten indirekt vermittelt.
Es macht daher erfahrungsgemäß überhaupt keinen Sinn, mit Außenstehenden darüber zu reden; sie verstehen es nicht und machen sich die Erklärung einfach.

Wenn ich davon lese, dass Geschwisterrivalität und Raufereien sowie die Eifersucht des Erstgeborenen auf das jüngere Geschwister normal seien, ist das wie ein verzerrter Abklatsch aus einer ähnlich klingenden, jedoch völlig anderen Welt.

Mein langjähriger Kumpel, dem ich mit am meisten vertraue, weiß, dass mein Bruder „etwas speziell“ ist. Das reicht, dass er dessen gegenwärtiges Verhalten, welches mein Kumpel auszugsweise mitbekommen hatte, einordnen konnte, aber eigentlich hat mein Kumpel keine Ahnung; das möchte ich auch nicht anders. Ich will nicht, dass mein Bruder meine Sozialkontakte tangiert. Vom Gefühl her habe ich keinen Bruder.

„A-sozial“

Wenn man unerwartet ein Geschenk in seinem Briefkasten findet und denkt: „Och nö, bitte nicht, muss das sein?!“, hat man entweder Geburtstag oder es steht mal wieder Weihnachten vor der Tür.

Das Geschenkt ist von einem langjährigen guten Freund und eigentlich total nett von ihm ausgesucht, wie so oft bei verschiedenen Anlässen.
Nach der ersten Abwehr überwog das innere schlechte Gewissen, denn abgesehen von meiner spontanen überwältigenden „Freude“ angesichts des Geschenks, ist es mir nicht einmal für eine Sekunde in den Sinn gekommen, ihm ein Präsent zu schicken (und vernachlässigt habe ich den Kontakt in diesem Jahr eh). Das schlechte Gewissen nagt ein bisschen an mir … .

Zum Glück handhabt es wenigstens meine erfreulicherweise gottlose, ketzerische Familie bzgl. Geschenke sehr entspannt; der Grundsatz ist, dass wir uns nichts schenken, andererseits – und das muss man als Außenstehender nicht verstehen, ich verstehe es nicht mal als Insider so richtig – schenken wir uns dann trotzdem oft etwas (es ist nur eben keine Pflicht).

Letztes Jahr habe ich z. B. ein paar sinnvolle Geschenke gefunden, dieses Jahr nicht.

Urlaubsende – Fazit

Toll, mein Urlaub ist vorbei, in ein paar Stunden geht es wieder los. Wenn ich an all die offenen Arbeiten auf meinem Schreibtisch denke, wird mir anders. Bevor ich meinen Urlaub angetreten habe, war viel zu tun und nach dem Urlaub ist es nochmals schlimmer. Vor allem bin ich insgesamt nicht so weit gekommen vor dem Urlaub, wie gehofft und trotz Überstunden.

Besonders belastend finde ich drei Arbeiten, zu denen ich beim besten Willen nicht gekommen bin, die aber nicht nur gefühlt längst hätten erledigt sein sollen, auch wenn sich bislang zum Glück noch niemand offiziell bei meinen Chefs oder mir beschwert hat. Trotzdem nagt das an meiner Seele.

Ich ziehe mal ein Fazit meines Urlaubs:

  • Sport habe ich genau einmal gemacht, das restliche Training ist wegen *keine Lust oder Terminskollisionen ausgefallen. Laufen war ich genau einmal, siehe den letzten Beitrag.
  • Mein Gewicht ist beschissener, als vorher
  • mein Tag-Nacht-Rhythmus ist hinüber
  • gezockt habe ich genau zweimal, die meiste Zeit habe ich verschlafen – ich hasse es
  • in meinem Haushalt habe ich nichts von den vorgenommen Aufgaben erledigt
  • ich war drei Tage in der Mitte meines Urlaubs bei meinen Eltern – das ist keine verlorene Zeit, aber ich habe nun meine letzten beiden Urlaubstage damit verbracht, hier in meinen eigenen vier Wänden mich erst wieder „einzupendeln“/“zu mir zu kommen“, bin damit nicht fertig und heute geht es wieder los mit der Arbeitsbelastung. Ich bin ein Gewohnheitsmensch und konnte mich durch das ganze Pendeln zwischen verschiedenen Orten gefühlt hier noch nicht richtig in einen eigenen Rhythmus einleben, es fehlt immer an Freizeit. Die Besuche bei meinen Eltern hatten zwar idR organisatorische Gründe und waren insofern auch nicht zu meinem Nachteil, gefühlt hat mich das aber zurückgeworfen, objektiv betrachtet bekomme ich auch nach mehreren freien Tagen mein Leben nicht zufriedenstellend auf die Reihe – ich bin so phlegmatisch.
  • nächstes WE wollte ich absolut nicht schon wieder zu meinen Eltern, aber jetzt ist das aufgrund veränderter Umstände doch erforderlich. Es ist zum …
  • Und das übernächste WE muss ich eh auch zu ihnen, weil dort das blöde Vorweihnachtstreffen mit Patentante etc. stattfindet. An sich wäre das auch ok, wenn mein Gewicht und alles nicht so doof wäre. Ich möchte mal endlich hier zu Ruhe kommen können, mein Gewicht in den Griff bekommen ohne ständig irgendwo essen gehen zu müssen/bekocht zu werden etc. und endlich mal regelmäßig zum Sport kommen. Und danach ist ja schon wieder Weihnachten, wo ich erst vorher Essengehen muss von der Arbeit aus und die Weihnachtsfeiertage ist auch Besuch bei den Eltern angesagt. Unter der Woche bin ich 90% der Zeit bei der Arbeit, und so habe ich nicht einmal das kostbare WE für mich.
    Oh man … Fremdbestimmung pur also die nächsten Wochen.

Zu Besuch bei den Eltern

Die letzten drei Tage war ich zu Besuch bei meinen Eltern. An sich bin ich gerne bei ihnen und den beiden Katzen. Nur meine Gewichtszunahme bzw. die gegenwärtige Neigung meines dysfunktionalen Körpers, chronisch Wasser einzulagern, verleidet mir den Aufenthalt seit einer Weile ein bisschen.

Wenn man selbst dann Wasser einlagert und nicht wieder verliert, wenn man sich salz- und kohlenhydratarm ernährt, kann sich jeder denken, wie das erst ist, wenn man sich salzig und kohlenhydratreich bei den Eltern ernährt.

Na ja, ich hoffe ja, dass sich mein Körper wieder einrenkt und das etwas rätselhafte Problem mit den Wassereinlagerungen bzw. der sukzessiven Gewichtszunahme der letzten Monate auch wieder verschwindet.

Mal sehen, ob sich das nicht wenigstens mit wenig essen und viel Sport in den Griff bekommen lässt. Wenn es sich irgendwie verhindern lässt, möchte ich nicht zu den Hashimoto-Patienten gehören, die 7, 10, 20 kg usw. zunehmen im Verlauf ihrer Erkrankung.

Auch abgesehen von den Gewichtsproblemen bin ich ca. nach einem Tag bei meinen Eltern immer sehr stark hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, wieder in meinen eigenen vier Wänden zu sein und meinen Hobbys zu frönen, und der Freude (?), Zeit mit meinen Eltern und den Katzen verbringen zu können. Man weiß ja auch nicht, wie viel gemeinsame Zeit einem noch verbleibt. Ich verdränge immer, dass sowohl meine Eltern, als auch die Katzen wahrscheinlich vor mir sterben werden.

Eigentlich macht mich die gemeinsame Zeit so gesehen traurig, ebenso, dass ich gleichwohl seit jeher im Zusammenleben mit Mitmenschen eher früher als später das starke Bedürfnis habe, endlich wieder alleine und mein eigener Herr sein zu können.

Für mich wäre es daher unvorstellbar, in einer Partnerschaft zu leben und jemand anderen derart verpflichtet zu sein bzw. jemanden derart viel gemeinsame Zeit zu schulden. Am liebsten ist mir, alle paar Monate mal Freunde zu treffen, aber bitte nicht länger als maximal einen Tag.