Ausgepresst wie eine Zitrone

so fühle ich mich seit Monaten, eigentlich Jahren. Es ist einfach brutal, wie viel Arbeit ständig bei mir landet, ohne mal Phasen zu haben, in denen es mal weniger ist, so dass ich auch mal etwas regenerieren könnte. Stattdessen immer neue Arbeit, obendrauf auf den Arbeitsberg. Aufgrund der internen Umstrukturierung seit dem Weggang der Diva und der ein oder anderen Diven-Altlast habe ich bis auf Weiteres vorläufig nach wie vor absolut die Arschkarte gezogen von der Arbeitsbelastung und Arbeitsverteilung her. Ich bin inzwischen wieder soweit, dass ich den Gedanken, einfach zu kündigen und alles hinzuwerfen, erleichternd finde.

Es wäre auch nicht ganz so arg, wenn mein Chef nicht inzwischen primär fast nur noch Notarsachen machen würde und mir einige seiner arbeitsintensiven familienrechtlichen laufenden Mandate kurzfristig übertragen hätte seit Februar/März 2022. Klar, die Notarsachen sind bei relativ weniger Arbeit deutlich lukrativer und mein Chef hat auch viel zu tun, aber eben weniger als ich. Und am wenigsten zu tun hat mein junger Kollege, weil in seinen Dezernaten nicht so viel Arbeit anfällt.
Offen gesagt bin ich auch etwas verärgert über die Gesamtsituation, weil ich seit meiner Einstellung in diesem Betrieb faktisch immer mehr oder weniger ausgenutzt worden bin. Den Anwaltsberuf würde ich bei aller Liebe zum Inhalt nicht erneut ergreifen. Natürlich ist es so, dass ich im Moment noch unter den Nachwirkungen der Diva leide und es müsste eigentlich mittelfristig auch wieder besser werden, aber aktuell bin ich absolut gefrustet.

Den Fachanwalt im Strafrecht werde ich ganz sicher nicht machen, weil ich für Strafrecht beim besten Willen keine Kapazitäten für mehr als die aktuellen Tätigkeiten habe. Deshalb werde ich auch den strafrechtlichen Bereich nicht weiter ausbauen, sondern mich irgendwann ab Ende Sommer 2022 auf die Notarausbildung konzentrieren und mittelfristig so gut wie möglich zusehen, das familienrechtliche Dezernat zu verkleinern und die Zivilsachen (inklusive der Unfallsachen) weitmöglichst einzustampfen bzw. kann die ja auch mein unausgelasteter Kollege machen. Das Letzte meine ich auch nicht boshaft, nur ist es wirklich lächerlich, wie ungleich die Arbeit faktisch verteilt ist. Der eine langweilt sich fast, während der andere nicht weiß, wie er all die Arbeit auch mit ständigen Überstunden zeitlich schaffen soll.

Joa, mal sehen. Etwas werde ich mal wieder noch durchhalten, in der Hoffnung, dass das Licht am Ende des Tunnels nicht bloß wieder der entgegenkommende Zug ist. Mir gehen die gesundheitlichen Reserven aus.

Und falls das alles nicht funktionieren sollte bzw. die Arbeitsbelastung weiterhin ständig zu hoch ist, ja dann sollte ich an meine Gesundheit und mein verkümmertes Privatleben denken und die Reißleine ziehen. Dann habe ich auch keinen inneren Vertrag mehr mit meinem Arbeitgeber. Für gute Arbeit bekommt man “zum Dank“ noch mehr Arbeit, während andere sich schonen dürfen, na vielen Dank auch.