Sonniger Samstag

Der heutige Samstag war weitgehend schön. Endlich wärmere Temperaturen und viel Sonnenschein. Bis mittags hatte ich auch ausgeschlafen, da ich erst morgens gegen 6 Uhr ins Bett gegangen bin. Schuld daran war der fesselnde Online-Modus von Red Dead Redemption 2, den ich erstmalig begeistert ausprobiert hatte. Das Spiel ist sowohl im Singleplayer-, als auch im Multiplayer super.

Erfreulicherweise war ich ausnahmsweise hochmotiviert und habe ein paar bislang liegengebliebene Aufgaben erledigt. Danach gab es selbstgemachte „Kräuterkartoffeln“ mit ebenfalls selbstgemachten Kräuterquark. Die Zubereitung ist denkbar einfach und die Kartoffeln schmecken mir noch besser, als die Fertigvariante aus dem Tiefkühlfach (die auch nicht schlecht ist):
Kartoffeln kochen, in Scheiben oder „Stifte“ schneiden und in eine Marinade aus Kräutern (frischer Schnittlauch, Rosmarin, Thymian, etwas Chiliflocken) + geschmolzene Kräuterbutter + Olivenöl einlegen. Ganz ähnlich beim Quark, nur dass ich für den Pfeffer, etwas Zucker und Limettensaft + geschmolzene Knoblauchbutter + die anderen Kräuter genommen habe. Die marinierten Kartoffeln kommen anschließend noch eine Weile in den Backofen, bis sie knusprig-braun sind.

Das Ganze hatte ich spontan „frei Schnauze“ gemacht, insbesondere bzgl. der Dosierung der Kräuter etc., und war insofern erleichtert, dass es am Ende erstaunlich gut geschmeckt hat.

Später am Tag, gegen Abend, bin ich tatsächlich Laufen gegangen. Spaß gemacht haben die Trittübungen an einer beschaulichen Stelle im Wald; ich bin mal gespannt, wie das wird, wenn das Kampfsporttraining irgendwann in drei Monaten oder so wieder anfängt. Nur teilweise Spaß gemacht hat das Laufen selbst, weil mir währenddessen übel war. Deshalb ist es auch eher eine Mischung aus Laufen und Spazierengehen geworden.

Nach dem Laufen musste ich mich etwas beeilen mit Duschen etc., um noch schnell einkaufen gehen zu können. Auch nach dem Einkaufen war mir noch übel. Meiner Galle hat mein Mittagessen offensichtlich nicht gepasst.

Leider habe ich eine etwas überempfindliche Galle, die manchmal „angefressen“ reagiert. Mediziner nennen das Gallenwegsdyskinesie. Die genetische Disposition habe ich von meiner Mutter, die das gleiche Problem mit ihrer Galle hat.
Meistens habe ich keine akuten Probleme damit, außer einmal im letzten Sommer sehr stark, so dass ich eine Weile kaum etwas vertragen habe ohne quasi gleich wieder Gallenkoliken zu bekommen. Meistens äußert sich diese Überempfindlichkeit aber nur vereinzelt und in milder Form, so wie heute.

Zum Glück hilft mir ein Medikament recht gut dagegen, das ähnlich wie Gallenflüssigkeit schmeckt. Aber bekanntlich schmecken die wirksamsten Medikamente ja besonders scheußlich.^^
(kleiner Scherz! )

Wochenrückblick:
Mittwochabend hatte ich mich noch mal übergeben, natürlich wieder mit Nasenbluten. Mir war da schon nach dem insoweit normalen Abendessen latent übel, weil ich versehentlich ranziges Kürbiskernöl verwendet hatte. Das Weingummi, das ich danach gegessen habe, war grundsätzlich keine schlechte Idee, da das irgendwie magenberuhigend wirkt und gegen die Übelkeit hilft. Allerdings gilt das natürlich nicht, wenn man dann so wie ich aus einer „Scheißegal-Laune“ heraus spontan viel zu viel davon isst, bis einem von dem ganzen Weingummi erst recht schlecht ist. … Wie auch immer, nach dem Übergeben ging es mir immerhin deutlich besser.

Der Donnerstag und der Freitag sind dagegen soweit recht gut verlaufen, auch wenn ich an beiden Tagen abends nach der Arbeit weder Sport, noch einen Spaziergang gemacht habe. Am Donnerstag hatte ich mir -einer spontanen Laune folgend- für die Mittagspause drei Brötchen, zwei Schokobrötchen und so einen teilweise schokolierten Osterhasen mitgebracht, der aus dem gleichen Teig war, wie diese „Amerikaner“, die man in Bäckereien kaufen kann. Die Schokobrötchen und der Osterhase sind zu meinem Mittagessen geworden, die Brötchen gab es abends mit Käse bzw. Rübenkraut/Zuckerrübensirup.

Keine Ahnung, warum eigentlich Rübenkraut; das mag ich zwar, aber eigentlich esse ich das höchst selten (und eigentlich meistens nur zu Reibeplätzchen, die ich noch seltener esse). Genauso auch mit so Sachen wie den Schokobrötchen oder gar dem Osterhasen(teig).
Vielleicht werde ich mir zukünftig häufiger diese „Amerikaner“ kaufen; der Geschmack und die Konsistenz von dem Teig ist echt lecker. Ansonsten sind mir die meisten Sachen vom Bäcker tendenziell zu süß und klebrig; gerade wenn da so viel Zuckerguss drauf ist; auch die Sachen mit Sahne vertrage ich nur bedingt; je nachdem wird mir davon übel – das war bei mir immer schon so. Eigentlich schade, denn z.B. die Puddingplätzchen wären ohne den Zuckerguss ziemlich gut.

Freitag hatte ich nicht wirklich Hunger und heute auch nicht (heute vermutlich vor allem wegen der Gallensache bzw. der latenten Übelkeit). Gewichtstechnisch hat sich der Donnerstag offenbar bis zum Samstag wieder ausgeglichen. Das Gewicht ist zwar nach wie vor für meinen Geschmack etwas zu hoch und ein bisschen Wassereinlagerungen habe ich nach wie vor, aber ich hätte wirklich Schlimmeres erwartet. Zumal nach dem Übergeben an zwei Tagen hintereinander, der ungünstigen Zyklusphase und den ganzen leeren Kohlenhydraten (<= binden Wasser im Körper) vom Donnerstag hätte ich mit mehr Gewicht bzw. stärkeren Wassereinlagerungen gerechnet. Sollte sich der Wasserhaushalt meines Körpers etwa allmählich wieder normalisieren? … Auf jeden Fall bekommt mir die weitgehende, wenngleich nicht strikte Süßigkeitenabstinenz gut. Auch das Laufen heute war eine gute Idee.

Blutzoll

Ich hoffe das bekommt niemand in den falschen Hals. Es hat auch nichts mit dem Virus zu tun, also keine Sorge. Wer sich schnell ekelt oder gerade isst, sollte besser wegklicken.

Es fing gestern mit dem ersten unschuldigen roten Tropfen an, der plötzlich vor mir auf die Keramik platschte, als ich mich gerade übergab. Ich habe ja schon viel erlebt beim Übergeben, inklusive Beinahe-Ersticken, aber Nasenbluten habe ich davon bislang noch nie bekommen. Nicht einmal in früheren exzessiven Zeiten, in denen es mich beim besten Willen nicht gewundert hätte.

Das gestern hat mich gewundert, weil es für mich nicht wirklich plausibel war. Erbrechen tue ich mich über die letzten Wochen betrachtet etwa 2-3/Monat, mit eher sinkender Tendenz und na ja einfach insgesamt vom Ausmaß her abnehmend; es würde mich nicht wundern, wenn es sich bald wieder final erledigt hat für die nächsten Jahre oder so. Allerdings mag ich mir in der Hinsicht nichts bestimmtes vornehmen, weil ich im Moment zwar Nichtübergeben insgesamt besser finde und das Bedürfnis danach eher gering ist, ich mich aber nicht so 100%ig überzeugt für die Option entscheiden kann, es einfach komplett sein zu lassen.

Außerdem übergebe ich mich je nachdem im Zweifel auch trotz eines gering ausgeprägten Bedürfnisses danach, oder andersherum übergebe ich mich trotz situativ etwas größeren Wunsches danach trotzdem nicht, ohne dass es mir schwerfallen würde. Erklären kann ich das nicht.

Manchmal beschleicht mich eh der Verdacht, dass mein Handeln, Denken und Empfinden generell öfters auseinanderfallen => Ich handel anders, als ich fühle und denke; und ich fühle anders, als ich handel und denke etc..

Immerhin hat das Nasenbluten gestern so schnell wieder aufgehört, wie es angefangen hat. Heute abend habe ich nach dem Abendessen ein paar bislang aufgeschobene Dinge erledigt. Später wieder in Ruhe habe ich erneut Nasenbluten bekommen. … Eigentlich bin ich so der Mensch, der so gut wie nie Nasenbluten bekommt. Die Ursache war schnell gefunden: Mein Blutdruck war zwar noch normal-hoch, aber höher, als gewöhnlich. Vielleicht sollte ich doch mal ein paar chronische (hausgemachte) Stressfaktoren aus meinem Alltag entfernen? Andererseits ist mein Alltagsstress überschaubar, je nach Sichtweise habe ich gar keinen echten Stress bzw. Grund, mich gestresst zu fühlen.

Wer dagegen derzeit richtig Alltagsstress hat, mehr als sonst ohnehin schon, sind mein Hausarzt und dessen Mitarbeiter. Meine Mutter musste heute dorthin und nach dem, was sie von dort berichtet hat, tut mir mein Hausarzt leid. Nicht nur wegen des Massenandrangs gleich an seinem ersten Arbeitstag nach einer Woche Ferien (die ihm aus tiefstem Herzen gegönnt sind), sondern auch, weil er gewissermaßen wie andere aus der Medizinsparte tagtäglich direkt an den (potentiellen) Seuchenquellen sitzt, kümmerlich bewaffnet mit einem Mundschutz (der Rest in der Praxis trägt zusätzlich so eine Art Kunststoffschutz vorm Gesicht). Ich drücke ihm und seinen Angestellten die Daumen.

Btw: Meine Mutter hat eine vorgeschädigte Lunge, den medizinischen Fachbegriff kenne ich nicht, aber von den Symptomen her ist das ein wenig wie Asthma, wobei die akuten Anfälle u.a. durch kalte Luft, Zigarettenqualm usw. ausgelöst werden. Jedenfalls muss sie dann husten, bekommt schlecht Luft und braucht tatsächlich im Zweifel Asthmaspray, weil sich die Lunge wohl verkrampft. Da es heute morgen noch sehr kalt war, bekam sie leider just in der Praxis einen Hustenanfall. In diesen Zeiten ist man damit natürlich direkt ganz weit vorne … in der Liste der spontan im Raum meistgehassten Personen.^^ O-Ton: „Die Leute hätten mich fast gelyncht.“

Wenn ich mir überlege, wie die Leute auf mich zu Zeiten der Schweinegrippe reagiert haben, als ich just im Bus einen Schnupfenanfall bekommen habe (zu viel Histamin eben), glaube ich ihr sofort.

Business as usual

Eigentlich ist mein Arbeitsalltag wie immer, es ist nur deutlich leerer auf den Straßen morgens und abends auf dem Arbeitsweg. Ideal für einzelgängerische Menschen, die gerne Abstand zu anderen haben. Gefällt mir an sich gut und es vermittelt viel mehr Ruhe, als sonst (ich bin da sehr reizsensibel) – auch wenn der Grund natürlich unerfreulich ist.

Mal sehen, ob die Richterin den Termin aufheben wird. Verdenken könnte ich es ihr nicht. Die Richter können sich das jeweils selbst kraft ihrer richterlichen Unabhängigkeit überlegen. Immerhin verlangt hier niemand Mundschutz und Handschuhe für seine Verhandlungen; sähe bestimmt skurril aus – da reißen die Roben auch nichts mehr raus^^.
Andererseits würde ich die Angelegenheit gerne abschließen. Gut, dass wenigstens die anderen Verhandlungen soweit noch stattgefunden haben. Ich bin über alles froh, das erledigt ist und hinter das ich einen Haken setzen kann.

Am Freitag oder Samstag werde ich wie üblich einkaufen gehen; ich kaufe idR meine üblichen Sachen nach, sobald die sich leeren, und hole lieber mit einem Beutezug alles, was ich so die nächste Zeit brauche, als jeden 3. Tag oder jede Woche loszumüssen. Und das wohlgemerkt lange vor Corona. Allerdings käme es mir nicht in den Sinn, kiloweise Mehl etc. zu kaufen; sind eher haushaltsübliche Mengen oder weniger.

Ich bin mal gespannt, wie es hier inzwischen im Supermarkt aussieht; meine Eltern haben mir aus ihren Jagdgebieten dazu wenig Erbauliches berichtet. Aus irgendeinem Grund reißen sich die Leute ausgerechnet um Toilettenpapier und bestimmte Konserven (man erkennt die Ladenhüter nun gleich viel besser). Können die nicht stattdessen lieber mal sämtliche Süßigkeiten, ungesunde Backwaren und alles andere, das ich prinzipiell mag, aber besser nicht essen sollte, aufkaufen?

Bin eh mal gespannt, weil ich meiner älteren Nachbarin angeboten habe, für sie miteinkaufen zu gehen; sie wird mir einen Zettel schreiben. Ich habe keine Ahnung, was und wo sie üblicherweise so kauft, aber notfalls werde ich wohl verschiedene Supermärkte ansteuern müssen.

Sport mache ich derzeit nicht, die Hallen sind zu; wobei ich zumindest kommendes Wochenende Laufen gehen möchte. Abends nach der Arbeit schaffe ich das seit Monaten derzeit energietechnisch unter der Woche nicht. Das wird aber sicher besser im Sommer. Falls man da noch rausgehen darf. Und ich habe momentan viel um die Ohren, wobei der gesellschaftliche kollektive Shutdown wenigstens etwas entlastet. Das muss ich unbedingt so gut wie möglich nutzen.

Das Wochenende bei meinen Eltern war sehr angenehm, nur das Essen ist mir etwas viel geworden – ich esse durchaus gerne an einem Tag mehr, aber dann habe ich am Folgetag automatisch weniger und noch später Hunger.; das funktioniert aber nicht bei meinen Eltern, da die einen anderen Essensrhythmus haben, als ich. Samstag gab es mittags Lasagne mit Mozzarella + als Dessert Eierlikörkuchen, abends frische Brötchen mit Rindersalami und als Nachtisch Kokos-Mochi – die Dinger liebe ich.

Die zwei kleinen Aufbackcrossaints + Marmelade zum Frühstück am Sonntag waren auch noch ok, aber hätten nicht sein müssen => wenn ich meine Eltern besuche, frühstücke ich aus Gewohnheit und Höflichkeit mit ihnen, mit manchmal gemischten Gefühlen; mir ist morgens noch nicht nach Essen und ich würde lieber warten, bis ich wirklich Hunger hätte. Sonntagmittag gab es panierten Fisch mit Kartoffeln + Kräuterbutter und Salat, als Dessert wieder Eierlikörkuchen. Nichts gegen Kuchen generell, aber es wäre mir lieber gewesen, meine Mutter hätte meinen Besuch nicht zum Anlass genommen, diesen blöden Kuchen zu backen. Die Reste sollte ich mitnehmen.
Klar, ich hätte auch ablehnen können; ebenso beim Dessert. Zwingt mich ja niemand. Aber Jasagen war irgendwie einfacher, ebenso wie das hinterher Erbrechen wieder zurück in meinen eigenen vier Wänden. Das könnte auch daran gelegen haben, dass mir bereits nach dem Dessert minimal übel war, weil es einfach mit dem Kuchen dazu zuviel bzw. zu fettig und Essen zur falschen Uhrzeit gewesen ist; meine Galle und Leber sind da sehr empfindlich – ist genetisch bedingt.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich mich davor zuletzt übergeben habe, könnte so vor ca. 10 Tagen gewesen sein. Es ist eh wieder deutlich seltener, als in den einzelnen Phasen, die ich zwischendurch sporadisch hatte. Mir geht es insgesamt besser, seitdem ich fast keine Süßigkeiten mehr esse und den – größtenteils selbstproduzierten- Alltagsstress etwas reduzieren konnte (ist aber noch nicht im grünen Bereich).
Oder es liegt am hormonellen Zyklus? Dann kann es ja nicht mehr lange dauern, bis der Mist wieder von vorne anfängt. Scheiß PMS, scheiß überflüssige Körperfunktionen und Organe.

Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass ich im Moment auf keinem allzu schlechten Weg bin. Gestern und Heute war ich beim Aufwachen viel erholter, als sonst. Und das an Arbeitstagen! Um den Haushalt habe ich mich die Tage auch gekümmert (v.a. um die Wäsche), wobei da noch einiges zu tun ist – ich muss irgendwie mal die letzten Umzugskisten und anderen Kleinkram entrümpeln. Sehr gut gefallen mir nach wie vor der neue Kühlschrank und der Herd; das hat sich echt gelohnt.

Wer in virenverseuchten Zeiten noch Geschenke für seine Lieben sucht, bitte:
Süße Stofftiere

Ernährungstipps für die Quarantäne:
Einfach Knäckebrot oder Brötchen mit Camembert belegen und mit Wildpreiselbeergelee bestreichen, kurz in die Mikrowelle – und fertig. Eines meiner Lieblings(fertig)gerichte.

Das Ganze geht auch super mit Pizzakäse – ich bevorzuge da Mozzarella wegen des geringen Histamingehalts. Den Käse dann am besten mit Oregano, Basilikum, Thymian bestreuen und vorher etwas Ketchup auf das Knäckebrot geben, darauf dann den Käse und die Kräuter => Mikrowelle.
Man kann natürlich auch noch Thunfisch oder Schinken etc. dazutun. Quasi „Pizza“ für extrem kochfaule Menschen, wie ich es oft bin.

Ebenfalls sehr zu empfehlen: Tiefkühl-Gemüse in allen Variationen. Dazu Fisch (z.B. tiefgekühlt) oder Fleisch <- kann man auch gut in Mehl wälzen oder panieren. So äh „koche“ ich meistens – also eigentlich brate ich das Ganze letztlich in der Pfanne; dazu nach Geschmack Gewürze geben.

Allen hoffentlich gute Gesundheit – und wer nun frei hat: Viel Spaß! Ich wüsste da diverse Filme/Games, mit denen man die Zeit genießen könnte. ^^

Parentale Ernährung (PE)

Ja, das heißt wirklich so und meint, dass man Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate (in Form von Zuckerlösungen) per Infusion über einen Zentralen Venenkatheder (ZVK) bekommt.

Für Menschen die Zugänge z.B. beim Blutabnehmen so sehr mögen wie ich, also die verkappten Spritzenphobiker unter uns: Der ZVK kommt in die Halsvene.

Bei mir sah das so aus:

Was mir dieses zweifelhafte Erlebnis verschafft hat?

Nein, keine Essstörung. Zu dem Zeitpunkt war ich seit ca. 5 Jahren komplett essstörungsfrei. Und mit komplett meine ich komplett, wenngleich es immer „nette Mitmenschen“ gibt, die eine Essstörung für eine Gewichtserkrankung halten und der Ansicht sind, dass man weiterhin essgestört/anorektisch sei, wenn man nach wie vor sehr schlank bzw. sogar leicht untergewichtig ist (trotz normaler Ernährung und Bewegung). Dabei ist es primär das Denken und Empfinden, das den Unterschied zwischen gesund und essgestört ausmacht.

Den ZVK und die PE hatte ich meinem Blinddarm, präziser gesagt meiner Appendix an selbigem zu verdanken.

Eines schönen Sonntags im Herbst war mir bereits morgens komisch zumute, so als ob man krank wird, und das Frühstück samt selbstgebrautem Saft, den mein Besuch mitgebracht hatte, ekelte mich komischerweise an. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, es sei irgendwie „psychogen“ und eigentlich ein gewisser Selbst- wie Fremdekel gegenüber meinem Gast (lange Geschichte!), der sich zum Glück bald darauf verabschiedete.

War aber nicht die Psyche. Der Spuk hielt bis Dienstags an: Ich hatte absolut null Appetit, Widerwillen gegen die meisten Speisen, war müde und schwitzte nachts. Arglos ging ich von einem harmlosen Infekt aus, den ich mir bestimmt bei meinem Besuch eingefangen hätte. Komisch war nur, dass meine Augenlider total zugeschwollen waren. Körpertemperatur: unter 37 Grad.

Dienstagabends ging es mir wieder besser, und da mir Sport oft bei kleineren gesundheitlichen Beschwerden geholfen hat und ich mich wieder relativ fit fühlte, ging ich zum Taekwondo-Training. Im Training ging es entspannter zu, als sonst. Mir tat die Bewegung gut und in der Umkleidekabine erfuhr ich von den Karate-Frauen, dass derzeit Erkältungsmist im Umlauf sei. Da es mir weiterhin besser ging, hatte ich das Ganze damit schon innerlich abgehakt.

Ich schlief bis zum Mittag am Mittwoch, bildete mir ein, diese Nacht etwas weniger geschwitzt zu haben. Ist ja auch gut, wenn der Körper schwitzt, wenn er mit irgendwelchen Bazillen kämpft.

Endgültig wieder gesund wähnte ich mich, als ich sogar wieder Appetit hatte. Es gab Hähnchenfrikassee und ich erwähne es auch nur deshalb, weil sich mir noch Monate danach beim Anblick von Hähnchenfrikassee im Supermarkt der Magen umdrehte.

Es wurde spätnachmittags und mir war komisch zumute. Unschlüssig, vermutete ich, dass es von dem wenigen Essen kommen könnte, das ich die letzten Tage herunterbekommen hatte (im Wesentlichen Milchbrötchen). So aß ich den Sojajoghurt, den mein Gast mir überlassen hatte. Ein Fehler! … Gegen Abend ging es mir dreckig. Die geplante Online-Zockerrunde mit den anderen sagte ich ab und wälzte mich die nächsten Stunden im Bett herum, auf der Suche nach einer Position, in der mir nicht so abartig übel wäre. Vergebens.

Das Übergeben war ich so gar nicht mehr gewöhnt und ja irgendwie war es mir seinerzeit wichtig, mich nicht zu übergeben, glaubte ich doch mit diesem Thema für den Rest meines Lebens abgeschlossen zu haben.

Sich aufgrund einer organischen Erkrankung übergeben zu müssen, ist anders, als wenn man sich geplant absichtlich übergibt; eben kontrolliert im Rahmen einer Essstörung erbricht. Bei mir jedenfalls.
Um es kurz zu machen: Ich musste mich an jenem Mittwochabend zweimal übergeben, wobei mir ein Blutgefäß im Auge geplatzt ist.
(Später im Krankenhaus bin ich wiederholt auf mein „blutiges Auge“ angesprochen worden; sah aber nur schlimm aus.)

Nach dem Übergeben bin ich irgendwann eingeschlafen, zunehmend stärker schwitzend und mit einer Körpertemperatur von ca. 37,5 Grad. Überhaupt: Ich hatte die klassische Kombi aus Schwitzen und Frieren.

Nachdem ich Donnerstagmittag benommen aufgewacht bin, mich das x.-te Mal umgezogen habe, nur um darauf wieder zu schwitzen und zu frieren, habe ich mich schon ein bisschen gewundert, weil ich irgendwie auch ohne neuer Selbstversuche intuitiv wußte, dass ich gerade kein Essen vertragen würde. Ich habe es mit Saft versucht und das dann schnell nach zwei, drei kleinen Schlücken gelassen.

Magenschmerzen in dem Sinne hatte ich aber nicht! Dabei sollen das ja angeblich die typischen Symptome sein. Pah!

Körpertemperatur: 38,5 Grad. Telefonat mit meiner Mutter gegen 14/15 Uhr, um meinen Eltern fürs anstehende Wochenende abzusagen. Vorschlag meiner Mutter, dass ich doch die 2h-stündige Fahrt zu ihnen jetzt gleich machen solle, damit ich bei meinen Eltern freitagmorgens direkt zu meinem Hausarzt gehen könnte.
Ich war nicht so angetan von der Idee, da ich meinen Hausarzt wegen der „kleineren Magenverstimmung“ nun echt nicht belästigen wollte. „Einfach viel schlafen, das ganze Wochenende, den Körper „die Krankheit ausschwitzen lassen“ und fertig, am Montag bin ich wieder fit!“, so dachte ich.

Es wurde Nachmittags, irgendwie war ich in einem seltsamen geistigen Zustand. Im Nachhinein würde ich ja sagen, dass ich etwas „eingetrübt“ war, außerdem war ich komisch kurzatmig und bekam subjektiv gefühlt nicht ausreichend Luft, ohne echte Atemnot zu haben, dafür atmete ich schneller als sonst und hatte einen Puls von 100 in Ruhe statt wie üblich von 60/70. Aber da sich von den behandelnden Ärzten dafür später niemand interessiert hat, denke ich, dass das wohl nichts Besonderes war. (Lag bestimmt an den später festgestellten hohen Entzündungswerten.).

Solche Symptome kannte ich bislang allerdings nicht. Körpertemperatur: 39,3 Grad. Ich habe die nächsten Stunden damit verbracht, mein Geschirr zu spülen (von Hand), wofür ich ewig gebraucht habe, weil ich immer wieder Pausen machen musste; das Gleiche beim Packen meines Autos für das WE bei meinen Eltern. Damals lebte ich noch im 4. Stock und musste mehrmals hoch und runter, wobei ich kaum Luft bekommen, fast gehechelt und wie ein Schwein geschwitzt habe, obwohl mir das Treppensteigen sonst nie etwas ausgemacht hat.

Nassgeschwitzt ins Auto, Musik an und los. Im Kaff nicht mehr weit von meinem Elternhaus entfernt geblitzt und herausgewunken worden. Es war wenige Meter vor der Ortsausfahrt, wo man erst 50 km/h und ziemlich direkt dann 70 km/h fahren darf; seit einer Weile gab es dort noch für wenige Meter eine 30er-Zone, in der die meisten 40 km/h fahren; die „neue“ 30er-Zone war mir aber entgangen, weil ich noch gewöhnt war, dass dort durchgängig innerorts 50 km/h erlaubt wären. Die Frage des Polizisten habe ich dann auch komplett versemmelt:

„Wie schnell dürfen Sie hier fahren?“. „Ich nehme den 50:50-Joker.“
„… 50 km/h?!“ … „50 km/h?! Hier sind 30 km/h erlaubt!“, blaffte es mir entgegen. Danach folgten Fragen und Vorhaltungen, dass die „neu-alte“ 30er-Zone schon seit 4 Monaten eingerichtet sei; dazu fiel mir innerlich nur ein, dass ich meine Eltern doch ganz schön lange nicht mehr besucht hatte. Aufgrund meines Kennzeichens hielt mich der Polizeibeamte dummerweise für einheimisch. Er bekam sich gar nicht mehr ein, ich schwieg wohlweislich und gab mich vorsorglich schuldbewusst, obwohl mir alles so egal war, weil ich gerade ganz andere akute Probleme hatte. Das wollte ich aber besser nicht sagen; nicht dass er noch auf den Trip käme, ich sei fahruntüchtig.

So wie der Typ sich aufführte, musste ich wohl mindestens 60 km/h gefahren und in seinen Augen ein elender Raser sein, der kleine Kinder vor den hier nicht vorhandenen Schulen abends tot fuhr… aber es stellte sich heraus, dass ich nur sagenhafte 8 km/h zu schnell gewesen war. Zum Glück hatte ich aus Verpeiltheit die Innenbeleuchtung im Pkw nicht angemacht und es ist mir bis heute ein Rätsel, wie der Polizist übersehen konnte, dass ich geistig verpeilt und körperlich extrem verschwitzt war, mir lief der Schweiß so runter im Gesicht, trotz der Kälte, und meine Wohnorte habe ich auch bunt durcheinandergeworfen etc..
Ich hätte an seiner Stelle mit mir sämtliche Drogentests durchgeführt, aber dort herrschte Massenabzocke Hochbetrieb und so wollte er nach seiner Standpauke und dem üblichen Procedere nichts weiter von mir. Die kalte Luft, die durch das geöffnete Fenster hereinkam, ließ mich schwitzen und frieren. Ich wollte nur irgendwie zu meinen Eltern und dort ins Bett.

Endlich da. Meine Eltern handhaben Erkrankungen auch recht nüchtern, wenngleich nicht unherzlich. So gab mir meine Mutter ein Körnerkissen und ließ mich ansonsten auf dem Sofa wie auch später in Ruhe. Es war klar, dass ich morgens zum Arzt gehen würde. Inzwischen hatte ich eine komische Mischung aus Appetitlosigkeit mit Widerwille gegen Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr sowie ein diffuses Unwohlsein im Bauch, aber keine richtigen Schmerzen. Meinen Eltern konnte ich nicht recht begreiflich machen, dass mein Körper wirklich besser keine Nahrung haben wollte. Ich hätte es nicht mit etwas Konkretem begründen können, aber mein Körpergefühl hat mir das deutlich gesagt.
Dem elterlichen Drängen habe ich letztlich nachgegeben und eine kleine Portion Apfelmus gegessen. Keine gute Idee.

Ich fühlte mich nicht gut, aber gleichzeitig hatte ich die Sorge, dass mich mein Hausarzt auslachen würde, was ich denn wegen eines etwas verstimmten Körpers bei ihm wollen würde und dass ich mich aus seiner Sicht nur anstellen würde.

Nachts konnte ich nicht schlafen und wälzte mich erneut hin- und her; richtige Bauchschmerzen hatte ich immer noch nicht und sollte ich auch nicht bekommen
(kleiner Exkurs: Lustigerweise stand später im Entlassbrief vom Krankenhaus trotzdem, dass ich massive Bauchschmerzen beklagt hätte, obwohl ich meine Schmerzen in der Notaufnahme mit 1, evtl. maximal 2 -also praktisch keine bzw. nur sehr leichte Schmerzen- angegeben hatte auf der 10er-Schmerzskala. Selbst die Ärztin tat so, als würde mir das Herumdrücken auf dem Bauch große Schmerzen bereiten, als sie danach fragte, ob es ok sei, dass ihr Kollege auch mal tastet. „Ich weiß, dass Ihnen das sehr weh tut …darf mein Kollege trotzdem …. das kann man bei Ihnen so gut ertasten.“ <= Nö, tat nicht weh; hatte ich auch nie gesagt dort. Passte als klassisches Symptom wohl einfach zu gut, um auf mich zu hören, was ich wirklich empfand^^).

Gleichwohl war Liegen etc. im Bett in jener Nacht auf Freitag unangenehm. Daher habe ich mich mit Online-Surfen abgelenkt. Da ich immer schon wissbegierig war und Wissen am besten gegen Ängste hilft, googelte ich meine Symptome. Paradoxerweise, weil ich Angst vor dem Gespräch mit meinem Hausarzt hatte und dass er mich endgültig für einen Hypochonder halten würde. Dr. Google behauptete mit verblüffender Übereinstimmung, dass ich es wahrscheinlich „am Blinddarm“ hätte.
Ich war gleichwohl skeptisch: Als Hauptsymptom wurden dort bei einem entzündeten Blinddarm/Wurmfortsatz starke Bauchschmerzen in der rechten unteren Körperhälfte beschrieben. Die hatte ich nicht; einzig das komisch-diffuse Gefühl war in den letzten Stunden von der Körpermitte etwas nach rechts unten gewandert, aber keine Ahnung, ob ich das zutreffend wahrnahm – unter starken Schmerzen stellte ich mir auch etwas gänzlich anderes vor; deshalb verwarf ich Dr. Googles Diagnose und schlief irgendwann ein.

Nächster Akt: Freitagmorgen. Mir ging es schlechter, das Schwitzen war aber etwas weniger. Eigentlich wollte ich meine Eltern fragen, ob sie mich fahren könnten. Als ich im Badezimmer war, hörte ich, wie sie sich über mich unterhalten haben; meine Mutter überlegte laut, ob sie mich nicht besser zum Arzt fahren solle, mein Vater erwiderte, dass das Unsinn sei, das könnte ich doch selbst machen, da [alt genug, soll sich nicht so anstellen, hat doch nichts Schlimmes usw.].
Sie wußten nicht, dass ich alles mitangehört hatte (wie so oft). Ich kam mir erst recht wehleidig + doof vor und fuhr selbst zum Arzt. Dort wartete ich brav ca. 2 h+, denn ich wollte mit meiner Lappalie keinen Aufstand machen; mir war das eh schon unangenehm genug. Freitagmorgens war dort erst recht viel los.

Zu meiner Verwunderung hat mich mein Hausarzt nicht ausgelacht, sondern mir nach einem Ultraschall eröffnet, dass er mich ins Krankenhaus überweist und es sein könnte, dass ich dort ein paar Tage bleiben muss, mein Blinddarm sei entzündet, das sei deutlich zu sehen. Passenderweise bekam ich just einen der Schweißausbrüche auf der Untersuchungsliege, nachdem er festgestellt hatte, dass ich kein Fieber habe (Körpertemperatur: Ca. 36,5 Grad). Ich solle sofort in die Notaufnahme des Krankenhauses, und auch nichts mehr essen, weil ich möglicherweise operiert werden würde.

Kurz mit meinen Eltern telefoniert, damit sie schon einmal eine Tasche packen, zurück gefahren. Beim Gehen ein dumpfer minimaler Schmerz in der rechten unteren Bauchhälfte.

Von Eltern in die Notaufnahme gebracht werden, dort zu meiner 2. Verwunderung fast direkt drankommen und erklärt bekommen, dass ich eine schwere Entzündung hätte, unbedingt in den nächsten Stunden operiert werden müsse und danach auf die Intensivstation käme.

Joa, ich fand das recht übertrieben; ist zwar so herum besser, als dass die Ärzte sauer auf mich gewesen wären, dass ich ihnen Zeit stehlen würde und nichts hätte, aber gleich so ein Aufheben?

Nach der OP habe ich von meinen Eltern und später von den Ärzten erfahren, dass ich eine sehr schwere Entzündung (gehabt) hätte, die Appendix war bereits durchgebrochen, gangränös und mein Bauchfell entzündet. Außerdem waren die Entzündungswerte im Blut wohl auch für eine Appendizitis sehr hoch. Da ich aber nach der OP stabiler als erwartet gewesen sei etc., ist mir die Intensivstation erspart geblieben.

Andererseits haben die Ärzte insbesondere gegenüber meinen Eltern nach der OP (als ich noch nicht wieder wach war) deutlich gemacht, dass ich das Wochenende nicht mehr überlebt hätte. … Mein Vater hat sich deshalb sehr kleinlaut bei mir entschuldigt für seine Worte vom Freitagmorgen, nachdem er erfahren hat, dass ich sie gehört hatte. Dabei waren seine Worte ja durchaus berechtigt ex ante.

Gewurmt hat mich etwas ganz anderes nach der OP:
Es wäre so einfach gewesen: Einfach im Bett in meinem kleinen Appartment liegenbleiben, immer mehr wegdämmern, schlafen, schwitzen … irgendwann ganz Wegsein. … Es wäre ein echter Unfall gewesen, mit dem meine Eltern noch am ehesten hätten leben und eines Tages wieder glücklich werden können. Anders, als bei einem Suizid.

Es ist nicht so, dass ich undankbar bin, dass mir die Ärzte (und indirekt meine Mutter mit ihrem Rat zum Hausarzt zu gehen) das Leben gerettet haben, ich bin nur so chronisch ambivalent bzgl. des Weiterlebens und wenn man erfährt, so dicht am Ziel gewesen zu sein, wie man es nicht mehr sein wird, ist die Ambivalenz extrem. So wie es auch an jenem Abend mit den knapp über 40 kg und den (eingebildeten?) „Herzproblemen“ gewesen ist. Nur war es bei der Blinddarmsache noch viel näher und es wäre auf jeden Fall erfolgreich gewesen.
Es betrübt mich bis heute manchmal, dass ich meine bislang auf lange Sicht beste und einzige Chance nicht erkannt und genutzt habe.

Was man mir vor der OP übrigens nicht gesagt hatte und worin ich nicht explizit eingewilligt hätte:
Ich bin mit einem ZVK im Hals aufgewacht und wurde parental ernährt. Wäre ich noch anorektisch gewesen, wäre das grausam gewesen.

Auch ohne Essstörung fand ich es nicht gut; ich möchte einfach nicht, dass man so etwas ohne höchste Notwendigkeit mit mir macht und derart negativ über meinen Körper bestimmt (diese unmittelbare Fremdbestimmung endet insofern erst, wenn auch die parentale Ernährung beendet wird).

Die parentale Ernährung habe ich ca. 4 Tage bekommen und nicht vertragen. Ganz am Anfang hatte man mir zu hohe Glukoseinfusionen fast rund um den Tag gegeben; mir war durchgängig schlecht, mein Urin roch wie Honig, mein Gehirn war matschig und ich hing wie ein Schluck Wasser in der Kurve im Stuhl an dem Sonntagmittag, als man dann feststellte, das mein Blutzucker bei knapp 400 mg/dl (statt der normalen ca. 100-200(?) mg/dl) lag.
(Überwacht worden war der Blutzuckerwert nicht; die Messung habe ich einer aufmerksamen Krankenschwester zu verdanken gehabt, die sich spontan nach der Blutzuckermesung bei meiner diabetischen Zimmernachbarin entschlossen hatte, ausnahmsweise auch bei mir zu messen).

Kein Grund, die PE zu beenden. Stattdessen hat man mir nach einer kleinen Pause einfach etwas weniger Glukose gegeben, die ich aber trotzdem nicht vertragen habe. Ich habe drei Kreuze gemacht, als die PE beendet wurde. Zudem waren meine Leberwerte mies; keine Ahnung, ob das von der Infektion oder von den Segnungen der parentalen Ernährung gekommen war.

Zusätzlich zur PE musste/sollte ich auch Schonkost essen. Das bedeutet am 1. Post-OP-Tag Fresubin. Ich hatte von dem Zeug ironischerweise in Blogs von Essgestörten viel gehört.
(Selbst bin ich wegen der Anorexie -zum Glück- nur eine Weile in der hausärztlichen ambulanten Behandlung gewesen. Das hat mir Fresubin & Co. sowie die ihrerseits körperlichen Bedürfnissen entfremdeten Essenspläne auf der Essgestörtenabteilung erspart.)

Von dem Fresubin sollte ich drei Flaschen zu mir nehmen, habe aber nur eine morgens geschafft, nach der ich mich fast hätte übergeben müssen. Ansonsten gab es ab dem 2. Tag Suppe, Weißbrot und Marmelade.
Essen, das ich überhaupt nicht vertragen habe und von dem mir auch gesund schlecht geworden wäre. Das hat neben der tollen Essensinfusionen auch zur durchgängigen Übelkeit tagsüber beigetragen. Ich hätte am liebsten keine PE und ein normales Brötchen mit Käse gehabt oder was es sonst so gab. Das war dort aber keine Schonkost. Daher: Pech gehabt.

Leider habe ich versäumt nach dem Grund für die parentale Ernährung zu fragen; ich hatte damals einen BMI von 18, war nicht unterernährt und hätte auch einen größeren, vorübergehenden Gewichtsverlust verkraften können. Außerdem ist mein Körper zäh. Warum also gleich eine PE?

Als ich nach knapp einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden bin, hatte ich ca. 6/7 kg zugenommen. Alles Wasser; ich habe meine Fußknöchel nicht mehr gesehen, so aufgeschwemmt war mein Körper, obwohl ich mich in der Klinik im Rahmen meiner Möglichkeiten viel bewegt habe, z.B. im Treppenhaus. Persönlich denke ich, dass das so nicht normal ist mit so starken Wassereinlagerungen und dass man mir die PE gut hätte ersparen können.

Bevor das so einseitig negativ endet und einen falschen Eindruck hinterlässt: Doch, ich bin den Ärzten und Pflegern im Krankenhaus, meinem Hausarzt, und meinen Eltern insgesamt durchaus dankbar, sehr sogar.


Songs als Gefühlstablette

Irgendwo in einem Forum aus einer weit entfernten Galaxie hatte ein User die ermutigende Signatur „Lass dich nicht hängen, häng‘ dich rein!“ gewählt. <= Das sollte ich besser auch beherzigen und umsetzen, denn ich habe ja sogar sehr viel, für das ich diesbezüglich kämpfen würde … auch wenn ich es gerade nicht fühlen kann. Das, was ich just empfinde, ist alles andere als hilfreich.

Um in eine andere Stimmung zu kommen, finde ich ja Musikhören am besten. Das ist wie eine Kapsel einzuwerfen, die mit beliebig auswählbaren Emotionen gefüllt ist, mit denen sich das eigene Empfinden idR zumindest vorübergehend etwas in die gewünschte Richtung manipulieren lässt.

Für irgendwas muss es ja wenigstens nützlich sein, dass ich auf Emotionen (v.a. in der Stimme) bei anderen so „überaufmerksam“ reagiere und dafür irgendwie so „durchlässig“ bin, dass ich erst lernen musste, davon nicht ungut „überflutet“ zu werden innerlich. Ähnlich mit der unsichtbaren Stimmung in Räumen oder je nachdem unterwegs in der Natur. Meistens ist das energiefressend, teilweise verschwimmen da Grenzen verwirrend bis unschön; manchmal kann es sehr schön sein.

Mir persönlich kommt es für den vorgenannten Zweck im Grunde kaum auf den Text an; entscheidend sind die transportierten Emotionen, die bei mir ankommen.
Insofern funktionieren Songs am besten, in denen die Stimme/der Gesang auf mich irgendwie „überzeugend“ bzw. authentisch wirkt. Sehr gut sind Songs, denen man anhört, dass der Sänger Freude beim Singen hatte oder das ganzeinheitlich simulieren kann.

Im Laufe der Zeit nutzen sich manche ehemaligen „Lieblingssongs“ bei mir ab und wirken emotional nicht mehr so gut, also muss etwas Neues her. Zuletzt bin ich über Billie Eilish gestolpert. … Von der hatte ich vorher nie gehört. Das kommt davon, wenn man andere Genres bevorzugt und daher meistens mp3 hört anstatt Radio.

(Text und Video sind mir egal bzw. finde ich beides eher etwas kitschig, aber ich finde die transportierte Stimmung irgendwie positiv:)

U. a. der Song von LP funktioniert auch gut:

So gesehen noch besser ist der von Vaya con dios (der hatte sich mal vorübergehend bei mir ziemlich abgenutzt; ebenso wie von ASP – „Wer sonst“ oder von Lord Of The Lost – „Loreley“):

Den Song von IAMX mag ich, aber der ist zum Aufmuntern nicht ganz so hilfreich:

Ähnlich geht es mir mit den Songs von einem Künstler, dessen Künstlernamen ich selten bescheuert finde, was meinem Gefallen an manchen seiner Songs keinen Abbruch tut:

Das Lied „In My Mind“ mag ich und hatte ich hier schon mal gepostet, aber ich kann die Stimmung davon schlecht mit Worten beschreiben: „melancholisch“ trifft es nicht richtig, „tröstlich“ oder „zuversichtlich“ passt auch nicht ganz.

Zu guter Letzt ein ziemlich fröhlich-eigenwilliges Lied von Tones And I:

p.s.
Mit dem neuen Herd und Kühlschrank bin ich sehr zufrieden, auch wenn ich mich damit heute noch nicht viel beschäftigt habe und zu Gefühlen wie Freude fähig war – freuen werde ich aber in ein paar Tagen bestimmt. Das ist bei mir auch ohne akute „Schockstarre“ oft sehr zeitverzögert.

Endlich ist der scheußliche Einbauschrank mitsamt des alten Kühlschranks sowie der hoffnungslos verschmutzte Billigherd ohne Umluft etc. weg (stammte alles noch vom Vorvormieter). Die Küche sieht jetzt sogar richtig einladend aus.

Mit meinen Eltern war ich ironischerweise nachmittags just in dem Imbiss (nochmal) Curry-Wurst-Pommes essen, wo wir auch letztes Mal gegessen hatten. Irgendwie fand ich es heute trotz allem leckerer.

Möglicherweise, weil ich beim letzten Mal schon wußte, dass ich mich später übergeben werde. Außerdem hatte ich heute soweit noch nichts – und gestern auch nicht viel – gegessen mangels Appetit und Hunger, weil mir die Sache von Freitagnachmittag nachhaltig aufs Gemüt geschlagen ist. Diese Sache wird mich auch noch die kommenden Wochen bis Monate weiterbeschäftigen und stressen, da davon meine berufliche unmittelbare Zukunft und für mich persönlich noch viel mehr abhängt – es soll aber hier nicht weiter Thema sein. … In zwei Jahren lache ich vielleicht darüber (hoffentlich nicht frustriert und verbittert).

Später waren wir noch in einem Cafe, weil mein Vater natürlich ein Stück Kuchen und Kaffee haben wollte, bevor sie dann auch wieder abreisen wollten. Zwar in einem besseren Zustand, als gestern, aber noch neben mir stehend, habe ich mich bei meiner Bestellung vertan: Das „Stück“ Apfel-Zimt-Flammkuchen war ein ganzer Flammkuchen. … So war das nicht gedacht, aber war mir in meinem Zustand auch egal. Der Flammkuchen war auch durchaus gut und anders als herkömmlicher Kuchen nicht so im Magen liegend. … Zum Abendessen habe ich noch die vom Imbiss mitgebrachte Frikadelle mit Senf und eine Scheibe Käse gegessen; später kam dann eine (sehr) kleine Portion Porridge hinzu.

So richtig Appetit habe ich aber gleichwohl nicht. Morgen werde ich es mit Laufen versuchen – das erste Mal wieder seit zig Wochen. Das wird bitter^^ – aber womöglich geht es mir danach besser.
Noch besser wird der Sonntag, wenn ich diese eine berufliche Sache angehe und hoffentlich nicht aufschiebe bzw. morgen davor den Kopf in den Sand stecke; das werde ich nämlich spätestens Montag bereuen. Warum muss morgen das Wochenende bloß schon wieder vorbei sein; ich fühle mich für den Montag nicht gewappnet. Na wenigstens ist mir nicht zum Kotzen sondern nur zum Verschwinden zumute. … Als Fortschritt würde ich das nicht unbedingt bezeichnen.

Selbstzweifel

Beneidenswert, wer kaum welche hat. Bei mir sind sie systemimmanent.

Im Grunde gibt es kaum (soziale oder leistungsbezogene) Situationen, in denen ich mich und mein Verhalten nicht auf einer Parallelebene hinterfrage. Man könnte mich auch getrost als zutiefst verunsichert im Kontakt mit anderen Menschen beschreiben, auch wenn diese Verunsicherung die meiste Zeit gut versteckt ist unter einem eher funktionalen Alltagsmodus, wie ihn jeder Mensch mehr oder weniger hat.

Wenn ich als Kind Konfliktsituationen mit anderen hatte, bei denen ich nicht weiter wußte oder die mich geärgert/belastet/verunsichert etc. hatten, konnte ich damit durchaus zu meinen Eltern gehen und sie um Rat fragen. Da meine Eltern ihrerseits im Grunde sehr warmherzig-empathisch sind, habe ich auch von ihnen emotionale Unterstützung und praktischen Rat bekommen.

Andererseits waren sie immer schon besorgt, wollten mir ihre Erfahrungen ersparen und haben sowas eben teils auch zum Anlass genommen, mich in bester Absicht darin zu bestärken, dass ich schaue, was denn mein Anteil/Beitrag zu dem Konflikt gewesen ist und was ich zukünftig ändern sollte bzw. was ich anders machen sollte/könnte.

Da ich von mir aus bereits bemüht war, auf Mitmenschen empathisch-emotional einzugehen, rücksichtsvoll zu sein, anderen zu helfen, recht friedfertig-gutmütig und um „richtiges Verhalten“ bemüht war etc., fiel solche Kritik meiner Eltern natürlich auf fruchtbaren Boden. Mich als kritiksensibel zu bezeichnen, wäre hoffnungslos untertrieben. Kritik sog ich ungefiltert auf wie ein Schwamm und nahm sie mir (zu sehr) zu Herzen. Irgendwie hatte ich auch früh wenig Selbstvertrauen und war schnell verunsichert unter Menschen, die ich irgendwie für automatisch fehlerfrei hielt im Vergleich zu mir.

Dass ich von mir aus schlecht über diese Sache mit meinen Eltern reden konnte und darum bemüht war, ihnen keinen Anlass zur Sorge zu geben, hat lange verhindert, dass meine Eltern überhaupt eine Ahnung davon hatten. … So richtig mit ihnen darüber gesprochen habe ich vor einer Weile. Da sind sie aus allen Wolken gefallen. Seitdem verstehen sie vieles auch besser und sind sehr bemüht, mich zu unterstützen. Über alles möchte ich mit ihnen gleichwohl nicht reden, denn ich fühle mich dann erst recht doof etc., auch wenn es hinterher etwas besser ist.

Irgendwie ist es früh zum Automatismus geworden, dass ich bei Konflikten zwar im Außen hin zB auch durchaus (pseudo?-)selbstsicher agiere, eher verstandesgesteuert, aber ich fange spätestens bei berechtigter oder unberechtigter Kritik an meinem Verhalten je nachdem an, lange darüber nachzudenken und nach dem Fehler bei mir zu suchen.

Wenn es sehr schlecht läuft – zB weil die Kritik einen wesentlichen wunden Punkt trifft und berechtigt ist- falle ich in eine Art innere Schockstarre, fühle mich unendlich blöd, lebensunwert und -unfähig. Der Appetit ist dann auch weg und man kann sich das ungefähr so vorstellen, dass ich grübelnd die Wand anstarre oder irgendwelche Seiten im Internet anklicke während ich eigentlich ganz woanders bin.

Je nachdem löst es auch den Wunsch aus, den Fehler meiner Existenz final zu korrigieren; für die Umsetzung bin ich allerdings gewissermaßen auch zu unfähig und selbstzweifelnd – ein bisschen so wie der Depressive, der sich nicht umbringt, weil ihm ironischerweise die Entschlusskraft und der Antrieb dazu fehlen (so wirkt die Depression paradoxerweise suizidauslösend und -verhindernd zugleich).

Zum Glück ist das in dem Ausmaß eine Ausnahme. Dafür ist es umso unangenehmer. So wirklich drüber weg bin ich immer noch nicht. Die Ursache der Kritik von Dritter Stelle werde ich zwar später angehen, nur im Moment bin ich noch nicht wieder ganz aus dieser inneren Lähmung raus. … Meine Eltern waren heute zu Besuch da und haben mir auch sehr geholfen, nur bin ich danach wieder schleichend abgerutscht.

Warum ist meine Persönlichkeitsstruktur so lebensbehindernd und fehlerhaft konzipiert? Jedes Tier ist lebensfähiger, als ich es bin.

Schwerelos durch Raum & Zeit

Wie fange ich an … kurz gesagt stehe ich ein bisschen neben mir, weder im guten, noch schlechten Sinne.

Das ist jetzt sehr aussagekräftig, ich weiß. Wie ich das anders beschreiben könnte, weiß ich dagegen nicht.

Sowohl der Freitag, als auch der Samstag waren einerseits sehr positiv, andererseits auch negativ. Meine guten Vorsätze haben nicht ganz gehalten, andererseits ist es weder Freitagabend, noch heute so ausgeartet, wie es auch hätte enden können.

Der Besuch meiner Eltern war ganz entspannt und nett, nur das gemeinsame Essen, bestehend aus Curry-Wurst-Pommes und später noch Kuchen hat mich zurückgeworfen. Andererseits hat es die Entscheidung auch sehr leicht gemacht. Um dieses Essen ist es nicht schade, sowas braucht kein Körper.

Also man kann sowas ja manchmal essen – natürlich auch ohne anschließendes Erbrechen – aber es ist für mich in meiner derzeitigen anfälligen Situation eine schlechte Idee gewesen.
Möglicherweise hätte ich meine Eltern zu etwas anderem überreden oder zumindest den Kuchen ablehnen können, aber ich finde das innerlich immer etwas schwierig. Es ist zwar bei Weitem nicht mehr so wie früher, dass meine Eltern überbesorgt reagieren, sobald ich bei gemeinsamen Mahlzeiten nicht oder nicht so viel mitessen möchte, aber zuverlässig absolut stressfrei ist das Thema bis heute nicht.

Leider ist es auch bis heute so, dass ich nur allzu gut mitbekomme, dass es sie immer noch erleichtert bis freut, wenn ich mitesse – viel mitesse und vor allem auch kalorienreiche, ungesunde Sachen mitesse, obwohl ich da just dann nicht einmal richtig Appetit drauf habe.

Es ist bei meinen Eltern nicht ganz so extrem wie bei meinen inzwischen verstorbenen Großmüttern, die immer geradezu enttäuscht reagiert haben, wenn ich keinen Nachschlag haben wollte, da ich einfach satt war. Sie haben das nie akzeptiert und mir immer noch irgendwas Essbares geradezu aufgedrängt, das ich – da ich ihnen ja keine schlechten Gefühle bereiten wollte – auch gegessen habe, woraufhin meine Großmütter sichtbar erfreut reagiert haben.

Meine zaghaften Widerstandsversuche („Danke, aber ich bin wirklich satt.“) wurden regelmäßig übergangen. … Dass ich nicht völlig gemästet wurde, habe ich den Interventionen meiner Mutter zu verdanken.

Sie fand das Ganze zwar auch nicht gut, aber hätte natürlich weder 24/7 den Kontakt zwischen Enkelkind und Großmutter überwachen und begleiten können, noch wollten unsere Eltern einen Keil zwischen die Generationen treiben, reichte es doch, dass sie selbst mit ihren Eltern/meinen Großeltern mit einer Ausnahme ein sehr belastetes Verhältnis hatten. Das sollte nicht zwischen Großeltern und Enkelkindern stehen, weshalb sich meine Eltern da viele Jahre zu wenig durchgesetzt haben, auch Dank einer gewissen Harmoniebedürftigkeit, die ich gut nachvollziehen kann.

Kleiner Zeitsprung:
Meine eine Großmutter hatte es in meiner Kindheit mal völlig auf die Spitze getrieben:
Meine Mutter, mein Bruder und ich hatten just gut zu Mittag gegessen, als sie erschien und Plätzchen vom Bäcker mitbrachte. Meine damaligen Lieblingsplätzchen!

Meine Mutter musste noch zu einem beruflichen Termin und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Meine Großmutter hatte sich in den Kopf gesetzt, dass ich Dankbarkeit zeigen und das von ihr mitgebrachte Plätzchen genau jetzt vor ihr essen sollte … damit sie sich gut fühlen konnte; so als tolle Großmutter und so.
(So war sie eben Zeit ihres Lebens. Als sie später verstarb, war ich erst ungläubig, dann erleichtert. Das führt an dieser Stelle aber zu weit.)

Höflich wie ich als Kind war, habe ich viele lange Minuten meiner Großmutter meinen Dank für das mitgebrachte Plätzchen bekundet und bedauernd darauf hingewiesen, dass ich noch satt sei vom gerade verzehrten Mittagessen, aber das Plätzchen später essen werde.

Normale Menschen hätten das akzeptiert, meine Großmutter war aber nicht normal.

Ich habe kein Zeitgefühl dafür, wie lange sie unter den feixenden Bemerkungen meines sichtlich schadenfrohen Bruders auf mich eingeredet hat, aber es war sehr lange. Inhaltlich forderte sie mich immer wieder auf, das Plätzchen jetzt (!) zu essen und versuchte es wahlweise mit missmutigen Blicken und einer sehr leidenden Miene sowie Äußerungen dahingehend, dass ich sie nicht lieben würde, weil ich das Plätzchen ja nicht essen wollen würde, wo sie sich doch extra die Mühe gemacht habe. Mein Bruder bekräftigte sie grinsend.
Es hat keine Logik gehabt, dass ich mich damals wie der kaltherzigste Mensch, der seine Großmutter nicht lieben würde, gefühlt habe.

Irgendwann habe ich schuldbewusst das Plätzchen runtergewürgt, was mir strahlende Blicke meiner Großmutter einbrachte. Mein Körper fand das Ganze alles andere als strahlend; physikalisch-biologisch betrachtet wenig überraschend war mir speiübel.

Während ich da so wenige Meter von meiner immer noch am Tisch sitzenden Großmutter und meinem – nun höchst amüsierten – Bruder kotzend über Küchenspüle hing (weiter hatte ich es nicht mehr geschafft), kam meine Mutter zurück.

Auf ihre irritierte Frage, was denn hier los sei, erwiderte mein Bruder sinngemäß, dass ich aus Dummheit und Verfressenheit zu viel gegessen hätte. Meine Großmutter tat, was sie immer getan hat, wenn sie Mist gebaut hatte: Sie erklärte, dass sie jetzt gehen müsse und ging, als ob sie das Ganze nichts angehen und sie nichts damit zu tun haben würde.

Ich fühlte mich unendlich dumm, tatsächlich verfressen und irgendwie gedemütigt.
Immerhin war mir das eine Lehre. Danach entwickelte ich im Laufe der Jahre eine Gefühlosigkeit und erstarrte Kälte in Person, wenn jene Großmutter – oder nochmal später – andere Menschen mir mit solchen emotionalen Erpressungsspielen kamen oder sonstwie versuchten, mich „emotional zu bedrängen“.

Kleiner Zeitsprung in das Ende meiner Pubertät (<= ehrlich gesagt finde ich das Wort doof, aber Teenagerzeit klingt auch nicht besser.)

Es war abends kurz vor dem Handballtraining. Ich wohnte noch bei meinen Eltern, war anorektisch, recht untergewichtig und zwar in einem gewissen Rahmen bzgl. des Essens „kooperativer“, aber nur begrenzt. Ein paar wenige Monate vorher hatte ich so gut wie gar nichts mehr gegessen (und auch kaum etwas getrunken); für meine Eltern war das eine sehr harte Zeit gewesen.

Seitdem waren das Thema Essen und gemeinsame Mahlzeiten ein Dauerstressthema sowohl für meine besorgten Eltern, als auch für mich.

An diesem Abend brachten sie mir von einem Ausflug einen Döner mit und wollten, dass ich den noch vorm Handballtraining esse. Ihre Sorge war, dass ich ihn ansonsten gar nicht mehr essen würde, während ich – in dem Moment zumindest ehrlich gemeint – anbot, den Döner nach dem Training zu essen, meinetwegen unter ihren Augen, damit sie sicher sein können. … Ich habe es immer schon gehasst, Essen aufgenötigt zu bekommen, in jener Zeit natürlich nochmals intensiver. Dass ich den Döner vor dem Training essen sollte, ging mir völlig gegen den Strich.

Andererseits war ich damals irgendwie die ständigen Diskussionen um das Thema Essen und die Gefühle (Sorge, Verärgerung, Missstimmungen im Raum unter den Anwesenden etc.) Leid. Eigentlich bin ich nämlich sehr harmonieliebend.

Daher habe ich diesen Döner damals gegessen. Beim anschließenden Handballtraining kam mir selbiger – sorry – teilweise wieder hoch, mir ging es sehr elendig; aber ich hatte damals noch keinerlei Erfahrung mit selbstinduziertem Erbrechen und hielt irgendwie das Training durch.

Ich weiß nicht mehr genau, ob ich auf der Rückfahrt angehalten habe, weil ich mich übergeben musste. An sich meine ich, dass es damals so gewesen ist – und dass es mir nach dem ersten Ekel ganz recht war, weil a) die quälende Übelkeit weg war, b) die unnötigen Kalorien entsorgt waren und c) ich mich wieder selbstbestimmter gefühlt habe (wenn mir Essen aufgenötigt worden ist, habe ich mich gerade damals extrem fremdbestimmt gefühlt; das war ein sehr schwer aushaltbares Gefühl).

Danach habe ich mich zwar noch lange nicht absichtlich erbrochen, aber es hatte da irgendwie im Hinterkopf bei mir *Klick* gemacht.

Irgendwann nach einer größeren Familienfeier – bei der ich aus meiner Sicht zu viel und zu kalorienreich hatte essen müssen – habe ich mich das erste Mal absichtlich übergeben. … Das war gar nicht so einfach und über Tipps wie den, mittels Zahnbürstenstiele den Würgereflex auszulösen, kann ich seitdem herzlich lachen.^^ Aber irgendwann hatte ich den Dreh raus, die Waage zeigte sogar eine deutliche Abnahme an, und im Laufe der Zeit verfeinerte ich meine Technik.

Und geradezu paradiesisch:
Es gab endlich keinen Streit und Missstimmungen mehr um das Thema Essen mit meiner Familie, da ich brav alles gegessen habe ohne mich wegen der Kalorien bzw. persönlichen No-Go-Lebensmittel (z.B. Crossaints etc.) anzustellen, da ich es ja wieder hinterher erbrach. Meine Eltern freuten sich ob meiner vermeintlichen Genesung und Freude am Essen – und ich war heilfroh, mich gleichwohl dann später beim Kotzen wieder mit mir im Reinen zu fühlen und nicht zunehmen zu müssen.

Endlich waren die gemeinsamen Mahlzeiten bzw. das Thema Essen überhaupt mit meinen Eltern kein ständiges Streit- und Sorgenthema mehr.

Natürlich entwickelte das ganze bald eine sehr ungute Eigendynamik und irgendwann war ich soweit, dass mein Körper es überhaupt nicht mehr gewohnt war, Mahlzeiten ernsthaft verdauen zu müssen, da ich so ziemlich jede Mahlzeit hinterher erbrach. … Außerdem ging es mir körperlich und seelisch irgendwie bald deutlich bzw. anders schlechter, als während der rein anorektischen Zeit. Das Erbrechen hat meinem Körper irgendwie schneller weit stärker zugesetzt, bei höherem Gewicht, als es tiefstes Untergewicht und restriktives Essen vermocht hatten.

Zumindest hatte ich mich nur mit restriktivem Verhalten nicht so schlecht gefühlt, auch wenn ich mich später auf Fotos mal erschrocken habe. Und einmal nach dem Handballtraining hatte ich mich körperlich sehr anders als sonst gefühlt, schlechter, und hatte feststellen musste, dass ich wider Erwarten glatt weiter abgenommen hatte und nur noch 300,1 g davon entfernt war, unter 40 kg zu kommen.

Das war das einzige Mal, dass ich über eine Abnahme nicht aussschließlich erfreut war, sondern irgendwie auch etwas erschrocken, hatte ich doch fest mit einer Zunahme gerechnet. Mir war wohl die Kontrolle entglitten, andererseits war es ja quasi sowas wie das Ziel, einfach immer weiter abzunehmen, um zu schauen, wie es damit ist bzw. war das immer weiter Abnehmen als Weg schon das Ziel selbst … .

Ich weiß nicht, ob man das als Suche nach Grenzen und sich selbst besser spüren können beschreiben kann.

Es war auch so, dass dieser innere Sog in die Tiefe, also konkret umgesetzt dann in Richtung immer weiterer Abnahme bis man es hinter sich hat, mit immer niedrigeren Gewicht immer stärker geworden ist. Ich war mir damals intuitiv sicher, dass ich etwas Unumkehrbares mache, wenn ich unter 40 kg rutschen sollte:
Noch hatte ich keine bleibenden körperlichen Schäden erlitten und unter 40 kg kommt ja auch schon die nächste Zehnerkette, mit ihrem magischen Reiz: 39, 38, 37, 36 … 30 kg – und evtl. noch die 20er kg-Reihe – quasi die ungekrönte Eliteliga – wenn man bis dahin kommen sollte => ich habe weit eher versagt, so dicht wie mit 40,3 kg bin ich nie wieder an das äh „Ziel der Auflösung“ gekommen.

Noch Jahre später habe ich damit gehadert, das nicht durchgezogen zu haben. … Typisch eben, Zielstrebigkeit war Dank meiner chronischen inneren Ambivalenzen und anderen Hindernissen noch nie meine Stärke.

Außerdem hatte ich mir damals an jenem Abend eingebildet, dass mein Herz komisch geschlagen hätte, viel zu langsam. Das ging auch durch das Duschen nicht weg. Naiverweise glaubte ich, möglicherweise nach dem Einschlafen wegen eines Herzstillstandes nicht mehr aufzuwachen, tat es aber natürlich trotzdem am nächsten Tag.
Meine Eltern und mein Hausarzt hatten mir insbesondere wegen des Herzmuskels, der beim Hungern irgendwann auch abgebaut wird, hartnäckig in den Ohren gelegen. Das hatte mich wohl unfreiwillig verunsichert und an akute Herzprobleme glauben lassen an jenem Abend, pah.

Destruktive persönliche Hobbys

Das tolle sauber-glatte Gefühl an den Zähnen nach der professionellen Zahnreinigung hat mich heute auch von der immer mal wieder auftauchenden Versuchung abgehalten, mich erneut zu übergeben.

Eigentlich doof: Wenn man erst einmal wieder damit anfängt, ist es so schnell wieder als „eine realistische Möglichkeit“ im Bewusstsein und flackert immer mal wieder auf, z.B. wenn meine Mutter mir reichlich Kuchen oder andere Sachen, die ich derzeit eigentlich sicherheitshalber besser gar nicht erst essen möchte und froh bin, mich davon an sich entwöhnt zu haben, mitgeben will.

Das Kuchenproblem ließ sich noch unproblematisch lösen: Heute Mittag gab es Kotelett bzw. für mich Schnitzel, dazu Brokkoli, Kartoffeln und Soße. Ich liebe Brokkoli – und der Rest war auch sehr lecker. Den Kuchen habe ich mir dann mit meinem Vater als Nachtisch geteilt. Mein Vater liebt Kuchen. Von ihm habe ich leider die Vorliebe für Süßigkeiten & Co. „geerbt“. Mein Bruder mag Kuchen und Süßigkeiten dagegen so gut wie gar nicht. Beneidenswert. … Ich kann zwar einen „Entzug“ von solchen Sachen machen und verliere nach einer zähen Weile auch den Appetit auf Süßigkeiten & Co., nur bin ich schnell wieder „angefixt“.

Von meinen Eltern habe ich dann neben den Resten vom Mittagessen noch etwas (nicht fettreduzierten) Käse und Salami, Wraps, etwas Skyr, Gelee, ein paar kleine Schokohohlfiguren etc. mitgenommen.

Infolgedessen habe ich heute Abend wieder zurück in meinen eigenen vier Wänden an sich kalorientechnisch zu viel gegessen, aber in einem Rahmen, den ich ausnahmsweise ok finde, sprich ich habe mich danach nicht erbrochen.

Das ist auch besser so. Abgesehen von den gesundheitlichen Nachteilen dadurch und meinen gerade frisch beim Zahnarzt gereinigten Zähnen, versaut das Erbrechen als Möglichkeit auch jeden Rest an Disziplin beim Essen und bei der Bewegung und verhindert auch dadurch eine sinnvolle Abnahme.

Eine Abnahme, die auch zu mehr Gesundheit führen würde, wenn sie auf Sport und besserer Ernährung basieren würde, als darauf, ernährungsphysiologischen Schrott zu essen, den man hinterher wieder erbricht. Zumal gerade der Zucker etc. teilweise ja gleichwohl aufgenommen wird. Außerdem mag ich es nicht, an sich gesunde und eher gewichtsfreundliche Lebensmittel/Mahlzeiten zwangsläufig mitzuerbrechen, wie das heutige Mittagessen, den Kuchen ausgenommen, hätte ich mich jetzt heute Abend übergeben.

Am Samstag besuchen mich meine Eltern mittags. Wir werden wahrscheinlich an der hiesigen Pommesbude einkehren. Abends sind meine Eltern ihrerseits eingeladen und ich selbst könnte an sich zur nachträglichen Weihnachtsfeier vom Kampfsport gehen. Allerdings habe ich keinen Bock auf die Feier (auch nicht auf das Training an sich derzeit, bin da irgendwie blockiert – das dürfte sich aber wieder legen).

Ich werde auch nicht zu der Weihnachtsfeier gehen, aber ich will das nicht als Grund nutzen a la „Super, freie Bahn.“, um den Nachmittag nach dem Besuch meiner Eltern doch zu kotzen. (Lohnt sich ja dann mit der Pommesbude vorher … und ich könnte noch entsprechend einkaufen gehen.)

Wenn ich lange genug nicht mehr erbreche, verschwindet dieses aufploppende innere Gedankenfenster a la :“Ist ja egal, ich kann es ja wieder auskotzen.“, zum Glück wieder. Es ist einfach eine Frage der Konditionierung. Die geht auch in die positive Richtung z.B. in punkto regelmäßig Sport machen, zeitig ins Bett gehen, sich meistens gesund ernähren.

Ich traue mir nur nicht so ganz bzgl. Samstag; ich argwöhne eben dass ich es mir dann spontan doch anders überlege (wie in der Vergangenheit). Es ist einfach eine hohe Versuchung, es gleich miteinzuplanen („nur ein letztes Mal noch.“).

Andererseits weiß ich nur allzu gut, dass der subjektive Gewinn gering und sehr flüchtig ist. Es mag sich komisch anhören für Außenstehende: Mir macht das Essen & Erbrechen (auch jetzt) insgesamt weit überwiegend keinen Spaß mehr. Das war auch der Grund vor über 5/6 Jahren, damit aufzuhören, nachdem ich es noch vereinzelt wiederholt hatte.
Ich habe auch den Verdacht, dass mich das Selbstdestruktive daran am meisten gereizt hat die meiste Zeit; nicht nur der Aspekt mit dem „Essen, was man möchte, ohne zuzunehmen“ oder „Von anderen aufgedrängtes Essen wieder loswerden“.

Am besten plane ich für Samstagnachmittag irgendwas anderes, so dass ich zu verplant bin für dieses destruktive persönliche Hobby.

Am besten nutze ich Samstag das Tageslicht, um erst Laufen zu gehen und danach sollte ich mich mal eh dringend bei meinen Kumpels melden; und ich wollte auch noch die 8. Staffel von Game Of Thrones zu Ende sehen, obwohl ich es unendlich doof finde, dass die Drachen alle wegsterben.

Ferner könnte ich außerdem entweder alleine oder mit besagten Kumpel(s) zocken – evtl. ja auch mit meinem Bruder, aber das ist heikel und für mich schnell seelisch stressig aufgrund seiner Art. Das sollte ich besser lassen. Er hat vorhin eh wieder angerufen, was ich glücklicherweise gar nicht mitbekommen hatte, weil mein Handy auf lautlos war. Zurückrufen werde ich eher nicht, auch wenn er in mir immer noch mit sowas ein schlechtes Gewissen auslöst – aber ich weiß nur zu gut, wie das endet, wenn ich zurückrufe => er wird mich nach Vorwürfen, dass er mich nie(!) erreichen könnte und ich nie(!) zurückrufen würde (obwohl ich gerade zurückrufe) mit ewig langen Monologen über sein Leben und seine Bedürfnisse aggressiv zutexten und früher oder später anschreien, weil ich nicht wie gewünscht funktioniere im Telefonat (=zuhöre und ihm das spiegel, was er hören möchte).

Oder er ist vergleichsweise gut drauf und textet mich ohne Anschreien zu + möchte mit mir Zocken oder am nächsten Tag „weitertelefonieren“ und wird ungehalten, wenn ich nicht begeistert zusage.

Nee, das gebe ich mir nicht (mehr). … Ich zocke entweder alleine oder allenfalls mit T.. Falls der überhaupt Zeit hat. Leider habe ich Idiot mir nirgends notiert, wann er im Frühling Geburtstag hat, obwohl ich auf mehreren seiner Geburtstagsfeiern war und mit ihm seit über 10 Jahren eng befreundet bin. .. Verdammt, irgendwo muss ich noch die Einladungen haben. Ich weiß selbst nicht, warum ich sowas aufhebe, aber jetzt ist es praktisch. Hoffentlich hat er sein Geburtsdatum reingeschrieben … .

Ansonsten sollte ich auch noch Aufräumen – ich muss unbedingt mein Regal anders sortieren und alten Krempel entsorgen (auch noch aus den Umzugskisten, die seit fast einem Jahr im Keller stehen, weil ich mich mit meinen Uni- & Referendariatsunterlagen nicht beschäftigen mag, weil mich das immer direkt in jene Zeit zurückkatapultiert und das möchte ich nicht. Andererseits will ich die meisten Sachen entsorgen – bis auf ein paar Lehrbücher, Mitschriften/Unterlagen und die drei so oft händisch aktuell gehaltenen Gesetzestexte, die ich nicht wegwerfen will. Ich bin da sentimental, selbst wenn ich da ehrlicherweise nie wieder reinschaue und die Sachen für meinen Beruf auch nicht mehr brauche.)

Aufräumen, dabei einen Film oder eine Doku laufen lassen oder Musik hören, finde ich eigentlich total entspannend; mir fehlt nur oft solange der Elan, damit anzufangen, bis sich keine Zeit mehr dafür habe. … Am besten geht das, wenn ich den nächsten Tag frei habe und dann nachts solange rumwerkel, bis ich mit der geänderten Einrichtung und Sortierung in den Schubladen etc. zufrieden bin und gefühlt das (fast) „perfekte“ System für mich gefunden habe für meine Unterlagen etc.. Sortieren macht zufrieden.^^

Ich liebe auch aufgeräumte Wohnungen, in denen nicht so viel herumsteht. … Meine Wohnung sieht gleichwohl oft anders aus. Am Ordnungszustand kann ich erstaunlich gut Rückschlüsse auf mein inneres Befinden ziehen: Sehr unaufgeräumt ist schlecht, und sehr ordentlich ist meist überkompensatorisch nach einer längeren antriebslosen Phase, in der viel liegengeblieben ist.

Arztbesuche

Heute hatte ich mir frei genommen, um Mittwochsabends zu meinen Eltern rüberzufahren und dort meinem Hausarzt und meiner Zahnärztin einen Besuch abzustatten.

Beim Hausarzt stand zwar nur Blutabnehmen zur Kontrolle der Schilddrüsenwerte an, aber Blutabnahmen werden nie meine Lieblingsuntersuchung werden. Zahnarztbesuche finde ich dagegen immer sehr entspannt, egal ob es um die Entfernung der Weisheitszähne ging oder um die jährliche Routinekontrolle.

Sämtliche Vampire Blutabnehmer loben zu Beginn meine „wunderbaren Venen“. Ok, Dank Sport, Muskeln und kaum Körperfett sind meine Venen in der Armbeuge gut zu sehen und bieten wohl gute „Stechbedingungen“.

Das war es aber auch schon an günstigen Ausgangsvoraussetzungen bei mir. Ansonsten habe ich mit dem Thema Blutabnehmen eine „lebhafte“ Vergangenheit, wenngleich Blutabnehmen bei mir technisch an sich gut funktioniert und ich auch alles brav mitmache.

In der Vergangenheit hatte ich oft mal mehr, mal weniger starke Kreislaufprobleme, wenn mir im Sitzen Blut abgenommen wurde. Da die ersten Blutabnahmen damals mit ca. 17 erfolgten, als ich stark untergewichtig, mangelernährt und anorektisch war, hatte ich die Probleme erst darauf zurückgeführt, musste aber später feststellen, dass mein vegetatives Nervensystem einfach überempfindlich reagiert.

Warum mir das Blut damals idR ausgerechnet im Sitzen abgenommen worden war, weiß ich nicht. Es war dort bei fast allen Patienten wohl einfach so üblich.
Aus jener Zeit kann ich von interessanten Erlebnissen berichten, wie den Tag, als die sehr gut stechende Praxismitarbeiterin sowohl links, als auch rechts mehrfach stechen musste und offenbar auch traf – nur es kam kein Blut.

Irgendwann nach erneuten Versuchen kam dann doch noch etwas Lebenssaft. Nur floss das Ganze sehr langsam und es fühlte sich regelrecht zäh und merkwürdig an im Arm. Das Gefühl war ehrlich gesagt auf schwer zu beschriebende Weise eklig und am liebsten hätte ich die Nadel aus dem Arm gerissen. Zum Glück ließ mich die Dame eine Weile alleine während sich das Blut durch den Schlauch wand.

Außer mir war niemand im Raum, was auch besser war. Ich weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe, den sich von den Rändern her ausbreitenden schwarzen Schleier vor meinen Augen zu stoppen, mich von den schwankenden Fliesenfugen nicht irritieren zu lassen und nicht vom Stuhl zu kippen.

Damals wollte ich auf keinen Fall Aufsehen erregen und mir höchstwahrscheinlich vorhalten lassen müssen, dass die Kreislaufschwäche ja hausgemacht sei und ein Zeichen, dass ich mehr essen, mehr trinken und zunehmen müsse. So war ich heilfroh, dass niemand etwas mitbekommen hatte.

Für andere bemerkbare Kreislaufschwächen hatte ich trotz allen Raubbaus am Körper nie in der gesamten Zeit. Mein Geist und Körper waren damals irgendwie deutlich zäher, obwohl gesundheitlich objektiv betrachtet deutlich kränker.

Als ich Jahre später regelmäßig mit mehreren Monaten Abstand zur Blutabnahme musste, fing es an, dass ich beim Blutabnehmen im Sitzen entweder gegen Ende der Blutabnahme oder direkt danach, wenn man nur noch das Pflaster auf die Einstichstelle drücken soll, deutliche Kreislaufprobleme entwickelte.

Mir wurde zunächst innerlich plötzlich total heiß und dann übel. Außerdem wurde mir kurz mal mehr, mal weniger schwarz vor Augen und der Körper irgendwie „schlaffer“, ohne dass ich jedoch umgekippt wäre. Die Hände blieben kalt und wurden etwas bläulicher, als ohnehin; vor allem an dem Arm, an dem das Blut abgenommen worden ist. Der ganze Spuk war (bis auf die blauen Hände) binnen Sekunden auch wieder vorbei und ich wieder ganz normal fit. Am einfachsten war es, wenn es niemandem auffiel und ich noch kurz etwas sitzen bleiben konnte, z. B., weil die Praxismitarbeiterin eh noch etwas anderes erledigen musste. Das waren die unproblematischsten Blutabnahmen im Sitzen.

Äußerlich betrachtet bin ich während dieser kurzen Kreislaufeinbrüche wohl auch etwas blasser geworden. Da ich aber immer sehr blass bin, fiel das zum Glück nur (mit Heute) zweimal auch dem Praxispersonal auf.

Beim ersten Mal wurde ich mit den Worten: „Legen Sie sich erst einmal hier hin“ zur Liege geführt, wobei mir dann wirklich kurz durch das abrupte Aufstehenmüssen komplett schwarz vor Augen wurde, so dass ich vorübergehend blind zur Liege mitging, mich dort brav hinlegte und binnen weniger Sekunden wieder munter war. Allerdings bestand die Mitarbeiterin darauf, dass ich noch länger liegen sollte und ich wurde bis zum Verlassen der Praxis skeptisch beäugt, obwohl es mir wirklich wieder ganz normal ging, mit stabilem Kreislauf.

Mir war das alles sehr unangenehm, da ich absolut nicht gerne mit Beschwerden im Mittelpunkt stehe. Zumal es mir nicht gelang, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass ich nur ganz kurz diesen „Kreislaufeinbruch“ habe und das Körpersystem danach binnen Sekunden wieder hochfährt, wie beim PC, und dann alles wieder stabil läuft.

Ich verstehe ja, dass die Leute sich schon aus Haftungsgründen um sowas kümmern und niemand Bock hat, einen kollabierten Patienten vom Boden aufzusammeln oder gar Sturzverletzungen verarzten zu müssen. Aber mich hat das wiederum sehr gestresst, psychisch, weil ich es einfach hasse, wenn sich Leute allzu sehr um mich sorgen. Noch dazu, wenn ich nichts ernsthaftes habe.

Nach meinem einen unfreiwilligen Auftritt war ich beim nächsten Mal Blutabnehmen daher umso motivierter, mir bloß nichts von meinem „Makel“ anmerken zu lassen.
Das gelang mir auch, weil ich direkt nach dem Blutabnehmen geradezu fluchtartig die Praxis verließ, bevor noch jemand etwas hätte merken und mich wieder dabehalten wollen. Draußen außer Sichtweite musste ich mich dann erst einmal kurz auf einen Stein setzen. Dann ging es auch wieder. Wie immer.

Später bin ich nach ersten Hemmungen dazu übergegangen, mir das Blut im Liegen abnehmen zu lassen. Am Anfang habe ich mich erst ziemlich doof und losermäßig gefühlt, weil ich irgendwie immer der einzige Patient war, der liegen wollte beim Blutabnehmen, obwohl ich jeweils rein von den (mutmaßlichen) Befunden her noch der gesündeste und altersmäßig der jüngste Patient von allen Anwesenden im Abnahmeraum war.

Es kam noch lange jedes Mal die irritierte Frage: „Sie können sich doch auch hier auf den Stuhl setzen … – oder müssen Sie liegen?“, wenn ich die Liege ansteuerte.

Mich stürzte das regelmäßig in kurze Grübeleien, ob ich die Definition von „muss liegen“ erfüllte oder nicht. Die Abnahme war ja auch im Sitzen möglich, nur eben subjektiv unangenehm(er), als im Liegen. Also musste ich strenggenommen nicht liegen – aber so haarspalterisch konnte die Frage sicher nicht gemeint sein (oder etwa doch?)?! => Regelmäßige Antwort meinerseits, weil ich nicht lügen und einfach die Frage bejahen wollte: „Äh ich muss eigentlich nicht liegen, aber mir wäre das lieber … „.

Man fühlt sich natürlich gleich viel besser, wenn selbst die ältere, multi-morbide Dame mit katastrophalen Venen stoisch ohne Kreislaufprobleme die diversen Stechversuche im Sitzen erträgt während mein Körper da schon bei einem perfekten Stich rumzickt.

Im Liegen gestaltete sich das Blutabnehmen dagegen absolut reibungslos. Ich musste nur damit leben, dass man aus Sicht des Personals als „Risikokandidat“ fürs Umkippen gilt, wenn man selbst schon auf das Liegen besteht. Immerhin wurde ich nicht ernsthaft aufgehalten, wenn ich zügig direkt nach der Abnahme aufspringen und gehen wollte – die Mitarbeiterin ließ sich nur – gaaanz zufällig – ein bisschen mehr Zeit, um das Pflaster zu holen während ich liegenbleiben sollte, was ich ignorierte und mich zumindest auf die Liege setzte. Man wurde ein bisschen wie ein rohes Ei behandelt, weshalb ich mich anfangs immer doppelt doof fühlte. Aber damit konnte ich nach einer Weile relativ gut leben.

Ich weiß nicht warum, heute morgen bin ich nicht zur Liege gegangen, sondern dachte, dass es doch auch im Sitzen klappen müsste.

Ein Fehler! Klassischer Fall von selbst schuld.
(Ich könnte es natürlich darauf schieben, dass ich zweimal gestochen werden musste und zum ersten Mal eine andere Vene an dem Arm genommen worden ist, aber ich glaub nicht, dass das der Hauptauslöser für mein vegetatives Nervensystem gewesen ist.)

Wie soll ich sagen … mir wurde innerlich schrecklich heiß, mir wurde übel und mir brach sogar ausnahmsweise sichtbar der Schweiß am ganzen Körper aus. Es fiel mir zunehmend aufgrund der abnehmenden Muskelspannung etwas schwer, das Pflaster auf die Einstichstelle zu drücken. Der Schweiß verriet mich leider.

Mein Zustand fiel prompt auf, obwohl ich vergeblich um Contenance bemüht war, und so landete ich auf der Liege.
Ca. 10 Sekunden Liegen, einmal schnell das Gesicht trockentupfen und alles war wieder gut, für mich (bis auf die angeschwitzte Kleidung – die war unangenehm und später auf dem Parkplatz war mir deshalb arschkalt).

Es wurde noch der Blutdruck gemessen: 105:70 – ich hätte mit weniger gerechnet. Ok, als die Messung war, lag ich ja bereits ca. eine Minute oder länger und mir ging es bereits wieder gut. Evtl. kam daher der relativ hohe bzw. normale Wert.

Den freundlich aufgedrängten Traubenzucker habe ich natürlich trotzdem genommen, um die Mitarbeiter zu beruhigen. Nur das Glas Wasser hätte ich beim besten Willen nicht runterbekommen und konnte ich ebenso freundlich meinerseits wieder loswerden.

Alles in allem habe ich auch Glück gehabt: Wenige Sekunden vorher wäre ich in den zweifelhaften Genuß der leibhaftigen ärztlichen Sorge meines Hausarztes gekommen. Gottseidank war er just am Abnahmeraum vorbei, als mein vegetatives Nervensystem es für eine gute Idee hielt, das System doch einfach mal abrupt neu zu starten. Auf einen Tropf oder ein Arztgespräch wäre ich echt nicht scharf gewesen.

Es reichte, dass ich den freundlichen Spott meiner Eltern für den Rest des Tages ertragen musste. Nächstes Mal nehme ich wieder gleich die Loser-Liege.^^

(Ich könnte auch noch von „Schwester Rabiata“ erzählen, die bei mir als Kind das erste Mal Blut abgenommen hat. Das würde aber selbst mir hier zu ausufernd.^^)

Erfreulich war der Zahnarzttermin 2h später: Die Ärztin hat die abgesplitterte Ecke quasi ersetzt und der Schneidezahn sieht wieder tadellos aus. Außerdem finde ich die professionelle Zahnreinigung immer sehr angenehm, vor allem das sehr saubere und glatte Gefühl an den Zähnen danach.