
Dass Perfektionismus in einem ständigen Spannungsfeld zur Effizienz in punkto (reiner) Aufgabenerledigung steht, ist mir leider nur allzu gut bewusst. Ebenso ist mir das Pareto-Prinzip bekannt, wenngleich es mir schwerfällt, es wirklich zu verinnerlichen. Nicht bewusst war mir jedoch, wie negativ das Image perfektionistischer Mitarbeiter in der Arbeitswelt ist, wenn man den verschiedenen Online-Quellen dazu glauben kann.
Besonders betroffen hat mich der Umstand gemacht, dass perfektionistische Mitarbeiter unisono als eigenwillig-kritikresistent beschrieben werden; eben als Mitarbeiter, die bei Kritik von Vorgesetzten an ihrer Arbeitsweise eher gekränkt reagieren und/oder „ihren Stiefel“ erst recht durchziehen. Dazu komme ein chronisches Zeitproblem, weil die Bearbeitung der Aufgaben (bei denen auch 80% reichen würden) viel zu lange braucht. Alles in allem sei die Zusammenarbeit mit derartigen Mitarbeitern äußerst schwierig.
Gekränkt bin ich von Kritik an sich nicht. Schon gar nicht bei dem Thema, wo sie mir ja selbst bestens einleuchtet. Mir ist das eher unangenehm. Dass ich erst recht (quasi aus Trotz) eine gewisse zu perfektionistisch orientierte Arbeitsweise trotz Kritik und Änderungsappellen durchziehen würde, ist auch nicht der Fall – das würde ich selbstkritisch verneinen; ich fürchte nur, es wirkt bisweilen so nach Außen?
Was ich definitiv habe, ist das oben erwähnte Zeitproblem. Dieses gehe ich derzeit halb-freiwillig, halb-unfreiwillig unter veränderten Rahmenbedingungen an.
Der unfreiwillige Teil bezieht sich darauf, dass ich mit meinen Arbeiten eigentlich erst dann mit vorübergehend halbwegs gutem Gewissen abschließen kann, wenn ich sie auch ausreichend in die Tiefe bearbeitet und mir ggf. Zusatzwissen beschafft habe, die Formulierungen passen etc.. Die Arbeitsaufgabe ist für mich irgendwie erst dann wirklich (vorübergehend) erfüllt, wenn das alles passt. Das fertige „Werk“ hat in dem Fall eine Art eigene Vollkommenheit/Harmonie aus sich heraus, die über allem steht und die mich anspricht solange bis zuverlässig weitere Optimierungsideen auftauchen. Allerdings ist das Ganze natürlich so bei vielen Arbeiten nicht effektiv; das merke ich selbst tagtäglich und leuchtet mir absolut ein. Die Umsetzung bei den besonders wichtigen Arbeiten fällt mir leider schwer.
Natürlich habe ich auch Arbeiten, an die ich pragmatischer herangehe und versuche auch generell trotz allem, mir unnötige Arbeit zu sparen. Manches geht auch schnell von der Hand. Bei manchen Sachen weiß ich auch inzwischen, dass nur ein Bruchteil meiner ursprünglichen Arbeit zur Erledigung bereits ausreicht und das habe ich auch im Anschluss dankbar umgesetzt. Mit steigender Berufserfahrung ist dieser Bereich auch größer geworden; er müsste jedoch deutlich ausgebaut werden. Ich müsste vieles gewissermaßen weniger in die Tiefe und mehr „oberflächlich“ bearbeiten (oberflächlich ist hier auch von mir nicht negativ gemeint).
Ganz ehrlich gesagt weiß ich gar nicht genau, wie man eigentlich oberflächlich und trotzdem ordentlich arbeiten kann? Ob man das erlernen kann? … Zumal die Sachen inhaltlich ja doch zumindest laut meines Chefs 95% erreichen sollten und inhaltliche Fehler schnell erhebliche finanzielle Auswirkungen haben können (wobei sicher nicht jeder Fehler derart folgenschwer ist oder überhaupt auffällt; manches kann im Nachhinein korrigiert werden). So ganz ohne Nachdenken und Einarbeiten geht es idR nicht.
Irgendwie bin ich auch der Typ Mensch, der die konkrete Ausarbeitung und Lösung für das bekannte Ziel beim Arbeiten entwickelt. Es ist ähnlich, als wenn man etwas zeichnet und sich das Bild beim Zeichnen nach und nach herausschält und entwickelt; wo am Anfang nur eine leere Leinwand gewesen ist.
Kann sein, dass ich einfach von meinen geistigen Fähigkeiten her zu dumm und unkonzentriert bzw. zu „chaotisch“ im Denken bin. Irgendwie, als könnte ich nicht richtig geordnet denken. Das fällt mir besonders in Situationen auf, in denen ich etwas, das ich sagen möchte, jemandem verbal zu erklären versuche und mir irgendwie keine passenden Worte für das einfallen, was ich innerlich auf irgendeiner anderen -nicht verbalen- Ebene „weiß“. Dieses „andersartige“ Wissen nützt mir nur leider in dem Moment nichts, weil ich es nicht in Worte transformiert bekomme und somit verbal nicht vermitteln kann. Es ist, als würde man versuchen, Wasser mit bloßen Händen zu schöpfen oder jemandem seine Gefühle so zu beschreiben, wie man sie fühlt anstatt erlernte Standard-Übersetzungen in Wörter wie „unangenehm“, „traurig“, „fröhlich“ etc. zu verwenden. Solche Momente frustrieren mich besonders.
Wo ich viel Zeit sparen kann ist aber bei der Entscheidungsfindung, eben entschlussfreudiger werden, mit dem Risiko, dass ich doch etwas übersehen bzw. nicht bedacht habe etc.. Und bestimmte (eher optische) Detailarbeiten, sollte ich ab sofort delegieren, wenngleich mir das aus folgendem Grund schwerfällt: Wenn ich das gleich selbst miterledige, weiß ich, dass es nicht vergessen wird später von den Sekretärinnen, obwohl die das eigentlich standardmäßig beachten und erledigen sollten; das funktioniert nur nicht unbedingt.
Diesbezüglich werde ich wohl lernen müssen, das einfach auszuhalten, wenn es vergessen wird – oder eben die Sekretärin anweisen, das zu korrigieren, auch wenn ich damit eines der größten Negativklischees über Perfektionisten bediene und mir das darüber hinaus auch unangenehm ist, weil ich weiß, dass das für die doof ist, wenn sie den Schriftsatz noch einmal ändern muss.
Mein Chef hat sich diese Woche eine „tolle neue“ Änderung für mich überlegt, weshalb ich derzeit viel Streß habe. Die Erfüllung seiner neuen Idee hat bislang noch nicht geklappt. Eigentlich habe ich jetzt noch mehr Arbeit auf dem Schreibtisch, wovon jeden Tag eine weitere dazukommt, von der mein Chef möchte, das ich die direkt für ihn fertigstelle. Eben zusätzlich zu dem regulären Arbeitsaufkommen und egal, was sonst so anliegt.
Ich hoffe dass die jüngste Idee meines Chefs für mich nicht darauf beruht, dass er auch diese Artikel zur Mitarbeiterführung für Problembären wie den perfektionistischen Mitarbeitertypus gelesen hat. (Mir ist das eh schon peinlich genug.)
Ausweislich seiner Erklärung verstehe ich seine Idee so, dass er mich gewissermaßen dazu „zwingen“ möchte, dass ich die Arbeiten oberflächlicher pragmatischer angehe und dadurch eben deutlich effizienter bzgl. der wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Rechnung. … Den ersten Erfolg habe ich auch schon bei gewissen einzelnen Entscheidungsaspekten gemerkt und mich da nach minimaler Kurzrecherche direkt entschieden (gefühlt: geraten), um eben schnellstmöglich fertig zu werden.
Ansonsten hat seine Idee – und ein aus mehreren äußeren wie in meiner Person liegenden Gründen denkbar beschissener Startzeitpunkt dafür – jetzt erst einmal dafür gesorgt, dass ich ihm morgen vormittag die Ausarbeitungen von gestern, von heute und von morgen schulde. Ich war nämlich anderweitig dringlicher und umfangreicher als gewöhnlich eingespannt. *Zack – so schnell geht das mit dem Verzug; gleich mal zu Beginn direkt versagt. Und das, obwohl ich dazu tatsächlich nur ca. zu 50% etwas konnte; die anderen 50% lagen ausnahmsweise just in dieser Woche an äußeren Rahmenfaktoren für die ich beim besten Willen nichts konnte. Damit kann ich meinem Chef natürlich nicht kommen und ich hätte die Sonder-Sachen für ihn auch lieber alle pünktlich am jeweiligen Tag fertiggestellt, hätte ich Zeit dafür erübrigen können).
Die insofern aufwendigste Ausarbeitung von Dienstag habe ich heute nach den Fristensachen vom „Tagesgeschäft“ und anderen unaufschiebbaren Sachen fertiggestellt. Mit ihm gesprochen habe ich gestern und heute; er ist insofern über den äh (Nicht-)Bearbeitungsstand seiner „Hausaufgaben“ im Bilde; die konkrete Bearbeitungsreihenfolge der nächsten Arbeiten morgen Vormittag ist auch mit ihm abgestimmt. Das erleichtert mich etwas und ich hoffe, dass ich die Sachen morgen vormittag alle erledigen kann, plus ein paar Sachen meiner regulären Aufgaben, ohne dass irgendwas Besonderes ist (z.B. technische Probleme, irgendwelche an mich delegierten „Notfälle“ z.B. von meinen anderen Chefs usw..).
Ich finde seine Idee nicht unbedingt schlecht, in einem gewissen Sinne ist das von ihm auch eher als Hilfe gemeint (wenngleich dahinter natürlich auch eigennützige wirtschaftliche Interessen seinerseits stehen; trotzdem … ). Und so unangenehm und stressig es zunächst für mich ist -zumal der Startzeitpunkt beschissen gewählt worden ist, so dass ich direkt wieder im Minus starte und hinterherlaufe- einen gewissen äußeren Druck brauche ich bei der Sache vermutlich, um über meinen Schatten zu springen. … Überraschenderweise war mein Chef gestern und heute gar nicht sauer, obwohl ich seine neuen Aufgaben bzw. seine neue Idee gleich zum Einstieg versemmelt habe, da ich die ja jeweils an dem Tag erledigen soll. Und weil das so gut geklappt hat, mache ich morgen nicht eine, sondern drei dieser Sonderaufgaben zusätzlich. Yeah, strike, das wird super!
Mhm, entweder bekomme ich die Kurve oder ich werde demnächst endgültig absaufen. Ich weiß nicht, ob ich schnell genug so effizient wie gewünscht werden und meine Fehler abstellen kann. Anregungen und Tipps habe ich insgesamt von meinen Chefs durchaus bekommen; das Problem liegt unbestritten bei mir. Um meine Änderungsziele und neuen Werte in den Schlagworten meiner Chefs auszudrücken: Wirtschaftlichkeit – Effizienz – Dominanz.
Tja, wie praktisch, dass ich neben dem perfektionistischen Antreiber auch noch den „Mach es allen recht„-Antreiber habe. Perfekt! => „Sieg oder Sibirien!„







