
bevor es für wenige Tage in den Urlaub gehen sollte. Mein letzter Arbeitstag war mal wieder ein Freitag und nach den unliebsamen Überraschungen durch Chef 1 an jenem letzten Arbeitstag vor meinem letzten Urlaub, freute ich mich, dass dieser Tag soweit gut aussah in meinem Terminplan.
Meine Freude währte nicht allzu lange, da mich eine der ReNos darauf aufmerksam machte, dass in dieser einen Sache die Stellungnahmefrist nächste Woche ablaufen würde. Nun die Sache hatte Chef 1 vor ca. 2 Wochen an sich genommen, so dass ich eigentlich aus der Geschichte raus war. Nicht, dass ich ihn bereits vor zwei Wochen auf das Fristende hingewiesen hatte, als er die Sache ausdrücklich selbst erledigen wollte; das Ganze war im Zusammenhang mit meinem etwas abgesoffenem Dezernat gewesen, siehe die letzten Beiträge hier. Sein O-Ton: „Ach, das ist doch nicht viel Arbeit.“
Blöderweise war die Akte noch auf mich eingetragen. Außerdem wußte ich ja hinlänglich, dass Chef 1 zu einer gewissen „Divenhaftigkeit“ neigt und irgendwie hatte ich ein dummes Gefühl bei der Sache, so dass ich nicht stillschweigend in den Urlaub gehen wollte, ohne mit ihm wegen des Fristablaufs gesprochen zu haben. Besser, als wenn er Anfang nächster Woche den drohenden Fristablauf feststellen sollte und darüber hinaus sich zusätzlich darüber ärgern würde, dass ich just im Urlaub wäre, also für eine inhaltliche Rücksprache nicht zur Verfügung stände – oder noch schlimmer: Dass er den Fristablauf verpennen sollte. …
Andererseits hatte ich meinen letzten Arbeitstag so geplant, dass ich just in time mit meinen wichtigen Sachen fertig werden würde, die vor meinem Urlaubsantritt fertig werden mussten, war wie gesagt an sich aus der Bearbeitung der Sache raus und ich traute Chef 1 glatt zu, dass er mir die Sache kurzerhand aufs Auge drücken würde, was mir an meinem letzten Arbeitstag vorm Urlaub sehr ungelegen käme. Ich war hin- und hergerissen zwischen Ansprechen und nicht Ansprechen.
Grübelnd verbrachte ich die Mittagspause; diesmal immerhin Draußen an der frischen Luft. Dank der Pandemie hatte ich meine Lieblingsbank für mich alleine. Ich hatte keine Lust, mir wieder einen Urlaub versauen zu lassen und wenn ich ihn heute nicht ansprechen würde, würde es mich die ganze Zeit im Urlaub verfolgen.
Nach der Mittagspause sollte ich Glück im Unglück haben: Chef 1 ließ sich blicken, im Gespräch mit einem Kollegen. Sein Gang und seine Stimme verrieten mir, dass er gute Laune hatte. Einen besseren Moment würde ich nicht bekommen. Innerlich mit gemischten Gefühlen, nach Außen hin sachlich-diplomatisch sprach ich die Diva Chef 1 auf den Fristablauf an und rechnete mit so ziemlich allen Reaktionen. Chef 1 schaute überrascht und machte mich sprachlos, als er betroffen meinte: „Oh das habe ich ganz vergessen. Tut mir Leid.“.
Gut, dass ich kaum Mimik habe in solchen Situationen; sonst hätte ich ähnlich überrascht dreingeschaut.
Daraufhin sprang er in mein Büro, wo wir die Sache kurz durchbesprachen. Er hatte eine wirklich sehr gute Idee, bei der ich gerne das Gesicht des Richters und der Gegenseite sehen würde, wenn sie unseren Schriftsatz zu Gesicht bekommen. Hätte ich diese Idee im Staatsexamen geäußert, hätte das definitiv massiv Punktabzug gegeben, aber in der Praxis zählen Taktik, eine gewisse Kühnheit und Psychologie, nicht die schnöde Juratheorie.
Irgendwie schaffte ich es auch den richtigen Moment zu erwischen, um ihm mitzuteilen, dass ich ja nächste Woche im Urlaub sei. Das merkt sich Chef 1 nämlich grundsätzlich nie, obwohl der Urlaub im virtuellen Kalender eingetragen wird und obwohl er darauf bestanden hat, dass ausschließlich er meine Urlaubsanträge zur Genehmigung vorgelegt bekommt. Mit Chef 2 war die Urlaubsgenehmigung viel unkomplizierter, aber das kollidiert mit dem Kontrollbedürfnis von Chef 1.^^
„Wie Sie haben nächste Woche Urlaub?! Das ist aber ungünstig, Ihr Kollege … hat da auch Urlaub und eigentlich soll das nicht so sein, dass Sie beide zeitgleich im Urlaub sind.“, reagierte Chef 1 ganz wie erwartet.
Allmählich kenne ich seine Eigenarten; mein Urlaub ist für ihn im Zweifel immer irgendwie ungünstig, wenngleich er den immer bewilligt hat. Btw: Es geht um drei Urlaubstage und länger als fünf Tage am Stück habe ich noch nie Urlaub dort genommen.
Freundlich lächelnd erwiderte ich, dass ich ja meine Urlaubsvertretung geklärt habe und er mir den Urlaub genehmigt hat. Daraufhin war Ruhe.
Wie ich es geahnt hatte, trug er mir kurzerhand auf, die Stellungnahme anzufertigen. Immerhin ging der Arbeitsaufwand und anders als sonst hatte er angeboten, die Stellungnahme selbst fertigzustellen am Wochenende; ich solle das soweit erledigen, wie ich käme, den Rest würde er machen.
Mit der Stellungnahme bin ich fertiggeworden und hatte ein komisches Déjà-vu, als ich auf die Uhr schaute: An meinem letzten Arbeitstag vor meinem letzten Urlaub, als Chef 1 so zickig gewesen war, war es die gleiche Uhrzeit gewesen, als das Zickendrama seinen Höhepunkt hatte. Zurück in die Gegenwart: Chef 1 reagierte ausgesprochen freundlich, als ich ihm das fertige Werk vorlegte. Er war erstmals seit unserem Konflikt gar zum Plaudern aufgelegt, was dann noch länger dauerte. Eine Art Friedensangebot, wenn man so will.
Danach – ich hätte eigentlich seit einer halben Stunde Feierabend und Urlaub gehabt – diktierte ich noch schnell zwei Sachen fertig und schrieb eine Verfügung – eigentlich hätte ich u.a. das in der Zeit gemacht, in der ich nun die Stellungnahme angefertigt hatte; damit war ich dann mit meinen nötigsten Sachen vor meinem Urlaub auch durch. Der Rest hatte bis danach Zeit.
Seitdem genieße ich meinen Urlaub und u.a. meinen neuen Curved-Monitor. Darüber schreibe ich einen separaten Beitrag.







