Ja, das heißt wirklich so und meint, dass man Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate (in Form von Zuckerlösungen) per Infusion über einen Zentralen Venenkatheder (ZVK) bekommt.
Für Menschen die Zugänge z.B. beim Blutabnehmen so sehr mögen wie ich, also die verkappten Spritzenphobiker unter uns: Der ZVK kommt in die Halsvene.
Bei mir sah das so aus:
Was mir dieses zweifelhafte Erlebnis verschafft hat?
Nein, keine Essstörung. Zu dem Zeitpunkt war ich seit ca. 5 Jahren komplett essstörungsfrei. Und mit komplett meine ich komplett, wenngleich es immer „nette Mitmenschen“ gibt, die eine Essstörung für eine Gewichtserkrankung halten und der Ansicht sind, dass man weiterhin essgestört/anorektisch sei, wenn man nach wie vor sehr schlank bzw. sogar leicht untergewichtig ist (trotz normaler Ernährung und Bewegung). Dabei ist es primär das Denken und Empfinden, das den Unterschied zwischen gesund und essgestört ausmacht.
Den ZVK und die PE hatte ich meinem Blinddarm, präziser gesagt meiner Appendix an selbigem zu verdanken.
Eines schönen Sonntags im Herbst war mir bereits morgens komisch zumute, so als ob man krank wird, und das Frühstück samt selbstgebrautem Saft, den mein Besuch mitgebracht hatte, ekelte mich komischerweise an. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, es sei irgendwie „psychogen“ und eigentlich ein gewisser Selbst- wie Fremdekel gegenüber meinem Gast (lange Geschichte!), der sich zum Glück bald darauf verabschiedete.
War aber nicht die Psyche. Der Spuk hielt bis Dienstags an: Ich hatte absolut null Appetit, Widerwillen gegen die meisten Speisen, war müde und schwitzte nachts. Arglos ging ich von einem harmlosen Infekt aus, den ich mir bestimmt bei meinem Besuch eingefangen hätte. Komisch war nur, dass meine Augenlider total zugeschwollen waren. Körpertemperatur: unter 37 Grad.
Dienstagabends ging es mir wieder besser, und da mir Sport oft bei kleineren gesundheitlichen Beschwerden geholfen hat und ich mich wieder relativ fit fühlte, ging ich zum Taekwondo-Training. Im Training ging es entspannter zu, als sonst. Mir tat die Bewegung gut und in der Umkleidekabine erfuhr ich von den Karate-Frauen, dass derzeit Erkältungsmist im Umlauf sei. Da es mir weiterhin besser ging, hatte ich das Ganze damit schon innerlich abgehakt.
Ich schlief bis zum Mittag am Mittwoch, bildete mir ein, diese Nacht etwas weniger geschwitzt zu haben. Ist ja auch gut, wenn der Körper schwitzt, wenn er mit irgendwelchen Bazillen kämpft.
Endgültig wieder gesund wähnte ich mich, als ich sogar wieder Appetit hatte. Es gab Hähnchenfrikassee und ich erwähne es auch nur deshalb, weil sich mir noch Monate danach beim Anblick von Hähnchenfrikassee im Supermarkt der Magen umdrehte.
Es wurde spätnachmittags und mir war komisch zumute. Unschlüssig, vermutete ich, dass es von dem wenigen Essen kommen könnte, das ich die letzten Tage herunterbekommen hatte (im Wesentlichen Milchbrötchen). So aß ich den Sojajoghurt, den mein Gast mir überlassen hatte. Ein Fehler! … Gegen Abend ging es mir dreckig. Die geplante Online-Zockerrunde mit den anderen sagte ich ab und wälzte mich die nächsten Stunden im Bett herum, auf der Suche nach einer Position, in der mir nicht so abartig übel wäre. Vergebens.
Das Übergeben war ich so gar nicht mehr gewöhnt und ja irgendwie war es mir seinerzeit wichtig, mich nicht zu übergeben, glaubte ich doch mit diesem Thema für den Rest meines Lebens abgeschlossen zu haben.
Sich aufgrund einer organischen Erkrankung übergeben zu müssen, ist anders, als wenn man sich geplant absichtlich übergibt; eben kontrolliert im Rahmen einer Essstörung erbricht. Bei mir jedenfalls.
Um es kurz zu machen: Ich musste mich an jenem Mittwochabend zweimal übergeben, wobei mir ein Blutgefäß im Auge geplatzt ist.
(Später im Krankenhaus bin ich wiederholt auf mein „blutiges Auge“ angesprochen worden; sah aber nur schlimm aus.)
Nach dem Übergeben bin ich irgendwann eingeschlafen, zunehmend stärker schwitzend und mit einer Körpertemperatur von ca. 37,5 Grad. Überhaupt: Ich hatte die klassische Kombi aus Schwitzen und Frieren.
Nachdem ich Donnerstagmittag benommen aufgewacht bin, mich das x.-te Mal umgezogen habe, nur um darauf wieder zu schwitzen und zu frieren, habe ich mich schon ein bisschen gewundert, weil ich irgendwie auch ohne neuer Selbstversuche intuitiv wußte, dass ich gerade kein Essen vertragen würde. Ich habe es mit Saft versucht und das dann schnell nach zwei, drei kleinen Schlücken gelassen.
Magenschmerzen in dem Sinne hatte ich aber nicht! Dabei sollen das ja angeblich die typischen Symptome sein. Pah!
Körpertemperatur: 38,5 Grad. Telefonat mit meiner Mutter gegen 14/15 Uhr, um meinen Eltern fürs anstehende Wochenende abzusagen. Vorschlag meiner Mutter, dass ich doch die 2h-stündige Fahrt zu ihnen jetzt gleich machen solle, damit ich bei meinen Eltern freitagmorgens direkt zu meinem Hausarzt gehen könnte.
Ich war nicht so angetan von der Idee, da ich meinen Hausarzt wegen der „kleineren Magenverstimmung“ nun echt nicht belästigen wollte. „Einfach viel schlafen, das ganze Wochenende, den Körper „die Krankheit ausschwitzen lassen“ und fertig, am Montag bin ich wieder fit!“, so dachte ich.
Es wurde Nachmittags, irgendwie war ich in einem seltsamen geistigen Zustand. Im Nachhinein würde ich ja sagen, dass ich etwas „eingetrübt“ war, außerdem war ich komisch kurzatmig und bekam subjektiv gefühlt nicht ausreichend Luft, ohne echte Atemnot zu haben, dafür atmete ich schneller als sonst und hatte einen Puls von 100 in Ruhe statt wie üblich von 60/70. Aber da sich von den behandelnden Ärzten dafür später niemand interessiert hat, denke ich, dass das wohl nichts Besonderes war. (Lag bestimmt an den später festgestellten hohen Entzündungswerten.).
Solche Symptome kannte ich bislang allerdings nicht. Körpertemperatur: 39,3 Grad. Ich habe die nächsten Stunden damit verbracht, mein Geschirr zu spülen (von Hand), wofür ich ewig gebraucht habe, weil ich immer wieder Pausen machen musste; das Gleiche beim Packen meines Autos für das WE bei meinen Eltern. Damals lebte ich noch im 4. Stock und musste mehrmals hoch und runter, wobei ich kaum Luft bekommen, fast gehechelt und wie ein Schwein geschwitzt habe, obwohl mir das Treppensteigen sonst nie etwas ausgemacht hat.
Nassgeschwitzt ins Auto, Musik an und los. Im Kaff nicht mehr weit von meinem Elternhaus entfernt geblitzt und herausgewunken worden. Es war wenige Meter vor der Ortsausfahrt, wo man erst 50 km/h und ziemlich direkt dann 70 km/h fahren darf; seit einer Weile gab es dort noch für wenige Meter eine 30er-Zone, in der die meisten 40 km/h fahren; die „neue“ 30er-Zone war mir aber entgangen, weil ich noch gewöhnt war, dass dort durchgängig innerorts 50 km/h erlaubt wären. Die Frage des Polizisten habe ich dann auch komplett versemmelt:
„Wie schnell dürfen Sie hier fahren?“. „Ich nehme den 50:50-Joker.“
„… 50 km/h?!“ … „50 km/h?! Hier sind 30 km/h erlaubt!“, blaffte es mir entgegen. Danach folgten Fragen und Vorhaltungen, dass die „neu-alte“ 30er-Zone schon seit 4 Monaten eingerichtet sei; dazu fiel mir innerlich nur ein, dass ich meine Eltern doch ganz schön lange nicht mehr besucht hatte. Aufgrund meines Kennzeichens hielt mich der Polizeibeamte dummerweise für einheimisch. Er bekam sich gar nicht mehr ein, ich schwieg wohlweislich und gab mich vorsorglich schuldbewusst, obwohl mir alles so egal war, weil ich gerade ganz andere akute Probleme hatte. Das wollte ich aber besser nicht sagen; nicht dass er noch auf den Trip käme, ich sei fahruntüchtig.
So wie der Typ sich aufführte, musste ich wohl mindestens 60 km/h gefahren und in seinen Augen ein elender Raser sein, der kleine Kinder vor den hier nicht vorhandenen Schulen abends tot fuhr… aber es stellte sich heraus, dass ich nur sagenhafte 8 km/h zu schnell gewesen war. Zum Glück hatte ich aus Verpeiltheit die Innenbeleuchtung im Pkw nicht angemacht und es ist mir bis heute ein Rätsel, wie der Polizist übersehen konnte, dass ich geistig verpeilt und körperlich extrem verschwitzt war, mir lief der Schweiß so runter im Gesicht, trotz der Kälte, und meine Wohnorte habe ich auch bunt durcheinandergeworfen etc..
Ich hätte an seiner Stelle mit mir sämtliche Drogentests durchgeführt, aber dort herrschte Massenabzocke Hochbetrieb und so wollte er nach seiner Standpauke und dem üblichen Procedere nichts weiter von mir. Die kalte Luft, die durch das geöffnete Fenster hereinkam, ließ mich schwitzen und frieren. Ich wollte nur irgendwie zu meinen Eltern und dort ins Bett.
Endlich da. Meine Eltern handhaben Erkrankungen auch recht nüchtern, wenngleich nicht unherzlich. So gab mir meine Mutter ein Körnerkissen und ließ mich ansonsten auf dem Sofa wie auch später in Ruhe. Es war klar, dass ich morgens zum Arzt gehen würde. Inzwischen hatte ich eine komische Mischung aus Appetitlosigkeit mit Widerwille gegen Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr sowie ein diffuses Unwohlsein im Bauch, aber keine richtigen Schmerzen. Meinen Eltern konnte ich nicht recht begreiflich machen, dass mein Körper wirklich besser keine Nahrung haben wollte. Ich hätte es nicht mit etwas Konkretem begründen können, aber mein Körpergefühl hat mir das deutlich gesagt.
Dem elterlichen Drängen habe ich letztlich nachgegeben und eine kleine Portion Apfelmus gegessen. Keine gute Idee.
Ich fühlte mich nicht gut, aber gleichzeitig hatte ich die Sorge, dass mich mein Hausarzt auslachen würde, was ich denn wegen eines etwas verstimmten Körpers bei ihm wollen würde und dass ich mich aus seiner Sicht nur anstellen würde.
Nachts konnte ich nicht schlafen und wälzte mich erneut hin- und her; richtige Bauchschmerzen hatte ich immer noch nicht und sollte ich auch nicht bekommen
(kleiner Exkurs: Lustigerweise stand später im Entlassbrief vom Krankenhaus trotzdem, dass ich massive Bauchschmerzen beklagt hätte, obwohl ich meine Schmerzen in der Notaufnahme mit 1, evtl. maximal 2 -also praktisch keine bzw. nur sehr leichte Schmerzen- angegeben hatte auf der 10er-Schmerzskala. Selbst die Ärztin tat so, als würde mir das Herumdrücken auf dem Bauch große Schmerzen bereiten, als sie danach fragte, ob es ok sei, dass ihr Kollege auch mal tastet. „Ich weiß, dass Ihnen das sehr weh tut …darf mein Kollege trotzdem …. das kann man bei Ihnen so gut ertasten.“ <= Nö, tat nicht weh; hatte ich auch nie gesagt dort. Passte als klassisches Symptom wohl einfach zu gut, um auf mich zu hören, was ich wirklich empfand^^).
Gleichwohl war Liegen etc. im Bett in jener Nacht auf Freitag unangenehm. Daher habe ich mich mit Online-Surfen abgelenkt. Da ich immer schon wissbegierig war und Wissen am besten gegen Ängste hilft, googelte ich meine Symptome. Paradoxerweise, weil ich Angst vor dem Gespräch mit meinem Hausarzt hatte und dass er mich endgültig für einen Hypochonder halten würde. Dr. Google behauptete mit verblüffender Übereinstimmung, dass ich es wahrscheinlich „am Blinddarm“ hätte.
Ich war gleichwohl skeptisch: Als Hauptsymptom wurden dort bei einem entzündeten Blinddarm/Wurmfortsatz starke Bauchschmerzen in der rechten unteren Körperhälfte beschrieben. Die hatte ich nicht; einzig das komisch-diffuse Gefühl war in den letzten Stunden von der Körpermitte etwas nach rechts unten gewandert, aber keine Ahnung, ob ich das zutreffend wahrnahm – unter starken Schmerzen stellte ich mir auch etwas gänzlich anderes vor; deshalb verwarf ich Dr. Googles Diagnose und schlief irgendwann ein.
Nächster Akt: Freitagmorgen. Mir ging es schlechter, das Schwitzen war aber etwas weniger. Eigentlich wollte ich meine Eltern fragen, ob sie mich fahren könnten. Als ich im Badezimmer war, hörte ich, wie sie sich über mich unterhalten haben; meine Mutter überlegte laut, ob sie mich nicht besser zum Arzt fahren solle, mein Vater erwiderte, dass das Unsinn sei, das könnte ich doch selbst machen, da [alt genug, soll sich nicht so anstellen, hat doch nichts Schlimmes usw.].
Sie wußten nicht, dass ich alles mitangehört hatte (wie so oft). Ich kam mir erst recht wehleidig + doof vor und fuhr selbst zum Arzt. Dort wartete ich brav ca. 2 h+, denn ich wollte mit meiner Lappalie keinen Aufstand machen; mir war das eh schon unangenehm genug. Freitagmorgens war dort erst recht viel los.
Zu meiner Verwunderung hat mich mein Hausarzt nicht ausgelacht, sondern mir nach einem Ultraschall eröffnet, dass er mich ins Krankenhaus überweist und es sein könnte, dass ich dort ein paar Tage bleiben muss, mein Blinddarm sei entzündet, das sei deutlich zu sehen. Passenderweise bekam ich just einen der Schweißausbrüche auf der Untersuchungsliege, nachdem er festgestellt hatte, dass ich kein Fieber habe (Körpertemperatur: Ca. 36,5 Grad). Ich solle sofort in die Notaufnahme des Krankenhauses, und auch nichts mehr essen, weil ich möglicherweise operiert werden würde.
Kurz mit meinen Eltern telefoniert, damit sie schon einmal eine Tasche packen, zurück gefahren. Beim Gehen ein dumpfer minimaler Schmerz in der rechten unteren Bauchhälfte.
Von Eltern in die Notaufnahme gebracht werden, dort zu meiner 2. Verwunderung fast direkt drankommen und erklärt bekommen, dass ich eine schwere Entzündung hätte, unbedingt in den nächsten Stunden operiert werden müsse und danach auf die Intensivstation käme.
Joa, ich fand das recht übertrieben; ist zwar so herum besser, als dass die Ärzte sauer auf mich gewesen wären, dass ich ihnen Zeit stehlen würde und nichts hätte, aber gleich so ein Aufheben?
Nach der OP habe ich von meinen Eltern und später von den Ärzten erfahren, dass ich eine sehr schwere Entzündung (gehabt) hätte, die Appendix war bereits durchgebrochen, gangränös und mein Bauchfell entzündet. Außerdem waren die Entzündungswerte im Blut wohl auch für eine Appendizitis sehr hoch. Da ich aber nach der OP stabiler als erwartet gewesen sei etc., ist mir die Intensivstation erspart geblieben.
Andererseits haben die Ärzte insbesondere gegenüber meinen Eltern nach der OP (als ich noch nicht wieder wach war) deutlich gemacht, dass ich das Wochenende nicht mehr überlebt hätte. … Mein Vater hat sich deshalb sehr kleinlaut bei mir entschuldigt für seine Worte vom Freitagmorgen, nachdem er erfahren hat, dass ich sie gehört hatte. Dabei waren seine Worte ja durchaus berechtigt ex ante.
Gewurmt hat mich etwas ganz anderes nach der OP:
Es wäre so einfach gewesen: Einfach im Bett in meinem kleinen Appartment liegenbleiben, immer mehr wegdämmern, schlafen, schwitzen … irgendwann ganz Wegsein. … Es wäre ein echter Unfall gewesen, mit dem meine Eltern noch am ehesten hätten leben und eines Tages wieder glücklich werden können. Anders, als bei einem Suizid.
Es ist nicht so, dass ich undankbar bin, dass mir die Ärzte (und indirekt meine Mutter mit ihrem Rat zum Hausarzt zu gehen) das Leben gerettet haben, ich bin nur so chronisch ambivalent bzgl. des Weiterlebens und wenn man erfährt, so dicht am Ziel gewesen zu sein, wie man es nicht mehr sein wird, ist die Ambivalenz extrem. So wie es auch an jenem Abend mit den knapp über 40 kg und den (eingebildeten?) „Herzproblemen“ gewesen ist. Nur war es bei der Blinddarmsache noch viel näher und es wäre auf jeden Fall erfolgreich gewesen.
Es betrübt mich bis heute manchmal, dass ich meine bislang auf lange Sicht beste und einzige Chance nicht erkannt und genutzt habe.
Was man mir vor der OP übrigens nicht gesagt hatte und worin ich nicht explizit eingewilligt hätte:
Ich bin mit einem ZVK im Hals aufgewacht und wurde parental ernährt. Wäre ich noch anorektisch gewesen, wäre das grausam gewesen.
Auch ohne Essstörung fand ich es nicht gut; ich möchte einfach nicht, dass man so etwas ohne höchste Notwendigkeit mit mir macht und derart negativ über meinen Körper bestimmt (diese unmittelbare Fremdbestimmung endet insofern erst, wenn auch die parentale Ernährung beendet wird).
Die parentale Ernährung habe ich ca. 4 Tage bekommen und nicht vertragen. Ganz am Anfang hatte man mir zu hohe Glukoseinfusionen fast rund um den Tag gegeben; mir war durchgängig schlecht, mein Urin roch wie Honig, mein Gehirn war matschig und ich hing wie ein Schluck Wasser in der Kurve im Stuhl an dem Sonntagmittag, als man dann feststellte, das mein Blutzucker bei knapp 400 mg/dl (statt der normalen ca. 100-200(?) mg/dl) lag.
(Überwacht worden war der Blutzuckerwert nicht; die Messung habe ich einer aufmerksamen Krankenschwester zu verdanken gehabt, die sich spontan nach der Blutzuckermesung bei meiner diabetischen Zimmernachbarin entschlossen hatte, ausnahmsweise auch bei mir zu messen).
Kein Grund, die PE zu beenden. Stattdessen hat man mir nach einer kleinen Pause einfach etwas weniger Glukose gegeben, die ich aber trotzdem nicht vertragen habe. Ich habe drei Kreuze gemacht, als die PE beendet wurde. Zudem waren meine Leberwerte mies; keine Ahnung, ob das von der Infektion oder von den Segnungen der parentalen Ernährung gekommen war.
Zusätzlich zur PE musste/sollte ich auch Schonkost essen. Das bedeutet am 1. Post-OP-Tag Fresubin. Ich hatte von dem Zeug ironischerweise in Blogs von Essgestörten viel gehört.
(Selbst bin ich wegen der Anorexie -zum Glück- nur eine Weile in der hausärztlichen ambulanten Behandlung gewesen. Das hat mir Fresubin & Co. sowie die ihrerseits körperlichen Bedürfnissen entfremdeten Essenspläne auf der Essgestörtenabteilung erspart.)
Von dem Fresubin sollte ich drei Flaschen zu mir nehmen, habe aber nur eine morgens geschafft, nach der ich mich fast hätte übergeben müssen. Ansonsten gab es ab dem 2. Tag Suppe, Weißbrot und Marmelade.
Essen, das ich überhaupt nicht vertragen habe und von dem mir auch gesund schlecht geworden wäre. Das hat neben der tollen Essensinfusionen auch zur durchgängigen Übelkeit tagsüber beigetragen. Ich hätte am liebsten keine PE und ein normales Brötchen mit Käse gehabt oder was es sonst so gab. Das war dort aber keine Schonkost. Daher: Pech gehabt.
Leider habe ich versäumt nach dem Grund für die parentale Ernährung zu fragen; ich hatte damals einen BMI von 18, war nicht unterernährt und hätte auch einen größeren, vorübergehenden Gewichtsverlust verkraften können. Außerdem ist mein Körper zäh. Warum also gleich eine PE?
Als ich nach knapp einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden bin, hatte ich ca. 6/7 kg zugenommen. Alles Wasser; ich habe meine Fußknöchel nicht mehr gesehen, so aufgeschwemmt war mein Körper, obwohl ich mich in der Klinik im Rahmen meiner Möglichkeiten viel bewegt habe, z.B. im Treppenhaus. Persönlich denke ich, dass das so nicht normal ist mit so starken Wassereinlagerungen und dass man mir die PE gut hätte ersparen können.
Bevor das so einseitig negativ endet und einen falschen Eindruck hinterlässt: Doch, ich bin den Ärzten und Pflegern im Krankenhaus, meinem Hausarzt, und meinen Eltern insgesamt durchaus dankbar, sehr sogar.