Blutzoll

Ich hoffe das bekommt niemand in den falschen Hals. Es hat auch nichts mit dem Virus zu tun, also keine Sorge. Wer sich schnell ekelt oder gerade isst, sollte besser wegklicken.

Es fing gestern mit dem ersten unschuldigen roten Tropfen an, der plötzlich vor mir auf die Keramik platschte, als ich mich gerade übergab. Ich habe ja schon viel erlebt beim Übergeben, inklusive Beinahe-Ersticken, aber Nasenbluten habe ich davon bislang noch nie bekommen. Nicht einmal in früheren exzessiven Zeiten, in denen es mich beim besten Willen nicht gewundert hätte.

Das gestern hat mich gewundert, weil es für mich nicht wirklich plausibel war. Erbrechen tue ich mich über die letzten Wochen betrachtet etwa 2-3/Monat, mit eher sinkender Tendenz und na ja einfach insgesamt vom Ausmaß her abnehmend; es würde mich nicht wundern, wenn es sich bald wieder final erledigt hat für die nächsten Jahre oder so. Allerdings mag ich mir in der Hinsicht nichts bestimmtes vornehmen, weil ich im Moment zwar Nichtübergeben insgesamt besser finde und das Bedürfnis danach eher gering ist, ich mich aber nicht so 100%ig überzeugt für die Option entscheiden kann, es einfach komplett sein zu lassen.

Außerdem übergebe ich mich je nachdem im Zweifel auch trotz eines gering ausgeprägten Bedürfnisses danach, oder andersherum übergebe ich mich trotz situativ etwas größeren Wunsches danach trotzdem nicht, ohne dass es mir schwerfallen würde. Erklären kann ich das nicht.

Manchmal beschleicht mich eh der Verdacht, dass mein Handeln, Denken und Empfinden generell öfters auseinanderfallen => Ich handel anders, als ich fühle und denke; und ich fühle anders, als ich handel und denke etc..

Immerhin hat das Nasenbluten gestern so schnell wieder aufgehört, wie es angefangen hat. Heute abend habe ich nach dem Abendessen ein paar bislang aufgeschobene Dinge erledigt. Später wieder in Ruhe habe ich erneut Nasenbluten bekommen. … Eigentlich bin ich so der Mensch, der so gut wie nie Nasenbluten bekommt. Die Ursache war schnell gefunden: Mein Blutdruck war zwar noch normal-hoch, aber höher, als gewöhnlich. Vielleicht sollte ich doch mal ein paar chronische (hausgemachte) Stressfaktoren aus meinem Alltag entfernen? Andererseits ist mein Alltagsstress überschaubar, je nach Sichtweise habe ich gar keinen echten Stress bzw. Grund, mich gestresst zu fühlen.

Wer dagegen derzeit richtig Alltagsstress hat, mehr als sonst ohnehin schon, sind mein Hausarzt und dessen Mitarbeiter. Meine Mutter musste heute dorthin und nach dem, was sie von dort berichtet hat, tut mir mein Hausarzt leid. Nicht nur wegen des Massenandrangs gleich an seinem ersten Arbeitstag nach einer Woche Ferien (die ihm aus tiefstem Herzen gegönnt sind), sondern auch, weil er gewissermaßen wie andere aus der Medizinsparte tagtäglich direkt an den (potentiellen) Seuchenquellen sitzt, kümmerlich bewaffnet mit einem Mundschutz (der Rest in der Praxis trägt zusätzlich so eine Art Kunststoffschutz vorm Gesicht). Ich drücke ihm und seinen Angestellten die Daumen.

Btw: Meine Mutter hat eine vorgeschädigte Lunge, den medizinischen Fachbegriff kenne ich nicht, aber von den Symptomen her ist das ein wenig wie Asthma, wobei die akuten Anfälle u.a. durch kalte Luft, Zigarettenqualm usw. ausgelöst werden. Jedenfalls muss sie dann husten, bekommt schlecht Luft und braucht tatsächlich im Zweifel Asthmaspray, weil sich die Lunge wohl verkrampft. Da es heute morgen noch sehr kalt war, bekam sie leider just in der Praxis einen Hustenanfall. In diesen Zeiten ist man damit natürlich direkt ganz weit vorne … in der Liste der spontan im Raum meistgehassten Personen.^^ O-Ton: „Die Leute hätten mich fast gelyncht.“

Wenn ich mir überlege, wie die Leute auf mich zu Zeiten der Schweinegrippe reagiert haben, als ich just im Bus einen Schnupfenanfall bekommen habe (zu viel Histamin eben), glaube ich ihr sofort.

Parentale Ernährung (PE)

Ja, das heißt wirklich so und meint, dass man Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate (in Form von Zuckerlösungen) per Infusion über einen Zentralen Venenkatheder (ZVK) bekommt.

Für Menschen die Zugänge z.B. beim Blutabnehmen so sehr mögen wie ich, also die verkappten Spritzenphobiker unter uns: Der ZVK kommt in die Halsvene.

Bei mir sah das so aus:

Was mir dieses zweifelhafte Erlebnis verschafft hat?

Nein, keine Essstörung. Zu dem Zeitpunkt war ich seit ca. 5 Jahren komplett essstörungsfrei. Und mit komplett meine ich komplett, wenngleich es immer „nette Mitmenschen“ gibt, die eine Essstörung für eine Gewichtserkrankung halten und der Ansicht sind, dass man weiterhin essgestört/anorektisch sei, wenn man nach wie vor sehr schlank bzw. sogar leicht untergewichtig ist (trotz normaler Ernährung und Bewegung). Dabei ist es primär das Denken und Empfinden, das den Unterschied zwischen gesund und essgestört ausmacht.

Den ZVK und die PE hatte ich meinem Blinddarm, präziser gesagt meiner Appendix an selbigem zu verdanken.

Eines schönen Sonntags im Herbst war mir bereits morgens komisch zumute, so als ob man krank wird, und das Frühstück samt selbstgebrautem Saft, den mein Besuch mitgebracht hatte, ekelte mich komischerweise an. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, es sei irgendwie „psychogen“ und eigentlich ein gewisser Selbst- wie Fremdekel gegenüber meinem Gast (lange Geschichte!), der sich zum Glück bald darauf verabschiedete.

War aber nicht die Psyche. Der Spuk hielt bis Dienstags an: Ich hatte absolut null Appetit, Widerwillen gegen die meisten Speisen, war müde und schwitzte nachts. Arglos ging ich von einem harmlosen Infekt aus, den ich mir bestimmt bei meinem Besuch eingefangen hätte. Komisch war nur, dass meine Augenlider total zugeschwollen waren. Körpertemperatur: unter 37 Grad.

Dienstagabends ging es mir wieder besser, und da mir Sport oft bei kleineren gesundheitlichen Beschwerden geholfen hat und ich mich wieder relativ fit fühlte, ging ich zum Taekwondo-Training. Im Training ging es entspannter zu, als sonst. Mir tat die Bewegung gut und in der Umkleidekabine erfuhr ich von den Karate-Frauen, dass derzeit Erkältungsmist im Umlauf sei. Da es mir weiterhin besser ging, hatte ich das Ganze damit schon innerlich abgehakt.

Ich schlief bis zum Mittag am Mittwoch, bildete mir ein, diese Nacht etwas weniger geschwitzt zu haben. Ist ja auch gut, wenn der Körper schwitzt, wenn er mit irgendwelchen Bazillen kämpft.

Endgültig wieder gesund wähnte ich mich, als ich sogar wieder Appetit hatte. Es gab Hähnchenfrikassee und ich erwähne es auch nur deshalb, weil sich mir noch Monate danach beim Anblick von Hähnchenfrikassee im Supermarkt der Magen umdrehte.

Es wurde spätnachmittags und mir war komisch zumute. Unschlüssig, vermutete ich, dass es von dem wenigen Essen kommen könnte, das ich die letzten Tage herunterbekommen hatte (im Wesentlichen Milchbrötchen). So aß ich den Sojajoghurt, den mein Gast mir überlassen hatte. Ein Fehler! … Gegen Abend ging es mir dreckig. Die geplante Online-Zockerrunde mit den anderen sagte ich ab und wälzte mich die nächsten Stunden im Bett herum, auf der Suche nach einer Position, in der mir nicht so abartig übel wäre. Vergebens.

Das Übergeben war ich so gar nicht mehr gewöhnt und ja irgendwie war es mir seinerzeit wichtig, mich nicht zu übergeben, glaubte ich doch mit diesem Thema für den Rest meines Lebens abgeschlossen zu haben.

Sich aufgrund einer organischen Erkrankung übergeben zu müssen, ist anders, als wenn man sich geplant absichtlich übergibt; eben kontrolliert im Rahmen einer Essstörung erbricht. Bei mir jedenfalls.
Um es kurz zu machen: Ich musste mich an jenem Mittwochabend zweimal übergeben, wobei mir ein Blutgefäß im Auge geplatzt ist.
(Später im Krankenhaus bin ich wiederholt auf mein „blutiges Auge“ angesprochen worden; sah aber nur schlimm aus.)

Nach dem Übergeben bin ich irgendwann eingeschlafen, zunehmend stärker schwitzend und mit einer Körpertemperatur von ca. 37,5 Grad. Überhaupt: Ich hatte die klassische Kombi aus Schwitzen und Frieren.

Nachdem ich Donnerstagmittag benommen aufgewacht bin, mich das x.-te Mal umgezogen habe, nur um darauf wieder zu schwitzen und zu frieren, habe ich mich schon ein bisschen gewundert, weil ich irgendwie auch ohne neuer Selbstversuche intuitiv wußte, dass ich gerade kein Essen vertragen würde. Ich habe es mit Saft versucht und das dann schnell nach zwei, drei kleinen Schlücken gelassen.

Magenschmerzen in dem Sinne hatte ich aber nicht! Dabei sollen das ja angeblich die typischen Symptome sein. Pah!

Körpertemperatur: 38,5 Grad. Telefonat mit meiner Mutter gegen 14/15 Uhr, um meinen Eltern fürs anstehende Wochenende abzusagen. Vorschlag meiner Mutter, dass ich doch die 2h-stündige Fahrt zu ihnen jetzt gleich machen solle, damit ich bei meinen Eltern freitagmorgens direkt zu meinem Hausarzt gehen könnte.
Ich war nicht so angetan von der Idee, da ich meinen Hausarzt wegen der „kleineren Magenverstimmung“ nun echt nicht belästigen wollte. „Einfach viel schlafen, das ganze Wochenende, den Körper „die Krankheit ausschwitzen lassen“ und fertig, am Montag bin ich wieder fit!“, so dachte ich.

Es wurde Nachmittags, irgendwie war ich in einem seltsamen geistigen Zustand. Im Nachhinein würde ich ja sagen, dass ich etwas „eingetrübt“ war, außerdem war ich komisch kurzatmig und bekam subjektiv gefühlt nicht ausreichend Luft, ohne echte Atemnot zu haben, dafür atmete ich schneller als sonst und hatte einen Puls von 100 in Ruhe statt wie üblich von 60/70. Aber da sich von den behandelnden Ärzten dafür später niemand interessiert hat, denke ich, dass das wohl nichts Besonderes war. (Lag bestimmt an den später festgestellten hohen Entzündungswerten.).

Solche Symptome kannte ich bislang allerdings nicht. Körpertemperatur: 39,3 Grad. Ich habe die nächsten Stunden damit verbracht, mein Geschirr zu spülen (von Hand), wofür ich ewig gebraucht habe, weil ich immer wieder Pausen machen musste; das Gleiche beim Packen meines Autos für das WE bei meinen Eltern. Damals lebte ich noch im 4. Stock und musste mehrmals hoch und runter, wobei ich kaum Luft bekommen, fast gehechelt und wie ein Schwein geschwitzt habe, obwohl mir das Treppensteigen sonst nie etwas ausgemacht hat.

Nassgeschwitzt ins Auto, Musik an und los. Im Kaff nicht mehr weit von meinem Elternhaus entfernt geblitzt und herausgewunken worden. Es war wenige Meter vor der Ortsausfahrt, wo man erst 50 km/h und ziemlich direkt dann 70 km/h fahren darf; seit einer Weile gab es dort noch für wenige Meter eine 30er-Zone, in der die meisten 40 km/h fahren; die „neue“ 30er-Zone war mir aber entgangen, weil ich noch gewöhnt war, dass dort durchgängig innerorts 50 km/h erlaubt wären. Die Frage des Polizisten habe ich dann auch komplett versemmelt:

„Wie schnell dürfen Sie hier fahren?“. „Ich nehme den 50:50-Joker.“
„… 50 km/h?!“ … „50 km/h?! Hier sind 30 km/h erlaubt!“, blaffte es mir entgegen. Danach folgten Fragen und Vorhaltungen, dass die „neu-alte“ 30er-Zone schon seit 4 Monaten eingerichtet sei; dazu fiel mir innerlich nur ein, dass ich meine Eltern doch ganz schön lange nicht mehr besucht hatte. Aufgrund meines Kennzeichens hielt mich der Polizeibeamte dummerweise für einheimisch. Er bekam sich gar nicht mehr ein, ich schwieg wohlweislich und gab mich vorsorglich schuldbewusst, obwohl mir alles so egal war, weil ich gerade ganz andere akute Probleme hatte. Das wollte ich aber besser nicht sagen; nicht dass er noch auf den Trip käme, ich sei fahruntüchtig.

So wie der Typ sich aufführte, musste ich wohl mindestens 60 km/h gefahren und in seinen Augen ein elender Raser sein, der kleine Kinder vor den hier nicht vorhandenen Schulen abends tot fuhr… aber es stellte sich heraus, dass ich nur sagenhafte 8 km/h zu schnell gewesen war. Zum Glück hatte ich aus Verpeiltheit die Innenbeleuchtung im Pkw nicht angemacht und es ist mir bis heute ein Rätsel, wie der Polizist übersehen konnte, dass ich geistig verpeilt und körperlich extrem verschwitzt war, mir lief der Schweiß so runter im Gesicht, trotz der Kälte, und meine Wohnorte habe ich auch bunt durcheinandergeworfen etc..
Ich hätte an seiner Stelle mit mir sämtliche Drogentests durchgeführt, aber dort herrschte Massenabzocke Hochbetrieb und so wollte er nach seiner Standpauke und dem üblichen Procedere nichts weiter von mir. Die kalte Luft, die durch das geöffnete Fenster hereinkam, ließ mich schwitzen und frieren. Ich wollte nur irgendwie zu meinen Eltern und dort ins Bett.

Endlich da. Meine Eltern handhaben Erkrankungen auch recht nüchtern, wenngleich nicht unherzlich. So gab mir meine Mutter ein Körnerkissen und ließ mich ansonsten auf dem Sofa wie auch später in Ruhe. Es war klar, dass ich morgens zum Arzt gehen würde. Inzwischen hatte ich eine komische Mischung aus Appetitlosigkeit mit Widerwille gegen Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr sowie ein diffuses Unwohlsein im Bauch, aber keine richtigen Schmerzen. Meinen Eltern konnte ich nicht recht begreiflich machen, dass mein Körper wirklich besser keine Nahrung haben wollte. Ich hätte es nicht mit etwas Konkretem begründen können, aber mein Körpergefühl hat mir das deutlich gesagt.
Dem elterlichen Drängen habe ich letztlich nachgegeben und eine kleine Portion Apfelmus gegessen. Keine gute Idee.

Ich fühlte mich nicht gut, aber gleichzeitig hatte ich die Sorge, dass mich mein Hausarzt auslachen würde, was ich denn wegen eines etwas verstimmten Körpers bei ihm wollen würde und dass ich mich aus seiner Sicht nur anstellen würde.

Nachts konnte ich nicht schlafen und wälzte mich erneut hin- und her; richtige Bauchschmerzen hatte ich immer noch nicht und sollte ich auch nicht bekommen
(kleiner Exkurs: Lustigerweise stand später im Entlassbrief vom Krankenhaus trotzdem, dass ich massive Bauchschmerzen beklagt hätte, obwohl ich meine Schmerzen in der Notaufnahme mit 1, evtl. maximal 2 -also praktisch keine bzw. nur sehr leichte Schmerzen- angegeben hatte auf der 10er-Schmerzskala. Selbst die Ärztin tat so, als würde mir das Herumdrücken auf dem Bauch große Schmerzen bereiten, als sie danach fragte, ob es ok sei, dass ihr Kollege auch mal tastet. „Ich weiß, dass Ihnen das sehr weh tut …darf mein Kollege trotzdem …. das kann man bei Ihnen so gut ertasten.“ <= Nö, tat nicht weh; hatte ich auch nie gesagt dort. Passte als klassisches Symptom wohl einfach zu gut, um auf mich zu hören, was ich wirklich empfand^^).

Gleichwohl war Liegen etc. im Bett in jener Nacht auf Freitag unangenehm. Daher habe ich mich mit Online-Surfen abgelenkt. Da ich immer schon wissbegierig war und Wissen am besten gegen Ängste hilft, googelte ich meine Symptome. Paradoxerweise, weil ich Angst vor dem Gespräch mit meinem Hausarzt hatte und dass er mich endgültig für einen Hypochonder halten würde. Dr. Google behauptete mit verblüffender Übereinstimmung, dass ich es wahrscheinlich „am Blinddarm“ hätte.
Ich war gleichwohl skeptisch: Als Hauptsymptom wurden dort bei einem entzündeten Blinddarm/Wurmfortsatz starke Bauchschmerzen in der rechten unteren Körperhälfte beschrieben. Die hatte ich nicht; einzig das komisch-diffuse Gefühl war in den letzten Stunden von der Körpermitte etwas nach rechts unten gewandert, aber keine Ahnung, ob ich das zutreffend wahrnahm – unter starken Schmerzen stellte ich mir auch etwas gänzlich anderes vor; deshalb verwarf ich Dr. Googles Diagnose und schlief irgendwann ein.

Nächster Akt: Freitagmorgen. Mir ging es schlechter, das Schwitzen war aber etwas weniger. Eigentlich wollte ich meine Eltern fragen, ob sie mich fahren könnten. Als ich im Badezimmer war, hörte ich, wie sie sich über mich unterhalten haben; meine Mutter überlegte laut, ob sie mich nicht besser zum Arzt fahren solle, mein Vater erwiderte, dass das Unsinn sei, das könnte ich doch selbst machen, da [alt genug, soll sich nicht so anstellen, hat doch nichts Schlimmes usw.].
Sie wußten nicht, dass ich alles mitangehört hatte (wie so oft). Ich kam mir erst recht wehleidig + doof vor und fuhr selbst zum Arzt. Dort wartete ich brav ca. 2 h+, denn ich wollte mit meiner Lappalie keinen Aufstand machen; mir war das eh schon unangenehm genug. Freitagmorgens war dort erst recht viel los.

Zu meiner Verwunderung hat mich mein Hausarzt nicht ausgelacht, sondern mir nach einem Ultraschall eröffnet, dass er mich ins Krankenhaus überweist und es sein könnte, dass ich dort ein paar Tage bleiben muss, mein Blinddarm sei entzündet, das sei deutlich zu sehen. Passenderweise bekam ich just einen der Schweißausbrüche auf der Untersuchungsliege, nachdem er festgestellt hatte, dass ich kein Fieber habe (Körpertemperatur: Ca. 36,5 Grad). Ich solle sofort in die Notaufnahme des Krankenhauses, und auch nichts mehr essen, weil ich möglicherweise operiert werden würde.

Kurz mit meinen Eltern telefoniert, damit sie schon einmal eine Tasche packen, zurück gefahren. Beim Gehen ein dumpfer minimaler Schmerz in der rechten unteren Bauchhälfte.

Von Eltern in die Notaufnahme gebracht werden, dort zu meiner 2. Verwunderung fast direkt drankommen und erklärt bekommen, dass ich eine schwere Entzündung hätte, unbedingt in den nächsten Stunden operiert werden müsse und danach auf die Intensivstation käme.

Joa, ich fand das recht übertrieben; ist zwar so herum besser, als dass die Ärzte sauer auf mich gewesen wären, dass ich ihnen Zeit stehlen würde und nichts hätte, aber gleich so ein Aufheben?

Nach der OP habe ich von meinen Eltern und später von den Ärzten erfahren, dass ich eine sehr schwere Entzündung (gehabt) hätte, die Appendix war bereits durchgebrochen, gangränös und mein Bauchfell entzündet. Außerdem waren die Entzündungswerte im Blut wohl auch für eine Appendizitis sehr hoch. Da ich aber nach der OP stabiler als erwartet gewesen sei etc., ist mir die Intensivstation erspart geblieben.

Andererseits haben die Ärzte insbesondere gegenüber meinen Eltern nach der OP (als ich noch nicht wieder wach war) deutlich gemacht, dass ich das Wochenende nicht mehr überlebt hätte. … Mein Vater hat sich deshalb sehr kleinlaut bei mir entschuldigt für seine Worte vom Freitagmorgen, nachdem er erfahren hat, dass ich sie gehört hatte. Dabei waren seine Worte ja durchaus berechtigt ex ante.

Gewurmt hat mich etwas ganz anderes nach der OP:
Es wäre so einfach gewesen: Einfach im Bett in meinem kleinen Appartment liegenbleiben, immer mehr wegdämmern, schlafen, schwitzen … irgendwann ganz Wegsein. … Es wäre ein echter Unfall gewesen, mit dem meine Eltern noch am ehesten hätten leben und eines Tages wieder glücklich werden können. Anders, als bei einem Suizid.

Es ist nicht so, dass ich undankbar bin, dass mir die Ärzte (und indirekt meine Mutter mit ihrem Rat zum Hausarzt zu gehen) das Leben gerettet haben, ich bin nur so chronisch ambivalent bzgl. des Weiterlebens und wenn man erfährt, so dicht am Ziel gewesen zu sein, wie man es nicht mehr sein wird, ist die Ambivalenz extrem. So wie es auch an jenem Abend mit den knapp über 40 kg und den (eingebildeten?) „Herzproblemen“ gewesen ist. Nur war es bei der Blinddarmsache noch viel näher und es wäre auf jeden Fall erfolgreich gewesen.
Es betrübt mich bis heute manchmal, dass ich meine bislang auf lange Sicht beste und einzige Chance nicht erkannt und genutzt habe.

Was man mir vor der OP übrigens nicht gesagt hatte und worin ich nicht explizit eingewilligt hätte:
Ich bin mit einem ZVK im Hals aufgewacht und wurde parental ernährt. Wäre ich noch anorektisch gewesen, wäre das grausam gewesen.

Auch ohne Essstörung fand ich es nicht gut; ich möchte einfach nicht, dass man so etwas ohne höchste Notwendigkeit mit mir macht und derart negativ über meinen Körper bestimmt (diese unmittelbare Fremdbestimmung endet insofern erst, wenn auch die parentale Ernährung beendet wird).

Die parentale Ernährung habe ich ca. 4 Tage bekommen und nicht vertragen. Ganz am Anfang hatte man mir zu hohe Glukoseinfusionen fast rund um den Tag gegeben; mir war durchgängig schlecht, mein Urin roch wie Honig, mein Gehirn war matschig und ich hing wie ein Schluck Wasser in der Kurve im Stuhl an dem Sonntagmittag, als man dann feststellte, das mein Blutzucker bei knapp 400 mg/dl (statt der normalen ca. 100-200(?) mg/dl) lag.
(Überwacht worden war der Blutzuckerwert nicht; die Messung habe ich einer aufmerksamen Krankenschwester zu verdanken gehabt, die sich spontan nach der Blutzuckermesung bei meiner diabetischen Zimmernachbarin entschlossen hatte, ausnahmsweise auch bei mir zu messen).

Kein Grund, die PE zu beenden. Stattdessen hat man mir nach einer kleinen Pause einfach etwas weniger Glukose gegeben, die ich aber trotzdem nicht vertragen habe. Ich habe drei Kreuze gemacht, als die PE beendet wurde. Zudem waren meine Leberwerte mies; keine Ahnung, ob das von der Infektion oder von den Segnungen der parentalen Ernährung gekommen war.

Zusätzlich zur PE musste/sollte ich auch Schonkost essen. Das bedeutet am 1. Post-OP-Tag Fresubin. Ich hatte von dem Zeug ironischerweise in Blogs von Essgestörten viel gehört.
(Selbst bin ich wegen der Anorexie -zum Glück- nur eine Weile in der hausärztlichen ambulanten Behandlung gewesen. Das hat mir Fresubin & Co. sowie die ihrerseits körperlichen Bedürfnissen entfremdeten Essenspläne auf der Essgestörtenabteilung erspart.)

Von dem Fresubin sollte ich drei Flaschen zu mir nehmen, habe aber nur eine morgens geschafft, nach der ich mich fast hätte übergeben müssen. Ansonsten gab es ab dem 2. Tag Suppe, Weißbrot und Marmelade.
Essen, das ich überhaupt nicht vertragen habe und von dem mir auch gesund schlecht geworden wäre. Das hat neben der tollen Essensinfusionen auch zur durchgängigen Übelkeit tagsüber beigetragen. Ich hätte am liebsten keine PE und ein normales Brötchen mit Käse gehabt oder was es sonst so gab. Das war dort aber keine Schonkost. Daher: Pech gehabt.

Leider habe ich versäumt nach dem Grund für die parentale Ernährung zu fragen; ich hatte damals einen BMI von 18, war nicht unterernährt und hätte auch einen größeren, vorübergehenden Gewichtsverlust verkraften können. Außerdem ist mein Körper zäh. Warum also gleich eine PE?

Als ich nach knapp einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden bin, hatte ich ca. 6/7 kg zugenommen. Alles Wasser; ich habe meine Fußknöchel nicht mehr gesehen, so aufgeschwemmt war mein Körper, obwohl ich mich in der Klinik im Rahmen meiner Möglichkeiten viel bewegt habe, z.B. im Treppenhaus. Persönlich denke ich, dass das so nicht normal ist mit so starken Wassereinlagerungen und dass man mir die PE gut hätte ersparen können.

Bevor das so einseitig negativ endet und einen falschen Eindruck hinterlässt: Doch, ich bin den Ärzten und Pflegern im Krankenhaus, meinem Hausarzt, und meinen Eltern insgesamt durchaus dankbar, sehr sogar.


Something Different

Something black, something light, something different
Something wrong, something right, something missing …

Der Refrain trifft es sehr gut. Das Leben ist nicht schwarz-weiß oder nur schön bzw. nur schlimm. Meistens ist es eine Mischung aus ganz verschiedenen, durchaus gegensätzlichen Elementen. Ich finde, es ist wie bei einem Kaleidoskop.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die dazu führen, dass sich die einzelnen Teilchen neu anordnen und sich ein ganz anders Bild ergibt. Das gilt auch bezogen auf die eigene Stimmung, die eigenen Gedanken, Empfindungen etc.. Im Guten, wie im Schlechten.

Dazu kommt der ständige Empfindungsmischmasch im Hintergrund, bei dem selten kurz ein Gefühl besonders heraussticht wie bspw. Freude. Es ist mehr so ein Grundrauschen insgesamt mit kleineren kurzen Ausschlägen in die ein oder andere Richtung.

Die Tage seit meinem letzten Eintrag sind gut verlaufen. Am Samstag bekomme ich einen neuen Kühlschrank nebst Herd geliefert – eine zwar länger vage geplante, aber letztlich in der Umsetzung relativ kurzentschlossene Aktion.

Seitdem bin ich bemüht, meinen Kühlschrank zu leeren, vor allem das Gefrierfach. Das hat mir die nötige Motivation verliehen, endlich mal all die Gemüse- und Fischsorten daraus anzugehen. Jetzt koche ich abends für das Abendessen und gewissermaßen zugleich für das Mittagessen am nächsten Tag im Büro. … Meinem Körper scheint das gut zu bekommen. Seitdem esse ich auch de facto auch kein/kaum Brot mehr, ebenso wenig Käse oder gar Süßigkeiten.

Es wäre sicher gut, sich dauerhaft so zu ernähren. Das beseitigt so viele Baustellen mit einem Schlag. Außerdem mag ich Gemüse, Fisch, Fleisch etc. ja durchaus gerne, so ist das nicht. Gerade nach der Arbeit war ich in der Vergangenheit nur fast immer zu faul und müde, um noch richtig kochen zu wollen.

Die Wassereinlagerungen sind auch schon etwas besser geworden, aber sind insgesamt noch recht hoch. Schätze, ich sollte mich da in mehr Geduld und vor allem auch dauerhafter, lebenslanger Disziplin in punkto Ernährung, Bewegung und Schlafen üben, um die ganz loszuwerden und neue Einlagerungen zu vermeiden.

Was noch nicht geklappt hat war, abends Laufen zu gehen oder zumindest Spazieren, an den Tagen, an denen ich kein Kampfsporttraining habe. Dazu war ich dann doch zu müde und faul.
Eigentlich wollte ich im Gegenzug dann wenigstens eher ins Bett gehen, mal vor weit nach Mitternacht. Das hat nicht geklappt, aber ich fand die letzten Abende viel entspannter als sonst und habe erholter geschlafen.

Sehr gut ist auch, dass ich auf der Arbeit eine sehr wichtige Sache fertiggestellt habe und mein Chef, der da eigentlich üblicherweise nochmal drüberschauen möchte – zumal es eine persönliche Angelegenheit von ihm ist – mir wortwörtlich gesagt hat, dass er mir da voll vertraut, er den Entwurf nicht sehen möchte/braucht und ich das schon machen werde.

Das hat mich irgendwie gefreut und ich bin eher neugierig, als ängstlich, wie die Sache ausgeht und das Gericht entscheiden wird. Noch vor ein paar Monaten hätte mich das innerlich geängstigt und für mich die Sorge aufgeworfen, ob ich womöglich totalen Schrott geschrieben habe, über den sich die Gegenseite und das Gericht scheckig lachen.

Gerade zu Beginn der Arbeit an dieser Sache war mir alles andere als wohl zumute. Es ist eine inhaltlich und juristisch anspruchsvoll bis komplizierte Sache und es hat recht viel Zeit in Anspruch genommen, mich da reinzufuchsen. Andererseits bin ich mit dem Entwurf nun soweit zufrieden, der kann so rausgehen. Blöd ist nur die Ungewissheit bis auf Weiteres. Gut, dass ich mit all den anderen Akten in der Zwischenzeit bestens beschäftigt und abgelenkt bin.

Gar nicht mal so schlecht sind auch die aktuellen Schilddrüsenwerte, wobei sich ft3 noch nicht ganz erholt hat. Immerhin geht die Vermutung auf, dass die L-Thyroxin-Dosis vorher etwas zu hoch war, wodurch ft4 bis an die Obergrenze gestiegen ist und der Körper zu viel rt3 gebildet hat, als Gegenspieler zum ft3 bzw. T3. Dadurch sinkt dann der ft3-Spiegel. Dazu passt, dass sich nun nach der Reduzierung von L-Thyroxin seit Oktober 2019 ft4 und ft3 wieder etwas angenähert haben; ft4 ist gesunken, und ft3 etwas gestiegen, wenngleich immer noch im unteren Drittel des Normbereichs. ft4 ist noch deutlich höher, als ft3. Wie auch immer, mich erleichtern die Werte und die daraus abzulesende Entwicklung. Wenn ft3 in den nächsten 6-10 Monaten wieder die alten Wohlfühlwerte von alleine erreicht, wäre das sehr gut und am einfachsten.

Arztbesuche

Heute hatte ich mir frei genommen, um Mittwochsabends zu meinen Eltern rüberzufahren und dort meinem Hausarzt und meiner Zahnärztin einen Besuch abzustatten.

Beim Hausarzt stand zwar nur Blutabnehmen zur Kontrolle der Schilddrüsenwerte an, aber Blutabnahmen werden nie meine Lieblingsuntersuchung werden. Zahnarztbesuche finde ich dagegen immer sehr entspannt, egal ob es um die Entfernung der Weisheitszähne ging oder um die jährliche Routinekontrolle.

Sämtliche Vampire Blutabnehmer loben zu Beginn meine „wunderbaren Venen“. Ok, Dank Sport, Muskeln und kaum Körperfett sind meine Venen in der Armbeuge gut zu sehen und bieten wohl gute „Stechbedingungen“.

Das war es aber auch schon an günstigen Ausgangsvoraussetzungen bei mir. Ansonsten habe ich mit dem Thema Blutabnehmen eine „lebhafte“ Vergangenheit, wenngleich Blutabnehmen bei mir technisch an sich gut funktioniert und ich auch alles brav mitmache.

In der Vergangenheit hatte ich oft mal mehr, mal weniger starke Kreislaufprobleme, wenn mir im Sitzen Blut abgenommen wurde. Da die ersten Blutabnahmen damals mit ca. 17 erfolgten, als ich stark untergewichtig, mangelernährt und anorektisch war, hatte ich die Probleme erst darauf zurückgeführt, musste aber später feststellen, dass mein vegetatives Nervensystem einfach überempfindlich reagiert.

Warum mir das Blut damals idR ausgerechnet im Sitzen abgenommen worden war, weiß ich nicht. Es war dort bei fast allen Patienten wohl einfach so üblich.
Aus jener Zeit kann ich von interessanten Erlebnissen berichten, wie den Tag, als die sehr gut stechende Praxismitarbeiterin sowohl links, als auch rechts mehrfach stechen musste und offenbar auch traf – nur es kam kein Blut.

Irgendwann nach erneuten Versuchen kam dann doch noch etwas Lebenssaft. Nur floss das Ganze sehr langsam und es fühlte sich regelrecht zäh und merkwürdig an im Arm. Das Gefühl war ehrlich gesagt auf schwer zu beschriebende Weise eklig und am liebsten hätte ich die Nadel aus dem Arm gerissen. Zum Glück ließ mich die Dame eine Weile alleine während sich das Blut durch den Schlauch wand.

Außer mir war niemand im Raum, was auch besser war. Ich weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe, den sich von den Rändern her ausbreitenden schwarzen Schleier vor meinen Augen zu stoppen, mich von den schwankenden Fliesenfugen nicht irritieren zu lassen und nicht vom Stuhl zu kippen.

Damals wollte ich auf keinen Fall Aufsehen erregen und mir höchstwahrscheinlich vorhalten lassen müssen, dass die Kreislaufschwäche ja hausgemacht sei und ein Zeichen, dass ich mehr essen, mehr trinken und zunehmen müsse. So war ich heilfroh, dass niemand etwas mitbekommen hatte.

Für andere bemerkbare Kreislaufschwächen hatte ich trotz allen Raubbaus am Körper nie in der gesamten Zeit. Mein Geist und Körper waren damals irgendwie deutlich zäher, obwohl gesundheitlich objektiv betrachtet deutlich kränker.

Als ich Jahre später regelmäßig mit mehreren Monaten Abstand zur Blutabnahme musste, fing es an, dass ich beim Blutabnehmen im Sitzen entweder gegen Ende der Blutabnahme oder direkt danach, wenn man nur noch das Pflaster auf die Einstichstelle drücken soll, deutliche Kreislaufprobleme entwickelte.

Mir wurde zunächst innerlich plötzlich total heiß und dann übel. Außerdem wurde mir kurz mal mehr, mal weniger schwarz vor Augen und der Körper irgendwie „schlaffer“, ohne dass ich jedoch umgekippt wäre. Die Hände blieben kalt und wurden etwas bläulicher, als ohnehin; vor allem an dem Arm, an dem das Blut abgenommen worden ist. Der ganze Spuk war (bis auf die blauen Hände) binnen Sekunden auch wieder vorbei und ich wieder ganz normal fit. Am einfachsten war es, wenn es niemandem auffiel und ich noch kurz etwas sitzen bleiben konnte, z. B., weil die Praxismitarbeiterin eh noch etwas anderes erledigen musste. Das waren die unproblematischsten Blutabnahmen im Sitzen.

Äußerlich betrachtet bin ich während dieser kurzen Kreislaufeinbrüche wohl auch etwas blasser geworden. Da ich aber immer sehr blass bin, fiel das zum Glück nur (mit Heute) zweimal auch dem Praxispersonal auf.

Beim ersten Mal wurde ich mit den Worten: „Legen Sie sich erst einmal hier hin“ zur Liege geführt, wobei mir dann wirklich kurz durch das abrupte Aufstehenmüssen komplett schwarz vor Augen wurde, so dass ich vorübergehend blind zur Liege mitging, mich dort brav hinlegte und binnen weniger Sekunden wieder munter war. Allerdings bestand die Mitarbeiterin darauf, dass ich noch länger liegen sollte und ich wurde bis zum Verlassen der Praxis skeptisch beäugt, obwohl es mir wirklich wieder ganz normal ging, mit stabilem Kreislauf.

Mir war das alles sehr unangenehm, da ich absolut nicht gerne mit Beschwerden im Mittelpunkt stehe. Zumal es mir nicht gelang, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass ich nur ganz kurz diesen „Kreislaufeinbruch“ habe und das Körpersystem danach binnen Sekunden wieder hochfährt, wie beim PC, und dann alles wieder stabil läuft.

Ich verstehe ja, dass die Leute sich schon aus Haftungsgründen um sowas kümmern und niemand Bock hat, einen kollabierten Patienten vom Boden aufzusammeln oder gar Sturzverletzungen verarzten zu müssen. Aber mich hat das wiederum sehr gestresst, psychisch, weil ich es einfach hasse, wenn sich Leute allzu sehr um mich sorgen. Noch dazu, wenn ich nichts ernsthaftes habe.

Nach meinem einen unfreiwilligen Auftritt war ich beim nächsten Mal Blutabnehmen daher umso motivierter, mir bloß nichts von meinem „Makel“ anmerken zu lassen.
Das gelang mir auch, weil ich direkt nach dem Blutabnehmen geradezu fluchtartig die Praxis verließ, bevor noch jemand etwas hätte merken und mich wieder dabehalten wollen. Draußen außer Sichtweite musste ich mich dann erst einmal kurz auf einen Stein setzen. Dann ging es auch wieder. Wie immer.

Später bin ich nach ersten Hemmungen dazu übergegangen, mir das Blut im Liegen abnehmen zu lassen. Am Anfang habe ich mich erst ziemlich doof und losermäßig gefühlt, weil ich irgendwie immer der einzige Patient war, der liegen wollte beim Blutabnehmen, obwohl ich jeweils rein von den (mutmaßlichen) Befunden her noch der gesündeste und altersmäßig der jüngste Patient von allen Anwesenden im Abnahmeraum war.

Es kam noch lange jedes Mal die irritierte Frage: „Sie können sich doch auch hier auf den Stuhl setzen … – oder müssen Sie liegen?“, wenn ich die Liege ansteuerte.

Mich stürzte das regelmäßig in kurze Grübeleien, ob ich die Definition von „muss liegen“ erfüllte oder nicht. Die Abnahme war ja auch im Sitzen möglich, nur eben subjektiv unangenehm(er), als im Liegen. Also musste ich strenggenommen nicht liegen – aber so haarspalterisch konnte die Frage sicher nicht gemeint sein (oder etwa doch?)?! => Regelmäßige Antwort meinerseits, weil ich nicht lügen und einfach die Frage bejahen wollte: „Äh ich muss eigentlich nicht liegen, aber mir wäre das lieber … „.

Man fühlt sich natürlich gleich viel besser, wenn selbst die ältere, multi-morbide Dame mit katastrophalen Venen stoisch ohne Kreislaufprobleme die diversen Stechversuche im Sitzen erträgt während mein Körper da schon bei einem perfekten Stich rumzickt.

Im Liegen gestaltete sich das Blutabnehmen dagegen absolut reibungslos. Ich musste nur damit leben, dass man aus Sicht des Personals als „Risikokandidat“ fürs Umkippen gilt, wenn man selbst schon auf das Liegen besteht. Immerhin wurde ich nicht ernsthaft aufgehalten, wenn ich zügig direkt nach der Abnahme aufspringen und gehen wollte – die Mitarbeiterin ließ sich nur – gaaanz zufällig – ein bisschen mehr Zeit, um das Pflaster zu holen während ich liegenbleiben sollte, was ich ignorierte und mich zumindest auf die Liege setzte. Man wurde ein bisschen wie ein rohes Ei behandelt, weshalb ich mich anfangs immer doppelt doof fühlte. Aber damit konnte ich nach einer Weile relativ gut leben.

Ich weiß nicht warum, heute morgen bin ich nicht zur Liege gegangen, sondern dachte, dass es doch auch im Sitzen klappen müsste.

Ein Fehler! Klassischer Fall von selbst schuld.
(Ich könnte es natürlich darauf schieben, dass ich zweimal gestochen werden musste und zum ersten Mal eine andere Vene an dem Arm genommen worden ist, aber ich glaub nicht, dass das der Hauptauslöser für mein vegetatives Nervensystem gewesen ist.)

Wie soll ich sagen … mir wurde innerlich schrecklich heiß, mir wurde übel und mir brach sogar ausnahmsweise sichtbar der Schweiß am ganzen Körper aus. Es fiel mir zunehmend aufgrund der abnehmenden Muskelspannung etwas schwer, das Pflaster auf die Einstichstelle zu drücken. Der Schweiß verriet mich leider.

Mein Zustand fiel prompt auf, obwohl ich vergeblich um Contenance bemüht war, und so landete ich auf der Liege.
Ca. 10 Sekunden Liegen, einmal schnell das Gesicht trockentupfen und alles war wieder gut, für mich (bis auf die angeschwitzte Kleidung – die war unangenehm und später auf dem Parkplatz war mir deshalb arschkalt).

Es wurde noch der Blutdruck gemessen: 105:70 – ich hätte mit weniger gerechnet. Ok, als die Messung war, lag ich ja bereits ca. eine Minute oder länger und mir ging es bereits wieder gut. Evtl. kam daher der relativ hohe bzw. normale Wert.

Den freundlich aufgedrängten Traubenzucker habe ich natürlich trotzdem genommen, um die Mitarbeiter zu beruhigen. Nur das Glas Wasser hätte ich beim besten Willen nicht runterbekommen und konnte ich ebenso freundlich meinerseits wieder loswerden.

Alles in allem habe ich auch Glück gehabt: Wenige Sekunden vorher wäre ich in den zweifelhaften Genuß der leibhaftigen ärztlichen Sorge meines Hausarztes gekommen. Gottseidank war er just am Abnahmeraum vorbei, als mein vegetatives Nervensystem es für eine gute Idee hielt, das System doch einfach mal abrupt neu zu starten. Auf einen Tropf oder ein Arztgespräch wäre ich echt nicht scharf gewesen.

Es reichte, dass ich den freundlichen Spott meiner Eltern für den Rest des Tages ertragen musste. Nächstes Mal nehme ich wieder gleich die Loser-Liege.^^

(Ich könnte auch noch von „Schwester Rabiata“ erzählen, die bei mir als Kind das erste Mal Blut abgenommen hat. Das würde aber selbst mir hier zu ausufernd.^^)

Erfreulich war der Zahnarzttermin 2h später: Die Ärztin hat die abgesplitterte Ecke quasi ersetzt und der Schneidezahn sieht wieder tadellos aus. Außerdem finde ich die professionelle Zahnreinigung immer sehr angenehm, vor allem das sehr saubere und glatte Gefühl an den Zähnen danach.

Vereinte Gegensätze

Die vegane Zucchini-Bulgur-Pfanne (Tiefkühlkost) wurde durch die 300g gebratenes Rinderhackfleisch mit Ketchup gut ergänzt.

Anderes hat sich bei mir nicht so gut zusammengefügt:
Die gesamte Woche habe ich bislang jede Nacht viel zu wenig geschlafen. Andererseits halten die körpereigenen Drogen aka Endorphine und Adrenalin mich tagsüber auf der Arbeit wunderbar wach und aktiv. Nur abends nach der Arbeit kommt die Quittung.

Als ich gestern gegen 18:20 Uhr gerade durch die Tür in den Feierabend schlüpfen wollte, wollte mein einer Chef noch „kurz“ mit mir sprechen. (Der Ausgang liegt an seinem Büro und ich hatte ihm gerade Tschüss gesagt und die Türklinke bereits in der Hand … )

Wie soll ich sagen: Wir haben uns dann noch glatt ca. 40 Minuten bis 19 Uhr wie immer bei derartigen Gesprächen gut unterhalten und dabei alle möglichen anliegenden beruflichen Fragen etc. abgekaspert.

Lustigerweise saß er bereits selbst in seiner Jacke am Arbeitsplatz, bereit zu gehen, als es 18:20 Uhr war. So saß er noch in seiner Jacke da, als wir fertig waren. … Als ich mich um 19 Uhr dann endgültig verabschiedet habe, hat er noch irgendwas weitergearbeitet (wobei ich nicht glaube, dass das noch allzu lange gedauert hat; er wird irgendwann kurz nach mir gegangen sein.) … Er wollte eigentlich 2020 weniger arbeiten. So viel zu seinen guten Vorsätzen.^^ … Irgendwie macht hier jeder Überstunden. Wobei er ja für sich selbst arbeitet, im Gegensatz zu den Angestellten.

Schlecht war nur, dass ich durch das Gespräch zu spät zum Kampfsporttraining gewesen wäre. Das wäre an sich kein echtes Problem für die Leute dort, aber ich mag Zuspätkommen nicht. Gerade oder obwohl ich in meiner Freizeit zu den eher chronisch unpünktlichen Menschen zähle, weil ich aufgrund von Motivationsproblemen und inneren Ambivalenzen gegenüber der jeweiligen Verabredung dazu neige, zu spät aufzubrechen.

Das ist ein Grund, warum ich mich privat ungerne verabrede bzw. das spätestens kurz vor dem Termin immer ein Stück weit bereue. Und das, obwohl es dabei fast nur um Traininstermine beim Kampfssport oder um Verabredungen mit guten Freunden geht. Also an sich Verabredungen, an denen ich ein eigenes Interesse habe. Aber ich habe dann gleichwohl andererseits keinen Bock auf die Verabredung und „Kontakt mit Mitmenschen“.

Wie hoch mein Widerwillen ist, hängt auch sehr von meinen Energiereserven ab, die leider regelmäßig schnell erschöpft sind. … Wenn ich erst einmal auf dem Weg zum Termin bin, sind diese Ambivalenzen meistens verschwunden; die Termine gefallen mir dann auch idR gut vor Ort. Aber bis dahin ist es immer ein zäher Kampf mit mir selbst.

Beruflich bin ich dagegen frei von derartigen inneren Konflikten und pünktlich.

Ironischerweise bin ich bei regelmäßigen privaten Terminen wie dem Sporttraining einer der Menschen, die dadurch pünktlich unpünktlich kommen, also bspw. immer ca. 5 Minuten zu spät. Das fällt auch dem jeweiligen Umfeld irgendwann auf <= eigentlich finde ich das (ständige) Zuspätkommen unangenehm und auch „blöd“ von mir, andererseits resigniere ich da auch oft, solange es bei irgendwas um die 5 Minuten Zuspätsein bleibt.

Gerade beim Sporttraining verzögert sich das Training für die Kinder unmittelbar vorher auch oft etwas, so dass ich dann de facto glücklicherweise doch noch gerade so pünktlich zum tatsächlichen Trainingsbeginn bin.

Na ja, gestern wäre ich jedenfalls eher so 15 Minuten zu spät gewesen und hatte auch davon ab keine Lust auf das Training. (Hinterher wird das Training wieder so, wie letzten Freitag. Das brauche ich nicht nochmal und dafür sind mir die kostbaren Abendstunden unter der Woche zu schade.) So bin ich nicht hingegangen.

Da ich recht erledigt war, eigentlich eine absolut sinnvolle Entscheidung, wenn ich den Abend konstruktiv genutzt hätte und mal früh ins Bett gegangen wäre. Aber es gab noch so viel, das mich interessiert hat und ich wurde dann gegen 21 Uhr wieder deutlich wacher, als ich kurz nach Feierabend gewesen war.

Außerdem habe ich mich gestern letztlich erneut seit dem letzten Mal Anfang Januar übergeben. Auslöser war das übliche Muster. Ich halte dieses Verhalten nicht für sinnvoll, aber es tut mir auch nicht Leid. Es ist dann eben so. Es sollte nur nicht wieder zur festen Gewohnheit werden.

Für akut problematisch erachte ich dagegen meinen Tag-Nacht-Rhythmus und den Schlafmangel. Es hat sich so eingeschlichen, dass ich gerade unter der Woche meine Freizeitstunden sehr weit in die Nachtstunden ausdehne. Sicher auch als Ausgleich zum relativ langen und intensiven Arbeitstag.

So sehr ich die Arbeit insgesamt mag und dazu intrinsich motiviert bin, so sehr mag und brauche ich auf der anderen Seite viel „unverplante“ Zeit für mich, in der ich meinen anderen Interessen nachgehen und den Arbeitstag reizmäßig verarbeiten kann. Blöde Introversion.

Jedenfalls hat sich bereits gegen Ende 2019 eine Art Teufelskreislauf eingeschlichen, der folgendermaßen aussieht:

Unter der Woche gehe ich jeden Tag zu spät ins Bett. Bis zum Freitag lässt sich das kompensieren. Den Freitagabend mache ich nach dem Kampfsporttraining bis 4 Uhr morgens oder länger durch, weil ich einfach so wach bin, von der Zeit Montag-Freitag Nachholbedarf habe und ich ja am nächsten Tag nicht zur Arbeit muss.

Zwar nehme ich mir jedes Wochenende neu vor, diesen Freitag mal früh ins Bett zu gehen, aber das klappt nie, weil ich dann Freitagnacht keinerlei Lust dazu habe. Selbst wenn ich sogar recht früh um Mitternacht ins Bett gehe, verschlafe ich jeden Samstag. Ich kann mir Wecker stellen, wie ich will, ich penne über 12 h von Freitag auf Samstag.

Entsprechend stehe ich Samstags nachmittags auf, brauche Stunden, um richtig wach zu werden (wie in besten Unterfunktionszeiten früher; nur da eben täglich) und gehe natürlich von Samstag auf Sonntag ebenfalls erst spätnachts ins Bett.

Dann geht das Spiel mit den Weckern und dem Verschlafen Sonntags weiter, so dass sich mein Tag-Nacht-Rhythmus weiter Richtung „nachtaktiv“ verschiebt.

Ich weiß nicht, ob das nicht auch biologische Mitursachen hat, weil ich seit der Schulzeit in allen Ferien binnen ein, zwei Tagen so einen Tag-Nacht-Rhythmus hatte, der sich immer weiter nach hinten verschoben hat (so dass ich irgendwann sogar wieder in der „Normalzeit“ war vorübergehend. Eben mehr so 26-h-Rhythmus statt 24-h.)

Es kostet mich jeden Tag Disziplin, nicht in so einen Tagesrhythmus abzugleiten.

Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass es in der Nacht von Sonntag auf Montag dann auch nicht viel besser läuft. Außer dass ich da immerhin den echten Vorsatz habe, möglichst vor Mitternacht ins Bett zu gehen. … Letztlich funktioniert das aber mehr schlecht, als recht, und zuletzt gar nicht.

Was unter der Woche funktioniert ist, dass ich durch die Wecker wach werde und es irgendwie Dank fester Routinen schaffe, pünktlich und wach zur Arbeit zu kommen und dort (gut) zu funktionieren.

Sobald Feierabend ist und ich Zuhause bin, fühle ich mich sehr gleichgültig + benommen und stehe ein bisschen neben mir (vielleicht tue ich das schon auf der Arbeit ohne es mitzubekommen, man ist da so dichtgetaktet beschäftigt ?)… Disziplin in meiner Freizeit bzgl. Sport, „Pünktlich-Ins-Bett-Gehen“ und teils auch Essen (nicht zu viel oder zu wenig), funktioniert nicht.

Genaugenommen funktioniere ich mit steigendem Schlafmangel privat gar nicht mehr. Ich habe auch z. B. seit Sonntag hier gewaschene Wäsche auf dem Wäscheständer, die ich einfach nur zusammenfalten und in den Schrank einsortieren müsste. Dauert vielleicht maximal 15 Minuten. => Ich bekomme das nicht hin.

Ich hoffe, dass ich es wenigstens heute vor Mitternacht ins Bett schaffe. Morgen früh habe ich auch noch einen Arzttermin vor der Arbeit. Das wird eh eng.

Amotivation

Die Arbeitswoche war stressig und teils etwas frustrierend, wenngleich es auch positive Ereignisse gab. Unter anderem wird mein Arbeitsverhältnis verlängert. … Ich bin etwas erleichtert, wenngleich nicht groß überrascht. Nur Freude verspüre ich nicht. … Muss man sich darüber freuen? Es wäre peinlich gewesen, keinen neuen Arbeitsvertrag zu bekommen; ich habe also lediglich die Soll-Hürde genommen. Außerdem ist der neue Vertrag noch nicht unterschrieben – liegt aber eher daran, dass das für meine Chefs reine Formsache ist. Wenn man mir hätte kündigen wollen, dann in der Probezeit. Jetzt haben sie schon zu viel in mich investiert.

Übergeben habe ich mich noch einmal. Ich habe schon wieder vergessen, wann das überhaupt war. Irgendwie kurz nach meinem letzten Beitrag, aber ist auch egal.

Überhaupt, mir ist wie jeden Samstag gerade alles egal und ich habe schon wieder vergessen, was Freitag eigentlich war; man ist so wie im Nebel: Weder erinnert man sich, was die Tage vorher war, noch, was demnächst anliegt. Ich bin heute kaum aus dem Bett gekommen und es gibt noch so viel, was ich heute erledigen wollte/müsste.

Mit meinem Bruder muss ich mich auch noch beschäftigen. Ich weiß nicht, welche Sentimentalität mich geritten hat vor Kurzem, dass ich mich von ihm habe überreden lassen, heute mit ihm was zu zocken online. … Wenn wir wirklich zocken würden, wäre das auch ok. Früher war das sogar lustig. Nur interessiert ihn das Zocken inzwischen weniger, er sucht jemanden, den er zutexten kann. Am Ende habe ich nach sowas immer Kopfschmerzen gehabt und war genervt/erschlagen/platt während er sich gefreut hat und das bald wiederholen wollte, während ich lieber vom nächsten Hochhaus gesprungen wäre, weil ich mich so tot gefühlt habe innerlich. Dabei ging es mir jeweils vor dem Kontakt mit ihm gut.

Morgen besuchen mich unsere Eltern. Das ist an sich nett, bloß gehen wir essen. Und das, obwohl ich derzeit in einen recht angenehmen appetit- und weitgehend hungerlosen Zustand gerutscht bin die letzten Tage. Zwar habe ich natürlich trotzdem etwas gegessen, auch durchaus darunter Eis und Schokolade, nur eben insgesamt nicht so viel. Das hat auch die Waage honoriert: 54,4 kg heute, obwohl das Gewicht die letzten Tage immer zwischen 55,2 und 54,9 kg schwankte und sich dort hartnäckig hielt.

Ich sollte mich aber nicht zu früh freuen, weil mein Körper sich sicher demnächst wieder unnötig viel Wasser ziehen wird. Freue mich jetzt schon total, nicht. Das Essengehen morgen bedeutet neue Wassereinlagerungen.

Mein Gesicht war auch heute mittag nach dem Aufstehen wieder so verquollen, v. a. die Augenlider. Wie soll das erst morgen werden?! … Ich hasse es so. Immer, wenn ich gewichtsmäßig kleine Fortschritte mache, ist irgendwas (Weihnachten, Besuche etc.), so dass ich wieder bei 0 anfange oder das Gewicht noch höher ist danach. Vielleicht sollte ich mich morgen einfach hinterher nochmal übergeben, dann lassen sich die Wassereinlagerungen durch das salzige Essen wenigstens abmildern und ich muss nicht mit so einem unangenehmen Körpergefühl in die neue Arbeitswoche starten.

Positiv:
Ich habe endlich einen Termin zur Blutentnahme bei meinem (etwas weiter entfernten) Hausarzt Ende Januar und bzgl. des dafür erforderlichen Urlaubstages die Vertretung mit meinem Kollegen geklärt. Jetzt muss ich den Urlaubsantrag nur noch bei meinem einen Chef abgeben, von dem unterschrieben zurückbekommen – mit irgendwelchen nicht böse gemeinten, aber für mich doofen Kommentaren- und sodann bei der Zentrale abgeben, damit die das einträgt. Und die Frau von der Zentrale ist zwar durchaus ok, aber hat immer eine wahnsinnig gestresste Ausstrahlung und jammert einen gerne etwas zu. Diplomatisch, wie ich bin, konnte ich das bisher gut händeln, aber es gibt Momente, in denen sie mich (und die anderen noch mehr) damit nervt.

Boah, wie ich das immer liebe … am liebsten würde ich nie Urlaub nehmen, weil ich das ganze Heckmeck für die Urlaubsbewilligung im Vorfeld immer so anstrengend finde, auch wenn es im Nachhinein gar nicht soo schlimm gewesen ist.

Am liebsten würde ich mich wieder hinlegen und Raum & Zeit vergessen.

Update: Letzten Freitag, den 17.01.2020 habe ich den Urlaubsantrag zum Glück morgens einfach unterschrieben auf meinem Arbeitsplatz gefunden. Selbst die Dame von der Zentrale war gerade nicht an ihrem Platz, als ich den Antrag anschließend dort abgegeben habe bzw. auf ihren Schreibtisch gelegt habe. Und als ich letzten Montag den Antrag beim Chef eingereicht hatte, hat der gar keinen seiner sonst beliebten (wie gesagt nicht ernsthaft böse gemeinten) Kommentare gemach. Ok, lag evtl. daran, dass es nur ein Urlaubstag ist. War doch eigentlich gar nicht so schwer…. Ich sollte nicht immer so pessimistisch sein.

Schatten der Vergangenheit

Dieser Eintrag wird sehr weitschweifig, ich hoffe man kommt inhaltlich einigermaßen mit. Evtl. schreibe ich den nochmal neu und mache mehrere Beiträge daraus, sobald ich mehr Zeit habe. Es ist einfach so viel in meinem Kopf, das dazu aufploppt.

Zum Aldi ging es gestern kurz vor Ladenschluss mit dem PKW, mit dem Fahrrad hätte ich das nicht mehr geschafft und mich stresst es in so einem angeschlagenen Zustand ohnehin, wenn ich „unter Menschen“ muss, obwohl ich mich gerade wenn ich krank bin am liebsten wie ein Wildtier verkriechen und erst wieder gesund aus meiner Höhle hervorkommen möchte.
Zum Glück hatte der Aldi sogar Erkältungsmittel im Angebot, darunter sehr nützliche Eukalyptusöl-Kapseln (im Grunde sowas wie Sinupret). Da ich schon mal auf den Beinen war, bin ich noch Tanken gewesen und dann zum Kaufland gefahren, da der am längsten hier geöffnet hat und ich beim Aldi mehr so durchgerannt und wie ein Eichhörnchen von A nach D und dann nach C durch den Laden gehüpft bin. Beim Einkaufen habe ich nach kurzem Zögern auch etwas Süßigkeiten gekauft, vor allem Eis, und das bisher nicht bereut.

Das Zögern beruhte darauf, dass ich a) abnehmen möchte, b) in Süßigkeiten nun wirklich keine Nährstoffe für den Körper stecken und c) ich manchmal (nicht immer) dazu neige, davon zu viel zu essen, wenn ich erst einmal damit angefangen habe (aus einer Mischung aus Konditionierung und emotionalen Gründen, u. a. um zu entspannen).

Außerdem gibt es da einen weiteren Punkt, der mir nicht groß Kopfzerbrechen bereitet und kein Problem darstellt, aber der nicht hätte sein müssen. Dafür muss ich etwas weiter ausholen:
Im Sommer 2019 hatte ich seit Monaten eine sehr stressige Zeit und war auch aufgrund des Gewichtverhaltens meines Körpers irritiert, da ich kurz vorher im März/April 2019 noch das Problem gehabt hatte, konstant abzunehmen, kaum Hunger zu haben und trotz zT sehr kalorienhaltiger Ernährung gewichtsmäßig wieder tiefer zu rutschen; plötzlich begann ich jedoch, in kurzer Zeit deutlich zuzunehmen, obwohl ich mich dann sogar kompensatorisch recht gesund und eher kalorienarm ernährte, sogar nach meinem Umzug am neuen Wohnort wieder mit Sport anfing, den ich die Monate zuvor wegen der Blinddarmgeschichte weitgehend hatte pausieren müssen.

Einiges sprach für Wassereinlagerungen, aber anders als die normalen Wassereinlagerungen verschwanden diese kaum bzw. nicht vollständig. Sowas hatte ich früher einmal während des Studiums gehabt, als ich nach Beendigung meiner damaligen anorektisch-bulimischen Phase Dank der (mir da unbekannten) Schilddrüsenunterfunktion innerhalb weniger Wochen trotz moderaten Essens ca. 13 kg auf ein zum Glück nie wieder erreichtes Höchstgewicht von 63 kg bei 1,7 m zunahm, was mir damals eine nachhaltigen Schrecken eingejagt hat. (Selbst vor meiner Essstörung habe ich trotz regelrechten Süßigkeiteninhalierens zum normalen, kalorienreichen Essen nie mehr als maximal 60 kg gewogen, meistens eher um die 57 kg.) Bei diesen 13 kg half nichts, weder Wenigessen, noch stundenlang Laufengehen. Es war einfach so, als wenn der Körper ein Eigenleben führte und man jegliche Kontrolle darüber verloren hätte. Für mich damals eine Katastrophe. … Und schlimm fände ich das auch heutzutage noch. Mit vorübergehenden, normalen Gewichtsschwankungen kann ich dagegen umgehen; das belastet mich nicht seelisch.

Sehr mühsam konnte ich damals wieder auf 59/58 kg abnehmen, danach ging wieder nichts mehr runter. Irgendwann kurz vor der Hashimoto-Diagnose, im Zeitraum meines ersten Staatsexamens, ging das Gewicht wieder etwas weiter runter. Aber erst nach der Diagnose & Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion konnte ich relativ normal zunächst von ca. 56/55 kg auf ca. 54 kg abnehmen binnen weniger Tage und das Gewicht auch mit normaler, nicht kalorienarmer Ernährung entspannt halten (im ersten Jahr nur mit Selen als Medikament für die Schilddrüsenerkrankung, weil mein Hausarzt da von der zögerlichen Sorte ist und auch sehr schlechte Schilddrüsenwerte noch nicht allzu behandlungsbedürftig findet). Mir ging es zunächst besser, aber wenige Monate darauf wieder schlechter mit Müdigkeit, Antriebslosigkeit, wenngleich nicht so extrem, wie während meines Studiums und in der Pubertät.
Später bekam ich Eferox verschrieben und entdeckte in der Halbzeit meines Referendariats erstmals seit meiner Kindheit, wie viel Energie man haben kann. Es war sehr ungewohnt; man ist auch ungewohnt lebendiger innerlich; auch der Körper. Man gewöhnt sich ja an viele Unterfunktionssymptome und hält das für seinen Normalzustand.

Außerdem entdeckte ich kurz vor der Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto Anfang 2016, dass ich offensichtlich an einer Histaminintoleranz litt. Später bei histaminärmerer Ernährung und besserer Einstellung der Schilddrüse, weil ich endlich L-Thyroxin verschrieben bekam, ist das Gewicht dann letztlich auf 52/53 kg gesunken, ganz ohne Hungern, ich hatte sogar wieder mehr Appetit und habe mehr gegessen, als vorher. Ein Großteil meiner Gewichtszunahme war offenbar Wasser gewesen, das der Körper wie ein Schwamm gespeichert hatte.
Am Ende stabilisierte sich mein Gewicht mit normalen, intuitiven Essverhalten über Jahre auf ca. 52 kg, was ich geradezu paradiesisch fand. Zumal meine Beine schlank wie nie waren, da ich keine Wassereinlagerungen hatte.

Im Oktober 2018 musste ich aufgrund eines etwas verschleppten Blinddarmdurchbruchs samt Bauchfellentzündung notoperiert werden. In dem Krankenhaus wurde ich zu allem Überfluss nach der OP direkt ein paar Tage parental ernährt, wobei man wohl die Glukoseinfusionen überdosiert hatte. Dank der Infektion (oder den Infusionen?) war meine Leber angegriffen und durch die Glukoseinfusionen hatte ich einen für Nichtdiabetiker eigentlich unerreichbaren Blutzuckerwert kurz vorm Diabeteskoma, mit entsprechenden Beschwerden, die ich unwissenderweise auf die OP und die Infektion schob, kurz ich dachte, das wäre normal so.

Glücklicherweise hatte eine der Krankenschwestern das Problem erkannt, aber auch danach ging es mir während der gesamten parentalen Ernährung schlecht; mein Körper hat die glaube ich einfach nicht vertragen – und selbst essen durfte ich nur Sachen, die mein Körper absolut nicht wollte und vor denen es mich richtiggehend geekelt hat, auch wenn ich sonst nicht so empfindlich bin, so dass ich drei Kreuze nach der Entlassung gemacht habe, als ich endlich wieder normales Essen hatte.

Nach der Entlassung hatte ich derart geschwollene Beine, dass ich keine sichtbaren Knöchel mehr hatte, obwohl diese Stelle selbst bei normalen Wassereinlagerungen bei mir sehr schlank bleibt. Ich hatte durch die Infusionen im Krankenhaus innerhalb einer Woche ca. 6 kg Wasser eingelagert. Im Krankenhaus hat das niemanden gejuckt, persönlich finde ich das nicht sooo normal, zumal ich mich dort auch recht zügig viel bewegt habe im Vergleich zu anderen Patienten, um wieder fit zu werden, aber gut. Wenigstens ging das Wasser Daheim bei meinen Eltern sehr schnell wieder weg binnen weniger Tage.
Das war etwas merkwürdig vom Gefühl her für mich, weil die Waage jeden Tag 1kg oder mehr weniger anzeigte, was mich erfreut hat und irgendwie auch ein bisschen an die Hochphase meiner Magersucht erinnert hat, als es mit dem Abnehmen gerade so gut klappte (und mich meine Eltern just da zum Hausarzt genötigt hatten).

Am Ende landete ich trotz Essensgehens mit meinen Eltern etc. bei 49 kg. Eine Zahl, die ich zuletzt in anorektischen Zeiten auf der Waage gesehen hatte. Ich müsste lügen, dass mir das nicht gefallen hätte, auch wenn mir klar war, dass das nicht für die Ewigkeit wäre und ich so ca. 1-2 kg wieder zunehmen sollte/würde, weil ich die ersten Wochen nach der OP einfach nicht viel essen konnte. In den nächsten Monaten pendelte sich das Gewicht auf ca. 51/52 kg ein, trotz sehr normalen Essens, also auch Süßigkeiten und sehr wenig Bewegung, da ich noch etwas schlapp und durch die bevorstehende Abschlussprüfung gehandicapt war (ich hatte tierische Prüfungsangst, um genau zu sein). Bei 51/52 kg hätte mein Gewicht ruhig bleiben können.

Zurück zu diesem Sommertag 2019:
Um mich vom Arbeitsstress abzulenken und von meinen Zukunftssorgen zu beruhigen, hatte ich Süßigkeiten gegessen; irgendwie kam der Punkt, ab dem ich beschloss, ganz gezielt die restlichen Süßigkeitenvorräte auch noch zu essen und das Ganze wieder zu erbrechen, wie in alten Zeiten. Es war etwas ungewohnt, aber schnell wieder vertraut und das Erbrechen klappte wie eh und je, gelernt ist eben gelernt. Irgendwelche Schäden habe ich auch Früher nie davongetragen, was sicher auch daran liegt, dass meine „Kotzmethode“ recht schonend ist, auch wenn das Ganze natürlich ungesund bleibt und nicht nachahmenswert ist.

Irgendwie hatte ich auch vorher schon eine gewisse Sehnsucht nach meinen essgestörten Zeiten verspürt (also Pubertät, Schule, Studium), einfach weil ich das Gefühl hatte, mich an mein Alter-Ego gar nicht mehr erinnern zu können und irgendwie den Kontakt „zu meinem früheren Ich“ und damit auch die Erinnerungen an Großteile meines Lebens gerade endgültig zu verlieren. Außerdem war ich wie gesagt etwas nachhaltiger frustriert über die chronisch-hartnäckigen Wassereinlagerungen bzw. die etwas rätselhafte Gewichtszunahme bis zum Sommer 2019, trotz meines Gegensteuerns. Ich hatte die Sorge, dass sich das Drama mit der zweistelligen, unaufhaltsamen Zunahme aus dem Studium wiederholen könnte. Dazu kam der anhaltende Arbeitsstress; der Einstieg ins Berufsleben ist mit chronischen Selbstzweifeln und einer Prüfungs- & Bewertungsangst erst recht kein Zuckerschlecken. Zumal der Job sehr anspruchsvoll ist und sowohl die Interessen der Chefs sowie der „Kunden“ oft unter Zeitdruck durch Fristen und die Vielzahl an Akten zu erledigen sind.
Andererseits tut mir die Arbeit trotz allem gut, ich bin gar nicht mehr so unsicher und ängstlich innerlich. Außerdem habe ich vergleichsweise viele Entscheidungsfreiheiten und schwimme nicht mehr so viel, wie ganz am Anfang. Die Kollegen und Chefs sind auch sehr ok, haben aber natürlich auch Erwartungen (wobei ich die an sich erfülle, ich habe trotzdem schnell die Sorge, diesen Erwartungen nicht zu genügen oder jemanden zu enttäuschen, Fehler zu machen & Mist zu bauen etc.). Am Ende vom Urlaub sowie Sonntagnachmittags/-abends werde ich wieder angespannt, ebenso unter der Woche abends. Das hat sich immer noch nicht ganz gelegt, wird aber besser nach und nach.

Vielleicht war es das in der Summe, was den Ausschlag gab, mich zu übergeben. Das hatte ich zuletzt vor ca. 5/6 Jahre getan, nachdem ich mich ganz gezielt nochmal nach einem entsprechenden Einkauf dafür erbrochen hatte und damals final feststellen musste, dass es mir einfach beim besten Willen nichts mehr gab. Ich kann das nicht gut erklären, das Erbrechen war irgendwie langweilig geworden, nicht mal das Essen vorher war mehr, als eine Notwendigkeit, um sich erbrechen zu können. Davor hatte ich das ursprünglich mal gemocht bzw. teils exzessiv suchtartig genutzt, um den Tag rumzubekommen, ohne „anwesend“ sein zu müssen.

Danach habe ich mich im weiteren Verlauf des Jahres 2019 noch das ein oder andere Mal sporadisch übergeben. Das Übergeben war immer im Zusammenhang mit Süßigkeiten (deshalb mein Zögern beim Einkaufen), zuletzt am 1.1.2020, da meine Eltern mir ausgerechnet mehrere 100g Schokolade geschenkt hatten, nachdem ich die ganzen Tage bei ihnen viel mehr, viel öfters und anders gegessen hatte ihnen zuliebe, als ich Hunger & Appetit gehabt hatte (hallo Fremdbestimmung); und das, obwohl mein Gewicht eh schon so doof war und mir eher nach Sport und gesundem Essen gewesen wäre. Allerdings können meine Eltern dafür auch nichts; unter normalen Umständen hätte mir das Essen bei ihnen auch nichts ausgemacht, aber dieses ähm letztes Jahr war einfach mit dem Gewicht völlig blöd. Erstmals wieder.

Aber ich denke, es wird bei diesen Ausflügen in die Vergangenheit bleiben. Das bringt mich auch nicht näher an mein Alter-Ego zurück und besser erinnern kann ich mich dadurch auch nicht. Zum Abnehmen ist das Erbrechen eh kontraproduktiv; abgesehen davon verursacht es bei mir inzwischen sogar eher zusätzlich Wassereinlagerungen.

Mein derzeitiges Gewicht beträgt 55,4 kg. Das ist mir zu viel, auch wenn ich auch damit sehr schlank aussehe etc. und sich das Gewicht immerhin stabilisiert hat – während der Weihnachtsfeiertage hatte ich bei meinen Eltern zwischendurch 57 kg. Das hätte mich früher umgeworfen und toll finde ich es auch heutzutage nicht, aber ich wußte auch, dass davon ca. 2 kg temporäre Wassereinlagerungen sind und noch wenig vorher lag mein Gewicht (wieder) bei 54 kg. Zwischendurch im Sommer 2019 auch mal von 54,5 kg wieder auf 52,3 kg, als das ganze Wasser weg war, bevor das Gewicht wieder stieg und sich bei 54/55 kg eingependelt hat.

Es ist mir persönlich einfach etwas zu viel, insbesondere, weil diese Zunahmen innerhalb kurzer Zeit 2019 von den vorherigen 52 kg, die ich stabil die letzten Jahre hatte, unverdient ist in meinen Augen. Ich wäre wieder mit 52 kg (+/- 1 kg je nach Tagesschwankung) zufrieden. Evtl. wegen der normalen Wassereinlagerungen durch salziges Essen etc. wären 51 kg besser, aber weniger muss es nicht sein. Mir reicht das und ich möchte auch nicht negativ bei der Arbeit auffallen. Fehlte mir, dass man mich dort für essgestört hält.

So, ich werde den Rest des Tages mit Zocken verbringen:
Red Dead Redemption 2 (PC) ist einfach super; das Spiel ist der Wahnsinn, ich könnte damit Tage verbringen. Die lange Wartezeit für uns PC-Spieler hat sich absolut gelohnt.

Mein Bruder hatte mich heute Vormittags/Mittag zwar angerufen (habe ich verschlafen) und mir getextet (eigentlich sogar ganz nett) und ich habe ihm auch nicht unfreundlich geantwortet, aber er hat mich darüber hinaus zum Glück bisher in Ruhe gelassen. Mich stresst das immer mit ihm, wenn er Kontakt will, noch dazu, wenn ich eh Zeitstress habe. Morgen beginnt wieder eine volle Arbeitswoche und die Erkältung ist auch noch da, wenngleich Dank der Eukalyptusölkapseln besser.

Dysfunktionaler Körper und Kommunikationsprobleme

Mein ft3-Wert und mein Stoffwechsel waren schon mal deutlich besser, im Moment sind beide gefühlt niedrig und die letzte Messung im Oktober hat einen niedrig-normalen ft3-Wert bestätigt.

Allerdings war gleichzeitig der ft4-Wert im oberen Normalbereich, bei zu niedrigem TSH, weshalb ich dem Rat meines Hausarztes gefolgt bin und seitdem nur noch 88 Mikrogramm Euthyrox nehme, statt wie zuvor 100 Mikrogramm.
Anfang dieses Jahres hatte ich noch 75 Mikrogramm Eferox eingenommen, aufgrund von Beschwerden aber in Absprache mit dem Arzt auf 100 Mikrogramm Euthyrox gesteigert; mein Körper ist an sich recht unempfindlich bzgl. Steigerungen. Warum ich Euthyrox anstelle von Eferox bekommen habe, weiß ich nicht, vermutlich aufgrund von geänderten Rabattverträgen meiner Krankenkasse.

Da sich der Körper wohl bei einem hohen ft4-Wert gegen eine drohende Überfunktion zu schützen versucht, vereinfacht ausgedrückt, wird aus ft4/T4 mehr rt3 anstelle von T3 gebildet. rt3 wiederum konkurriert mit T3 um die Andockstellen in den Zellen. Die Folge ist, dass der ft3 Wert fällt bzw. niedrig ist und es zu Unterfunktionssymptomen kommt.

Das scheint wohl auch bei mir vorzuliegen und leuchtet mir soweit ein, deshalb bin ich bzgl. der Dosisreduzierung auch kooperativ.

Was mich aber stört ist, dass ich weiterhin Unterfunktionssymptome habe, die sich eben auch auf das Gewicht auswirken; störend ist auch die Antriebslosigkeit, das ständige Frieren trotz ausreichend Essen usw. und die Schlafprobleme => in meiner Freizeit schlafe ich wieder 12h+ und werde ums Verrecken nicht wach, wie in besten Unterfunktionszeiten.
Andererseits ging es mir ohne Tabletten früher schlechter, deshalb möchte ich nicht undankbar sein.

Wenn ich es mir frei aussuchen könnte, würde ich ein Kombipräparat aus T4 und T3 testen wollen, weil ich aufgrund der Beschwerden den Verdacht habe, dass mein Körper von sich aus einfach – relativ für meinen Körper betrachtet – zu wenig ft3 bildet, auch wenn der Wert gerade noch in der Norm des Labors liegt.

Problem: Mein Hausarzt ist der Ansicht, dass ich alles in allem gut eingestellt sei (von einer Umwandlungsstörung von T4 zu T3 geht er eh nicht aus, dafür sprach in den Jahren zuvor auch nichts), und ich neige irgendwie bei jedem Besuch dazu, deutlich fitter und munterer zu wirken, als ich bin bzw. mich auf die positiven Aspekte zu konzentrieren, als die Sachen anzusprechen, die gemäß meines Körpergefühls nicht ok sind, weil ich mir dabei immer sehr dumm & wehleidig vorkomme und nicht wieder anschließend dafür belächelt werden möchte, auch wenn das von Seiten des Arztes nicht böse gemeint ist. So lief es auch im Oktober.

Ehrlich gesagt weiß ich bislang nicht, wie ich ihm meinen Wunsch, zumindest versuchsweise zu einem Kombipräparat wechseln zu wollen, am geschicktesten unterbreite.
Da im neuen Quartal 2020 ohnehin nochmal die aktuellen Blutwerte erhoben werden (also eben der TSH-Wert alleine, wohl aus Budgetgründen), werde ich ft3 und ft4 erneut selbst bezahlen und schauen, wie die Werte konkret sind. Paradoxerweise wäre es für mein Vorhaben gut, wenn ft3 möglichst zu niedrig ist, weil noch normgerechte, niedrige Werte zwar auch Beschwerden auslösen können, aber für Ärzte eben normgerecht und damit gesund sind.

Speziell bei meinem Hausarzt kommt hinzu, dass er erst mein Hausarzt geworden ist, weil meiner Mutter/meinen Eltern meine damalige Essstörung nicht unverborgen geblieben war. Einerseits rechne ich ihm insbesondere aus der Zeit vieles hoch an, was in Kliniken ganz anders (und für mich schlimm) gelaufen wäre; wäre ich in einer Klinik behandelt worden, wäre ich sicher immer noch essgestört; anderes kann ich dagegen nicht vergessen und bin da wohl recht nachtragend bzw. streng.

Kurz gesagt gibt es viel, das für ihn als Arzt spricht, auch menschlich, andererseits bin ich zugegeben skeptisch bzgl. seiner Kompetenz in punkto Schilddrüse; das liegt auch daran, dass ich mir noch vor wenigen Jahren anhören durfte, dass diese und jene Beschwerden nicht an der Schilddrüse liegen könnten. Komischerweise sind diese Beschwerden aber mit der Behandlung der Schilddrüse verschwunden.

Das alles – nicht nur seine Kommentare – hat eben auch dazu beigetragen, dass ich irgendwann in meiner Selbstwahrnehmung völlig verunsichert war und mich bis heute bei Beschwerden, egal wie deutlich, unwillkürlich frage, ob ich mir die nicht bloß einbilde. Letztes Jahr hätte mich das nach Meinung der Chirurgen im Krankenhaus fast mein Leben gekostet und hat mir eine Not-OP eingebracht. => Das wäre es gewesen; manchmal denke ich, dass ich damals einfach hätte liegenbleiben sollen, dann hätte ich es hinter mir gehabt und müsste mich nicht mehr mit dem Leben rumschlagen. Andererseits haben die Ärzte vermutlich übertrieben … So schlimm kam es mir nicht vor.

Hinsichtlich der Kommunikation mit meinem Hausarzt kommt weiter hinzu, dass ich schon damals, als ich aufgrund von Gewichtszunahme und relativ normalen Essens fälschlicherweise als geheilt galt, für meine Familie und Arzt, es irgendwie nicht über’s Herz gebracht habe, ihnen die Wahrheit zu sagen, nämlich dass ich nach wie vor essgestört und von meinem Befinden her schlechter dran war, als vorher.
Zum einen wollte ich sie nicht enttäuschen, zum anderen wäre ich dann wieder kontrolliert worden – es hätten sich wieder Mitmenschen in Privatbereiche meines Lebens eingemischt, die sie imho nichts angingen, weder damals, noch aktuell.
Wenn es eines gibt, das ich zutiefst verabscheue und unerträglich finde, dann ist das Fremdbestimmung auf dem ureigensten Terrain. Egal durch wen und aus welchem Zweck. Gut gemeint kommt in der Hinsicht gleich nach schlecht gemacht.

Mein Hausarzt wiederum fand meine Blutwerte damals am Ende gut, die kleine Schilddrüse mit dem – nach heutigen Erkenntnissen – viel zu hohen TSH nicht weiter erwähnenswert, gleiches galt bzgl. des zuvor während der offiziellen Akutphase der Essstörung zu niedrigen ft3, da man auch bei einer Essstörung einen (zu) niedrigen ft3-Wert haben kann (funktioniert ebenfalls über die Mehrbildung von rt3).

So ist meine Autoimmunerkrankung mit der dadurch primär ausgelösten Schilddrüsenfehlfunktion dann über 10 Jahre unendeckt geblieben … bis sie mein Hausarzt anlässlich einer banalen Routine-OP zufällig festgestellt hat. Meine Werte waren „glücklicherweise“ mal pünktlich zur Blutentnahme auch für dessen Labor zu schlecht und ich gehöre zu denen, deren Antikörperwerte zu hoch sind.
(Es gibt noch die armen Schweine, die zwar Hashimoto haben, aber deren Antikörperwerte nicht erhöht sind, weshalb ihnen die meisten Ärzte nicht glauben bzw. deren Beschwerden für psychisch bedingt halten. … War bei mir auch so, zum Teil, bzw. wird man damit eben von vielen Ärzten nicht ernstgenommen, wenn man sich über Unterfunktionssymptome beklagt. Das liegt fairerweise gesagt auch daran, dass die Beschwerden größtenteils recht unspezifisch sind, auch denen von psychischen Erkrankungen ähneln wie z. B. denen einer Depression und andererseits Ärzte in der Hinsicht schlecht ausgebildet werden.)

Erschwerend in punkto „Kommunikation mit meinem Hausarzt“ kommt hinzu, dass das gesamte Thema Körpergewicht ein Bereich ist, den ich ihm gegenüber eben aufgrund seiner Kenntnis von meiner ehemaligen Magersucht nie thematisiere; ich argwöhne einfach, dass er mich dann wieder für essgestört hält bzw. meine Beschwerden als „essgestörte Denke/Wahrnehmung“, also als (krankhaft) eingebildet, einordnet, wenn ich ihm von meinen Problemen mit den wieder zunehmenden Wassereinlagerungen, dem verquollenen Gesicht bzw. Augenlidern morgens, den schweren, durch das Wasser wabbeligen (an sich aber im Normalzustand straff-muskulösen) Beinen und der für mich anhand meines Essens nicht erklärlichen Gewichtszunahme dieses Jahr erzähle.

Zumal ich – das will ich nicht leugnen – auch mit der Zunahme noch sehr schlank bin, auch weil mein Körperfettanteil niedrig ist und ich von Natur aus relativ „drahtig-zierlich“ gebaut bin.

Das erhöht bei mir aber eher die Hemmungen, über das Thema überhaupt mit anderen zu sprechen, denn als schlanker Mensch hat man in den Augen vieler Menschen bei einer derartigen Gewichtszunahem eh bloß ein absolutes Luxusproblem und kein Recht, sich darüber zu beschweren; manche sind auch schadenfroh. Und aus ärztlicher Sicht muss man eh erstmal im zweistelligen Bereich zunehmen oder übergewichtig sein, damit solche Gewichtszunahmen als pathologisch ernstgenommen werden, so mein persönlicher Eindruck.

Mir ist auch bewusst, dass für viele Menschen eine Gewichtszunahme von 3-4 kg irrelevant ist, egal wie wenig diese durch das Essen erklärbar ist oder nicht. Ich habe diese Zunahme aber, obwohl ich mich essenstechnisch insgesamt einschränke; eigentlich müsste ich abnehmen oder zumindest nicht zunehmen. Und da wären wir wieder beim ft3-Wert und den weiteren Unterfunktionssymptomen, die ich neben dieser Gewichts- und Wassereinlagerungssache habe … .

Ich will auch gar nicht ausschließen, dass es bei mir aktuell auch eine Mischung aus mäßig bis schlecht eingestellter Schilddrüse, generell Stress und Beschwerden durch die Histaminintoleranz sein könnte, aber ich weiß, dass mein Körper Anfang dieses Jahres sehr viel besser funktioniert hat und eben normal auf viel/mittelmäßig/wenig-Essen reagiert hat vom Gewicht her. Wassereinlagerungen waren da auch normal, wenn ich mal salziger gegessen habe, und sind nicht chronisch gewesen bzw. so, dass der Körper die kaum mehr hergibt. Außerdem hatte ich da die anderen Unterfunktionsbeschwerden nicht, die eben auch die Lebensqualität und das Leistungsvermögen deutlich mindern. Ich komme abseits der Arbeit zu fast gar nichts und muss mich selbst für die einfachsten Tätigkeiten erst über Stunden aufraffen und dem Drang widerstehen, gar nicht mehr aufzustehen.
Das alles hatte ich (naiverweise?) gehofft, endgültig hinter mir gelassen zu haben, nachdem ich mal gut eingestellt war mit der Schilddrüse und plötzlich so viel Motivation und Energie im Alltag hatte. Jetzt herrscht (wieder) Antriebslosigkeit und gleichzeitig diese fatale gefühlte Indifferenz dem allen gegenüber, die ab und zu durch ein „luzides Intervall“ durchbrochen wird.

Dass meine Beschwerden an den (neuen) Hilfsstoffen in Euthyrox liegen (die in Eferox nicht enthalten waren), bezweifle ich. Mir ist zumindest nicht bekannt, dass ich auf diese Hilfsstoffe reagieren würde und die Dosis sollte ja sehr gering sein pro Tablette. Selbst bei täglicher Einnahme sollte es insofern keine Probleme geben.