Business as usual

Eigentlich ist mein Arbeitsalltag wie immer, es ist nur deutlich leerer auf den Straßen morgens und abends auf dem Arbeitsweg. Ideal für einzelgängerische Menschen, die gerne Abstand zu anderen haben. Gefällt mir an sich gut und es vermittelt viel mehr Ruhe, als sonst (ich bin da sehr reizsensibel) – auch wenn der Grund natürlich unerfreulich ist.

Mal sehen, ob die Richterin den Termin aufheben wird. Verdenken könnte ich es ihr nicht. Die Richter können sich das jeweils selbst kraft ihrer richterlichen Unabhängigkeit überlegen. Immerhin verlangt hier niemand Mundschutz und Handschuhe für seine Verhandlungen; sähe bestimmt skurril aus – da reißen die Roben auch nichts mehr raus^^.
Andererseits würde ich die Angelegenheit gerne abschließen. Gut, dass wenigstens die anderen Verhandlungen soweit noch stattgefunden haben. Ich bin über alles froh, das erledigt ist und hinter das ich einen Haken setzen kann.

Am Freitag oder Samstag werde ich wie üblich einkaufen gehen; ich kaufe idR meine üblichen Sachen nach, sobald die sich leeren, und hole lieber mit einem Beutezug alles, was ich so die nächste Zeit brauche, als jeden 3. Tag oder jede Woche loszumüssen. Und das wohlgemerkt lange vor Corona. Allerdings käme es mir nicht in den Sinn, kiloweise Mehl etc. zu kaufen; sind eher haushaltsübliche Mengen oder weniger.

Ich bin mal gespannt, wie es hier inzwischen im Supermarkt aussieht; meine Eltern haben mir aus ihren Jagdgebieten dazu wenig Erbauliches berichtet. Aus irgendeinem Grund reißen sich die Leute ausgerechnet um Toilettenpapier und bestimmte Konserven (man erkennt die Ladenhüter nun gleich viel besser). Können die nicht stattdessen lieber mal sämtliche Süßigkeiten, ungesunde Backwaren und alles andere, das ich prinzipiell mag, aber besser nicht essen sollte, aufkaufen?

Bin eh mal gespannt, weil ich meiner älteren Nachbarin angeboten habe, für sie miteinkaufen zu gehen; sie wird mir einen Zettel schreiben. Ich habe keine Ahnung, was und wo sie üblicherweise so kauft, aber notfalls werde ich wohl verschiedene Supermärkte ansteuern müssen.

Sport mache ich derzeit nicht, die Hallen sind zu; wobei ich zumindest kommendes Wochenende Laufen gehen möchte. Abends nach der Arbeit schaffe ich das seit Monaten derzeit energietechnisch unter der Woche nicht. Das wird aber sicher besser im Sommer. Falls man da noch rausgehen darf. Und ich habe momentan viel um die Ohren, wobei der gesellschaftliche kollektive Shutdown wenigstens etwas entlastet. Das muss ich unbedingt so gut wie möglich nutzen.

Das Wochenende bei meinen Eltern war sehr angenehm, nur das Essen ist mir etwas viel geworden – ich esse durchaus gerne an einem Tag mehr, aber dann habe ich am Folgetag automatisch weniger und noch später Hunger.; das funktioniert aber nicht bei meinen Eltern, da die einen anderen Essensrhythmus haben, als ich. Samstag gab es mittags Lasagne mit Mozzarella + als Dessert Eierlikörkuchen, abends frische Brötchen mit Rindersalami und als Nachtisch Kokos-Mochi – die Dinger liebe ich.

Die zwei kleinen Aufbackcrossaints + Marmelade zum Frühstück am Sonntag waren auch noch ok, aber hätten nicht sein müssen => wenn ich meine Eltern besuche, frühstücke ich aus Gewohnheit und Höflichkeit mit ihnen, mit manchmal gemischten Gefühlen; mir ist morgens noch nicht nach Essen und ich würde lieber warten, bis ich wirklich Hunger hätte. Sonntagmittag gab es panierten Fisch mit Kartoffeln + Kräuterbutter und Salat, als Dessert wieder Eierlikörkuchen. Nichts gegen Kuchen generell, aber es wäre mir lieber gewesen, meine Mutter hätte meinen Besuch nicht zum Anlass genommen, diesen blöden Kuchen zu backen. Die Reste sollte ich mitnehmen.
Klar, ich hätte auch ablehnen können; ebenso beim Dessert. Zwingt mich ja niemand. Aber Jasagen war irgendwie einfacher, ebenso wie das hinterher Erbrechen wieder zurück in meinen eigenen vier Wänden. Das könnte auch daran gelegen haben, dass mir bereits nach dem Dessert minimal übel war, weil es einfach mit dem Kuchen dazu zuviel bzw. zu fettig und Essen zur falschen Uhrzeit gewesen ist; meine Galle und Leber sind da sehr empfindlich – ist genetisch bedingt.

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich mich davor zuletzt übergeben habe, könnte so vor ca. 10 Tagen gewesen sein. Es ist eh wieder deutlich seltener, als in den einzelnen Phasen, die ich zwischendurch sporadisch hatte. Mir geht es insgesamt besser, seitdem ich fast keine Süßigkeiten mehr esse und den – größtenteils selbstproduzierten- Alltagsstress etwas reduzieren konnte (ist aber noch nicht im grünen Bereich).
Oder es liegt am hormonellen Zyklus? Dann kann es ja nicht mehr lange dauern, bis der Mist wieder von vorne anfängt. Scheiß PMS, scheiß überflüssige Körperfunktionen und Organe.

Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass ich im Moment auf keinem allzu schlechten Weg bin. Gestern und Heute war ich beim Aufwachen viel erholter, als sonst. Und das an Arbeitstagen! Um den Haushalt habe ich mich die Tage auch gekümmert (v.a. um die Wäsche), wobei da noch einiges zu tun ist – ich muss irgendwie mal die letzten Umzugskisten und anderen Kleinkram entrümpeln. Sehr gut gefallen mir nach wie vor der neue Kühlschrank und der Herd; das hat sich echt gelohnt.

Wer in virenverseuchten Zeiten noch Geschenke für seine Lieben sucht, bitte:
Süße Stofftiere

Ernährungstipps für die Quarantäne:
Einfach Knäckebrot oder Brötchen mit Camembert belegen und mit Wildpreiselbeergelee bestreichen, kurz in die Mikrowelle – und fertig. Eines meiner Lieblings(fertig)gerichte.

Das Ganze geht auch super mit Pizzakäse – ich bevorzuge da Mozzarella wegen des geringen Histamingehalts. Den Käse dann am besten mit Oregano, Basilikum, Thymian bestreuen und vorher etwas Ketchup auf das Knäckebrot geben, darauf dann den Käse und die Kräuter => Mikrowelle.
Man kann natürlich auch noch Thunfisch oder Schinken etc. dazutun. Quasi „Pizza“ für extrem kochfaule Menschen, wie ich es oft bin.

Ebenfalls sehr zu empfehlen: Tiefkühl-Gemüse in allen Variationen. Dazu Fisch (z.B. tiefgekühlt) oder Fleisch <- kann man auch gut in Mehl wälzen oder panieren. So äh „koche“ ich meistens – also eigentlich brate ich das Ganze letztlich in der Pfanne; dazu nach Geschmack Gewürze geben.

Allen hoffentlich gute Gesundheit – und wer nun frei hat: Viel Spaß! Ich wüsste da diverse Filme/Games, mit denen man die Zeit genießen könnte. ^^

Raynaud-Syndrom II

Gut, dass das nass-kalte, windige Wetter der letzten Wochen erst einmal vorbei ist. Es ist etwas unpraktisch, wenn die eigenen Fingerspitzen minderdurchblutet sind. Mir ist dadurch auch das ein oder andere Mal der Schlüsselbund beim Türaufschließen hingefallen; hatte einfach kein Gefühl in den steifen, tauben Fingern.

Bei einem anderen Raynaud-Anfall vor Kurzem war sogar mein Daumen komplett taub und so weiß, wie die Fingerspitzen oben in den Fotos.

Alles in allem ein sehr harmloses, aber lustig anzusehendes körperliches Gimmick.

So viele sinnlose Fragen …

Manchmal wüßte ich gerne, was Menschen, die nicht von einer Essstörung betroffen sind, eigentlich denken, wenn sie z.B. wie hier in der Blogwelt von essgestörten Verhaltensweisen lesen?
Kann man das überhaupt nachvollziehen, wenn man dieses Denken und Empfinden nicht aus eigenem Erleben kennt? … Schließlich kann auch eine hohe emotionale Intelligenz aka „Empathie“ nicht alle Verständnishürden zwischen den Innenwelten der einzelnen Menschen kompensieren.

Ist man überhaupt ernsthaft essgestört, wenn man nicht deutlich untergewichtig und arbeitsfähig ist, einen Job hat, sich nicht ritzt, kein Blut beim Erbrechen spukt, weitgehend normal und mit Genuss isst, seinen Körper an sich mag und sich eh nur alle paar Wochen mal übergibt?
Muss man dafür mindestens einen stationären Klinikaufenthalt in einer Abteilung für Essgestörte als „Meilenstein“ erreicht haben? Muss man mindestens einmal eine Nasensonde bekommen haben? Muss man in therapeutischer Behandlung sein, um krank zu sein, oder mindestens einen Therapeuten bereits verschlissen haben?
Ist man nie wirklich krank gewesen, wenn man ohne Therapie und Klinik aus einer Essstörung herausfindet? … Schließlich heißt es oft: „Eine Essstörung hat man lebenslang.“ und dass eine Selbstheilung ohne fremde, professionelle Hilfe nicht möglich sei.

Was denken gesunde Menschen, wenn ich erwähne, Essen absichtlich erbrochen zu haben? Sind sie angeekelt? Sind sie gelangweilt, von all den banal-destruktiven Einblicken in ein anderes Leben? Schütteln sie den Kopf, wie jemanden das Gewicht und das Äußere nur so wichtig sein kann? Denken sie, dass es Jammern auf hohem Niveau ist, wenn ich mich hier an 3kg+ störe, obwohl ich sehr schlank bin?
Verdrehen sie genervt die Augen, wenn ich Texte mit Überlänge schreibe, die sich um Ereignisse in meinem Leben drehen, die für mich bedeutsam sind, aber für Mitmenschen geradezu trivial und langweilig sein dürften?
Denken sie „Deine Sorgen möchte ich haben! Immer diese vom Leben verwöhnten un dennoch lebensunfähigen, für ihr Glück undankbaren Menschen, die online wegen nichts schriftlich rumheulen.“?

Was denken Ärzte, bspw. Kinder- oder Hausärzte, über ihre essgestörten Patienten?
Halten sie die für im wahrsten Sinn des Wortes „bescheuert“?
Was denken sie bei sehr schlanken/etwas untergewichtigen Patienten, bei denen unbekannt ist, ob sie eine Essstörung haben oder nicht? Glauben sie denen, wenn sie eine Essstörung verneinen oder denken sie: „Typisch, fehlende Krankheitseinsicht!“?

Was denken Eltern über ihr essgestörtes Kind?
Was denken Eltern über ihr lebensmüdes Kind, dem die Begeisterung für das Leben abgeht, obwohl sie sich so viel Mühe gegeben haben, ihrem Kind ein angenehmes Leben zu ermöglichen und es zu unterstützen?

Parentale Ernährung (PE)

Ja, das heißt wirklich so und meint, dass man Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate (in Form von Zuckerlösungen) per Infusion über einen Zentralen Venenkatheder (ZVK) bekommt.

Für Menschen die Zugänge z.B. beim Blutabnehmen so sehr mögen wie ich, also die verkappten Spritzenphobiker unter uns: Der ZVK kommt in die Halsvene.

Bei mir sah das so aus:

Was mir dieses zweifelhafte Erlebnis verschafft hat?

Nein, keine Essstörung. Zu dem Zeitpunkt war ich seit ca. 5 Jahren komplett essstörungsfrei. Und mit komplett meine ich komplett, wenngleich es immer „nette Mitmenschen“ gibt, die eine Essstörung für eine Gewichtserkrankung halten und der Ansicht sind, dass man weiterhin essgestört/anorektisch sei, wenn man nach wie vor sehr schlank bzw. sogar leicht untergewichtig ist (trotz normaler Ernährung und Bewegung). Dabei ist es primär das Denken und Empfinden, das den Unterschied zwischen gesund und essgestört ausmacht.

Den ZVK und die PE hatte ich meinem Blinddarm, präziser gesagt meiner Appendix an selbigem zu verdanken.

Eines schönen Sonntags im Herbst war mir bereits morgens komisch zumute, so als ob man krank wird, und das Frühstück samt selbstgebrautem Saft, den mein Besuch mitgebracht hatte, ekelte mich komischerweise an. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, es sei irgendwie „psychogen“ und eigentlich ein gewisser Selbst- wie Fremdekel gegenüber meinem Gast (lange Geschichte!), der sich zum Glück bald darauf verabschiedete.

War aber nicht die Psyche. Der Spuk hielt bis Dienstags an: Ich hatte absolut null Appetit, Widerwillen gegen die meisten Speisen, war müde und schwitzte nachts. Arglos ging ich von einem harmlosen Infekt aus, den ich mir bestimmt bei meinem Besuch eingefangen hätte. Komisch war nur, dass meine Augenlider total zugeschwollen waren. Körpertemperatur: unter 37 Grad.

Dienstagabends ging es mir wieder besser, und da mir Sport oft bei kleineren gesundheitlichen Beschwerden geholfen hat und ich mich wieder relativ fit fühlte, ging ich zum Taekwondo-Training. Im Training ging es entspannter zu, als sonst. Mir tat die Bewegung gut und in der Umkleidekabine erfuhr ich von den Karate-Frauen, dass derzeit Erkältungsmist im Umlauf sei. Da es mir weiterhin besser ging, hatte ich das Ganze damit schon innerlich abgehakt.

Ich schlief bis zum Mittag am Mittwoch, bildete mir ein, diese Nacht etwas weniger geschwitzt zu haben. Ist ja auch gut, wenn der Körper schwitzt, wenn er mit irgendwelchen Bazillen kämpft.

Endgültig wieder gesund wähnte ich mich, als ich sogar wieder Appetit hatte. Es gab Hähnchenfrikassee und ich erwähne es auch nur deshalb, weil sich mir noch Monate danach beim Anblick von Hähnchenfrikassee im Supermarkt der Magen umdrehte.

Es wurde spätnachmittags und mir war komisch zumute. Unschlüssig, vermutete ich, dass es von dem wenigen Essen kommen könnte, das ich die letzten Tage herunterbekommen hatte (im Wesentlichen Milchbrötchen). So aß ich den Sojajoghurt, den mein Gast mir überlassen hatte. Ein Fehler! … Gegen Abend ging es mir dreckig. Die geplante Online-Zockerrunde mit den anderen sagte ich ab und wälzte mich die nächsten Stunden im Bett herum, auf der Suche nach einer Position, in der mir nicht so abartig übel wäre. Vergebens.

Das Übergeben war ich so gar nicht mehr gewöhnt und ja irgendwie war es mir seinerzeit wichtig, mich nicht zu übergeben, glaubte ich doch mit diesem Thema für den Rest meines Lebens abgeschlossen zu haben.

Sich aufgrund einer organischen Erkrankung übergeben zu müssen, ist anders, als wenn man sich geplant absichtlich übergibt; eben kontrolliert im Rahmen einer Essstörung erbricht. Bei mir jedenfalls.
Um es kurz zu machen: Ich musste mich an jenem Mittwochabend zweimal übergeben, wobei mir ein Blutgefäß im Auge geplatzt ist.
(Später im Krankenhaus bin ich wiederholt auf mein „blutiges Auge“ angesprochen worden; sah aber nur schlimm aus.)

Nach dem Übergeben bin ich irgendwann eingeschlafen, zunehmend stärker schwitzend und mit einer Körpertemperatur von ca. 37,5 Grad. Überhaupt: Ich hatte die klassische Kombi aus Schwitzen und Frieren.

Nachdem ich Donnerstagmittag benommen aufgewacht bin, mich das x.-te Mal umgezogen habe, nur um darauf wieder zu schwitzen und zu frieren, habe ich mich schon ein bisschen gewundert, weil ich irgendwie auch ohne neuer Selbstversuche intuitiv wußte, dass ich gerade kein Essen vertragen würde. Ich habe es mit Saft versucht und das dann schnell nach zwei, drei kleinen Schlücken gelassen.

Magenschmerzen in dem Sinne hatte ich aber nicht! Dabei sollen das ja angeblich die typischen Symptome sein. Pah!

Körpertemperatur: 38,5 Grad. Telefonat mit meiner Mutter gegen 14/15 Uhr, um meinen Eltern fürs anstehende Wochenende abzusagen. Vorschlag meiner Mutter, dass ich doch die 2h-stündige Fahrt zu ihnen jetzt gleich machen solle, damit ich bei meinen Eltern freitagmorgens direkt zu meinem Hausarzt gehen könnte.
Ich war nicht so angetan von der Idee, da ich meinen Hausarzt wegen der „kleineren Magenverstimmung“ nun echt nicht belästigen wollte. „Einfach viel schlafen, das ganze Wochenende, den Körper „die Krankheit ausschwitzen lassen“ und fertig, am Montag bin ich wieder fit!“, so dachte ich.

Es wurde Nachmittags, irgendwie war ich in einem seltsamen geistigen Zustand. Im Nachhinein würde ich ja sagen, dass ich etwas „eingetrübt“ war, außerdem war ich komisch kurzatmig und bekam subjektiv gefühlt nicht ausreichend Luft, ohne echte Atemnot zu haben, dafür atmete ich schneller als sonst und hatte einen Puls von 100 in Ruhe statt wie üblich von 60/70. Aber da sich von den behandelnden Ärzten dafür später niemand interessiert hat, denke ich, dass das wohl nichts Besonderes war. (Lag bestimmt an den später festgestellten hohen Entzündungswerten.).

Solche Symptome kannte ich bislang allerdings nicht. Körpertemperatur: 39,3 Grad. Ich habe die nächsten Stunden damit verbracht, mein Geschirr zu spülen (von Hand), wofür ich ewig gebraucht habe, weil ich immer wieder Pausen machen musste; das Gleiche beim Packen meines Autos für das WE bei meinen Eltern. Damals lebte ich noch im 4. Stock und musste mehrmals hoch und runter, wobei ich kaum Luft bekommen, fast gehechelt und wie ein Schwein geschwitzt habe, obwohl mir das Treppensteigen sonst nie etwas ausgemacht hat.

Nassgeschwitzt ins Auto, Musik an und los. Im Kaff nicht mehr weit von meinem Elternhaus entfernt geblitzt und herausgewunken worden. Es war wenige Meter vor der Ortsausfahrt, wo man erst 50 km/h und ziemlich direkt dann 70 km/h fahren darf; seit einer Weile gab es dort noch für wenige Meter eine 30er-Zone, in der die meisten 40 km/h fahren; die „neue“ 30er-Zone war mir aber entgangen, weil ich noch gewöhnt war, dass dort durchgängig innerorts 50 km/h erlaubt wären. Die Frage des Polizisten habe ich dann auch komplett versemmelt:

„Wie schnell dürfen Sie hier fahren?“. „Ich nehme den 50:50-Joker.“
„… 50 km/h?!“ … „50 km/h?! Hier sind 30 km/h erlaubt!“, blaffte es mir entgegen. Danach folgten Fragen und Vorhaltungen, dass die „neu-alte“ 30er-Zone schon seit 4 Monaten eingerichtet sei; dazu fiel mir innerlich nur ein, dass ich meine Eltern doch ganz schön lange nicht mehr besucht hatte. Aufgrund meines Kennzeichens hielt mich der Polizeibeamte dummerweise für einheimisch. Er bekam sich gar nicht mehr ein, ich schwieg wohlweislich und gab mich vorsorglich schuldbewusst, obwohl mir alles so egal war, weil ich gerade ganz andere akute Probleme hatte. Das wollte ich aber besser nicht sagen; nicht dass er noch auf den Trip käme, ich sei fahruntüchtig.

So wie der Typ sich aufführte, musste ich wohl mindestens 60 km/h gefahren und in seinen Augen ein elender Raser sein, der kleine Kinder vor den hier nicht vorhandenen Schulen abends tot fuhr… aber es stellte sich heraus, dass ich nur sagenhafte 8 km/h zu schnell gewesen war. Zum Glück hatte ich aus Verpeiltheit die Innenbeleuchtung im Pkw nicht angemacht und es ist mir bis heute ein Rätsel, wie der Polizist übersehen konnte, dass ich geistig verpeilt und körperlich extrem verschwitzt war, mir lief der Schweiß so runter im Gesicht, trotz der Kälte, und meine Wohnorte habe ich auch bunt durcheinandergeworfen etc..
Ich hätte an seiner Stelle mit mir sämtliche Drogentests durchgeführt, aber dort herrschte Massenabzocke Hochbetrieb und so wollte er nach seiner Standpauke und dem üblichen Procedere nichts weiter von mir. Die kalte Luft, die durch das geöffnete Fenster hereinkam, ließ mich schwitzen und frieren. Ich wollte nur irgendwie zu meinen Eltern und dort ins Bett.

Endlich da. Meine Eltern handhaben Erkrankungen auch recht nüchtern, wenngleich nicht unherzlich. So gab mir meine Mutter ein Körnerkissen und ließ mich ansonsten auf dem Sofa wie auch später in Ruhe. Es war klar, dass ich morgens zum Arzt gehen würde. Inzwischen hatte ich eine komische Mischung aus Appetitlosigkeit mit Widerwille gegen Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr sowie ein diffuses Unwohlsein im Bauch, aber keine richtigen Schmerzen. Meinen Eltern konnte ich nicht recht begreiflich machen, dass mein Körper wirklich besser keine Nahrung haben wollte. Ich hätte es nicht mit etwas Konkretem begründen können, aber mein Körpergefühl hat mir das deutlich gesagt.
Dem elterlichen Drängen habe ich letztlich nachgegeben und eine kleine Portion Apfelmus gegessen. Keine gute Idee.

Ich fühlte mich nicht gut, aber gleichzeitig hatte ich die Sorge, dass mich mein Hausarzt auslachen würde, was ich denn wegen eines etwas verstimmten Körpers bei ihm wollen würde und dass ich mich aus seiner Sicht nur anstellen würde.

Nachts konnte ich nicht schlafen und wälzte mich erneut hin- und her; richtige Bauchschmerzen hatte ich immer noch nicht und sollte ich auch nicht bekommen
(kleiner Exkurs: Lustigerweise stand später im Entlassbrief vom Krankenhaus trotzdem, dass ich massive Bauchschmerzen beklagt hätte, obwohl ich meine Schmerzen in der Notaufnahme mit 1, evtl. maximal 2 -also praktisch keine bzw. nur sehr leichte Schmerzen- angegeben hatte auf der 10er-Schmerzskala. Selbst die Ärztin tat so, als würde mir das Herumdrücken auf dem Bauch große Schmerzen bereiten, als sie danach fragte, ob es ok sei, dass ihr Kollege auch mal tastet. „Ich weiß, dass Ihnen das sehr weh tut …darf mein Kollege trotzdem …. das kann man bei Ihnen so gut ertasten.“ <= Nö, tat nicht weh; hatte ich auch nie gesagt dort. Passte als klassisches Symptom wohl einfach zu gut, um auf mich zu hören, was ich wirklich empfand^^).

Gleichwohl war Liegen etc. im Bett in jener Nacht auf Freitag unangenehm. Daher habe ich mich mit Online-Surfen abgelenkt. Da ich immer schon wissbegierig war und Wissen am besten gegen Ängste hilft, googelte ich meine Symptome. Paradoxerweise, weil ich Angst vor dem Gespräch mit meinem Hausarzt hatte und dass er mich endgültig für einen Hypochonder halten würde. Dr. Google behauptete mit verblüffender Übereinstimmung, dass ich es wahrscheinlich „am Blinddarm“ hätte.
Ich war gleichwohl skeptisch: Als Hauptsymptom wurden dort bei einem entzündeten Blinddarm/Wurmfortsatz starke Bauchschmerzen in der rechten unteren Körperhälfte beschrieben. Die hatte ich nicht; einzig das komisch-diffuse Gefühl war in den letzten Stunden von der Körpermitte etwas nach rechts unten gewandert, aber keine Ahnung, ob ich das zutreffend wahrnahm – unter starken Schmerzen stellte ich mir auch etwas gänzlich anderes vor; deshalb verwarf ich Dr. Googles Diagnose und schlief irgendwann ein.

Nächster Akt: Freitagmorgen. Mir ging es schlechter, das Schwitzen war aber etwas weniger. Eigentlich wollte ich meine Eltern fragen, ob sie mich fahren könnten. Als ich im Badezimmer war, hörte ich, wie sie sich über mich unterhalten haben; meine Mutter überlegte laut, ob sie mich nicht besser zum Arzt fahren solle, mein Vater erwiderte, dass das Unsinn sei, das könnte ich doch selbst machen, da [alt genug, soll sich nicht so anstellen, hat doch nichts Schlimmes usw.].
Sie wußten nicht, dass ich alles mitangehört hatte (wie so oft). Ich kam mir erst recht wehleidig + doof vor und fuhr selbst zum Arzt. Dort wartete ich brav ca. 2 h+, denn ich wollte mit meiner Lappalie keinen Aufstand machen; mir war das eh schon unangenehm genug. Freitagmorgens war dort erst recht viel los.

Zu meiner Verwunderung hat mich mein Hausarzt nicht ausgelacht, sondern mir nach einem Ultraschall eröffnet, dass er mich ins Krankenhaus überweist und es sein könnte, dass ich dort ein paar Tage bleiben muss, mein Blinddarm sei entzündet, das sei deutlich zu sehen. Passenderweise bekam ich just einen der Schweißausbrüche auf der Untersuchungsliege, nachdem er festgestellt hatte, dass ich kein Fieber habe (Körpertemperatur: Ca. 36,5 Grad). Ich solle sofort in die Notaufnahme des Krankenhauses, und auch nichts mehr essen, weil ich möglicherweise operiert werden würde.

Kurz mit meinen Eltern telefoniert, damit sie schon einmal eine Tasche packen, zurück gefahren. Beim Gehen ein dumpfer minimaler Schmerz in der rechten unteren Bauchhälfte.

Von Eltern in die Notaufnahme gebracht werden, dort zu meiner 2. Verwunderung fast direkt drankommen und erklärt bekommen, dass ich eine schwere Entzündung hätte, unbedingt in den nächsten Stunden operiert werden müsse und danach auf die Intensivstation käme.

Joa, ich fand das recht übertrieben; ist zwar so herum besser, als dass die Ärzte sauer auf mich gewesen wären, dass ich ihnen Zeit stehlen würde und nichts hätte, aber gleich so ein Aufheben?

Nach der OP habe ich von meinen Eltern und später von den Ärzten erfahren, dass ich eine sehr schwere Entzündung (gehabt) hätte, die Appendix war bereits durchgebrochen, gangränös und mein Bauchfell entzündet. Außerdem waren die Entzündungswerte im Blut wohl auch für eine Appendizitis sehr hoch. Da ich aber nach der OP stabiler als erwartet gewesen sei etc., ist mir die Intensivstation erspart geblieben.

Andererseits haben die Ärzte insbesondere gegenüber meinen Eltern nach der OP (als ich noch nicht wieder wach war) deutlich gemacht, dass ich das Wochenende nicht mehr überlebt hätte. … Mein Vater hat sich deshalb sehr kleinlaut bei mir entschuldigt für seine Worte vom Freitagmorgen, nachdem er erfahren hat, dass ich sie gehört hatte. Dabei waren seine Worte ja durchaus berechtigt ex ante.

Gewurmt hat mich etwas ganz anderes nach der OP:
Es wäre so einfach gewesen: Einfach im Bett in meinem kleinen Appartment liegenbleiben, immer mehr wegdämmern, schlafen, schwitzen … irgendwann ganz Wegsein. … Es wäre ein echter Unfall gewesen, mit dem meine Eltern noch am ehesten hätten leben und eines Tages wieder glücklich werden können. Anders, als bei einem Suizid.

Es ist nicht so, dass ich undankbar bin, dass mir die Ärzte (und indirekt meine Mutter mit ihrem Rat zum Hausarzt zu gehen) das Leben gerettet haben, ich bin nur so chronisch ambivalent bzgl. des Weiterlebens und wenn man erfährt, so dicht am Ziel gewesen zu sein, wie man es nicht mehr sein wird, ist die Ambivalenz extrem. So wie es auch an jenem Abend mit den knapp über 40 kg und den (eingebildeten?) „Herzproblemen“ gewesen ist. Nur war es bei der Blinddarmsache noch viel näher und es wäre auf jeden Fall erfolgreich gewesen.
Es betrübt mich bis heute manchmal, dass ich meine bislang auf lange Sicht beste und einzige Chance nicht erkannt und genutzt habe.

Was man mir vor der OP übrigens nicht gesagt hatte und worin ich nicht explizit eingewilligt hätte:
Ich bin mit einem ZVK im Hals aufgewacht und wurde parental ernährt. Wäre ich noch anorektisch gewesen, wäre das grausam gewesen.

Auch ohne Essstörung fand ich es nicht gut; ich möchte einfach nicht, dass man so etwas ohne höchste Notwendigkeit mit mir macht und derart negativ über meinen Körper bestimmt (diese unmittelbare Fremdbestimmung endet insofern erst, wenn auch die parentale Ernährung beendet wird).

Die parentale Ernährung habe ich ca. 4 Tage bekommen und nicht vertragen. Ganz am Anfang hatte man mir zu hohe Glukoseinfusionen fast rund um den Tag gegeben; mir war durchgängig schlecht, mein Urin roch wie Honig, mein Gehirn war matschig und ich hing wie ein Schluck Wasser in der Kurve im Stuhl an dem Sonntagmittag, als man dann feststellte, das mein Blutzucker bei knapp 400 mg/dl (statt der normalen ca. 100-200(?) mg/dl) lag.
(Überwacht worden war der Blutzuckerwert nicht; die Messung habe ich einer aufmerksamen Krankenschwester zu verdanken gehabt, die sich spontan nach der Blutzuckermesung bei meiner diabetischen Zimmernachbarin entschlossen hatte, ausnahmsweise auch bei mir zu messen).

Kein Grund, die PE zu beenden. Stattdessen hat man mir nach einer kleinen Pause einfach etwas weniger Glukose gegeben, die ich aber trotzdem nicht vertragen habe. Ich habe drei Kreuze gemacht, als die PE beendet wurde. Zudem waren meine Leberwerte mies; keine Ahnung, ob das von der Infektion oder von den Segnungen der parentalen Ernährung gekommen war.

Zusätzlich zur PE musste/sollte ich auch Schonkost essen. Das bedeutet am 1. Post-OP-Tag Fresubin. Ich hatte von dem Zeug ironischerweise in Blogs von Essgestörten viel gehört.
(Selbst bin ich wegen der Anorexie -zum Glück- nur eine Weile in der hausärztlichen ambulanten Behandlung gewesen. Das hat mir Fresubin & Co. sowie die ihrerseits körperlichen Bedürfnissen entfremdeten Essenspläne auf der Essgestörtenabteilung erspart.)

Von dem Fresubin sollte ich drei Flaschen zu mir nehmen, habe aber nur eine morgens geschafft, nach der ich mich fast hätte übergeben müssen. Ansonsten gab es ab dem 2. Tag Suppe, Weißbrot und Marmelade.
Essen, das ich überhaupt nicht vertragen habe und von dem mir auch gesund schlecht geworden wäre. Das hat neben der tollen Essensinfusionen auch zur durchgängigen Übelkeit tagsüber beigetragen. Ich hätte am liebsten keine PE und ein normales Brötchen mit Käse gehabt oder was es sonst so gab. Das war dort aber keine Schonkost. Daher: Pech gehabt.

Leider habe ich versäumt nach dem Grund für die parentale Ernährung zu fragen; ich hatte damals einen BMI von 18, war nicht unterernährt und hätte auch einen größeren, vorübergehenden Gewichtsverlust verkraften können. Außerdem ist mein Körper zäh. Warum also gleich eine PE?

Als ich nach knapp einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden bin, hatte ich ca. 6/7 kg zugenommen. Alles Wasser; ich habe meine Fußknöchel nicht mehr gesehen, so aufgeschwemmt war mein Körper, obwohl ich mich in der Klinik im Rahmen meiner Möglichkeiten viel bewegt habe, z.B. im Treppenhaus. Persönlich denke ich, dass das so nicht normal ist mit so starken Wassereinlagerungen und dass man mir die PE gut hätte ersparen können.

Bevor das so einseitig negativ endet und einen falschen Eindruck hinterlässt: Doch, ich bin den Ärzten und Pflegern im Krankenhaus, meinem Hausarzt, und meinen Eltern insgesamt durchaus dankbar, sehr sogar.


Die Einschläge kommen näher…^^

Das Pokemon da oben heißt Pangolin und ist mit seinen Artgenossen möglicherweise die Keimschleuder 0.

Was soll ich sagen – letzte Woche die italienische Auszubildende, heute auch noch der junge Kollege, der gleich ganz Zuhause geblieben war, da er „erkältet sei“. Passenderweise wurden in seiner Heimatstadt die meisten Corona-Fälle hier in der Gegend festgestellt.

Ich entdecke eine Gemeinsamkeit: Beide hatten kurz vor ihrer Erkrankung ungewöhnlich viel räumlich-nahen Kontakt mit mir. Wahrscheinlich bin ich insgeheim das Wirtstier und die Seuchenquelle.

Mein einer Chef wollte auch was von dem Virus haben und ist erst einmal ins corona-verseuchte Ausland verreist, zu Fortbildungs- und Freizeitzwecken. Ich fürchte, der Virus überlebt den direkten Kontakt mit ihm nicht; mein Chef ist mit allen Wassern gewaschen und latenter Workaholic, der hat gar keine Zeit zum Krankwerden und besitzt die Spezialfähigkeit, durch Arbeit zu regenerieren. Sieht also schlecht aus für Corona, aber vielleicht reicht es ja als Mitbringsel für andere.

Allen ein corona-freies Wochenende!

Tik Tok …

… meine Zeit läuft ab. Eigentlich renne ich mehrfach am Tag der blöden Zeit hinterher, weil sie immer zu knapp und meine innere Uhr falsch getaktet ist. So versuche ich mir seit der Schulzeit vergeblich beizubringen, dass ich meinen inneren 26/27-Stunden-Rhythmus gefälligst in den 24-Stunden-Tagesrhythmus zwängen muss.

Derzeit frage ich mich mal wieder, wofür eigentlich? Ich bin so müde davon, immer dagegen anzukämpfen, tagtäglich.

Derzeit bin ich nicht nur bei dieser Sache absolut motivationslos; mich frustriert zudem wie so oft mein spärlicher Fortschritt auf der Arbeit. Ich bin so unfähig. Wirtschaftlichkeit, Effizienz, Schnelligkeit und so, you know?

Wenn ich in der Zeit zurückreisen könnte, ich wüßte nicht, ob ich noch einmal diese Berufsrichtung einschlagen würde. Das gleiche Gehalt könnte man auch deutlich entspannter verdienen, auch wenn die Arbeit ja an sich Spaß macht und sehr vielseitig + abwechslungsreich ist. Wenn nur nicht dieser Druck mit der Wirtschaftlichkeit und der Zeitstress immer wie ein Damoklesschwert über einem schweben würde . …

Es würde in meinem Umfeld absolut niemand verstehen – außer mein Bruder eventuell – aber einem Teil von mir wäre das insgeheim ganz recht, würde ich den aktuellen Job verlieren und irgendwo für deutlich weniger Geld, aber mehr Freizeit und weniger Stress arbeiten. Um Prestige oder ein hohes Einkommen unter Selbstausbeutung als Selbstzweck ist es mir nie gegangen und mein Lebensstil ist eher sparsam, mit weiterem Einsparungspotential. … Und bis ich in Rente gehen kann, sind die Rentenkassen eh vollends geplündert, ergo rechne ich nicht damit, eine Rente zu bekommen. Schon gar nicht, wenn ich nicht bis 70 arbeiten gehen möchte.

Was mich hindert von mir aus den Job zu wechseln ist, dass ich einerseits zwar eine hohe Berufsqualifikation erworben habe, andererseits ist es eine sehr berufsspezifische Qualifikation, mit einem begrenzten Berufsfeld.

Eine sinnvolle Nische in einer Schnittstelle, in der ich einerseits mein Ausbildungswissen einbringen könnte (=> wäre auch doof, das wegzuwerfen), mich andererseits nicht in den klassischen Berufsfeldern meiner Zunft bewegen würde, mit all ihren Nachteilen, habe ich bislang nicht entdecken können.

Es hatte schon seine Gründe, dass ich nach dem Abitur und nach dem 2. Staatsexamen jeweils versucht war, mir einen Job auf der niedrigsten Stufe – für Menschen ohne jegliche Berufsqualifikation – zu suchen. Lieber arm und glücklich, als zufriedenstellend verdienen, aber ständig gestresst sein und primär für die Arbeit leben. War klar, dass ich mich nicht getraut habe, das so durchzuziehen, sondern den üblichen Werdegang gewählt habe.

Ok, jetzt weiß ich, wie dieser Job ist, dass er durchaus Spaß machen sowie positiv herausfordern kann und dass ich deutlich mehr kann, als ich mir jemals selbst zugetraut hätte. Aber ob mich das die nächsten Jahre so glücklich macht? Und ob ich jemals schnell genug sein und regelmäßig „große Fische“ für mein Umsatzkonto an Land ziehen können werde, anstatt mit den kleinen Fischen überhäuft zu werden, die viel Arbeit bedeuten, aber wenig Umsatz (was mir an anderer Stelle wieder angekreidet wird)?

Ich weiß, dass das für meine Lebensunfähigkeit spricht, dass ich das alles nicht als positive „Herausforderung“ betrachte, mit der jeder Berufsanfänger mehr oder weniger konfrontiert ist, und das alles zuversichtlich angehe, sondern es mehr wie einen großen Stein erlebe, dem ich noch immer rechtzeitig ausweichen kann, der mich aber irgendwann überrollen wird.

Eigentlich müsste ich auch noch meinen Urlaubsantrag einreichen, auch wenn ich das ebenfalls stressig finde innerlich. (Ich hatte mal darüber geschrieben.) Zumal der Aktenberg nach der Urlaubsrückkehr ja noch höher ist, was schon am Ende des Urlaubs den Erholungseffekt nachhaltig beseitigt. Es wäre stressfreier, durchzuarbeiten, ohne Urlaub zu nehmen. Dann würde ich mehr geschafft bekommen.

Andererseits sagen mir meine Vernunft und Dritte, dass ich dann erst recht mehr Arbeit zugeteilt bekomme und letztlich in einem Teufelskreis lande.

Positiv an dem ganzen alltäglichen Stresslevel ist immerhin, dass ich kaum Muße habe, in passive Suizidwünsche abzugleiten, die sich darin äußern, dass ich mein Leben und das Weitermachen als zutiefst sinnlos empfinde und erleichtert wäre, würde ich bei einem zufälligen (echten) Unfall getötet werden, z.B. bei einem Verkehrsunfall, den ich nicht selbst verursacht hätte. Deshalb halte ich mich auch mitunter sehr ungerne auf Fußgängerüberbrücken über Autobahnen oder Bahnschienen oder Balkonen in größeren Höhen etc. auf. Auch wenn ich nie herunterspringen würde, mag ich diesen Sog dort in die Tiefe nicht, der mich dabei überkommt. Kennt das jemand? .. Ich glaube man muss dafür gar nicht mal passive Todewünsche haben.

Solche Phasen mit der Lebenssinnlosigkeit -ohne aktive Maßnahmen zur Lebensabkürzung- hatte ich immer mal sehr ausgeprägt und ich denke, so ganz wird dieses Empfinden nicht mehr verschwinden. Es begleitet mich seit etwa meinem 5. Lebensjahr und ich habe mich daran quasi gewöhnt. Kommt und geht eben, aber ist nie ganz weg, allenfalls schlummert es im Nebenraum.

Kommentare

Ich finde meine Figur und Körperzusammensetzung eigentlich nicht so exotisch, trotzdem gibt es gerade beim Vereinssport immer wieder erstaunte Reaktionen.

Keine Ahnung, ob ich genetisch Glück gehabt habe oder einfach noch die Gnade habe, von meiner früheren sportlichen Vergangenheit aus Kindheit und Jugend zu zehren. Möglicherweise sind viele in meiner Alters- und Geschlechtsklasse auch schlicht derart untrainiert und äh „verfettet“, dass man unter den Blinden gewissermaßen als Einäugiger König ist. Sonderlich trainiert bin ich nämlich für meine Verhältnisse seit Längerem nicht mehr gewesen. Ich fühle mich auch eher unsportlich und „spackig“.

Gleichwohl räume ich ein, dass mein Oberkörper relativ fettfrei ist, egal in welcher Gewichtsklasse. Dort findet man primär sich abzeichnende Knochen und Muskeln, selbst wenn ich lange keinerlei Sport mache. Meine Schwachstelle sind eher die Beine; obwohl die wohlwollend betrachtet auch schlank plus muskulös sind.

Wie viel schwerer die Beine insgesamt in Relation zum Oberkörper sind fällt mir immer bei einer Übung beim Sport auf:
Bei diesen Übungen, bei denen man die Beine gerade gestreckt möglichst flach über den Boden hält, während man auf dem Rücken liegt, rutsche ich immer unerbittlich ins Hohlkreuz, weil das Gewicht der Beine den restlichen Körper mitzieht. Um das zu verhindern, müsste ich mir Gewichte auf den Oberkörper legen.

Zu den Kommentaren:
Vielleicht ist es der Oberkörper, der mir diese Kommentare einbringt; es sind ja teilweise durchaus positiv gemeinte Bemerkungen.

Krass! Du hast für deine Größe echt viel Muskelkraft.

(Nee, habe ich eigentlich nicht; allerdings wundert mich oft, wie wenig Kraft die meisten meiner Geschlechtsgenossinnen haben. Irgendwie erschreckend.)

Sind das Knochen oder Muskeln?

(berechtigte Frage …)

Ihh, bist du knochig!
Du bist ja dünn!

(kommt ausschließlich von anderen Frauen. Von Männern kommen komischerweise immer Komplimente. Ich kann damit nichts anfangen, weil für mich wichtig ist, ob mir mein Körper gefällt. Natürlich sind Komplimente einfacher zu händeln, als die vorherigen Kommentare, die darauf abzielen, dass man ungesund dünn aussähe.)

Du bist viel schwerer, als du aussiehst.

(Das könnte hiermit zu tun haben:)

Du wiegst doch keine 50 kg!

(Ich wiege sogar deutlich mehr. Solche Kommentare höre ich öfter, spätestens dann, wenn man nach seinem konkreten Gewicht gefragt wird. Der Spruch kam übrigens von jemand anderem schon, als ich an die 60 kg gewogen habe. Im Gewichtschätzen sind Menschen echt miserabel.)

Ich hätte nicht gedacht, dass du so viel isst, so wie du aussiehst.

(Tss, und ich habe in Gesellschaft oft Sorge, aus Sicht anderer verdächtig zu wenig zu essen – „so wie ich aussehe“. Das kommt davon, wenn man mal lange im Fokus besorgter Mitmenschen stand in punkto Essensmenge und einem die Bissen tatsächlich in den Mund gezählt wurden.)

Mein Bruder:
Dein Körper sieht aus, als wäre er halbverhungert und hätte dann beschlossen, nur noch Muskeln zu produzieren.

(Ha, schön wär’s! … Hätte ich mal die Fotos noch mit 40 kg …)

Persönlich mag ich sich unter der Haut abzeichnende Knochen und von mir aus könnte mein ganzer Körper herzlich gerne fast nur aus Muskeln, Knochen und etwas braunem Körperfett bestehen. Ich habe es noch nie gemocht, wenn sich der Körper weich anfasst.
Wenngleich ich weiß, dass einige das eher eklig finden. Deshalb fühle ich mich beim Sport je nach Körperkontakt mit anderen unwohl, weil sich das ja für den anderen eklig anfühlen könnte.

Andererseits gefällt mir mein derzeitiges Gewicht absolut nicht, schon gar nicht die Tendenz nach oben im Vergleich zum März 2019 sowie das „unstraffe“ Gefühl durch die Wassereinlagerungen. Das sind gute 3 kg +, die ich zugenommen habe. (Mein Körperfettanteil ist von 12/13% auf ca. 15% gestiegen; ca. 1 kg sind wohl Fettzunahme.)

Selbst wenn ich 1 kg von den +3kg auf Wassereinlagerungen durch die überflüssigste Körperfunktion meines Körpers schiebe, auf die Periode, bleiben 2 kg+.

Außerdem habe ich nie sonderlich zu PMS-Beschwerden geneigt. Wenn ich nach den Wassereinlagerungen gehe, müsste ich 3 von 4 Wochen PMS haben; das kann ja auch nicht sein.

Ich muss mich wohl einfach mehr bewegen und weniger + gesünder essen. Dann friere ich auch weniger. Gerade Zucker bekommt mir eigentlich nicht, was man unter anderem am Hautbild sieht.

Hoffentlich wird es bald deutlich wärmer und länger hell abends. Das Wetter hier ist für Eulen wie mich ähnlich ungünstig wie die normalen Arbeitszeiten.

Füchse sind keine Rudeltiere

Über den heutigen Tag schweige ich mal besser. Arbeit war an sich sogar gut – bis auf die letzten 2h, in denen ich deutlich langsamer vorangekommen bin, als von mir geplant. Aufgehalten hatte mich das umfangreich auszuwertende psychologische Sachverständigengutachten in einer leidigen rechtlichen Angelegenheit. Ist zwar nicht schlimm und ließ sich eh nicht groß ändern, aber mich stört sowas trotzdem.

Ganz ähnlich verlief auch der Abend Zuhause, der an sich sogar gut anfing Ich habe ein, zwei Sachen anders als sonst gemacht, konstruktiver; das hat gleichwohl nichts daran geändert, dass es alsbald destruktiv wurde => Hallo Samstagabend, schön dich wiederzusehen.
Ich sollte damit aufhören, mir nicht nur in dem Bereich mein Leben regelmäßig unnötig schwieriger zu machen und in einem gewissen Rahmen immer dazu zu neigen, das zu sabotieren, was ich mir an konstruktiven Dingen aufgebaut habe. Irgendwie neige ich sehr stark dazu; das Spiel heißt: Me vs. Me.
Gewinner wird es keine geben.

Mal weg von der Gegenwart – Vorsicht, der nachfolgende Text hat Überlänge:
Am Wochenende bin ich über Mr. Snape aus dem Harry Potter-Universum gestolpert. Nicht, dass mich die Potter-Welt je interessiert hätte, nur erinnert sie mich immer an zwei Personen, von denen ich bei mindestens einer gerne wüßte, wie es ihr heutzutage geht, was sie so macht etc..

Die Rede ist von einer Mitschülerin, die mit mir von der Grundschule bis hin zum Abitur in einer Klasse (bzw. später in einer Stufe) gewesen ist. Sie wurde von den meisten Mitschülern nicht beachtet, immerhin nicht schikaniert, und war oft bemüht, Anschluss zu finden. Ich weiß nicht genau, sie tat mir irgendwie Leid, weil sie auf mich einen freundlichen sowie durchaus patenten Eindruck gemacht hat und ich damals noch nicht gelernt hatte, mich emotional von dem Leid anderer besser abzugrenzen (heutzutage geht das, nur Tiere sind nach wie vor bis zu einem gewissen Grad meine Achillesferse).

Es gab an sich keinen rationalen Grund, warum unsere Mitschüler sie im Kollektiv links liegen ließen. So einige andere Mädchen mit durchaus miesen Charakterzügen waren dagegen beliebt. Merke: Je zickiger, desto umschwärmter von Jungen wie Mädchen. Das war auch so im Sportverein. Muss man das verstehen? Das war mit etwas, warum ich offen gesagt meine Mitschüler als Gruppe ein Stück weit verachtet habe.

Wie so Schafe, die unbedingt jemanden über sich brauchen, egal wie schlecht der sie behandelt. Warum nicht stattdessen als freier Mensch sein eigener Herr sein?!

Trotz einer kurzen Phase, in der jenes Mädchen und ich uns das ein oder andere Mal privat getroffen hatten, reichte die Passung irgendwie nie so recht zu einer engeren Bekanntschaft; der Kontakt verlief sich schnell wieder. Trotzdem mag ich ihre Person von damals bis heute – so wie mir jeder in Erinnerung ist als Persönlichkeit, mit dem ich näher zu tun hatte. Wie so eine Art Abdruck desjenigen als intuitive Erinnerung an denjenigen in meinem Bewusstsein.

Darüber hinaus wäre da noch meine „frenemy-Freundin“ S. aus der Schulzeit, bei der ich mich seltener frage, was aus ihr geworden und was für ein Mensch sie heute ist.

Unsere Freundschaft war insgeheim, später deutlicher, davon überschattet, dass sie neidisch bis missgünstig auf mich und von verschiedenen Komplexen zerfressen war. Lange hat sie die ein oder andere vergiftete Bemerkung im Anschluss gleich wieder als Scherz abgetan, so dass ich öfters verwirrt war, weil das, was ich aus ihrer Stimme, Mimik etc. zuerst wahrzunehmen geglaubt hatte, nicht dazu passte, was sie später sagte.

Damals war ich aufgrund ungünstiger Entwicklungsprozesse generell schnell dabei, an meiner Wahrnehmung zu zweifeln und die anderen für normal, und mich für unnormal zu halten. Auf der anderen Seite – ich kann es schlecht beschreiben – war der „intuitive“ (richtige) Eindruck von jemanden bei mir immer schon sehr stark ausgeprägt.

S. und ich haben uns in der 7. Klasse kennengelernt, da die Klassen je nach Wahlfach (Latein oder Französisch) neu zusammengelegt wurden. Der Zufall wollte es, dass wir nebeneinander saßen. Mir war an sich egal, wer neben mir saß, Hauptsache, derjenige störte mich nicht. In der 5. und 6. Klasse hatte ich endgültig einsehen müssen, dass ich meine drei – vier langjährigen „Freundschaften“ aus dem Kindergarten und der Grundschule an den Nagel hängen konnte. Der Grund im Außen waren vordergründig meine zu guten Noten und mein Interesse am Schulstoff, an denen sich meine „Freunde“ (2x m, 2x w) plötzlich störten, nachdem sie in der Grundschule davon profitiert hatten, da ich sie regelmäßig hatte abschreiben lassen und ihnen auch anderweitig mit dem Schulstoff geholfen hatte. Das Ganze lief unschön ab.

Ok, es war sicher nicht gerecht, dass sie tagelang für Arbeiten lernen mussten, während ich für die Schule kaum etwas getan habe; ich hatte oft ein schlechtes Gewissen, dass mir der Schulstoff eher leicht fiel, da andere das irgendwie als Makel zu sehen schienen.

Dazu kamen meine interessierten ergänzenden Fragen im Unterricht, die den ein oder anderen Lehrer aus dem Konzept brachten und meine Mitschüler genervt haben, weil es sie nicht interessiert hat.
Am Ende musste ich mir die Antwort Zuhause eh selbst suchen, daher habe ich irgendwann gar nicht mehr gefragt (Standardantwort im Unterricht (sinngemäß): „Deine Frage sprengt den Unterrichtsrahmen; das ist im Schulstoff nicht vorgesehen, dass wir uns vertiefter damit beschäftigen.“ oder auch: „Darüber habe ich noch nie nachgedacht, das kann ich dir auch nicht sagen.“). … Es gab nur ca. zwei Lehrer, die wirklich inhaltlich auf diese Fragen eingegangen sind.
(Und nein, ich habe nicht ständig gefragt, aber warum behandeln wir überhaupt ein Thema im Unterricht, wenn es dann nur grob, manchmal auch unvollständig bis falsch angerissen wird? Wo ist da der Sinn?).

Unangenehmerweise stand ich auch anderweitig unfreiwillig in der Schule im Mittelpunkt, spätestens vor allen Mitschülern, wenn am Ende des Schuljahres die notenmäßig besten Schüler die Zeugnisse vor der gesamten Stufe überreicht bekamen. Ich weiß nicht, welcher pädagogische Vollidiot sich das ausgedacht hat; so war mein sozialer Ruf am Gymnasium in den Augen meiner Mitschüler bereits in der 5. Klasse ruiniert. Wer gute Noten hat, gehört nicht dazu.

Gleichwohl bin ich nie schikaniert worden, sicher auch, weil ich sehr sportlich war und durchaus sowas wie Schulfreundschaften hatte, im Zweifel eben im großen Kreis der irgendwie „Uncoolen“, was dann schon wieder als cool galt (Merke: Das gibt soziale Pluspunkte); es kam mal die ein oder andere Bemerkung a la „Scheiß Streber“ etc., aber am Ende des Gymnasiums stellte sich heraus, dass ich viel respektierter gewesen war, als ich das immer so empfunden hatte. Es gab sogar mal eine Phase etwa ab der 10. Klasse, in der ich von dem ein oder anderen fast bewundert worden bin, weil gute Noten da auf einmal als „cool“ galten und ausgerechnet die, die vorher so auf die „Streber“ geschimpft hatten, ihrerseits zu echten Strebern mutiert sind, weil sie einen guten Abischnitt haben wollten. Solche Leute habe ich ja besonders gerne.

Allerdings nützte mir meine plötzliche unfreiwillige Beliebtheit nichts mehr, hatte ich doch zu dem Zeitpunkt längst innerlich mit meinen Mitschülern und der Heuchelei in der Schulführungsetage abgeschlossen; ich pflegte den ein oder anderen bekanntschaftlichen Kontakt in der Schule zu den nicht ganz so mitläufermäßigen Mitschülern und blieb für mich; alleine ist man immer in guter Gesellschaft, unter anderen Menschen nicht unbedingt.

Darüber hinaus habe ich mich seit jeher unter Älteren wohler gefühlt; die Denkweise war irgendwie anders und mir näher. So ist u. a. der bis heute andauernde Kontakt mit dem gemeinsamen Kumpel meines Bruder entstanden, mit dem ich gemeinsam mit meinem Bruder auch damals schon viel unternommen habe, wenn ich mal etwas geselliger drauf war oder mein Bruder mich erfolgreich zu „Partybesuchen“ überredet hatte, die regelmäßig damit endeten, dass wir beide zu Fuß frühmorgens längere Fußwege von bis zu über einer Stunde nach Hause zurückgelegt haben. Ich fand das mit die schönsten Momente, wenn alles so ruhig und menschenleer war, die Morgendämmerung bevorstand und wir am Wald entlangliefen; Dorf und ländliche Gegend eben. Da fuhr zu der Zeit längst kein Bus mehr. Auch alleine gehe ich bis heute nachts am liebsten zu Fuß nach Hause von Treffen/Partys; egal ob in der Großstadt oder anderswo. Meine Eltern sind lange tausend Tode gestorben, weil ich nachts so gerne alleine unterwegs war und kein Taxi nehmen oder mich anderen für den Rückweg anschließen wollte.

Ich führte ca. ab der 8./ 9. Klasse eine Art Doppelleben:
In der Schule galt ich als brav, verträumt und intelligent, mit bisweilen höchst komischen Ideen, wenn ich z.B. im Religionsunterricht die Meinung vertrat, dass doch jeder die Art von Beziehung/Partnerschaft führen solle, die für ihn passt, und wenn dann eben drei zusammen sind in einer Partnerschaft oder man eine lose Sexbeziehung unterhält. Solange das für alle Beteiligten passt, sei daran aus meiner Sicht nichts auszusetzen und von anderen abzuwerten. Das hatte ich auch nur deshalb im Unterricht in der 8. Klasse ausgesprochen, weil sich die ein oder andere Mitschülerin abfällig über derlei verkommene Lebensführungen geäußert hatte, unter allgemeiner Zustimmung, auch des Lehrers. Das Unterrichtsthema lautete ironischerweise irgendwas mit „Liebe und Beziehung“.

Für meine Mitschüler, die das klassische 1-Mann mit einer Frau-Modell als für alle einzig richtig ansahen, war das so, als hätte ich behauptet, die Erde sei eine Scheibe. Für die echten Gläubigen unter ihnen war es so, als hätte ich zum Gruppensex aufgefordert mit meiner Idee.
Der Reli-Lehrer, der recht konservative Ansichten vertrat und dem meine ketzerischen Ideen eh ein Dorn im Auge waren, sah sich daraufhin veranlasst, mich im Unterricht zum Abschuss freizugeben und meine Mutter zum Elterngespräch einzuladen, da er angeblich Sorge um meine sittliche Entwicklung hatte.

Das einzige Elterngespräch, das meine Eltern wegen mir je mit Lehrern führen mussten. Meine Mutter hat mich gut vertreten; leider durfte ich selbst nicht daran teilnehmen. Da ich in Reli gleichwohl ebenfalls stets ein „sehr gut“ bekam, da ich mich ja auch generell als einer der wenigen am Unterricht beteiligte (auch nicht nur mit solch‘ „ketzerischen“ Ansichten^^) war dem Lehrer der Vorschlag meiner Mutter nicht recht, dass ich in Reli für das laufende Schuljahr auf eine Benotung verzichte und den Kurs abwähle. Hätte ja seinen Schnitt runtergezogen. Arschloch.

Jener Lehrer hat immer so auf „Schülerkumpel“ gemacht und sich locker-humorvoll gegeben, war aber mit einer der linkesten Lehrer, dem der ein oder andere Mitschüler zum Opfer gefallen ist. Seiner Beliebtheit hat das keinen Abbruch getan und er war lange aufgrund seiner Beliebtheit unter den Schülern Vertrauenslehrer, ausgerechnet.

Meine allgemein gemeinten Ideen z.B. zu Partnerschaften etc. wurden von ihm und manchen Mitschülern so verdreht, dass ich diese Art von Beziehungen selbst eingehen wollen würde, dabei hatte ich das eher von einem allgemeinen, mehr ethischen Standpunkt aus gemeint. Kleingeister. Dass hat mich an der Schule und den Leuten dort immer schon angekotzt menschlich. Dieses ganze Spiel hinter den Kulissen, gepaart mit dieser Engstirnigkeit und sich als gute Menschen aufspielen, während andere Schüler tatsächlich unter die Räder gekommen sind, weil sie irgendwie aus dem Rahmen fielen oder anderen Mitschülern (mit Vitamin B) missgünstig waren.

Etwa ab dem 9. Schuljahr kiffte ich in meiner Freizeit sporadisch je nach Lust und Laune entweder mit meinem Bruder oder gemeinsam mit dessen Clique und lernte einige schräge Gestalten kennen. Der Reiz des Verbotenen hat mich immer schon fasziniert. Wir haben auch viel gezockt; das habe ich auch sehr gerne alleine gemacht. Daneben bin ich verschiedenen Sportarten nachgegangen, denn Freizeit hatte ich mehr als genug, da mich der Schulstoff mäßig bis kaum forderte. Ich wage zu behaupten, dass das am Schulstoff lag und nicht an mir. Sonderlich intelligent war ich für meinen Eindruck nie; ich habe mich eher oft dumm gefühlt.

Zurück zu S.:
Während unsere Freundschaft im 7. Schuljahr noch recht intakt war und wir gemeinsam mit einem Kumpel oft zu dritt abhingen, später auch mit zwei weiteren Mitschülerinnen, entwickelte sie zunehmend fiese Züge: Sie stand immer schon gerne im Mittelpunkt, ganz im Gegensatz zu mir, selbst wenn sie dafür erfundene Geschichten erzählen musste.
Irgendwann im 1. Schulhalbjahr des 8. Schuljahres fing sie an, auf einer der beiden Mitschülerinnen, C., herumzuhacken. Der Grund war banal, auch wenn sie es nie zugegeben hätte: S. war auch nach ihrer Crash-Diät etwas übergewichtig und gegenüber allen weiblichen Wesen, die irgendwie hätten attraktiver sein können aus S.‘ Sicht, höchst missgünstig; sie fühlte sich denen unterlegen.

C. beklagte sich zwar und litt unter den Verbalattacken von S., wehrte sich jedoch nicht. Als ich C. in Schutz genommen hatte, erklärte C. vor der Clique, dass alles ok sei, sie fände S.‘ (giftige) Kommentare angeblich lustig. Dabei war sie es, die danach oft den Tränen nahe war und sich unter vier Augen bei mir beklagt hatte (da S. und ich sowas wie die äh „Tonangeber“ in der Kleingruppe waren). Mir war das Ganze dann zu dumm, zumal ich Verhältnisse auf Augenhöhe bevorzugte, und ich mochte mir das Spiel von S. nicht länger geben. Der gemeinsame Kumpel war inzwischen zur Realschule gewechselt.

Danach verbrachte ich die Pausen lieber alleine, wenngleich S. und ich weiterhin nebeneinander saßen im Unterricht. Ich ignorierte sie, soweit möglich. Zumal sie dann auch erfolglos versuchte, Mitschüler gegen mich aufzubringen und öfters stichelte, während sie sich weiter veränderte. Auch ihr waren meine Noten verhasst. Sie fing irgendwann an, sihc zu ritzen. Einmal auch fast provokativ, als wir uns verabredet hatten, und sie sich von mir nicht ausreichend beachtet fühlte. Bis dahin hatte ich gar nicht gewusst, dass es Ritzen gibt und was das ist.

Im 2. Schulhalbjahr der 8. Klasse versuchte S., sich umzubringen. Die Ernsthaftigkeit dahinter habe ich immer bezweifelt, weil sie es mit Leichtigkeit so hätte anstellen können, dass es geklappt hätte. Sicher ist gleichwohl auch ein Appellsuizidversuch ernstzunehmen und deutet auf größere Probleme hin.

Während sie eine Weile in der Kinder- & Jugendpsychiatrie verbrachte, appellierte die damalige Vertrauenslehrerin während des Unterrichts vor allen Mitschülern explizit an mich, dass ich nun besonders für S. da sein müsse. Leider hat mich das aus idiotischem Mit- und Pflichtgefühl bewogen, die „Freundschaft“ mit S. fortzusetzen. Ein Fehler, der bei mir zu Schäden geführt hat, denn S. hatte doch gravierendere Persönlichkeitsprobleme, die sie u. a. an mir verdeckt ausgelebt hat.

Darüber hinaus hielt die Vertrauenslehrerin es für eine gute Idee, eine weitere, verhaltensauffällige neue Mitschülerin aus der Parallelklasse neben mich zu setzen, da sie hoffte, dass ich mit meiner Art einen guten und stabilisierenden Einfluss auf diese haben würde.
Jene Mitschülerin quatschte mich ständig im Unterricht von der Seite an, versuchte meine Sachen zu bekritzeln und wollte mir irgendwelche Fotos etc. von ihren Selbstverletzungen zeigen und dass ich mir ihre „Psycho-Scheiße“ anhöre, die sie geradezu genüsslich ungefragt ausbreitete. Als wäre ich ihr kostenloser Seelenmülleimer. Verbat ich mir derartiges ihr gegenüber, wurde ich von der Lehrerin angemacht, dass ich den Unterricht stören würde. Ich verstand die Welt nicht mehr und war schnell gehemmt, mich überhaupt noch zu wehren.

Als ich mich aufgrund der ständigen Störungen etc. wegsetzen wollte -mir ging es zu der Zeit selbst nicht gut- versuchte jene Lehrerin, mir ein schlechtes Gewissen zu machen, angeblich sei ich anderen von der Reife her voraus und könnte der Mitschülerin daher doch helfen etc.; dabei tat die Lehrerin so, als wäre mein Verhalten absolut unerklärlich/seltsam, ja fast kaltherzig, da ich der Mitschülerin ja offenbar nicht helfen wolle. Dabei war sie über jene Mitschülerin bestens im Bilde, wie hinterher herauskam.

Mir kam in der Zeit vieles surreal vor und ich traute meiner eigenen Wahrnehmung noch weniger, als vorher. Es gibt natürlich Schlimmeres, aber das alles hätte nicht sein müssen. Es ist neben einem anderweitig bescheuerten Trainer im Handballverein das letzte Mal in meinem Leben gewesen, dass ich mich unter dem Druck von „wohlmeinenden Dritten“ derart selbstschädigend habe manipulieren lassen.

Später habe ich dann bis ca. zum 10. Schuljahr den endgültigen Absprung sowohl von S., als auch von jenem Handballtrainer geschafft. Die andere Mitschülerin hatte zu meinem Glück nach einem sehr anstrengenden Schulhalbjahr mit ihr einen anderen Kurs gewählt und später die Schule ganz verlassen.

Später, in der Oberstufe, hatte ich zwar die ein oder andere Schulbekanntschaft mit anderen Mitschülern, die ganz ok war, aber eigentlich war ich auch in der Schule (wieder) am liebsten für mich alleine.
Möglicherweise hat das zu einem guten Teil an mir und nicht an jenen Erlebnissen – oder eben an meiner sich bis dahin entwickelten „depressiven Verstimmung“, wohl durch die lange übersehene Schilddrüsenunterfunktion, später dann auch der Essstörung gelegen, weil ich trotz aller temporären Geselligkeit im Herzen stets einzelgängerisch veranlagt war und mich unter Gleichaltrigen nie recht zugehörig gefühlt hatte; daran haben auch die Freundschaften mit anderen nie etwas geändert.

Im Kern ist das bis heute so, auch wenn mir der ein oder andere irgendwo durchaus nahe ist und ich seit vielen Jahren drei solide (echte) Freundschaften habe.

Am Ende des Tages lebt man sein Leben alleine und mangels Telepathie ist niemand in der Lage, die jeweilige individuelle innere Welt des anderen wahrhaftig zu erfassen; man sieht immer nur Ausschnitte von der inneren Landkarte des anderen. Es stirbt insofern auch jeder für sich alleine, egal wie viele nahe Menschen dabei versuchen, Unterstützung zu spenden. Das, was ich als „innere Glasscheibe zu anderen“ beschreiben würde, bringt das Kafka-Zitat auf den Punkt:

Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich.

Plague

Dank diverser Episoden The Walking Dead & Co. sowie des genialen Simulationsspiels „Plague Inc.“ bin ich theoretisch gut auf die Corona-Apokalypse vorbereitet.

Rein praktisch ist eine unserer Auszubildenden, die aus Italien stammt und – neben den anderen Mitgliedern ihrer hier lebenden Großfamilie – dorthin regelmäßig reist, Freitag erkrankt. Sie musste sich dann wegen Fieber, Heiserkeit und Erkältungssymptomen mittags krank melden. Passenderweise hatte sie mir vormittags noch bei etwas Organisatorischem geholfen, so dass wir viel Kontakt hatten.

Eine meiner hygienisch ohnehin katastrophalen „Kundinnen“ hustete auch vor sich hin, natürlich ohne sich irgendwie abzuwenden oder zumindest in die Armbeuge zu husten. Ihr Kopftuch wurde nach dem Trinken kurzerhand als Serviette benutzt, da ihr das Wasser aus dem Mundwinkel über das Kinn herunterlief, ohne dass sie sich groß daran störte. Anschließend wurde das Kopftuch natürlich aufbehalten während sie rülpste; mich ekelte es insgesamt bei diesem Anblick. Aber was will man von leider tatsächlich kognitiv minderbemittelten Menschen (vulgo: dumm) anderes erwarten?
(Ich will mal nicht hoffen, dass dieses Verhalten in ihrer Kultur so üblich ist, bin mir aber angesichts meiner bisherigen Erfahrungen damit nicht so sicher; ich weiß wirklich nicht, wie das mit der Integration klappen soll, die ja nicht einmal von deren Seite aus gewünscht ist; im Gegenteil. Das Geld vom Staat und die sonstigen „Serviceleistungen“ werden wie selbstverständlich in Anspruch genommen und das war es; die Deutschen selbst stören nur und werden mehr oder weniger offen verachtet. Warum diese Leute nicht rausgeworfen bzw. besser mal gar nicht erst aufgenommen werden, begreife ich nicht. Gut, dass ich keine Kinder habe, die das später noch einmal geballter ausbaden werden müssen; mir reichen meine eigenen Alltagserlebnisse z.B. beim Einkaufen oder eben auf der Arbeit.).

Freitagabend war ich beim Kampfsporttraining; das war gut. Dem Bekannten habe ich sein Geburtstagsgeschenk gegeben, wie vereinbart. Er fing leider wieder damit an, dass wir uns ja unbedingt treffen müssten, um die Malibu-Flasche zu leeren, die er extra für mich gekauft habe. … Ich glaube der will immer noch was von mir; ich habe jedenfalls so gar keine Zeit, Energie und Lust auf ein privates Treffen mit ihm; es reicht, wenn wir uns beim Training sehen und freundlich miteinander umgehen, aber darüber hinaus möchte ich keinen Kontakt mehr, seitdem der mir mal betrunken vor wenigen Monaten offenbart hat, dass er sich in mich verknallt hätte. Obwohl ich mich nie mehr als freundschaftlich (nach meiner Definition: bekanntschaftlich) verhalten habe; ich begreife nicht, was sich Verliebte dann von so einem Liebesgeständnis versprechen – dass man sich auf einmal selbst verknallen würde?

Mein Korb war klar und unmissverständlich, wird angeblich von ihm auch akzeptiert (nach dem üblichen Gejammer darüber, dass er noch nie Glück mit Frauen gehabt habe in punkto Partnerschaftssuche und ich angeblich optisch und charakterlich seine Traumfrau sei).
Aber ich weiß inzwischen, wie realitätsfern und besitzergreifend verliebte Menschen dabei ticken, egal, was sie sagen. Im Grunde, als hätte sie ein Virus befallen. Ich finde es wiederum abartig, wenn man versucht, sich „über die Freundschaftsschiene“ an mich heranzumachen oder gar „umzustimmen“. Kann ja gar nicht sein, dass man wirklich keinen Partner möchte, wenn man nicht gerade wie Gollum aussieht. … Alles schon erlebt. … Ich muss abwarten, in welche Richtung die Reise bei ihm geht.

Außerdem finde ich es davon unabhängig immer wieder schräg, wenn Menschen bei dem Subjekt ihrer Begierde eine Figur und Lebensstil favorisieren, die sie selbst in keinster Weise verkörpern. Das hat für mich sowas von doppelten Standards:
Man selbst hat eine Plautze, achtet nicht auf seine Kleidungswahl und sein Aussehen etc., aber verliebt und an Sex gedacht wird bei dem Traumsubjekt, weil das dünn, sportlich etc. ist, sich passend kleidet usw.. … Aber wehe, das Traumsubjekt möchte u.a. für Sex selbst einen dünnen, sportlichen Partner, der sich pflegt usw., eben ähnlich tickt. Das ist dann unfair, diskriminierend und kommt ganz überraschend etc..
Wäre ich auf Sex- und/oder Partnersuche, wäre so ein Verhalten ein absoluter Ausschlussgrund.

Ansonsten war mein Wochenende gefühlt sehr kurz, da ich samstags bei einer Fortbildung war bis nachmittags. Das Socializing in den Pausen dort war sogar erfreulich und recht angenehm. Mir ging es den Tag jedoch nicht gut und das stundenlange Sitzen in einem Raum mit Zugluft durch eine Lüftungsanlage hat es nicht besser gemacht. Nach dem Seminar bin ich wieder Daheim frierend unter einer Decke auf dem Sofa eingeschlafen. Mir war irgendwie schon morgens so komisch latent übel gewesen. Hunger hatte ich nicht so richtig, wegen der Übelkeit. Das Essen auf dem Seminar war in Ordnung, wenn auch alles andere als histaminarm. Unter normalen Umständen wäre es geichwohl sogar sehr ok gewesen, nur hat mir mein Körper signalisiert, dass ihm nicht gerade nach Essen zumute sei und ich wollte keinen neuen „Histaminanfall“, so dass ich nicht so viel gegessen hatte.

Abends war ich Einkaufen. Danach habe ich vorsätzlich ein Abendessen zubereitet, das an sich ok gewesen wäre, das ich aber eh nicht bei mir behalten wollte. Dazu Nachtisch – wenn schon, denn schon. Dabei die letzten Folgen der 8. Staffel Game Of Thrones geschaut – war ok das Ende, da der doofe Schnee kein König geworden ist und der Drache überlebt hat. Dass Daenerys ermordet wird, fand ich aber blöd und arg moralisch für diese Serie. Egal.

Das Erbrechen gestaltete sich etwas zäh und unangenehmer, als sonst, aber Geduld siegt dabei am Ende immer. Bedeutet nur eben, dass man sich dann – mit kleineren Pausen – solange übergibt, bis wirklich alles raus ist. IdR ist das der Fall, wenn man auch die Gallenflüssigkeit am Ende ausgekotzt hat. … Angeblich nimmt man beim Erbrechen ja ca. die Hälfte der gegessenen Kalorien trotzdem auf, aber das kann ich echt nicht bestätigen. Liegt evtl. auch an der Art, in welcher Reihenfolge man dabei was isst und welche Zeitfenster man je nach Gegessenem einhält+ wie gründlich man sich hinterher übergibt. Da sag‘ noch einer, dass ein Hang zur Optimierung nachteilig sei.^^
In punkto Erbrechen habe ich in früheren Zeiten ein bis heute bewährtes System entwickelt, das offenbar sogar wenig gesundheitsschädlich ist. Das meine ich nicht als Ermunterung, es mir nachzutun, sondern einfach als nüchterne Feststellung. Am gesündesten wäre es natürlich, sich gar nicht zu übergeben (außer noch, wenn man etwas Giftiges gegessen haben sollte etc.).

Heute habe ich viel geschlafen und ansonsten kaum etwas gemacht. Verstimmt hat mich eine Äußerung einer Userin in einem weit entfernten Online-Forum, die angesichts von Corona-Hysterikern den Schluss zog, dass Menschen in Kriegsgebieten gar nicht die Muße hätten, sich mit Grübeleien und Magersucht aufzuhalten, denn die seien mit dem Überleben beschäftigt und hätten ganz andere (echte) Sorgen.

Wie sie von Corona-Hysterikern nun auf dieses schmale Brett gekommen ist, blieb ihr Geheimnis. Irgendwie ärgert mich ihre Behauptung, dass Magersucht und (wohl auch von ihr mit Grübeleien gemeint:) Depressionen Luxuserkrankungen – gewissermaßen aus Langeweile – seien, andererseits hat sie möglicherweise nicht so unrecht?

Ich meine gerade Magersucht wird in den Medien immer als (Mode-)Erkrankung von meist weiblichen Teenagern dargestellt, denen es scheinbar an nichts fehlt, die über „falsche Schönheitsideale“, der Ablehnung von Weiblichkeit und Erwachsenwerden dann durch Diäten erkranken. Anstatt normal zu essen und zuzunehmen, terrorisieren diese Teenager dann ihre Angehörigen gerade in punkto Essenszubereitung und drehen ziemlich am Rad bei dem Thema Essen, Gewicht usw. und labern trotz offensichtlicher Untergewichtigkeit ständig davon, dass sie zu dick seien oder werden könnten. Dazu diverse Blogs, in denen regelrecht damit kokettiert wird, wie sehr man doch gerne Hilfe hätte und das alles ja selbst ach so schrecklich fände, aber man die zusätzliche Aufmerksamkeit und Sorge der Mitmenschen, mithin die „Sonderstellung“ nicht hergeben mag.

Solche Sachen sind der Grund, warum ich mich niemals als ehemals anorektisch oder sonstwie essgestört outen wollen würde im Offline-Leben. Mich stört es auch, eine Mädchenkrankheit gehabt zu haben. Ich finde das für mich quasi „unmännlich“ bzw. identifiziere ich mich nicht als Mädchen/Frau in so einem Sinne und war nie einer dieser gelangweilten Prinzessinnenteenager, die es lieben, wenn sich die Welt um sie dreht.

Bei Bulimie sieht es von der öffentlichen Wahrnehmung ähnlich aus, sofern überhaupt zwischen Bulimie und Anorexie vom Purging-Typus unterschieden wird (ist für viele ja eh das Selbe). Wobei ich da ein bisschen den Eindruck habe, dass man Bulimie eher als Krankheit auch von erwachsenen Frauen wahrnimmt. Gleichwohl hat auch Bulimie das Label einer Mädchen- bzw. Frauenkrankheit von Menschen, für die sich alles um ihr Äußeres dreht und darum, der Männerwelt gefallen zu wollen.

Würde man in einem Kriegsgebiet leben, wo man tagtäglich um sein Überleben und essentielle Dinge wie ausreichend zu trinken, ein Dach über dem Kopf etc. kämpfen müsste, hätte man da überhaupt Zeit und Muße für eine Magersucht oder gar eine Bulimie?
Gerade Bulimie würde mangels ausreichender Essensmengen, geschweige denn Süßigkeiten usw. de facto unmöglich werden.

Vor dem Hintergrund bin ich unschlüssig, ob Magersucht (und Bulimie) nicht im Kern doch Luxuserkrankungen sind, die sich Menschen nur in friedlichen Zeiten des Überflusses leisten?

Wie sehr ihr das?