Destruktive persönliche Hobbys

Das tolle sauber-glatte Gefühl an den Zähnen nach der professionellen Zahnreinigung hat mich heute auch von der immer mal wieder auftauchenden Versuchung abgehalten, mich erneut zu übergeben.

Eigentlich doof: Wenn man erst einmal wieder damit anfängt, ist es so schnell wieder als „eine realistische Möglichkeit“ im Bewusstsein und flackert immer mal wieder auf, z.B. wenn meine Mutter mir reichlich Kuchen oder andere Sachen, die ich derzeit eigentlich sicherheitshalber besser gar nicht erst essen möchte und froh bin, mich davon an sich entwöhnt zu haben, mitgeben will.

Das Kuchenproblem ließ sich noch unproblematisch lösen: Heute Mittag gab es Kotelett bzw. für mich Schnitzel, dazu Brokkoli, Kartoffeln und Soße. Ich liebe Brokkoli – und der Rest war auch sehr lecker. Den Kuchen habe ich mir dann mit meinem Vater als Nachtisch geteilt. Mein Vater liebt Kuchen. Von ihm habe ich leider die Vorliebe für Süßigkeiten & Co. „geerbt“. Mein Bruder mag Kuchen und Süßigkeiten dagegen so gut wie gar nicht. Beneidenswert. … Ich kann zwar einen „Entzug“ von solchen Sachen machen und verliere nach einer zähen Weile auch den Appetit auf Süßigkeiten & Co., nur bin ich schnell wieder „angefixt“.

Von meinen Eltern habe ich dann neben den Resten vom Mittagessen noch etwas (nicht fettreduzierten) Käse und Salami, Wraps, etwas Skyr, Gelee, ein paar kleine Schokohohlfiguren etc. mitgenommen.

Infolgedessen habe ich heute Abend wieder zurück in meinen eigenen vier Wänden an sich kalorientechnisch zu viel gegessen, aber in einem Rahmen, den ich ausnahmsweise ok finde, sprich ich habe mich danach nicht erbrochen.

Das ist auch besser so. Abgesehen von den gesundheitlichen Nachteilen dadurch und meinen gerade frisch beim Zahnarzt gereinigten Zähnen, versaut das Erbrechen als Möglichkeit auch jeden Rest an Disziplin beim Essen und bei der Bewegung und verhindert auch dadurch eine sinnvolle Abnahme.

Eine Abnahme, die auch zu mehr Gesundheit führen würde, wenn sie auf Sport und besserer Ernährung basieren würde, als darauf, ernährungsphysiologischen Schrott zu essen, den man hinterher wieder erbricht. Zumal gerade der Zucker etc. teilweise ja gleichwohl aufgenommen wird. Außerdem mag ich es nicht, an sich gesunde und eher gewichtsfreundliche Lebensmittel/Mahlzeiten zwangsläufig mitzuerbrechen, wie das heutige Mittagessen, den Kuchen ausgenommen, hätte ich mich jetzt heute Abend übergeben.

Am Samstag besuchen mich meine Eltern mittags. Wir werden wahrscheinlich an der hiesigen Pommesbude einkehren. Abends sind meine Eltern ihrerseits eingeladen und ich selbst könnte an sich zur nachträglichen Weihnachtsfeier vom Kampfsport gehen. Allerdings habe ich keinen Bock auf die Feier (auch nicht auf das Training an sich derzeit, bin da irgendwie blockiert – das dürfte sich aber wieder legen).

Ich werde auch nicht zu der Weihnachtsfeier gehen, aber ich will das nicht als Grund nutzen a la „Super, freie Bahn.“, um den Nachmittag nach dem Besuch meiner Eltern doch zu kotzen. (Lohnt sich ja dann mit der Pommesbude vorher … und ich könnte noch entsprechend einkaufen gehen.)

Wenn ich lange genug nicht mehr erbreche, verschwindet dieses aufploppende innere Gedankenfenster a la :“Ist ja egal, ich kann es ja wieder auskotzen.“, zum Glück wieder. Es ist einfach eine Frage der Konditionierung. Die geht auch in die positive Richtung z.B. in punkto regelmäßig Sport machen, zeitig ins Bett gehen, sich meistens gesund ernähren.

Ich traue mir nur nicht so ganz bzgl. Samstag; ich argwöhne eben dass ich es mir dann spontan doch anders überlege (wie in der Vergangenheit). Es ist einfach eine hohe Versuchung, es gleich miteinzuplanen („nur ein letztes Mal noch.“).

Andererseits weiß ich nur allzu gut, dass der subjektive Gewinn gering und sehr flüchtig ist. Es mag sich komisch anhören für Außenstehende: Mir macht das Essen & Erbrechen (auch jetzt) insgesamt weit überwiegend keinen Spaß mehr. Das war auch der Grund vor über 5/6 Jahren, damit aufzuhören, nachdem ich es noch vereinzelt wiederholt hatte.
Ich habe auch den Verdacht, dass mich das Selbstdestruktive daran am meisten gereizt hat die meiste Zeit; nicht nur der Aspekt mit dem „Essen, was man möchte, ohne zuzunehmen“ oder „Von anderen aufgedrängtes Essen wieder loswerden“.

Am besten plane ich für Samstagnachmittag irgendwas anderes, so dass ich zu verplant bin für dieses destruktive persönliche Hobby.

Am besten nutze ich Samstag das Tageslicht, um erst Laufen zu gehen und danach sollte ich mich mal eh dringend bei meinen Kumpels melden; und ich wollte auch noch die 8. Staffel von Game Of Thrones zu Ende sehen, obwohl ich es unendlich doof finde, dass die Drachen alle wegsterben.

Ferner könnte ich außerdem entweder alleine oder mit besagten Kumpel(s) zocken – evtl. ja auch mit meinem Bruder, aber das ist heikel und für mich schnell seelisch stressig aufgrund seiner Art. Das sollte ich besser lassen. Er hat vorhin eh wieder angerufen, was ich glücklicherweise gar nicht mitbekommen hatte, weil mein Handy auf lautlos war. Zurückrufen werde ich eher nicht, auch wenn er in mir immer noch mit sowas ein schlechtes Gewissen auslöst – aber ich weiß nur zu gut, wie das endet, wenn ich zurückrufe => er wird mich nach Vorwürfen, dass er mich nie(!) erreichen könnte und ich nie(!) zurückrufen würde (obwohl ich gerade zurückrufe) mit ewig langen Monologen über sein Leben und seine Bedürfnisse aggressiv zutexten und früher oder später anschreien, weil ich nicht wie gewünscht funktioniere im Telefonat (=zuhöre und ihm das spiegel, was er hören möchte).

Oder er ist vergleichsweise gut drauf und textet mich ohne Anschreien zu + möchte mit mir Zocken oder am nächsten Tag „weitertelefonieren“ und wird ungehalten, wenn ich nicht begeistert zusage.

Nee, das gebe ich mir nicht (mehr). … Ich zocke entweder alleine oder allenfalls mit T.. Falls der überhaupt Zeit hat. Leider habe ich Idiot mir nirgends notiert, wann er im Frühling Geburtstag hat, obwohl ich auf mehreren seiner Geburtstagsfeiern war und mit ihm seit über 10 Jahren eng befreundet bin. .. Verdammt, irgendwo muss ich noch die Einladungen haben. Ich weiß selbst nicht, warum ich sowas aufhebe, aber jetzt ist es praktisch. Hoffentlich hat er sein Geburtsdatum reingeschrieben … .

Ansonsten sollte ich auch noch Aufräumen – ich muss unbedingt mein Regal anders sortieren und alten Krempel entsorgen (auch noch aus den Umzugskisten, die seit fast einem Jahr im Keller stehen, weil ich mich mit meinen Uni- & Referendariatsunterlagen nicht beschäftigen mag, weil mich das immer direkt in jene Zeit zurückkatapultiert und das möchte ich nicht. Andererseits will ich die meisten Sachen entsorgen – bis auf ein paar Lehrbücher, Mitschriften/Unterlagen und die drei so oft händisch aktuell gehaltenen Gesetzestexte, die ich nicht wegwerfen will. Ich bin da sentimental, selbst wenn ich da ehrlicherweise nie wieder reinschaue und die Sachen für meinen Beruf auch nicht mehr brauche.)

Aufräumen, dabei einen Film oder eine Doku laufen lassen oder Musik hören, finde ich eigentlich total entspannend; mir fehlt nur oft solange der Elan, damit anzufangen, bis sich keine Zeit mehr dafür habe. … Am besten geht das, wenn ich den nächsten Tag frei habe und dann nachts solange rumwerkel, bis ich mit der geänderten Einrichtung und Sortierung in den Schubladen etc. zufrieden bin und gefühlt das (fast) „perfekte“ System für mich gefunden habe für meine Unterlagen etc.. Sortieren macht zufrieden.^^

Ich liebe auch aufgeräumte Wohnungen, in denen nicht so viel herumsteht. … Meine Wohnung sieht gleichwohl oft anders aus. Am Ordnungszustand kann ich erstaunlich gut Rückschlüsse auf mein inneres Befinden ziehen: Sehr unaufgeräumt ist schlecht, und sehr ordentlich ist meist überkompensatorisch nach einer längeren antriebslosen Phase, in der viel liegengeblieben ist.

Arztbesuche

Heute hatte ich mir frei genommen, um Mittwochsabends zu meinen Eltern rüberzufahren und dort meinem Hausarzt und meiner Zahnärztin einen Besuch abzustatten.

Beim Hausarzt stand zwar nur Blutabnehmen zur Kontrolle der Schilddrüsenwerte an, aber Blutabnahmen werden nie meine Lieblingsuntersuchung werden. Zahnarztbesuche finde ich dagegen immer sehr entspannt, egal ob es um die Entfernung der Weisheitszähne ging oder um die jährliche Routinekontrolle.

Sämtliche Vampire Blutabnehmer loben zu Beginn meine „wunderbaren Venen“. Ok, Dank Sport, Muskeln und kaum Körperfett sind meine Venen in der Armbeuge gut zu sehen und bieten wohl gute „Stechbedingungen“.

Das war es aber auch schon an günstigen Ausgangsvoraussetzungen bei mir. Ansonsten habe ich mit dem Thema Blutabnehmen eine „lebhafte“ Vergangenheit, wenngleich Blutabnehmen bei mir technisch an sich gut funktioniert und ich auch alles brav mitmache.

In der Vergangenheit hatte ich oft mal mehr, mal weniger starke Kreislaufprobleme, wenn mir im Sitzen Blut abgenommen wurde. Da die ersten Blutabnahmen damals mit ca. 17 erfolgten, als ich stark untergewichtig, mangelernährt und anorektisch war, hatte ich die Probleme erst darauf zurückgeführt, musste aber später feststellen, dass mein vegetatives Nervensystem einfach überempfindlich reagiert.

Warum mir das Blut damals idR ausgerechnet im Sitzen abgenommen worden war, weiß ich nicht. Es war dort bei fast allen Patienten wohl einfach so üblich.
Aus jener Zeit kann ich von interessanten Erlebnissen berichten, wie den Tag, als die sehr gut stechende Praxismitarbeiterin sowohl links, als auch rechts mehrfach stechen musste und offenbar auch traf – nur es kam kein Blut.

Irgendwann nach erneuten Versuchen kam dann doch noch etwas Lebenssaft. Nur floss das Ganze sehr langsam und es fühlte sich regelrecht zäh und merkwürdig an im Arm. Das Gefühl war ehrlich gesagt auf schwer zu beschriebende Weise eklig und am liebsten hätte ich die Nadel aus dem Arm gerissen. Zum Glück ließ mich die Dame eine Weile alleine während sich das Blut durch den Schlauch wand.

Außer mir war niemand im Raum, was auch besser war. Ich weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe, den sich von den Rändern her ausbreitenden schwarzen Schleier vor meinen Augen zu stoppen, mich von den schwankenden Fliesenfugen nicht irritieren zu lassen und nicht vom Stuhl zu kippen.

Damals wollte ich auf keinen Fall Aufsehen erregen und mir höchstwahrscheinlich vorhalten lassen müssen, dass die Kreislaufschwäche ja hausgemacht sei und ein Zeichen, dass ich mehr essen, mehr trinken und zunehmen müsse. So war ich heilfroh, dass niemand etwas mitbekommen hatte.

Für andere bemerkbare Kreislaufschwächen hatte ich trotz allen Raubbaus am Körper nie in der gesamten Zeit. Mein Geist und Körper waren damals irgendwie deutlich zäher, obwohl gesundheitlich objektiv betrachtet deutlich kränker.

Als ich Jahre später regelmäßig mit mehreren Monaten Abstand zur Blutabnahme musste, fing es an, dass ich beim Blutabnehmen im Sitzen entweder gegen Ende der Blutabnahme oder direkt danach, wenn man nur noch das Pflaster auf die Einstichstelle drücken soll, deutliche Kreislaufprobleme entwickelte.

Mir wurde zunächst innerlich plötzlich total heiß und dann übel. Außerdem wurde mir kurz mal mehr, mal weniger schwarz vor Augen und der Körper irgendwie „schlaffer“, ohne dass ich jedoch umgekippt wäre. Die Hände blieben kalt und wurden etwas bläulicher, als ohnehin; vor allem an dem Arm, an dem das Blut abgenommen worden ist. Der ganze Spuk war (bis auf die blauen Hände) binnen Sekunden auch wieder vorbei und ich wieder ganz normal fit. Am einfachsten war es, wenn es niemandem auffiel und ich noch kurz etwas sitzen bleiben konnte, z. B., weil die Praxismitarbeiterin eh noch etwas anderes erledigen musste. Das waren die unproblematischsten Blutabnahmen im Sitzen.

Äußerlich betrachtet bin ich während dieser kurzen Kreislaufeinbrüche wohl auch etwas blasser geworden. Da ich aber immer sehr blass bin, fiel das zum Glück nur (mit Heute) zweimal auch dem Praxispersonal auf.

Beim ersten Mal wurde ich mit den Worten: „Legen Sie sich erst einmal hier hin“ zur Liege geführt, wobei mir dann wirklich kurz durch das abrupte Aufstehenmüssen komplett schwarz vor Augen wurde, so dass ich vorübergehend blind zur Liege mitging, mich dort brav hinlegte und binnen weniger Sekunden wieder munter war. Allerdings bestand die Mitarbeiterin darauf, dass ich noch länger liegen sollte und ich wurde bis zum Verlassen der Praxis skeptisch beäugt, obwohl es mir wirklich wieder ganz normal ging, mit stabilem Kreislauf.

Mir war das alles sehr unangenehm, da ich absolut nicht gerne mit Beschwerden im Mittelpunkt stehe. Zumal es mir nicht gelang, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass ich nur ganz kurz diesen „Kreislaufeinbruch“ habe und das Körpersystem danach binnen Sekunden wieder hochfährt, wie beim PC, und dann alles wieder stabil läuft.

Ich verstehe ja, dass die Leute sich schon aus Haftungsgründen um sowas kümmern und niemand Bock hat, einen kollabierten Patienten vom Boden aufzusammeln oder gar Sturzverletzungen verarzten zu müssen. Aber mich hat das wiederum sehr gestresst, psychisch, weil ich es einfach hasse, wenn sich Leute allzu sehr um mich sorgen. Noch dazu, wenn ich nichts ernsthaftes habe.

Nach meinem einen unfreiwilligen Auftritt war ich beim nächsten Mal Blutabnehmen daher umso motivierter, mir bloß nichts von meinem „Makel“ anmerken zu lassen.
Das gelang mir auch, weil ich direkt nach dem Blutabnehmen geradezu fluchtartig die Praxis verließ, bevor noch jemand etwas hätte merken und mich wieder dabehalten wollen. Draußen außer Sichtweite musste ich mich dann erst einmal kurz auf einen Stein setzen. Dann ging es auch wieder. Wie immer.

Später bin ich nach ersten Hemmungen dazu übergegangen, mir das Blut im Liegen abnehmen zu lassen. Am Anfang habe ich mich erst ziemlich doof und losermäßig gefühlt, weil ich irgendwie immer der einzige Patient war, der liegen wollte beim Blutabnehmen, obwohl ich jeweils rein von den (mutmaßlichen) Befunden her noch der gesündeste und altersmäßig der jüngste Patient von allen Anwesenden im Abnahmeraum war.

Es kam noch lange jedes Mal die irritierte Frage: „Sie können sich doch auch hier auf den Stuhl setzen … – oder müssen Sie liegen?“, wenn ich die Liege ansteuerte.

Mich stürzte das regelmäßig in kurze Grübeleien, ob ich die Definition von „muss liegen“ erfüllte oder nicht. Die Abnahme war ja auch im Sitzen möglich, nur eben subjektiv unangenehm(er), als im Liegen. Also musste ich strenggenommen nicht liegen – aber so haarspalterisch konnte die Frage sicher nicht gemeint sein (oder etwa doch?)?! => Regelmäßige Antwort meinerseits, weil ich nicht lügen und einfach die Frage bejahen wollte: „Äh ich muss eigentlich nicht liegen, aber mir wäre das lieber … „.

Man fühlt sich natürlich gleich viel besser, wenn selbst die ältere, multi-morbide Dame mit katastrophalen Venen stoisch ohne Kreislaufprobleme die diversen Stechversuche im Sitzen erträgt während mein Körper da schon bei einem perfekten Stich rumzickt.

Im Liegen gestaltete sich das Blutabnehmen dagegen absolut reibungslos. Ich musste nur damit leben, dass man aus Sicht des Personals als „Risikokandidat“ fürs Umkippen gilt, wenn man selbst schon auf das Liegen besteht. Immerhin wurde ich nicht ernsthaft aufgehalten, wenn ich zügig direkt nach der Abnahme aufspringen und gehen wollte – die Mitarbeiterin ließ sich nur – gaaanz zufällig – ein bisschen mehr Zeit, um das Pflaster zu holen während ich liegenbleiben sollte, was ich ignorierte und mich zumindest auf die Liege setzte. Man wurde ein bisschen wie ein rohes Ei behandelt, weshalb ich mich anfangs immer doppelt doof fühlte. Aber damit konnte ich nach einer Weile relativ gut leben.

Ich weiß nicht warum, heute morgen bin ich nicht zur Liege gegangen, sondern dachte, dass es doch auch im Sitzen klappen müsste.

Ein Fehler! Klassischer Fall von selbst schuld.
(Ich könnte es natürlich darauf schieben, dass ich zweimal gestochen werden musste und zum ersten Mal eine andere Vene an dem Arm genommen worden ist, aber ich glaub nicht, dass das der Hauptauslöser für mein vegetatives Nervensystem gewesen ist.)

Wie soll ich sagen … mir wurde innerlich schrecklich heiß, mir wurde übel und mir brach sogar ausnahmsweise sichtbar der Schweiß am ganzen Körper aus. Es fiel mir zunehmend aufgrund der abnehmenden Muskelspannung etwas schwer, das Pflaster auf die Einstichstelle zu drücken. Der Schweiß verriet mich leider.

Mein Zustand fiel prompt auf, obwohl ich vergeblich um Contenance bemüht war, und so landete ich auf der Liege.
Ca. 10 Sekunden Liegen, einmal schnell das Gesicht trockentupfen und alles war wieder gut, für mich (bis auf die angeschwitzte Kleidung – die war unangenehm und später auf dem Parkplatz war mir deshalb arschkalt).

Es wurde noch der Blutdruck gemessen: 105:70 – ich hätte mit weniger gerechnet. Ok, als die Messung war, lag ich ja bereits ca. eine Minute oder länger und mir ging es bereits wieder gut. Evtl. kam daher der relativ hohe bzw. normale Wert.

Den freundlich aufgedrängten Traubenzucker habe ich natürlich trotzdem genommen, um die Mitarbeiter zu beruhigen. Nur das Glas Wasser hätte ich beim besten Willen nicht runterbekommen und konnte ich ebenso freundlich meinerseits wieder loswerden.

Alles in allem habe ich auch Glück gehabt: Wenige Sekunden vorher wäre ich in den zweifelhaften Genuß der leibhaftigen ärztlichen Sorge meines Hausarztes gekommen. Gottseidank war er just am Abnahmeraum vorbei, als mein vegetatives Nervensystem es für eine gute Idee hielt, das System doch einfach mal abrupt neu zu starten. Auf einen Tropf oder ein Arztgespräch wäre ich echt nicht scharf gewesen.

Es reichte, dass ich den freundlichen Spott meiner Eltern für den Rest des Tages ertragen musste. Nächstes Mal nehme ich wieder gleich die Loser-Liege.^^

(Ich könnte auch noch von „Schwester Rabiata“ erzählen, die bei mir als Kind das erste Mal Blut abgenommen hat. Das würde aber selbst mir hier zu ausufernd.^^)

Erfreulich war der Zahnarzttermin 2h später: Die Ärztin hat die abgesplitterte Ecke quasi ersetzt und der Schneidezahn sieht wieder tadellos aus. Außerdem finde ich die professionelle Zahnreinigung immer sehr angenehm, vor allem das sehr saubere und glatte Gefühl an den Zähnen danach.

Ein guter Tag

Der heutige Tag war sehr gut. Und das lag nicht daran, dass das Wochenende vorher so tiefpunktmäßig gewesen ist.

Dabei fing der Tag bescheiden an, als mir auf dem Weg zur Arbeit mein Frühstücksbrötchen im Hals steckengeblieben ist.

Das kommt davon, wenn man das Wochenende mit Übergeben verbracht hat und es anstelle der üblichen Früchteriegel morgens mit (getoasteten) Toastbrötchen versucht, um nicht wenige Stunden später während eines wichtigen Geschäftstermins mit laut knurrendem Magen dazusitzen.
(An sich habe ich morgens nie Hunger, aber auf der Arbeit kann ich erst um ca. ein Uhr etwas essen; je nachdem, verschiebt sich die Mittagspause an manchen Tagen auch ausnahmsweise bei Außer-Haus-Terminen. Deshalb esse ich mechanisch idR auf dem Arbeitsweg ein bisschen was.)

Natürlich hatte ich auch zum ersten Mal vergessen, mir etwas zu trinken einzupacken, sodass die Sache mit dem Brötchen sehr ungünstig war. Da ich aber als Kind mal tatsächlich fast in einem Restaurant beim Essen erstickt wäre, mir das länger nachhing und ich auch mal beim Übergeben früher zwei problematische Situationen in die Richtung hatte, habe ich gelernt, dabei ruhig zu bleiben. Panik führt dabei erst recht zu (auch ernsthaften) Problemen.
Sehr hilfreich war auch, dass ich mich infolge meiner damaligen Sorge vorm Ersticken intensiv mit dem Aufbau der Speiseröhre etc. beschäftigt und den Bericht eines Gerichtsmediziners über Erstickungsfälle beim Essen gelesen habe. Wissen finde ich generell sehr hilfreich gegen Ängste.
Von daher wusste ich, dass es an sich harmlos war heute Morgen, da ich noch Luft bekam. Speichel ließ sich allerdings nicht mehr runterschlucken. … Na ja, irgendwie bin ich ruhig geblieben, die Arbeit angefangen und nach einer Weile hatte meine Speiseröhre die Sache dann in den Griff bekommen.

Der Geschäftstermin verlief erfreulich kurzweilig und unkompliziert; die „Kunden“ waren sehr zufrieden und kostentechnisch hat sich die Sache auch für uns gelohnt.

Auch mit der restlichen Arbeit bin ich gut vorangekommen; die spontan dazugekommenen Sachen sind auch erledigt. Chefs und Kollegen waren auch gut drauf (wie meistens) und ein paar Socializing-Punkte konnte ich auch machen.
Zum Glück geht es bei uns sehr beruflich orientiert und mit einer guten Mischung aus persönlich-direkt, familiär und wertschätzend, aber gleichzeitig ausreichend distanziert zu. Ich hätte mir nie träumen lassen, überhaupt so eine Arbeitsstelle zu finden und gleich mit dem ersten Arbeitgeber so viel (unverschämtes) Glück zu haben. Obwohl ich kaum Bewerbungen geschrieben habe. Es passte dann beidseitig einfach im Vorstellungsgespräch und mein Misstrauen, dass ich mich besser nicht zu früh freuen sollte, hat sich absolut nicht bestätigt. Mit dem Umzug und der Wohnung hatte ich auch viel Glück und konnte mir auch endlich einen Kleiderschrank mit Schiebetüren etc. leisten, den ich immer schon toll fand. Dazu eine Wohnung mit eigener Küche, eigenem Schlafzimmer; ein Badezimmer mit Fenster, ganze vier Kochplatten und sogar einen Backofen und ein eigenes, neues und günstig erstandenes Sofa, auf dem ich ohne angezogene Beine liegen kann … . Meine Eltern, ein Bekannter und sogar einmal mein Bruder haben mich bei dem Umzug, den notwendigen Möbelkäufen und der Renovierung der neuen Wohnung sehr unterstützt.

Irgendwie habe ich immer mehr Glück, als Verstand im Leben; mir ist das ein bisschen peinlich bzw. habe ich deshalb tief im Inneren ein chronisch schlechtes Gewissen => ich fühle mich so undankbar, dass ich trotz allem nicht uneingeschränkt lebensbejahend und konstruktiv eingestellt bin; stattdessen bin ich seit ich mich erinnern kann in der Hinsicht schon als Kind ambivalent eingestellt gewesen. Mich hat es bereits als Kind belastet zu wissen, dass nichts für die Ewigkeit ist; wir alle sterben werden ohne dass etwas bleibt etc.. Derjenige existiert dann einfach nicht mehr.
Wäre ich als Kind nicht so ungläubig gewesen, sondern wäre von einem Leben nach dem Tod ausgegangen, hätte ich mich aus Neugier möglicherweise doch getraut, im Selbstexperiment zu erforschen, wie das mit dem Sterben ist. Da ich aber auch mit ca. 5 Jahren trotz Taufe und obligatorischen außerfamiliären Kontakten mit dem christlichen Glauben schon fest überzeugt war, dass es keinen Himmel, keinen Gott etc. gibt, der Großvater schlicht in der Erde zersetzt wurde anstatt „im Himmel“ zu sein, war mir klar, dass der Tod final und unumkehrbar ist. Das hatte mich abgehalten.
Andererseits interessiert mich neben der Sache mit dem Sterben immer noch, was „Die Welt im Inneren zusammenhält; so eine Art Musterauflösung zur Existenz, mit der sich alle Fragen klären. Illusorisch, ich weiß.

Wie auch immer:
Wie täglich auf der Arbeit ging der Tag wie im Flug rum und es war dann auch schnell schon wieder nach 18 Uhr. Zum Abendessen gab es gebratenes Hähnchenfilet mit diesen kleinen grünen Paprika, Brokkoli, Kartoffeln und einer Art Steaksauce von MadeForMeat (sehr lecker zu Fleisch! Ich mag aber auch die „billig“ Steaksaucen anderer Hersteller sehr; dass mit der Sauce war ein kleiner persönlicher Luxus.) Die Reste werden morgen mein Mittagessen sein; mal etwas anderes, als belegte Brötchen oder Quark-/Joghurtvariationen mit Obst.

Telefonat mit meinen Eltern war auch nett. Ein bisschen unnötig war, dass ich zum Nachtisch zu viel Süßigkeiten gegessen habe. Und zum Sport bin ich auch nicht gekommen (Wahnsinn, wie schnell die Zeit auch nach der Arbeit vergeht.) Aber ist auch nicht tragisch.
Ich möchte das mittelfristig ändern und gesündere Gewohnheiten aufbauen, auch als körperlichen Ausgleich zur Arbeit, aber im Moment schaffe ich da keine großen Umstellungen neben der Arbeit. (Im Sommer ist es auch besser, aber bis dahin wird es hoffentlich nicht dauern – zutrauen würde ich es mir aber, so phlegmatisch, wie ich privat drauf bin.)

Absolut antriebslos

Am liebsten würde ich einfach liegenbleiben. Ich habe nicht einmal genügend Antrieb für die einfachsten Tätigkeiten.

Dazu kommt das komische diffuse Müdigkeitsgefühl trotz genügend Schlaf, die Wassereinlagerungen u. a. in Gesicht und Beinen sowie das ständige Kältegefühl von innen, obwohl es hier warm ist.

Ich fühle mich nicht gut, mein Körper ist mir derzeit fremd und ich bin so indifferent allem gegenüber, aber irgendwie muss ich aufstehen und wenigstens ein bisschen was machen. Das wäre vernünftig, ich weiß nur nicht wie … .

Ein vollwertiger Hai

Jeder fängt beruflich und im Leben mal klein an – im Moment bin ich mehr so der Katzenhai, der von einer Gruppe Tigerhaie unter die Fittiche genommen worden ist und von denen das Jagen im flacheren Gewässer und zunehmend auch auf hoher See lernt, wo sich größere Beute machen lässt.
(Es sind keine Katzenhaie und sie könnten mich mit einem Biss töten, weshalb ich am Anfang ziemlich nervös war und Angst hatte, dass ich sie enttäuschen könnte, weil ich nur ein Katzenhai bin; aus Sicht eines Tigerhais also bestimmt kein richtiger Hai, so meine Urangst.)

Aber ich wurde von ihnen zu meiner Überraschung durchweg gut behandelt sowie gefordert und gefördert. Dient natürlich auch dem Wohl des Rudels; Tigerhaie sind eben immer ein Stück weit Raubtier; aber ich habe inzwischen gelernt, dass sie es ernst und aufrichtig meinen und dass ich vollwertig mit zum Hai-Rudel gehöre. Auch als Katzenhai!^^

Im Rahmen der Ausbildung wurden mir von den Tigerhaien ein paar kleinere Jagdreviere zur Betreuung der dortigen Fische und zum Beutemachen überlassen. Am Anfang sah es in meinen Revieren noch etwas mau aus, aber inzwischen wachsen und gedeihen diese Stellen; ich fühle mich der Hege und Pflege dort viel mehr gewachsen.

Selbst die anderen Fische dort akzeptieren mich als vollwertigen Hai, manche mögen sogar meine Art (die sich ein wenig vom Stil der Tigerhaie unterscheidet – schon weil ich nicht so viel Kampfgewicht in den Ring werfen kann, wie die deutlich größeren und äh etwas bulligeren Tigerhaie).

Am Anfang haben die Tigerhaie ähnlich wie die Hütehunde bei „Ein Schweinchen namens Babe“ fassungslos mit dem Kopf geschüttelt, wenn sie mich auf der Jagd erlebt haben und sich gefragt, was das jetzt werden soll, wenn ich mit einer gewissen Beißhemmung zu Gange war und die Beutetiere eher freundlich besoffen gequatscht habe, anstatt sie unerschrocken nach Tigerhai-Manier zu erlegen; ab und zu sind mir die Fische auch über geworden, es waren einfach zu viele, so dass ich immer wieder zwischendurch das Gefühl hatte, kein Land mehr zu sehen.

Inzwischen hat sich das alles gut entwickelt – auch wenn die Ausbildung und Weiterentwicklung längst nicht abgeschlossen ist. Aus den Jagdrevieren kommt positives Feedback über mein Tun, was die Tigerhaie erfreut und mich primär erleichtert (ok, und ein bisschen selbst freut); ich mache auch mehr Beute und die Tigerhaie bescheinigen mir viel Potential als Hai.
Ha, und dass von Tigerhaien, obwohl ich nur ein Katzenhai bin. Aber ich glaube, mir sind schon kleine Tigerstreifen gewachsen^^.

Tja, jetzt müsste der Katzenhai nur seine innere Selbstdestruktivität in den Griff bekommen. Damit lief es diese Woche überhaupt nicht gut.

Vorsicht, Glatteis!

Noch was anderes:
Ein guter Kumpel von mir möchte gerne mit mir gemeinsam ein paar Tage zu Zweit Skiurlaub machen. … So sehr ich ihn (und Skifahren) mag und z.B. eine Übernachtung ok finde, so sehr ist mir ein derartig langes Zusammensein mit Freunden zuwider. … Ich muss ihm also jetzt verklickern, dass es damit nichts wird. Möglichst ohne meine Abneigung allzu sehr deutlich zu machen, weil ich ihn an sich ja schätze und mag, aber seinen Nähewunsch nicht.

Das liegt auch daran, dass ich es für eine schlechte Ausgangslage für eine Freundschaft halte, wenn einer mal mehr wollte. Letzteres ist bei ihm der Fall.
Andererseits weiß er, dass das Höchstmaß meiner Gefühle für Mitmenschen freundschaftlicher Art ist und es keine Partnerschaft mit mir geben wird. Das hat er soweit auch akzeptiert und sein Verhalten ist hierzu soweit auch kongruent (da gab es schon ganz andere, die aber keine guten Freunde waren).
Andererseits ist er der einzige meiner Kumpel, der eben auch ein sexuelles Interesse an mir hat. Irgendwie hatte er mich nach diversen völlig „unsexuell getönten“ Treffen, auch mit Übernachtung, einmal völlig überraschend damit überrumpelt, als ich mich gerade angefangen hatte, sicher zu fühlen, dass er ebenso nur freundschaftliches Interesse am Kontakt hätte und es daher keinen Konflikt geben würde. Schlecht war auch, dass ich just in dem Moment extrem übermüdet und auch gleichgültig war; zu gleichgültig, um an der Stelle eine Grenze zu setzen. Ich hätte auch nicht komplett widerspruchsfrei hinter so einer Grenzziehung gestanden in dem Moment, weil irgendwie auch meine Neugier geweckt war, wie das weitergehen sollte. Das war im Jahr 2018. Kurz gesagt hatten wir danach irgendwann nach dem Sommer 2019 erneut Sex. Das ist soweit ok. Auf eine Wiederholung habe ich aber keine rechte Lust; es wäre aber auch kein Drama, das weiter mitzuamchen noch ein oder zweimal etc. und das Verstellen geht mir leicht von der Hand dabei.

Meine Asexualität möchte ich ihm gegenüber nicht thematisieren, auch wenn er da wohl aufgeschlossen wäre. Ich muss mir nur etwas überlegen, da ich den Sex ein Stück weit lästig finde, während er denkt, ich hätte auch daran Interesse. Einmal oder zweimal ist ja ok, aber ich habe keinen Bock, dazu nun fortan bei jedem Treffen die nächsten Jahre „verpflichtet“ zu sein bzw. dass seinerseits nun eine Erwartungshaltung dahingehend befördert wurde. Es wäre besser gewesen, besser gleich 2018 eine Grenze zu ziehen. Jetzt habe ich ein bisschen „Argumentationsschwierigkeiten“ und dooferweise findet er unseren Sex auch noch gut. So ein Mist!

Dass einzig Gute ist, dass ich irgendwann genervt genug bin in zwischenmenschlichen Kontakten, um Grenzen zu ziehen, hinter denen ich dann auch stehe(n kann). … Wenn das so weitergeht, wird das auch bei dieser Sache eintreten. Also wird sich das früher oder später klären; im Moment sitze ich es eher aus.

Ich habe ganz grundsätzlich lieber kurz viel Nähe und danach bitte wieder die nächsten Monate keinen Kontakt, außer mal ’ne WhatsApp-Nachricht alle paar Wochen (das ist auch noch ok), z.B. dass man sich zu Zweit oder Dritt von nachmittags bis zum nächsten Vormittag trifft und eine nette Zeit miteinander verbringt (Zocken, Quatschen. Serien oder Filme schauen), und danach jeder wieder seines Weges geht für die nächsten Monate. … Mit meinen Kumpels klappt das auch so. Mit vielen Mitmenschen würde das dagegen natürlich nicht funktionieren; die meisten wären damit unzufrieden, gerade wenn man sich sehr gut versteht etc.. Für mich würde aber mehr dauerhafte Nähe ohne Rückzug nicht funktionieren; jedes Mal, wenn ich mich vorübergehend von – eher sehr nähesuchenden – Menschen dazu habe „drängen“ lassen, war ich wie dauerbenebelt.

Es sollte schon jeder nach seinen eigenen Nähe-Distanzbedürfnissen leben. Entweder passt es dann miteinander, oder eben nicht. Dass sich einer oder beide verbiegen, ist nicht sinnvoll. Ich würde auch nicht wollen, dass sich mein Gegenüber da für mich verbiegt, vice versa.

Unter einem gelungenen Urlaub stelle ich mir zudem ein paar freie Tage vor, die ich alleine frei nach Lust und Laune mit Zocken, Lesen oder anderen alleine durchzuführenden Aktivitäten verbringen kann, mit Schlafen und Essen frei nach dem eigenen Körpergefühl und nicht nach der Uhr, Terminen etc.; das Ganze unbehelligt von Mitmenschen.

Vereinte Gegensätze

Die vegane Zucchini-Bulgur-Pfanne (Tiefkühlkost) wurde durch die 300g gebratenes Rinderhackfleisch mit Ketchup gut ergänzt.

Anderes hat sich bei mir nicht so gut zusammengefügt:
Die gesamte Woche habe ich bislang jede Nacht viel zu wenig geschlafen. Andererseits halten die körpereigenen Drogen aka Endorphine und Adrenalin mich tagsüber auf der Arbeit wunderbar wach und aktiv. Nur abends nach der Arbeit kommt die Quittung.

Als ich gestern gegen 18:20 Uhr gerade durch die Tür in den Feierabend schlüpfen wollte, wollte mein einer Chef noch „kurz“ mit mir sprechen. (Der Ausgang liegt an seinem Büro und ich hatte ihm gerade Tschüss gesagt und die Türklinke bereits in der Hand … )

Wie soll ich sagen: Wir haben uns dann noch glatt ca. 40 Minuten bis 19 Uhr wie immer bei derartigen Gesprächen gut unterhalten und dabei alle möglichen anliegenden beruflichen Fragen etc. abgekaspert.

Lustigerweise saß er bereits selbst in seiner Jacke am Arbeitsplatz, bereit zu gehen, als es 18:20 Uhr war. So saß er noch in seiner Jacke da, als wir fertig waren. … Als ich mich um 19 Uhr dann endgültig verabschiedet habe, hat er noch irgendwas weitergearbeitet (wobei ich nicht glaube, dass das noch allzu lange gedauert hat; er wird irgendwann kurz nach mir gegangen sein.) … Er wollte eigentlich 2020 weniger arbeiten. So viel zu seinen guten Vorsätzen.^^ … Irgendwie macht hier jeder Überstunden. Wobei er ja für sich selbst arbeitet, im Gegensatz zu den Angestellten.

Schlecht war nur, dass ich durch das Gespräch zu spät zum Kampfsporttraining gewesen wäre. Das wäre an sich kein echtes Problem für die Leute dort, aber ich mag Zuspätkommen nicht. Gerade oder obwohl ich in meiner Freizeit zu den eher chronisch unpünktlichen Menschen zähle, weil ich aufgrund von Motivationsproblemen und inneren Ambivalenzen gegenüber der jeweiligen Verabredung dazu neige, zu spät aufzubrechen.

Das ist ein Grund, warum ich mich privat ungerne verabrede bzw. das spätestens kurz vor dem Termin immer ein Stück weit bereue. Und das, obwohl es dabei fast nur um Traininstermine beim Kampfssport oder um Verabredungen mit guten Freunden geht. Also an sich Verabredungen, an denen ich ein eigenes Interesse habe. Aber ich habe dann gleichwohl andererseits keinen Bock auf die Verabredung und „Kontakt mit Mitmenschen“.

Wie hoch mein Widerwillen ist, hängt auch sehr von meinen Energiereserven ab, die leider regelmäßig schnell erschöpft sind. … Wenn ich erst einmal auf dem Weg zum Termin bin, sind diese Ambivalenzen meistens verschwunden; die Termine gefallen mir dann auch idR gut vor Ort. Aber bis dahin ist es immer ein zäher Kampf mit mir selbst.

Beruflich bin ich dagegen frei von derartigen inneren Konflikten und pünktlich.

Ironischerweise bin ich bei regelmäßigen privaten Terminen wie dem Sporttraining einer der Menschen, die dadurch pünktlich unpünktlich kommen, also bspw. immer ca. 5 Minuten zu spät. Das fällt auch dem jeweiligen Umfeld irgendwann auf <= eigentlich finde ich das (ständige) Zuspätkommen unangenehm und auch „blöd“ von mir, andererseits resigniere ich da auch oft, solange es bei irgendwas um die 5 Minuten Zuspätsein bleibt.

Gerade beim Sporttraining verzögert sich das Training für die Kinder unmittelbar vorher auch oft etwas, so dass ich dann de facto glücklicherweise doch noch gerade so pünktlich zum tatsächlichen Trainingsbeginn bin.

Na ja, gestern wäre ich jedenfalls eher so 15 Minuten zu spät gewesen und hatte auch davon ab keine Lust auf das Training. (Hinterher wird das Training wieder so, wie letzten Freitag. Das brauche ich nicht nochmal und dafür sind mir die kostbaren Abendstunden unter der Woche zu schade.) So bin ich nicht hingegangen.

Da ich recht erledigt war, eigentlich eine absolut sinnvolle Entscheidung, wenn ich den Abend konstruktiv genutzt hätte und mal früh ins Bett gegangen wäre. Aber es gab noch so viel, das mich interessiert hat und ich wurde dann gegen 21 Uhr wieder deutlich wacher, als ich kurz nach Feierabend gewesen war.

Außerdem habe ich mich gestern letztlich erneut seit dem letzten Mal Anfang Januar übergeben. Auslöser war das übliche Muster. Ich halte dieses Verhalten nicht für sinnvoll, aber es tut mir auch nicht Leid. Es ist dann eben so. Es sollte nur nicht wieder zur festen Gewohnheit werden.

Für akut problematisch erachte ich dagegen meinen Tag-Nacht-Rhythmus und den Schlafmangel. Es hat sich so eingeschlichen, dass ich gerade unter der Woche meine Freizeitstunden sehr weit in die Nachtstunden ausdehne. Sicher auch als Ausgleich zum relativ langen und intensiven Arbeitstag.

So sehr ich die Arbeit insgesamt mag und dazu intrinsich motiviert bin, so sehr mag und brauche ich auf der anderen Seite viel „unverplante“ Zeit für mich, in der ich meinen anderen Interessen nachgehen und den Arbeitstag reizmäßig verarbeiten kann. Blöde Introversion.

Jedenfalls hat sich bereits gegen Ende 2019 eine Art Teufelskreislauf eingeschlichen, der folgendermaßen aussieht:

Unter der Woche gehe ich jeden Tag zu spät ins Bett. Bis zum Freitag lässt sich das kompensieren. Den Freitagabend mache ich nach dem Kampfsporttraining bis 4 Uhr morgens oder länger durch, weil ich einfach so wach bin, von der Zeit Montag-Freitag Nachholbedarf habe und ich ja am nächsten Tag nicht zur Arbeit muss.

Zwar nehme ich mir jedes Wochenende neu vor, diesen Freitag mal früh ins Bett zu gehen, aber das klappt nie, weil ich dann Freitagnacht keinerlei Lust dazu habe. Selbst wenn ich sogar recht früh um Mitternacht ins Bett gehe, verschlafe ich jeden Samstag. Ich kann mir Wecker stellen, wie ich will, ich penne über 12 h von Freitag auf Samstag.

Entsprechend stehe ich Samstags nachmittags auf, brauche Stunden, um richtig wach zu werden (wie in besten Unterfunktionszeiten früher; nur da eben täglich) und gehe natürlich von Samstag auf Sonntag ebenfalls erst spätnachts ins Bett.

Dann geht das Spiel mit den Weckern und dem Verschlafen Sonntags weiter, so dass sich mein Tag-Nacht-Rhythmus weiter Richtung „nachtaktiv“ verschiebt.

Ich weiß nicht, ob das nicht auch biologische Mitursachen hat, weil ich seit der Schulzeit in allen Ferien binnen ein, zwei Tagen so einen Tag-Nacht-Rhythmus hatte, der sich immer weiter nach hinten verschoben hat (so dass ich irgendwann sogar wieder in der „Normalzeit“ war vorübergehend. Eben mehr so 26-h-Rhythmus statt 24-h.)

Es kostet mich jeden Tag Disziplin, nicht in so einen Tagesrhythmus abzugleiten.

Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass es in der Nacht von Sonntag auf Montag dann auch nicht viel besser läuft. Außer dass ich da immerhin den echten Vorsatz habe, möglichst vor Mitternacht ins Bett zu gehen. … Letztlich funktioniert das aber mehr schlecht, als recht, und zuletzt gar nicht.

Was unter der Woche funktioniert ist, dass ich durch die Wecker wach werde und es irgendwie Dank fester Routinen schaffe, pünktlich und wach zur Arbeit zu kommen und dort (gut) zu funktionieren.

Sobald Feierabend ist und ich Zuhause bin, fühle ich mich sehr gleichgültig + benommen und stehe ein bisschen neben mir (vielleicht tue ich das schon auf der Arbeit ohne es mitzubekommen, man ist da so dichtgetaktet beschäftigt ?)… Disziplin in meiner Freizeit bzgl. Sport, „Pünktlich-Ins-Bett-Gehen“ und teils auch Essen (nicht zu viel oder zu wenig), funktioniert nicht.

Genaugenommen funktioniere ich mit steigendem Schlafmangel privat gar nicht mehr. Ich habe auch z. B. seit Sonntag hier gewaschene Wäsche auf dem Wäscheständer, die ich einfach nur zusammenfalten und in den Schrank einsortieren müsste. Dauert vielleicht maximal 15 Minuten. => Ich bekomme das nicht hin.

Ich hoffe, dass ich es wenigstens heute vor Mitternacht ins Bett schaffe. Morgen früh habe ich auch noch einen Arzttermin vor der Arbeit. Das wird eh eng.

Erase me

… so lautet der Songtitel der von mir sehr geschätzten Band Diorama. Als ich heute spätnachmittags am See stand und die Szenerie in der Abenddämmerung bewunderte, hätte ich viel dafür gegeben, wie ein Vogel oder stoffloses Wesen über den See davonzufliegen. Einfach alles hinter sich lassen.
Gar nicht mal, weil ich mit meinem Leben unzufrieden wäre; ich stelle mir das einfach wie unendliche Freiheit vor. Immer schon.

Lack & Leder

Etwas, das mir an der Gothic-Szene sehr gut gefällt, ist neben den ungewöhnlichen Frisuren der Kleidungsstil. Ein paar dieser Textilien besitze ich selbst, höre auch die Musik, würde mich aber nicht als „Goth“ o. Ä. bezeichnen.

Mein Favorit ist nicht dieser „Lolita-Look“, den ich nicht so mag, sondern mir gefällt vor allem die Lack- und Lederkleidung sowie dieser etwas militärisch angehauchte Stil. Außerdem gefällt mir noch der „Cyber-Gothic-Look“.

Zugegebenermaßen wüßte ich rein optisch bei vielen Kleidungsstücken aus der Lack- und Lederecke selbst nicht, wo da noch die Grenze zwischen sexuellem Fetisch und (einfach nur) Gothic sein sollte. Mir ist das aber auch egal. Mich erregt diese Kleidung nicht, aber ich finde sie sehr schön anzusehen und zu tragen. Es hat einfach was, auch wenn es imho absolut nicht alltagstauglich ist. Im Alltag sieht solche Kleidung eher schnell lächerlich aus in meinen Augen; sieht eben etwas arg aufmerksamkeitsheischend aus. Sowas mag ich nicht.

Es ist eher was für entsprechende Veranstaltungen und (Fetisch-)Partys, bei denen alle so rumlaufen. Dort wäre Alltagskleidung unpassend.

Ich glaube insofern teile ich bis zu einem gewissen Grad die Faszination der Fetischisten an dieser Art Kleidung und könnte mir auch gut vorstellen, sowas gemeinsam mit dem Gegenüber beim Sex zu tragen. …

Andererseits fände ich es nicht so toll, wenn diese geschätzten Kleidungsstücke mit Körperflüssigkeiten verschmutzt werden. Dafür ist mir Kleidung, die ich mag, zu schade. Herkömmliche Kleidung kann man ja wenigstens noch in die Waschmaschine werfen, aber bei diesen empfindlichen Textilien ist Handwäsche angesagt. Aber gut, das ist nicht der Punkt, an dem es alleine scheitert.

Ein letzter Punkt bleibt, über den ich nicht hinwegkäme: Die fehlende sexuelle Anziehung zu Mitmenschen wird auch nicht dadurch ausreichend kompensiert beim Sex, wenn der andere gefälligere Kleidung trägt. Es sieht dann nur netter aus, aber es bleibt im Kern letztlich langweilig.

Sex ist für mich ehrlich gesagt nur in der Fantasy interessant und reizvoll; in der Realität ist es einfach nur … na ja … sehr schnell langweilig. Da ist jeder Drogentripp und Zocken deutlich interessanter.

(Nein, das bin nicht ich auf dem unteren Foto. … Leider sind die meisten Fotos, die mir gut gefallen, urheberrechtlich geschützt und so musste ich ersatzweise auf diese Bilder ausweichen. … Pinke Haare sind jetzt nicht so mein Fall.^^)

Edit: Hier alte Bilder von mir: